Geschichte Wasser, rot vom Blut

Mörderisch war das Gemetzel von Solferino am 24. Juni 1859. Es wurde zur Geburtsstunde des Roten Kreuzes. Eine Schlachtbeschreibung

Die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859: Franzosen und Italiener rücken gegen die Österreicher vor. Lithographie von R. M. Bryson, nach Carlo Bossoli

Die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859: Franzosen und Italiener rücken gegen die Österreicher vor. Lithographie von R. M. Bryson, nach Carlo Bossoli

Die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859: Franzosen und Italiener rücken gegen die Österreicher vor. Lithographie von R. M. Bryson, nach Carlo Bossoli

Die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859: Franzosen und Italiener rücken gegen die Österreicher vor. Lithographie von R. M. Bryson, nach Carlo Bossoli

Am Abend des 23. Juni 1859 hallt das Getrappel von Pferdehufen über den Platz von Cavriana. Stiefel knallen auf das Pflaster, Säbel klirren, Kommandoschreie erfüllen die Luft. Im Nu verwandelt sich das lombardische Städtchen, 14 Kilometer südlich des Gardasees, in einen Kasernenhof. Die Einwohner stehen unter Schock. Sie haben nicht damit gerechnet, dass österreichische Truppen ausgerechnet hier auftauchen.

Ja, es ist Krieg. Wieder einmal versuchen die Italiener, die verhassten Habsburger loszuwerden, die über den Norden des Landes von Mailand bis Venedig (und in der Toskana) herrschen. Frankreich, Habsburgs alter Widersacher, ist den Italienern zu Hilfe geeilt – am 4. Juni wurden die Österreicher bei Magenta erstmals geschlagen. Sie haben sich hinter den weiter im Osten liegenden Fluss Mincio nicht fern von Verona zurückgezogen. Dort könnten sie abwarten, den Feind erwarten; der Mincio und die österreichischen Festungen Venetiens bieten guten Schutz.

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Stattdessen reitet Franz Joseph I., der Kaiser Österreichs, jetzt in Cavriana ein, in prächtiger Uniform, gefolgt von seinem Generalstab, von Offizieren und Ordonanzen. Er ist 29 Jahre jung, bleich im Gesicht, mit schmalem Oberlippenbart, die Wangen ein wenig rosig. Auf zeitgenössischen Darstellungen wirkt er mädchenhaft. Warum bloß hat er entschieden, mit seiner Armee über den Mincio zu setzen und dem Feind entgegenzumarschieren? Die Kundschafter berichten, dass die Franzosen seit ihrem Sieg bei Magenta sehr langsam und lustlos vorrücken. Ihr Schwung scheint zu erlahmen.

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In der Tat lässt sich der französische Kaiser Napoleon III. beim weiteren Vormarsch sehr viel Zeit. Die Begeisterung, die in Frankreich zu Beginn des Krieges geherrscht hat, ist verflogen. In Paris fragt man sich, welche Ziele Napoleon in Italien verfolgt. Lohnt es sich? Preußen zieht schon Truppen am Rhein zusammen. Napoleon muss fürchten, dass es ihm den Krieg erklärt, falls er seinen Feldzug gegen Österreich fortsetzt. Ist es diese italienische Sache wert? Hat Magenta dem Kaiser nicht schon genug Glorie gegeben? Die Lombardei ist befreit, Mailand in den Händen der Piemontesen. Das sollte reichen.

Sicher, Viktor Emanuel II., der König von Piemont-Sardinien, drängt Napoleon, sein Versprechen einzulösen und Italien bis zur Adria vom österreichischen Joch zu befreien. Doch wer ist schon dieser König? Ein unbedeutender Mann, von dem es heißt, er sei gar kein echter Savoyer, sondern der Sohn eines Metzgers, den Savoyern gewissermaßen wie ein Kuckuckskind untergeschoben. Frankreich soll einen Krieg mit Preußen riskieren wegen dieses Verbündeten? Napoleon zaudert aus gutem Grund.

Franz Joseph hätte also bloß hinter dem Mincio zu warten brauchen, bis der Willen dieses ohnehin etwas zweifelhaft motivierten Gegners vollständig erlahmt wäre. Doch der Habsburger neigt dazu, komplexe außenpolitische Probleme auf eine Frage der Ehre zu reduzieren. In einem Duell wartet man nicht hinter einer Balustrade, bis der Gegner seine Kugel verschossen hat. Man stellt sich dem Feind.

Zudem sieht er das Recht auf seiner Seite. Seit den Tagen Karls V. gehören Teile der Lombardei, seit dem 18. Jahrhundert die Toskana den Habsburgern, seit dem Wiener Kongress 1815 auch Venetien. Doch wen kümmert das noch? Der Nationalismus ist die alles umstürzende Kraft. Das Haus Piemont-Sardinien hat sich an die Spitze der italienischen Freiheitsbestrebungen gesetzt. Camillo Cavour, Premierminister in Turin, nutzt die Gunst der Stunde. Zuerst schickt er 1855 ein piemontesisches Heer gegen den Zaren in den Krimkrieg, um die italienische Sache zu internationalisieren, dann gewinnt er Napoleon III. für sich, und schließlich provoziert er die Österreicher so lange, bis diese in die Falle tappen und Piemont den Krieg erklären.

Franz Joseph ist nach Italien gekommen, um sein Recht zu verteidigen, Cavour aber hat die Zeit auf seiner Seite. In seinem 1932 erschienenen Roman Radetzkymarsch, der mit den Ereignissen des Jahres 1859 beginnt, lässt Joseph Roth den skeptischen Grafen Chojnicki über das Schicksal der Habsburger Vielvölkermonarchie meditieren: »Sie zerfällt bei lebendigem Leibe. Sie zerfällt, sie ist schon zerfallen! […] Die Zeit will uns nicht mehr! Diese Zeit will sich selbständige Nationalstaaten schaffen!«

Franz Joseph freilich kennt solch düstere Gedanken nicht. Besorgt, aber doch voller Zuversicht quartiert er sich in der Villa Mirra ein, ohne Zweifel das schönste und herrschaftlichste Gebäude Cavrianas. Bevor er sich hier zur Ruhe legt, berät er sich noch mit seinen Offizieren, und er schreibt vermutlich einen Brief an seine Frau, Kaiserin Elisabeth. Er liebt und braucht sie. Die Niederlage bei Magenta hat in Wien große Unruhe ausgelöst. Franz Joseph ermuntert seine Sisi, ihren Beitrag zur Beruhigung des Volkes zu leisten: »Ich bitte Dich, um der Liebe willen, die Du mir geweiht hast, nehme Dich zusammen, zeige Dich manchmal in der Stadt, besuche Anstalten. Du weißt gar nicht, wie Du mir dadurch helfen kannst. Das wird die Leute in Wien aufrichten, und den guten Geist erhalten, den ich so dringend brauche!« Gleichermaßen besorgt um seinen Ruf als Ehemann, ermahnt er sie, nicht zu oft mit ihrem Stallmeister auszureiten: »Mit Holmes allein kann ich Dich nicht reiten lassen, denn das schickt sich nicht.« Der Kaiser schreibt im Schein flackernder Kerzen, im schummrigen Niemandsland zwischen Licht und Schatten. Dann legt er sich schlafen, um – wie es seiner Gewohnheit entspricht – im Morgengrauen aufzustehen, dann, vor dem Frühstück, die Messe zu besuchen und zu arbeiten.

Kaiser Franz Joseph schläft noch, als die Schlacht beginnt

In derselben Nacht erreicht der Genfer Geschäftsmann Henry Dunant die Stadt Castiglione delle Stiviere, wenige Kilometer westlich von Cavriana. Den ganzen Tag über hat er den Kutscher zur Eile angetrieben. Der 23. Juni ist ein glühend heißer Tag gewesen. Der Kutscher ließ die Peitsche in immer kürzeren Abständen auf die Pferde niedersausen. Schneller! Schneller! Schweißbäche strömten über die Flanken der Pferde. Draußen zog die Lombardei vorbei. Die Ausläufer der Alpen rollten wie Meereswellen auf und ab, sie türmten sich hoch und sanken nieder, um sich dann wieder zu einem wolkenschäumenden Gipfel aufzuwerfen. Doch Dunant hatte keine Augen für dieses Naturschauspiel, denn er flüchtet vor dem drohenden Bankrott. Der 31-Jährige hat sich mit seinen Investitionen in Algerien, seit 1830 französische Kolonie, verspekuliert. In der Tasche trägt er ein Empfehlungsschreiben. Es soll ihm die Tür zu Napoleon öffnen.

Dunant reist dem Kaiser hinterher, seitdem dieser nach Italien aufgebrochen ist. Der Schweizer hat ihm einige Jahre vorher eine liebedienerische Schrift gewidmet: Das wiederhergestellte Kaiserreich Karls des Großen, oder das Heilige Römische Reich, erneuert durch seine Majestät, Kaiser Napoleon III. Außerdem, was hat er in Algerien nicht alles für Frankreich erreichen wollen?! Mühlen errichten, Bewässerungskanäle anlegen, Weizenfelder pflanzen, so weit das Auge reicht. Darüber hat er sich tief verschuldet, nun soll der Kaiser ihm helfen. Aber es will Dunant einfach nicht gelingen, zu Napoleon vorzudringen. Kam er in Brescia an, war der Kaiser schon in Montechiari, erreichte er Montechiari, hieß es, der Kaiser sei in Castiglione, als er in später Nacht in Castiglione einreitet, bescheidet man ihm, der Kaiser sei in das nahebei gelegene Solferino aufgebrochen. Solferino – das Dorf soll für Henry Dunant zum Schicksalsort werden.

Die Schlacht beginnt im Morgengrauen, zufällig fast treffen die feindlichen Soldaten aufeinander. Kaiser Franz Joseph schläft noch tief und fest, als die ersten Scharmützel ausbrechen. Kein Offizier weckt ihn, kein Melder kommt, um vor der herannahenden Gefahr zu warnen. Niemand begreift, dass der große Kampf bereits begonnen hat. Auch die Franzosen glauben, sie seien auf eine Nachhut der Österreicher gestoßen. Sie vermuten das Hauptheer jenseits des Mincio. Auch ihre Aufklärung ist dürftig, doch bemühen sich die französischen Befehlshaber, ihre Soldaten zu schonen. Der größte Feind ist die Hitze. Deshalb geben sie um drei Uhr morgens den Befehl zum Aufbruch, da ist es noch einigermaßen frisch. Es lässt sich leichter marschieren. Die Männer erhalten ein ausgiebiges Frühstück, damit sie bei Kräften sind, wenn die Sonne aufsteigt und das Land in eine glühende Hölle verwandelt.

Franz Joseph frühstückt erst kurz nach acht Uhr morgens. Vereinzelte Schüsse sind zu hören, doch hält er das für belanglos. Als das Feuer intensiver wird, reitet er aus, um die Lage zu erkunden. Erst gegen elf Uhr vormittags begreift auch er, dass seine Armee auf der vollen Länge von zwanzig Kilometern in eine Schlacht verwickelt ist.

Etwas mehr als 300000 Soldaten stehen sich gegenüber, 170000 Österreicher und 150000 Franzosen und Piemontesen. Es sollte zu einer der größten Schlachten der europäischen Geschichte kommen. Das Dorf Solferino bildet den Mittelpunkt der Front, die sich vom Gardasee über eine ganze Kette von Hügeln, Anhöhen und Erhebungen bis in die Poebene zieht. So überraschend der Kampf begonnen hat, so schnell sind die feindlichen Armeen ineinander verkeilt wie wilde, bisshungrige Tiere.

Das Töten endet erst bei Sonnenuntergang mit dem Rückzug der Österreicher. Der Urgroßvater des Autors, Peter Ladurner, nahm an der Schlacht als einfacher österreichischer Soldat teil. In seinem Tagebuch schildert er die dramatischen Stunden: »Ohne etwas zu Rasten rückten wir vor und übernahmen das Feuer aber dieses Sausen der Kanonenkugeln, das ist unbeschreiblich. Wir marschierten über einen Hügel, ein jeder war matt und müde vor Durst, denn es war kein Wasser zu bekommen. So rückten wir vor mit Sturm, aber wie wir hinauf kamen, da kam der ganze Hügel schwarz von den Piemontesern gegen uns und wir wurden zurückgeschlagen. Und da hat es von uns sehr viele gerissen und da ist ein Jammer und ein Heulen, denn man glaubt, es ist alles verloren, aber nein bei weitem nicht, denn wir fassten wieder frischen Mut und ergreifen den zweiten Sturm, aber da heißt es, Brüder auf mit fröhlichem Mut, denn es gilt unser teures Blut, und da schlugen wir sie zurück über Santo Martino, und dort sind viel von dem Feind gelegen, dass man kaum vorbei gehen konnte, und da haben wir öfters gestürmt und der Feind hat sich mehr zurück gezogen, aber da ist immer ein Kugelfeuer, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte, denn es ist wirklich ein Kugelregen gewesen, dass es kaum möglich gewesen wäre, davon zu kommen, außer mit der Hilfe Gottes. Denn waren wir schon drei Stunden im Feuer und ohne Hoffnung zu eine Ablösung und wir hatten schon viele Kameraden blutig auf dem Feld verlassen müssen, denn wir könnten bald nimmer stehen vor Durst und Schwachheit. Aber wir trafen zum Glück eine Lacke [Pfütze], wo schon etliche Tote darin lagen, und das Wasser zwar rot vom Blut aber mit Freuden trank ein jeder, um mit Herzenslust sich von dem Durst zu erretten. Und ohne auszuhalten waren wir bis um zwei Uhr Nachmittags im Feuer. Wir blieben auf dem alten Platz, und der Feind ist retiriert, und da herrscht eine Stille. Um fünf Uhr abends da kam ein fürchterliches Sturmwetter, welches der Wind gegen uns trieb.«

»Nase, Lippen und Kinn sind vom übrigen Teil des Kopfes getrennt«

Die Hitze hat sich über Tage aufgestaut, plötzlich bricht der Himmel über Solferino tosend auf. Blitze zucken. Der Donner rollt über das Schlachtfeld. Windböen reißen an den Bäumen. Es prasselt dicke Hagelkörner, dann strömt der Regen. Der Wind heult wie ein verwundetes Tier, das auf Rache sinnt. Die Soldaten unterbrechen ihre Kämpfe, sie ducken sich und suchen verzweifelt Schutz. Zitternd kauern sie nieder, bekreuzigen sich und hoffen, dass Gott sie verschonen wird.

Kaum hat das Gewitter sich ausgetobt, geht das Schlachten weiter. »Da kämpften wir wieder tapfer, und retirierten keinen Schritt mehr, und es ging den Abend zu, und es wurde dunkel, und wir kamen auf den Hügel, wo die Kanonen von uns standen, und da sahen wir in das Feld hinunter, und sahen auch, dass mancher Kanonenschuss zwanzig, dreißig Mann vom Feind zu Boden gerissen hat, und dieses Gefecht dauert bis 10 Uhr in die Nacht, und da haben wir den letzten Schuss gemacht.«

Den ganzen Tag über kommen zahllose Verletzte zum Dom von Castiglione. Wenige Meter entfernt wohnt Henry Dunant bei einer befreundeten Familie. Der Anblick, der sich ihm bietet, ist Furcht erregend. Die Verwundeten werden auf Bahren, auf Karren, auf den Schultern der Kameraden hierher transportiert. Die Stadt hallt wider von ihren Schreien. Spitäler, Kirchen, Schulen sind bis um Rand hin gefüllt mit wimmernden, zuckenden Körpern. Viele Soldaten liegen, da es keinen Platz mehr für sie gibt, auf den Bürgersteigen. Die Hitze drückt wie eine glühende Kappe auf die Stadt.

Dunant läuft umher. Gekleidet in einen weißen Anzug, sieht er aus wie der Verwalter einer fernen Kolonie. Überall packt er mit an – und protokolliert entsetzt das Grauen. »Dort«, schreibt er 1862 in seinem Buch Eine Erinnerung an Solferino, »liegt ein völlig entstellter Soldat, dessen Zunge aus dem zerschmetterten Kiefer hängt. Er macht alle Anstrengungen, sich zu erheben. Ich benetze seine vertrockneten Lippen und seine verdorrte Zunge. Einem anderen Unglücklichen ist durch einen Säbelhieb ein Teil des Gesichts fortgerissen worden. Nase, Lippen und Kinn sind von dem übrigen Teil des Kopfes getrennt. Unfähig zu sprechen und halb blind, macht er ein Zeichen mit der Hand. Durch diese erschütternde Gebärde, die von unartikulierten Tränen begleitet ist, lenkt er die Aufmerksamkeit auf sich. Ich gebe ihm zu trinken und lasse auf sein blutendes Antlitz einige Tropfen Wasser träufeln.«

Dunant schreibt als Menschenfreund. Der Gedanke, der sich durch die Erinnerungen zieht, ist schlicht und revolutionär zugleich: Sobald ein Soldat verwundet ist, ist er kein Soldat mehr, sondern ein Mensch, der alle Hilfe verdient. Jeder Verwundete muss versorgt werden, egal, welche Uniform er trägt, egal, welcher Nation er angehört. Diese Idee wird am 24. Juni 1859 in Castiglione geboren. Das Leid ist überwältigend, die Einwohner helfen den Elenden, ganz gleich, ob Freund oder Feind. »Wäre es nicht möglich«, schreibt Dunant, »in Friedenszeiten eine Gesellschaft zu gründen, die aus großherzigen Freiwilligen zusammengesetzt ist, um den Verletzten in Kriegszeiten zu helfen?«

Fünf Jahre später, am 22. August 1864, unterzeichnen zwölf Nationen die ersten Paragrafen der Genfer Konvention. Darin sind zum ersten Mal die Rechte von Kriegsgefangenen festgelegt, gleichzeitig werden nationale Hilfskomitees unter dem Signum des Roten Kreuzes gegründet. Es ist der Beginn einer Organisation, die sich bald über den ganzen Globus ausbreiten wird. Dunants Idee verhindert zwar keine Kriege, doch sie macht aus der kriegerischen Welt einen etwas weniger grausamen Ort.

Am Abend des 24. Juni steigt Napoleon vor den Mauern Cavrianas von seinem Pferd und geht zu Fuß durch das Tor auf den Hauptplatz und dann weiter bis zur Villa Mirra. Er will zeigen, dass er anders ist als andere Monarchen, volksnäher, freundlicher. Kaiser Franz Joseph ist schon am Nachmittag Hals über Kopf abgezogen, und nun empfängt die Villa Mirra erneut einen illustren Gast.

Die kommende Nacht schläft er im selben Bett, in dem sein Gegner vor der Schlacht gelegen hat – eine Geste der Demütigung: Napoleon hat Franz Joseph nicht nur die Lombardei abgenommen, nun macht er sich auch noch in seinem Bett breit. Am Abend kommt der wilde, ungehobelte Viktor Emanuel von Piemont angeritten. Im Salon der Villa trifft er sich mit seinem Verbündeten. Der Mann, der sein Leben damit zubringt, den Frauen nachzustellen, und Napoleon III. verfassen ein Kommuniqué mit dem knappen Titel: Große Schlacht, großer Sieg!

Mehr zum Thema in Ulrich Ladurners Buch »Solferino. Kleine Geschichte eines großen Schauplatzes«, das im Residenz Verlag, Salzburg, erschienen ist (144 S., 17,90 €)

 
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