Krise an der Uni Hamburg

Dornröschen und der Holzhammer

Die Hamburger Universität gehört zu den schwächsten des Landes. Ihre eigenwillige Präsidentin versucht, Qualität zu erzwingen, und erntet Widerstand

Im Krieg mit der eigenen Universität: Präsidentin Monika Auweter-Kurtz

Im Krieg mit der eigenen Universität: Präsidentin Monika Auweter-Kurtz

Wann muss die Präsidentin einer Universität erkennen, dass ihr die Trümpfe ausgehen? Wenn 120 Professoren sie per Unterschrift zum Rücktritt auffordern und sich kein Politiker hinter sie stellt? Wenn fünf von sechs Dekanen der Hochschule in einem Brief ihre »Unzufriedenheit mit der Führungsqualität« kundtun und ein »Klima des gegenseitigen Misstrauens« beklagen? Oder wenn Pressegespräche unter Polizeischutz stattfinden, weil vor der Tür Studenten drohen, das Büro zu stürmen?

In Hamburg ist all dies geschehen. Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Universität Hamburg, befehdet sich mit der eigenen Hochschule. Dass Dekane einen anderen Kurs wünschen als die Hochschulspitze, ist ein übliches Konfliktmuster in Zeiten radikaler Veränderungen der Forschungs- und Bildungsstätten. Maulende Professoren und protestierende Studenten sind ebenso normal. Der Konflikt aber, der sich seit 2006 rund um den Campus in Rotherbaum aufgeschaukelt hat, ist einzigartig – selbst für das Klima der Hansestadt, wo hochschulpolitische Konflikte von jeher etwas härter ausgetragen werden.

Hier geht es um mehr als eine polarisierende Personalie. Der Widerstand weiter Teile der Universität rührt nicht nur vom Unbehagen über Stil und Stimmungslage her. Die Hamburger Hochschule – nach Studierenden gerechnet, immerhin die fünftgrößte in der Bundesrepublik – ist in einem schlechten Zustand. So viel liegt hier im Argen, so viele müssen sich ändern, dass ein Reformator von außergewöhnlichem Fingerspitzengefühl vonnöten gewesen wäre.

Stattdessen kam Monika Auweter-Kurtz. Die Süddeutsche mit der schwäbischen Sprachmelodie ihrer Heimatstadt Stuttgart übernahm als Physikerin und Ingenieurin (Raketenbau) die Leitung einer Universität, die keine Technikwissenschaften hat. »Analytisch brillant« sei sie, »unheimlich fleißig« und »mit einem eisernen Willen ausgestattet«. So charakterisieren Mitarbeiter die heute 58-Jährige. Doch selbst Wohlgesinnte sprechen ihr die Fähigkeit ab, ihre Vorstellungen anderen »auf verbindliche Weise« mitzuteilen. »Frau Auweter ist kein Mensch, der sich mit 70 Prozent einer Lösung zufrieden gibt«, heißt es. »Wenn sie etwas für richtig erkannt hat, wird es durchgezogen« – in einem Soziotop voller komplexer Strukturen und traditionell starker Mitspracherechte. Hier, wo allein der Vorschlag, Gelder nach Leistung zu verteilen, zu öffentlichen Brandbriefen wortmächtiger Lehrstuhlinhaber (»Wie die Hamburger Geisteswissenschaften zugrunde gerichtet werden«) führt.

Einfühlungsvermögen, feine Rhetorik sowie das Talent, wechselnde Koalitionen zu schmieden – all diese Führungsfähigkeiten scheinen der Hamburger Präsidentin abzugehen. »Die Frau ist nur Verstand«, sagt jemand, der sie gut kennt. »Ich habe noch nie erlebt, dass man selbst Professoren, die im Prinzip das Gleiche wollen, durch einen ungeschickten Kommunikationsstil so vor den Kopf stoßen kann.«

Dabei ziehen ihren Modernisierungskurs nur wenige, die an der Hamburger Hochschule etwas zu sagen haben, in Zweifel. Öffnung nach außen, Schwerpunkte setzen, Stärken stärken, Schwächen beseitigen: Damit kann Auweter keine Originalität beanspruchen, schon eher Alternativlosigkeit. Albrecht Wagner, langjähriger Leiter des Forschungszentrums Desy und Vorsitzender des Hamburger Hochschulrates, formuliert: »Der Kurs ist absolut notwendig, wenn Hamburg keine mittelmäßige Universität bleiben will.«

Denn seit Jahrzehnten bleibt die Hamburger Universität hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sechs Sonderforschungsbereiche konnten Hochschullehrer an die Elbe holen – München verfügt über 17, Berlin über 25 dieser Zentren. Addiert man die Gelder, die Professoren bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben haben, landet die Hansestadt auf dem 17. Rang. Rechnet man die Drittmittel auf die Zahl der Professoren um, auf Platz 54.

Nur ein einziges Forschungscluster brachte der Exzellenzwettbewerb. Keine andere Universität ähnlicher Größe (38000 Studenten, rund 700 Professoren) erlebte so eine Demütigung. Im Eliteuni-Wettbewerb war die Hochschule gar nicht erst angetreten. Fragt man Studenten, ob sie mit den Lernbedingungen zufrieden seien, wie es das Centrum für Hochschulentwicklung für den macht, sieht das Bild ähnlich trüb aus.

Der größte Schwachpunkt sind die Geisteswissenschaften. Erkundigt man sich dort nach Hamburger Wissenschaftlern, die über Hamburg hinaus bekannt sind, fallen Namen wie der des Historikers Fritz Fischer oder des Anglisten Dietrich Schwanitz. Der ist bekannt durch den Roman Campus, eine Hochschulsatire, wie sie nur hier entstehen konnte. Aber Fischer und Schwanitz sind seit Jahren tot.

Ausgerechnet diese Universität war fünfzehn Jahre lang mit einem Präsidenten geschlagen, dessen markanteste Charaktereigenschaft seine Entscheidungsunfähigkeit war. An Jürgen Lüthje und seiner unregierbaren Universität scheiterte selbst der durchsetzungsstarke Wissenschaftssenator Jörg Dräger. Der konzentrierte sich zum Ende seiner Amtszeit auf die Neugründung einer Hafencity-Universität für Architektur – weit weg von den Betonblöcken des Uni-Campus. Als dort Auweter-Kurtz 2006 ihr Amt antrat, lag der aktuellste Jahresabschluss mehrere Jahre zurück. Nicht einmal das Professoren-Kollegium ließ sich beziffern: Zu lange waren Emeritierte mitgezählt worden.

Längst rangen damals die Hochschulen in Berlin, München, im Rhein-Neckar-Raum um die bundesweite Führung. Verharren bedeutete da Abstieg. Hamburg habe sich im Dornröschenschlaf befunden, sagt einer, der gleichzeitig mit Auweter-Kurtz kam. Die Präsidentin hat die Hochschule mit dem Holzhammer geweckt.

»Das Tempo war zu hoch, Gespräche sind dabei zu kurz gekommen«, sagt Auweter-Kurtz nun zerknirscht. Sie verspricht »mehr Demut«, auch vom Umzug der Universität aus dem Stadtzentrum ist sie abgerückt. Ihr letzter Trumpf aber ist ein anderer: Der Hochschulrat, der sie offiziell ablösen müsste, kann dies nicht tun, solange er keinen Ersatz präsentieren kann. Doch wer will nach Hamburg? Der Ratsvorsitzende Albrecht Wagner kann nur antworten: »Diese Frage stellen wir uns auch.«

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Leser-Kommentare

  1. Ein SUPER Artikel!!!!!

    Ihr solltet mal den ehemaligen Senator Leo Hajen befragen, der kennt ne Menge "Anekdoten"...

    Aber das mehr Geld nicht viel bringt - darüber könnte auch Wagner viel erzählen - das DESY hat über Jahrzehnte Milliarden bekommen: wieviele Nobelpreise sind dabei rausgekommen?

    Eben!

    Der durchschnittliche Professor in Hamburg hat seinen Job-Titel nicht verdient! "Hirnlose Deppen", die nur in Selbstbeweihräucherung oder auch Selbstmitleid spitze sind. Wer es woanders nicht packt, wird Prof in Hamburg...

    (Es gab mal jemanden, der das als "Unterwanderungsstrategie der Südstaaten" bezeichnet hat: die schlechten Wissenschaftler über die üblichen Netzwerke mit Pöstchen an den Nordunis versorgen, und schon ist die Konkurrenz weg. Ok, er hatte schon fast eine Flasche Rotwein intus, aber dafür war der Blick über die Elbe natürlich wunderschön, und der Sand unter Hintern weich...!)

    Am besten wäre es, wenn eine Liste jedes Jahr veröffentlicht wird: Name des Professors - Anzahl von eingereichten Drittmittelanträgen - Anzahl genehmigter Anträge - Veröffentlichung der Begründung bei abgelehnten Anträgen - Anzahl von Veröffentlichungen samt Durchschnitts-IF!

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    Sehr geehrter Herr Spiewak,

    jetzt sehen Sie, was Sie mit Ihrem schlecht recherchierten Artikel bei schlichten Gemütern wie "Dumme Fragen" anrichten. Bei etwas mehr Sorgfalt hätte Ihnen auffallen müssen, dass Ihr einseitiges Qualitätsurteil der Uni Hamburg zwar in Hamburg populär aber schlicht falsch ist. Beispielsweise liegt Hamburg im aktuellen Forschungsranking des CHE (genau, das sind die, mit denen die ZEIT zusammenarbeitet) in den untersuchten Fächern BWL,Soziologie und VWL jeweils in der Spitzengruppe, was außer Hamburg nur noch Mannhein schafft. Im Handelsblattranking für die BWL landet Hamburg auf Platz 5 der bundesdeutschen Universitäten, vor beispielsweise der LMU-München. Ebenso hat sich in den Rechtswissenschaften mittlerweile herumgesprochen, dass der Studienerfolg der Studierenden der Hamburger Uni keineswegs hinter dem der so hochgelobten Bucerius Law School zurückbleibt.
    Natürlich hat die Uni Probleme und Schwachstellen, insbesondere im Bereich der Lehre durch jahrzehntelang Überlast und Unterfinanzierung, aber das Bild ist deutlich differenzierter als Sie es zeichnen. Schade, bislang habe ich die Zeit als eine seriöse Zeitung geschätzt, aber Ihr Artikel ist wirklich sehr schwach und einseitig.

    alma mater

    Man merkt sofort...der intelligente Mensch differenziert....Anekdoten sind mit Sicher-
    heit die Würze einer jeden kurzweiligen Unterhaltung, und ein Politiker bedarf ihrer
    durchaus - nur vielleicht nicht das ultimative Mittel, so ernsthafte Themen wie die
    Entwicklung von Wissenschaft und Forschung in dieser Stadt anzugehen....das betrifft in gleichem Maße die griffige, aber doch etwas schlichte Umrechnung von
    Geldmitteln in Nobelpreise (übrigens: ist bekannt, wieviele Investitionen in CERN
    oder JET geflossen sind, und mit welchen Resultaten? Da steht DESY im Vergleich
    sehr passabel da), so wie man auch Fördermittel in olympische Medaillen und Ab-
    lösesummen beim HSV in geschossene Tore umrechnet - und nun eben auch Zahl
    der Drittmittelanträge je Professor in Kompetenz...
    Aber noch ist Hoffnung - solange man in den Südstaaten die schlechten Wissenschaftler, die man an die Nordunis weggelobt hat, als gefährliche Konkurrenz
    betrachtet, derer man sich anderweitig nicht entledigen kann, ist noch nicht alles
    verloren...Selbstbewusste behaupten ja sogar, daß mit jedem hellen Kopf, der von
    Süd nach Nord wechselt, dadurch beiderseits der IQ sinke...

  2. Hamburg ist traditionell noch nie eine Stadt fuer "Geisteswissenschaften" gewesen. Hier werden Geschaefte gemacht. Dazu muss man nicht auf eine Universitaet. So sahen es die Kaufleute wohl auch seit 1000 Jahren. Wer studieren will, geht nach Tuebingen oder in andere "richtige" Universitaetsstadt. Siehe auch Theodor Storm: "Auf der Universitaet". Storm haette nach Hamburg gehen koennen. Tat er aber nicht. Dass Hamburg eine Universitaet hat muss irgendwann mal im Trend gelegen haben. Noetig war sie nie.

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    Storm hätte schlecht an die Hamburger Uni gehen können, da Hamburg eine solche zu Lebzeiten Storms noch gar nicht besaß. Dass Hamburg noch nie eine Stadt für Geisteswissenschaften war, stimmt so auch nicht. Die "Hamburger" Geisteswissenschaftler Ernst Cassirer, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Helmut Schelsky, Erwin Panofsky und Aby Warburg sind weit über Deutschland hinaus bekannte Forscher.

  3. Storm hätte schlecht an die Hamburger Uni gehen können, da Hamburg eine solche zu Lebzeiten Storms noch gar nicht besaß. Dass Hamburg noch nie eine Stadt für Geisteswissenschaften war, stimmt so auch nicht. Die "Hamburger" Geisteswissenschaftler Ernst Cassirer, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Helmut Schelsky, Erwin Panofsky und Aby Warburg sind weit über Deutschland hinaus bekannte Forscher.

    Antwort auf "Wat mookt wi nu ?"
  4. Prof. Dr. Karl-Werner Hansmann

    Im Artikel von Martin Spiewak wird der ehemalige Uni-Präsident Jürgen Lüthje mit dem Satz charakterisiert, dass die Universität 15 Jahre mit einem Präsidenten "geschlagen" war, "dessen markanteste Charaktereigenschaft seine Entscheidungsunfähigkeit war."
    Als Mitglied des Akademischen Senats ab 1996 und Vizepräsident von 2003 bis 2007 muss ich dieser Charakterisierung entschieden widersprechen. Jürgen Lüthje hat während seiner Amtszeit und zum Schluss mit mir zusammen viele bedeutende Entscheidungen sachlich fundiert und zeitnah getroffen.
    Dazu gehören die schmerzhaften Entscheidungen über die Schließung von Fächern und Studiengängen, als die Behörde der Uni eine 20%ige Stellenreduktion aufzwang genauso wie die Modernisierung der Hörsäle des Hauptgebäudes und des Audimax z.T. mit Hilfe von Sponsoren. Er initiierte die erste bundesweite Evaluation der gesamten Universität durch eine externe Kommission und setzte die Ergebnisse konsequent zu beachtlichen Reformen der Uni-Entwicklung um, wie z.B. die Integration von 18 Fachbereichen in sechs Fakultäten. Vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wurde er daraufhin als bester Hochschulmanager gewürdigt.
    Schließlich haben wir zusammen die rasche Einführung der Bachelor/Master-Studiengänge sowie vor allem ihre Ausgestaltung frühzeitig beschlossen.
    Diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Formulierung von Spiewak - von jeder Kenntnis ungetrübt - der Sache nach unzutreffend und der Form nach ehrabschneidend ist. Als langjähriger ZEIT-Leser habe ich so etwas noch nicht erlebt. Da ich den Artikel in der Print-Ausgabe der ZEIT gelesen habe, möchte ich Sie bitten, meinen Leserbrief auch dort zu veröffentlichen.

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    und ein Vizepräsident steht und fällt meist mit dem Präsidenten...

  5. und ein Vizepräsident steht und fällt meist mit dem Präsidenten...

  6. Sehr geehrter Herr Spiewak,

    jetzt sehen Sie, was Sie mit Ihrem schlecht recherchierten Artikel bei schlichten Gemütern wie "Dumme Fragen" anrichten. Bei etwas mehr Sorgfalt hätte Ihnen auffallen müssen, dass Ihr einseitiges Qualitätsurteil der Uni Hamburg zwar in Hamburg populär aber schlicht falsch ist. Beispielsweise liegt Hamburg im aktuellen Forschungsranking des CHE (genau, das sind die, mit denen die ZEIT zusammenarbeitet) in den untersuchten Fächern BWL,Soziologie und VWL jeweils in der Spitzengruppe, was außer Hamburg nur noch Mannhein schafft. Im Handelsblattranking für die BWL landet Hamburg auf Platz 5 der bundesdeutschen Universitäten, vor beispielsweise der LMU-München. Ebenso hat sich in den Rechtswissenschaften mittlerweile herumgesprochen, dass der Studienerfolg der Studierenden der Hamburger Uni keineswegs hinter dem der so hochgelobten Bucerius Law School zurückbleibt.
    Natürlich hat die Uni Probleme und Schwachstellen, insbesondere im Bereich der Lehre durch jahrzehntelang Überlast und Unterfinanzierung, aber das Bild ist deutlich differenzierter als Sie es zeichnen. Schade, bislang habe ich die Zeit als eine seriöse Zeitung geschätzt, aber Ihr Artikel ist wirklich sehr schwach und einseitig.

    alma mater

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    Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling... Ok, dass mit den Soziologen hat mich schon überrascht... Auch das UKE war mal weltspitze und hat immer noch einen guten Ruf.
    Aber schon wenn man sich die Zahlen in der BWL-Studie anguckt, sieht man schnell, dass es in Rankings oftmals von einem einzelnen Professor abhängt, wie gut man ist.

    Die Presseerklärung
    http://www.uni-hamburg.de...

    dazu liest sich anders als die Studie selbst:
    http://www.handelsblatt.c...

    Denn dort kann man interessante Zahlen lesen, u.a. die Anzahl der Professoren, die Anzahl darunter unter den Top100-Professoren, und die Pro-Kopf-Leistung. In HH z.B. ist die Publikationsleistung des besten Professors bei 15% angesiedelt, bei 24 Professoren beträgt der Durchschnitt 4,2%. Allerdings hab ich nicht geguckt, wieviele der Publikationen jetzt in HH wirklich mehrheitlich entstanden sind, und bei wievielen der beste Prof. einfach mit draufstand, obwohl er nur einen geringen Teil dazu beigetragen hat. (Ich habe Bekannte in der Medizin, die haben 5-10 Publikationen per anno, an denen sie keinen Buchstaben selbst geschrieben haben.)

    Den Handelsblatt-Ansatz finde ich aber hervorragend: genau solche Zahlen sollte jede Fakultät jedes Jahr herausgeben und öffentlich diskutieren. Ich würde gerne mal wissen, wie die "schlechteren" Profs ihr Abschneiden begründen...

    Ich jedenfalls, mit Diplom und Drrrr der Uni Hamburg ausgetattet, mit Erfahrungen als Student (Anfang der 1990er) und Dozent (Anfang des Jahrtausends) an der Universität, finde den Artikel sehr treffend. Aber da ich ja an der Uni HH ausgebildet wurde, fehlt mir, als "schwachem Gemüt", eh die geistige Kapazität und der intellektuelle Unterbau, um mich an Diskussionen ernsthaft zu beteiligen. Übrigens vermutlich einer der Gründe, weswegen an der Uni HH v.a. übereinander anstatt miteinander gelästert wird...

  7. Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling... Ok, dass mit den Soziologen hat mich schon überrascht... Auch das UKE war mal weltspitze und hat immer noch einen guten Ruf.
    Aber schon wenn man sich die Zahlen in der BWL-Studie anguckt, sieht man schnell, dass es in Rankings oftmals von einem einzelnen Professor abhängt, wie gut man ist.

    Die Presseerklärung
    http://www.uni-hamburg.de...

    dazu liest sich anders als die Studie selbst:
    http://www.handelsblatt.c...

    Denn dort kann man interessante Zahlen lesen, u.a. die Anzahl der Professoren, die Anzahl darunter unter den Top100-Professoren, und die Pro-Kopf-Leistung. In HH z.B. ist die Publikationsleistung des besten Professors bei 15% angesiedelt, bei 24 Professoren beträgt der Durchschnitt 4,2%. Allerdings hab ich nicht geguckt, wieviele der Publikationen jetzt in HH wirklich mehrheitlich entstanden sind, und bei wievielen der beste Prof. einfach mit draufstand, obwohl er nur einen geringen Teil dazu beigetragen hat. (Ich habe Bekannte in der Medizin, die haben 5-10 Publikationen per anno, an denen sie keinen Buchstaben selbst geschrieben haben.)

    Den Handelsblatt-Ansatz finde ich aber hervorragend: genau solche Zahlen sollte jede Fakultät jedes Jahr herausgeben und öffentlich diskutieren. Ich würde gerne mal wissen, wie die "schlechteren" Profs ihr Abschneiden begründen...

    Ich jedenfalls, mit Diplom und Drrrr der Uni Hamburg ausgetattet, mit Erfahrungen als Student (Anfang der 1990er) und Dozent (Anfang des Jahrtausends) an der Universität, finde den Artikel sehr treffend. Aber da ich ja an der Uni HH ausgebildet wurde, fehlt mir, als "schwachem Gemüt", eh die geistige Kapazität und der intellektuelle Unterbau, um mich an Diskussionen ernsthaft zu beteiligen. Übrigens vermutlich einer der Gründe, weswegen an der Uni HH v.a. übereinander anstatt miteinander gelästert wird...

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    Dem Sprichwort zufolge macht EINE Schwalbe noch keinen SOMMER...aber einen
    Frühling vielleicht schon...möglicherweise sind die Soziologen mit dieser Qualifizierung bereits sehr zufrieden - aber selbstverständlich hängen die Rankings von einzelnen Professoren ab, wie sollte es auch anders sein...auch im realen Leben gibt es nicht immer nur Hauptrollen zu verteilen.
    Die Überprüfung, bei ``wievielen der Publikationen DER BESTE PROF EINFACH MIT DRAUFSTAND`` dürfte in der Tat ein schwieriges Unterfangen sein....aber bei 5- 10 Publikationen (soll wohl PRO anno heißen) sind Mediziner im allgemeinen nicht über ihre Grenzen hinaus gefordert........
    Und wie die ``schlechteren Profs`` ihr Abschneiden begründen, das lässt sich
    irrtumsarm prognostizieren - nämlich so wie jeder andere auch, der in seinem Leben nicht nur Höhepunkte hatte...darüberhinaus gibt es ja glücklicherweise noch unterschiedliche Charaktere und Neigungen...von Gauß weiß man, daß er es hasste, Vorlesungen zu halten - über Liebig schrieb einer seiner Schüler, daß er als Forscher groß, am größten jedoch als Lehrer gewesen sei - für derart unter-
    schiedliche Typen sollte es auch in der modernen Universität noch Platz geben.

  8. Was für ein Kommentar! Sie schreiben in Ihrem ersten Beitrag sinngemäß, dass die Uni Hamburg grottenschlecht und ihre Professoren samt und sonders unfähig sind. Wenn ich für die Fächer, in denen ich das beurteilen kann, die aktuellen Rankings aufführe, in denen Hamburg sehr weit vorne liegt, dann kommt zum einen, dass das wohl eher Zufallstreffer seinen und zum anderen wird die Vermutung geäussert, dass die Hamburger Professoren wahrscheinlich gar nicht an den Artikeln mitgeschrieben haben, da sie ja per definitionem unfähig und faul sind.
    Ich verstehe einfach nicht, warum Sie partout an Ihrer undifferenziert negativen Einstellung zur Uni festhalten. Man sollte Rankings nicht überbewerten und ich glaube, dass die Uni Hamburg in den aktuellen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsrankings etwas zu gut wegkommt. Es kann andererseits überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass die Uni sicher zu den Top Ten in Deutschland in den genannten Fächern gehört und vor den meisten süddeutschen Universitäten liegt.

    Ich habe einige Universitäten kennengelernt. Was ich aber noch in keiner anderen Universitätsstadt angetroffen habe, ist die Begeisterung, mit der, von jedem Faktenwissen ungetrübt, auf die Universität eingedroschen wird. Das ist ein Hamburger Spezifikum, das ich nicht verstehe. Ich glaube Ihnen, dass Sie vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht haben. Aber erstens überblickt man als Student und Doktorand in der Regel ein vielleicht zwei Fachbereiche und zweitens sind seit Ihrer Zeit an der Uni Hamburg in den Bereichen, die ich überblicke, ca. 80% der Professoren ausgewechselt.

    alma mater

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    viele verschiedene Universitäten angesehen und Evaluationen durchgeführt, und ja, etwas Polemik kann ich leider nicht unterlassen... Es wäre z.B. schön, wenn der so tolle "Fachbereich" Wirtschaftswissenschaften, der ja im häßlichsten Gebäude der Uni untergebracht ist, dessen schlecht klimatisierte Räumlichkeiten oftmals für einen sinnvollen Umzug auf den Kleinen Grasbrook angeführt werden, sich mal um eine Akkreditierung wie Equis o.ä. bemühen würde?

    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das dort bisher mal öffentlich diskutiert wurde...

    Und zu den Rankings generell: für einen anderen Fachbereich gab es vor einigen Jahren mal ein Ranking, dass sehr groß gefeiert wurde, weil es die meisten Publikationen für deutschsprachige Universitäten erbrachte. Stolz geschwellte Brust. Guckte man sich die Daten genauer an, stellte man fest, dass einfach die Anzahl von Veröffentlichungen gezählt wurde, ohne Qualitätssicherung (wie Peer Review), dass Publikationen in den hauseigenen "Mitteilungen" mitgezählt wurden. Und es handelte sich um einen der größten Fachbereiche in diesem Gebiet in Deutschland... Also volle Breitseite Quantität vor Qualität. Schon bei der kleinen Berechnung "peer reviewed publication" pro Professor mußte man 2/3 der Liste kürzen... Mittlerweile ist der Fachbereich, jedenfalls beim aktuellen CHE/Zeit-Ranking, vom Mittelfeld auf den letzten Platz abgerutscht.

    Und was "neu berufene" Professoren angeht: In der Tat sind von den Professoren, bei denen ich noch in die "Lehre" ging, keiner mehr im Dienst, einige liegen schon unter der Erde, als Abschiedsgeschenk haben die aber den Neuankömmlingen das Bachelor/Master-System hinterlassen, welches noch schnell zusammengestrickt wurde...

    P.S. An die VL "VWL für Nichtökonomen" erinnere ich mich gerne zurück...

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  • Von Martin Spiewak
  • Datum 17.6.2009 - 15:24 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
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