Wann muss die Präsidentin einer Universität erkennen, dass ihr die Trümpfe ausgehen? Wenn 120 Professoren sie per Unterschrift zum Rücktritt auffordern und sich kein Politiker hinter sie stellt? Wenn fünf von sechs Dekanen der Hochschule in einem Brief ihre »Unzufriedenheit mit der Führungsqualität« kundtun und ein »Klima des gegenseitigen Misstrauens« beklagen? Oder wenn Pressegespräche unter Polizeischutz stattfinden, weil vor der Tür Studenten drohen, das Büro zu stürmen?

In Hamburg ist all dies geschehen. Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Universität Hamburg, befehdet sich mit der eigenen Hochschule. Dass Dekane einen anderen Kurs wünschen als die Hochschulspitze, ist ein übliches Konfliktmuster in Zeiten radikaler Veränderungen der Forschungs- und Bildungsstätten. Maulende Professoren und protestierende Studenten sind ebenso normal. Der Konflikt aber, der sich seit 2006 rund um den Campus in Rotherbaum aufgeschaukelt hat, ist einzigartig – selbst für das Klima der Hansestadt, wo hochschulpolitische Konflikte von jeher etwas härter ausgetragen werden.

Hier geht es um mehr als eine polarisierende Personalie. Der Widerstand weiter Teile der Universität rührt nicht nur vom Unbehagen über Stil und Stimmungslage her. Die Hamburger Hochschule – nach Studierenden gerechnet, immerhin die fünftgrößte in der Bundesrepublik – ist in einem schlechten Zustand. So viel liegt hier im Argen, so viele müssen sich ändern, dass ein Reformator von außergewöhnlichem Fingerspitzengefühl vonnöten gewesen wäre.

Stattdessen kam Monika Auweter-Kurtz. Die Süddeutsche mit der schwäbischen Sprachmelodie ihrer Heimatstadt Stuttgart übernahm als Physikerin und Ingenieurin (Raketenbau) die Leitung einer Universität, die keine Technikwissenschaften hat. »Analytisch brillant« sei sie, »unheimlich fleißig« und »mit einem eisernen Willen ausgestattet«. So charakterisieren Mitarbeiter die heute 58-Jährige. Doch selbst Wohlgesinnte sprechen ihr die Fähigkeit ab, ihre Vorstellungen anderen »auf verbindliche Weise« mitzuteilen. »Frau Auweter ist kein Mensch, der sich mit 70 Prozent einer Lösung zufrieden gibt«, heißt es. »Wenn sie etwas für richtig erkannt hat, wird es durchgezogen« – in einem Soziotop voller komplexer Strukturen und traditionell starker Mitspracherechte. Hier, wo allein der Vorschlag, Gelder nach Leistung zu verteilen, zu öffentlichen Brandbriefen wortmächtiger Lehrstuhlinhaber (»Wie die Hamburger Geisteswissenschaften zugrunde gerichtet werden«) führt.

Einfühlungsvermögen, feine Rhetorik sowie das Talent, wechselnde Koalitionen zu schmieden – all diese Führungsfähigkeiten scheinen der Hamburger Präsidentin abzugehen. »Die Frau ist nur Verstand«, sagt jemand, der sie gut kennt. »Ich habe noch nie erlebt, dass man selbst Professoren, die im Prinzip das Gleiche wollen, durch einen ungeschickten Kommunikationsstil so vor den Kopf stoßen kann.«

Dabei ziehen ihren Modernisierungskurs nur wenige, die an der Hamburger Hochschule etwas zu sagen haben, in Zweifel. Öffnung nach außen, Schwerpunkte setzen, Stärken stärken, Schwächen beseitigen: Damit kann Auweter keine Originalität beanspruchen, schon eher Alternativlosigkeit. Albrecht Wagner, langjähriger Leiter des Forschungszentrums Desy und Vorsitzender des Hamburger Hochschulrates, formuliert: »Der Kurs ist absolut notwendig, wenn Hamburg keine mittelmäßige Universität bleiben will.«

Denn seit Jahrzehnten bleibt die Hamburger Universität hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sechs Sonderforschungsbereiche konnten Hochschullehrer an die Elbe holen – München verfügt über 17, Berlin über 25 dieser Zentren. Addiert man die Gelder, die Professoren bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben haben, landet die Hansestadt auf dem 17. Rang. Rechnet man die Drittmittel auf die Zahl der Professoren um, auf Platz 54.