GymnasiumDas fliegende Klassenzimmer fliegt noch

Warum die älteste aller Schulformen ein Zukunftsmodell ist für ein Bildungssystem, das sonst nur noch auf die schnelle Wissensverwertung schielt von 

Obwohl sich dieses Deutschland wahrlich verändert hat – sodass ein Auswanderer, der nach fünfzig Jahren zurückkäme, es vielerorts kaum wiedererkennen würde –, gibt es doch deutsche Traditionsbestände, die auf wundersame Weise dem Sturm der Zeiten getrotzt haben. Dazu gehören vermutlich das Schützenfest, der Gesangverein und das Stadttheater – und ganz sicherlich das deutsche Gymnasium. Es ist unter allen Schulformen die beliebteste und die mit Abstand ehrwürdigste. Die Liste der ältesten Gymnasien geht zurück bis ins 8. Jahrhundert, aber obwohl die heutigen Gymnasien mit den Klosterschulen, aus denen sie meist hervorgingen, nicht viel mehr gemein haben und obwohl ihre Erscheinungsform verwirrend vielfältig ist, erfreut sich das deutsche Gymnasium immer noch und immer mehr des Zuspruchs der Eltern.

Der eine Grund dafür liegt ohne Zweifel darin, dass die zermürbende Abfolge endloser Schulreformen in den Köpfen der meisten Eltern das unabweisbare Gefühl hervorruft: lieber das Gymnasium, da weiß man, was man hat. Der zweite Grund liegt in einem einzigen Wort: Abitur. Wer immer in den deutschsprachigen Breiten etwas werden wollte – und »etwas werden« hieß nicht selten, die Beamtenlaufbahn zu ergreifen –, der kam ohne Abitur nicht weit. Die »warmgesessenen, wohlhabenden Bürger«, über die Hermann Hesse in dem Schülerroman Unterm Rad (1903) seinen Spott ergießt, hatten »keinen höheren Ehrgeiz als den, ihre Söhne womöglich studieren und Beamte werden zu lassen«. Das ist bis heute so geblieben, mit dem Unterschied freilich, dass es nunmehr ebenso häufig um die Töchter geht und dass an die Stelle des Beamten andere, oft lukrativere Berufe getreten sind. Der Weg zu gesellschaftlichem Ansehen aber führt mehr noch als früher übers Abitur, und die solideste Art und Weise, es zu erlangen, bietet in den Augen der meisten Eltern das Gymnasium.

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Traditionsbestände bleiben selten unangefochten, schon gar nicht in Deutschland. Während jedoch am Gesangverein und am Schützenfest jede Kulturkritik abperlt wie Regen am Bierzelt, kann sich das Stadttheater des Hohns aller fortschrittlichen Theaterleute sicher sein, so wie das Gymnasium für die meisten Bildungspolitiker und pädagogischen Funktionäre ein bürgerliches Relikt des 19. Jahrhunderts darstellt, das am besten verschwände. An Versuchen, ebendies zu bewirken, hat es nie gefehlt, bis in die Gegenwart nicht.

Wer dem 2005 verstorbenen großen Altphilologen Manfred Fuhrmann folgt, der muss schon in dem kaiserlichen Erlass von 1900, der das Abitur des Realgymnasiums dem des humanistischen gleichstellte, den Anfang vom Ende einer rund tausend Jahre alten Bildungsidee erkennen, für die das Christentum und die Antike allein maßgeblich waren. Wilhelm von Humboldt hatte zuvor, obwohl er lediglich anderthalb Jahre die preußische Sektion für Kultus und Unterricht anführte (1809/10), die lang nachwirkende, legendär gewordene Humboldtsche Bildungsreform eingeleitet. Er sah als Aufgabe des Gymnasiums nicht die auf den Beruf vorbereitende Wissensvermittlung, sondern »die allgemeine Menschenbildung«, also die Schulung des Charakters, des moralischen Verständnisses und des Denkvermögens, weshalb in seinen Augen drei Fachgebiete völlig ausreichten: die Mathematik, die alten Sprachen und die Geschichte. Dabei ist es natürlich nicht geblieben. Mit der technisch-industriellen Revolution kamen die Naturwissenschaften hinzu, mit dem Erstarken der Nation (und auch des Nationalismus) folgte das Fach Deutsch. Man solle, so Wilhelm II. 1889, »nationale junge Deutsche erziehen, nicht Griechen und Römer«.

Die Schüler schätzen den Frontalunterricht

Versuche, das humanistische Bildungsideal nach den Weltkriegen wiederzubeleben, blieben ohne Erfolg, sodass das altsprachliche Gymnasium heute eine kleine, aber stabile Minderheit versorgt. Die Mehrheit bevorzugt naturwissenschaftlich, neusprachlich oder musisch orientierte Gymnasien. Trotz dieser Unterschiede sind die Gemeinsamkeiten so bestimmend, dass man nach wie vor von »dem« deutschen Gymnasium sprechen kann. Es gibt wissenschaftlich ausgebildete Lehrer, es gibt Fächer, es gibt Klassen. Der von Pädagogen missachtete, von Schülern geschätzte Frontalunterricht dominiert. Gleichwohl hat sich das Gymnasium in Maßen modernisiert, aber wegen seiner Bindung an die Tradition »gilt es heute in weiten Kreisen der Erziehungswissenschaft als Symbol für ein überholtes Bildungssystem«, wie Heinz-Elmar Tenorth kürzlich in einem Vortrag bemerkte. Tenorth ist Professor für Historische Erziehungswissenschaft und ein Verteidiger des Gymnasiums. Es blicke zurück »auf eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte«, wie sie kaum eine andere Schulform vorzeigen könne. Die Gesamtschule jedenfalls, die zu ihrem Beginn (Mitte der sechziger Jahre) als Einheitsschule gedacht war und das Gymnasium ersetzen sollte, hat die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt, vor allem nicht die einer verstärkten Integration sozial benachteiligter Schüler.

Woher aber kommt die regelmäßig anbrandende Welle antigymnasialer Ressentiments? Es gab und gibt in Deutschland einen bürgerlichen Selbsthass, der sich zuletzt in der 68er-Revolte Ausdruck verschaffte. Legitim daran war die Wahrnehmung, dass die zentralen bürgerlichen Institutionen, darunter eben auch das Gymnasium, dem Nazi-Terror nicht nur keinen Widerstand entgegengebracht, sondern ihm oftmals Vorschub geleistet hatten. Das deutsche (deutschsprachige) Gymnasium war in seinen finstersten Augenblicken auch die Heimat des autoritären Charakters, wie ihn Heinrich Mann in seinem Roman Professor Unrat (1904) dargestellt hat, es war eben auch der Ort einer schwarzen Pädagogik, wie sie uns in Friedrich Torbergs Erzählung Der Schüler Gerber (1930) oder in Robert Musils Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906) begegnet. Das Versagen angesichts der Nazis jedoch betrifft nahezu alle Institutionen einschließlich der Kirchen, und sie deshalb zu verwerfen führt in den Fehler des Gegenteils.

Geblieben ist ein ideologischer Vorbehalt, der sich nicht selten mit dem Argument der Chancengleichheit tarnt. Wobei man sofort hinzufügen muss, dass dieses Argument, unabhängig von den unreinen Motiven hier und da, vollauf ernst zu nehmen ist. Denn es stimmt: Das deutsche Gymnasium bietet kein ausgewogenes Abbild der sozialen Struktur dieses Landes. Nach wie vor wird es vor allem von Schülern der Mittelschicht besucht, allerdings in geringerem Ausmaß als früher, da lediglich zehn Prozent eines Jahrgangs zum Abitur kamen (1970). Heute ist es im Schnitt ein Drittel, in manchen Stadtregionen fast die Hälfte, was eben auch bedeutet, dass das Gymnasium keineswegs mehr exklusiv ist. Und doch ist es keine Schule der Unterschicht, naturgemäß. Man weiß, dass sich die Grundschullehrer in den sogenannten Gymnasialempfehlungen nicht nur nach den puren Leistungen richten, sondern auch nach dem Bild, das der Schüler abgibt. Und hier spielt der Habitus eine unvermeidliche Rolle, der Einklang mit der unbewussten Vorstellung des Lehrers davon, welche Art des Sprechens und Benehmens eine positive Prognose nahelege. Es kommt hinzu, dass Eltern der Mittelschicht auf die Gymnasialempfehlung zumeist dringenden Wert legen, dem sie unter Umständen Nachdruck zu verschaffen wissen, während Eltern der Unterschicht, wenn sie überhaupt in Erscheinung treten, oftmals gleichgültig wirken.

Das Gymnasium abzuschaffen würde den Benachteiligten nicht helfen

Für all das kann das Gymnasium natürlich gar nichts, aber es wird ihm angelastet. Wie man ja generell beobachten kann, dass die Schule zum allzuständigen gesellschaftlichen Reparaturbetrieb herabgewürdigt wird. Von alters her ist sie für die Bildung da oder, wenn man das Wort nicht mag, für die Ausbildung, aber keineswegs für die Einübung von Kindern in zivilisatorische Grundlagen. Wenn nun der Staat, wie es immer öfter notwendig scheint, Vormundschaftsaufgaben wahrnehmen muss, dann hat er die Schulen entsprechend auszustatten, und vor allem muss er früher damit beginnen als im Alter von Grundschülern oder gar Gymnasiasten.

Es ist aber die Tatsache, dass im Gymnasium die sogenannten besserverdienenden und besser gebildeten Kreise überproportional vertreten sind, den Kämpfern für die Chancengleichheit dermaßen ein Dorn im Auge, dass sie die Einheitsschule gern durchsetzen würden, wenn sie nur könnten – ganz so, als ob dadurch, dass man eine gut funktionierende Schulform abschaffte, andere einen Vorteil davon hätten. Dergleichen passiert gerade in Hamburg, wo die schwarz-grüne Koalition alles daransetzt, die Gymnasien zu vernichten. Die Einführung einer für alle verbindlichen Primarschule reduziert die gymnasiale Zeit auf sechs Jahre (nachdem sie zuvor auf acht gekürzt worden war). Es bedeutet leider, dass damit das Schicksal der wenigen strikt altsprachlichen Gymnasien, die es noch gibt, besiegelt ist. Es bedeutet aber vor allem, dass damit der letzte Rest dessen, was einst Gymnasium hieß, zum Kurzstreckenlauf verkümmern muss, an dessen Ende die optimale Punktezahl im Abi steht. Könnte es nicht sein, dass Bildung heute das Gegenteil bedeuten müsste? Ein Freiraum nämlich, der offen ist für die Muße und die Musen, für die Lust an der Sache, gar für Umwege oder Seitenwege, damit der Schüler sich selbst und seine Fähigkeiten entdecke.

Derlei in Zahlen zu übersetzen wäre nicht leicht, aber vielleicht ist Bildung ja etwas, das man nicht unbedingt messen muss. Auch wenn man der Ansicht wäre, dieser in andere Sprachen kaum übersetzbare Begriff sei eine deutsche, eine vergangenheitspathetische Sonderbarkeit und der ewige Humboldt sei passé, dann müsste man doch eine andere Idee an seine Stelle setzen. Wer aber den eben erschienenen Band Bildung? Bildung! (Berlin Verlag) in die Hand nimmt, der erlebt sein graues Wunder. Von Ausnahmen abgesehen, erhebt hier ein Ökonomismus drohend sein Haupt, der vom Humankapital spricht, das unser rohstoffarmes Land in Zeiten der Globalisierung möglichst gründlich ausschöpfen müsse; von den Kosten, die das Bildungssystem uns allen verursache; vom lebenslangen Lernen, von Metakompetenz, von Steuerungslogik und all diesen tristen Dingen. Und die meisten der 26 Autoren (viele waren oder sind Mitglieder des Wissenschaftsrates und anderer hochmögender Institutionen) reden davon in einer derart tristen Sprache, dass man nur zu dem Schluss kommt: Lasst uns endlich nicht mehr über Bildung reden!

Lasst uns stattdessen endlich akzeptieren, dass das deutsche Gymnasium nicht abschaffbar ist. Es ist nämlich, wie Heinz-Elmar Tenorth zeigt, eine »Leitinstitution«, was heißt, dass alles, was wir über Schule und Bildung reden, davon unbewusst bestimmt ist. Ob man es nun furchtbar findet oder nicht: Dieses Leitbild ist weniger vom Professor Unrat geprägt als von der Feuerzangenbowle und vom Fliegenden Klassenzimmer. Und weil das so ist, wird das deutsche Gymnasium noch manche Reform überleben.

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Leserkommentare
    • eloxer
    • 22. Juni 2009 19:46 Uhr

    Ich habe das Abitur am Gymnasium gemacht, an dem man mir gesagt hatte ich würde zur Elite gehören. Meiner Frau hat man das in ihrem Gymnasium auch gesagt. Ich habe aber auch die U.S. Highschool besucht und meine Frau kennt auch das Berufskolleg. Meine Frau hat Lehramt studiert und die wissenschaftlichen Untersuchungen sprechen eine klare Sprache: Man kann sich wirklich vom Gymnasium verabschieden. Es ist im vergleich öde. Man ist dadurch nicht besser für das Leben vorbereitet. Schüler hassen Frontalunterricht, weil es fürchterlich öde ist. Lehrer hassen Frontalunterricht, weil es fürchterlich anstrengend ist. Schüler und Lehrer hassen den Klassenraum, den guten alten Käfig. Schüler hassen Fächer, weil sie unvernetzt und deshalb öde sind. Schüler möchten Projekte, den gemeinsamen Lerngegenstand. Im Studium ist das anders organisiert. Viele Leute blühen erst im Studium auf, wenn sie sich zum Abitur "durchgekämpft" haben. Ich habe die gymnasiale Schule als ein fürchterliches Folterinstrument gegen Kinder verstanden. Am Gymnasium ist nur der Elitarismus bewährt. Das Gymnasium ist beliebt, weil es sozialen Aufstieg verspricht. In Zeiten der sich beschleunigenden sozialen Ungleichheit ist dies wichtiger denn je. Natürlich will man gerade deshalb das Gymnasium nicht abschaffen - man wird ja nicht an dem einzigen Baum während der Flut sägen. Nicht weil es so eine tolle Krone (Didaktik) anbietet, sondern weil es hoch (elitär) ist. Die dt. Schule ist im allgemeinen ein Zulieferbetrieb für die Industrie. Es ist kein Ort, an dem Menschen "wachsen" und "leben".

    Natürlich kann man das Gymnasium ersetzen. Wir müssen das gesamte Bildungsystem renovieren. Und natürlich muss das dt. Bildungswesen (6.4Mrd€)viel mehr Geld erhalten, als die GEZ für's Fernsehen eintreibt (7.2Mrd€ nur so als Maßstab!). Glotze oder Bildung, es ist auch eine Sache der Prioritäten.

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    etwas am Schulsystem auszusetzen. Siehe auch Thomas Mann und Kurt Tucholsky in ihren Schriften. Es gab nichts Schlimmeres als die Schule. Damals passte das Schulsystem aber in die Zeit, war sozusagen das Spiegelbild der Gesellschaft ( Ordnung und Disziplin ). Heute ist die Schule das auch ( Unordnung und keine Disziplin ). Ein heilloses Durcheinander. Wie die heutige Zeit eben. Jeder will was zu sagen haben und ist im Prinzip gegen alles. Ich halte deshalb das Gymnasium ( ich habe Mitte der 50-Jahre da Abitur gemacht ) fuer wichtig, auch wenn ihm der Ruf einer Elite anhaftet. Aber ohne Eilte geht's im Leben nun mal nicht. Jeder junge Mensch ist froh, wenn er zur Elite gehoert und nicht zu den Verlierern. Dafuer muss man aber ein bisschen mehr tun. Das Gymnasium hilft dabei.

    Aus Kommentar Nr. 1: "Schüler hassen Frontalunterricht, weil es fürchterlich öde ist.... Schüler und Lehrer hassen den Klassenraum, den guten alten Käfig. Schüler hassen Fächer, weil sie unvernetzt und deshalb öde sind. Schüler möchten Projekte, den gemeinsamen Lerngegenstand."

    Trifft alles für mich nicht zu (ich habe 1972 Abitur gemacht). Ich mochte Frontalunterricht. Ich fand "unvernetzte" Fächer großartig. Ich fand "Projekte" immer gekünstelt und umständlich, eine Verschwendung von Zeit und Aufwand auf Nebensächlichkeiten: warum einen Motor bauen, wenn ich ihn nur verstehen will? Ich mochte fächerübergreifendes Lernen nicht und habe immer noch das Gefühl, dass dabei jedes der beteiligten Fächer verwässert wird.

    Dass ich im wesentlichen mein Gymnasium gemocht habe, liegt sicher auch daran, dass es wohl eine gute Schule in einem bürgerlich-behüteten, bildungsorientierten Umfeld war und ich mit meinen Interessen dazu passte.

    Sicher gibt es Schüler die das anders empfinden. Die oben zitierte Generalisierung ist aber sicher nicht richtig.

    Ich denke es kommt vor allem darauf an, wie in der frühkindlichen Erziehung seitens der Eltern oder Kindergärten die Lernbereitschaft gefördert wird.

    Wer sich nicht für die Welt um sich herum interessiert und alles als gegeben nimmt, sieht in der Schule/dem Gymnasium vielleicht nur Zeitverschwendung und Langeweile.
    Den Leuten, die gerne lernen, wird auf dem Gymnasium die Chance geboten, ein fundiertes Grundwissen zu erlangen, welches die Bereiche der Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Sprachen und Künste umfasst.

    Ich kann natürlich schlecht über ihre Erfahrungen auf dem Gymnasium urteilen, aber es gibt Gymnasien und Gymnasien. Persönlich hab ich damals sehr positive Erfahrungen gesammelt, die Lehrer waren nett und bemüht, unsere Schule war sehr gut ausgebaut und der Unterricht meistens spannend.

    Würde die NRW-Bildungsbarbie Frau Sommer sich den Plänen ihrer hamburgischen Kollegen anschließen, würde es mich sehr erschrecken, weil das Gymnasium bleibt die einzige problemlos funktionierende Bildungsinstitution außer den Hochschulen.

    Man darf soziale Probleme nicht als ein mangelndes Bildungsangebot ansehen, den das wird angeboten, aber in den seltensten Fällen angenommen.

    Mit freundlichen Grüßen an das St.-Anna Gymnasium Wuppertal,

    f.zillo

  1. etwas am Schulsystem auszusetzen. Siehe auch Thomas Mann und Kurt Tucholsky in ihren Schriften. Es gab nichts Schlimmeres als die Schule. Damals passte das Schulsystem aber in die Zeit, war sozusagen das Spiegelbild der Gesellschaft ( Ordnung und Disziplin ). Heute ist die Schule das auch ( Unordnung und keine Disziplin ). Ein heilloses Durcheinander. Wie die heutige Zeit eben. Jeder will was zu sagen haben und ist im Prinzip gegen alles. Ich halte deshalb das Gymnasium ( ich habe Mitte der 50-Jahre da Abitur gemacht ) fuer wichtig, auch wenn ihm der Ruf einer Elite anhaftet. Aber ohne Eilte geht's im Leben nun mal nicht. Jeder junge Mensch ist froh, wenn er zur Elite gehoert und nicht zu den Verlierern. Dafuer muss man aber ein bisschen mehr tun. Das Gymnasium hilft dabei.

    Antwort auf "Das Gymnasium"
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    "Ich halte deshalb das Gymnasium ( ich habe Mitte der 50-Jahre da Abitur gemacht ) fuer wichtig, auch wenn ihm der Ruf einer Elite anhaftet."

    Eher der Ruf von Arroganz, eben das verwechseln diejenigen, die sich selbst gerne als "Elite" bezeichnen gar zu oft. Es ist einer der Gründe warum ich z.B. Gymnasien hasse (obwohl ich selbst eines besucht habe). Nur weil jemand einen höheren Bildungsabschluß hat, ist er nicht automatisch besser, intelligenter oder symphatischer. Sowas muss man sich verdienen, ein staatliches Zeugnis reicht nicht.


    "Aber ohne Eilte geht's im Leben nun mal nicht. Jeder junge Mensch ist froh, wenn er zur Elite gehoert und nicht zu den Verlierern."

    Wow, was für eine Aussage. Looser und Elite. Dazwischen gibts für dich nichts? Warum muss es in einer Gesellschaft überhaupt "Verlierer" geben? Wir machen doch keinen Wettkampf oder sowas? Wer hingegen schon Kinder in entsprechende Kategorien zu sortieren versucht, ist in meinen Augen sogar ausgesprochen pervers.

    "Dafuer muss man aber ein bisschen mehr tun. Das Gymnasium hilft dabei."

    Das durfte nicht fehlen. Ein bisschen Selbstbeweihräucherung und Selbstrechtfertigung. Die Looser sind faul, aber ich war auf dem Gym, ich war fleissig! Ich habe meinen Status redlich verdient! *würg*

    Viel Spaß beim CDU wählen.

  2. "Ich halte deshalb das Gymnasium ( ich habe Mitte der 50-Jahre da Abitur gemacht ) fuer wichtig, auch wenn ihm der Ruf einer Elite anhaftet."

    Eher der Ruf von Arroganz, eben das verwechseln diejenigen, die sich selbst gerne als "Elite" bezeichnen gar zu oft. Es ist einer der Gründe warum ich z.B. Gymnasien hasse (obwohl ich selbst eines besucht habe). Nur weil jemand einen höheren Bildungsabschluß hat, ist er nicht automatisch besser, intelligenter oder symphatischer. Sowas muss man sich verdienen, ein staatliches Zeugnis reicht nicht.


    "Aber ohne Eilte geht's im Leben nun mal nicht. Jeder junge Mensch ist froh, wenn er zur Elite gehoert und nicht zu den Verlierern."

    Wow, was für eine Aussage. Looser und Elite. Dazwischen gibts für dich nichts? Warum muss es in einer Gesellschaft überhaupt "Verlierer" geben? Wir machen doch keinen Wettkampf oder sowas? Wer hingegen schon Kinder in entsprechende Kategorien zu sortieren versucht, ist in meinen Augen sogar ausgesprochen pervers.

    "Dafuer muss man aber ein bisschen mehr tun. Das Gymnasium hilft dabei."

    Das durfte nicht fehlen. Ein bisschen Selbstbeweihräucherung und Selbstrechtfertigung. Die Looser sind faul, aber ich war auf dem Gym, ich war fleissig! Ich habe meinen Status redlich verdient! *würg*

    Viel Spaß beim CDU wählen.

    Antwort auf "Es gibt immer"
  3. Aus Kommentar Nr. 1: "Schüler hassen Frontalunterricht, weil es fürchterlich öde ist.... Schüler und Lehrer hassen den Klassenraum, den guten alten Käfig. Schüler hassen Fächer, weil sie unvernetzt und deshalb öde sind. Schüler möchten Projekte, den gemeinsamen Lerngegenstand."

    Trifft alles für mich nicht zu (ich habe 1972 Abitur gemacht). Ich mochte Frontalunterricht. Ich fand "unvernetzte" Fächer großartig. Ich fand "Projekte" immer gekünstelt und umständlich, eine Verschwendung von Zeit und Aufwand auf Nebensächlichkeiten: warum einen Motor bauen, wenn ich ihn nur verstehen will? Ich mochte fächerübergreifendes Lernen nicht und habe immer noch das Gefühl, dass dabei jedes der beteiligten Fächer verwässert wird.

    Dass ich im wesentlichen mein Gymnasium gemocht habe, liegt sicher auch daran, dass es wohl eine gute Schule in einem bürgerlich-behüteten, bildungsorientierten Umfeld war und ich mit meinen Interessen dazu passte.

    Sicher gibt es Schüler die das anders empfinden. Die oben zitierte Generalisierung ist aber sicher nicht richtig.

    Antwort auf "Das Gymnasium"
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    • th
    • 24. Juni 2009 20:23 Uhr

    zwischen mehr praktischen Projekten und mehr theoretischem Unterricht. Es kann natürlich auch mal theoretisch ausgerichtete "Projekte" geben, wie z.B. Seminararbeiten. Guter Unterricht braucht beides, aber erfolgreiche Projektarbeit stellt an die Fähigkeiten und das Engagement des Lehrers höhere Anforderungen, und zwar umso mehr, je größer die Anzahl der Teilnehmer ist. Frontalunterricht kann man im Extremfall sogar im Auditorium Maximum abhalten, und wenn einige Schüler abschalten, stört das die anderen nicht.

    man sollte aus der Schuldiskussion etwas Druck herausnehmen, und auf der anderen Seite bereit sein, ordentlich zu investieren. Und vom prinzip ausgehen, dass jedes Kind die Chance bekommen soll, sich so gut als möglich zu entwickeln, anstatt in ein starres Raster - "mittlere, gehobene oder höhere Beamtenlaufbahn" - gepresst zu werden.

    Auf jeden Fall aber nicht absurderweise einmal sieben (mit 10-12 Jahren) und dann sind alle Chancen verteilt.

  4. Ich denke es kommt vor allem darauf an, wie in der frühkindlichen Erziehung seitens der Eltern oder Kindergärten die Lernbereitschaft gefördert wird.

    Wer sich nicht für die Welt um sich herum interessiert und alles als gegeben nimmt, sieht in der Schule/dem Gymnasium vielleicht nur Zeitverschwendung und Langeweile.
    Den Leuten, die gerne lernen, wird auf dem Gymnasium die Chance geboten, ein fundiertes Grundwissen zu erlangen, welches die Bereiche der Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Sprachen und Künste umfasst.

    Ich kann natürlich schlecht über ihre Erfahrungen auf dem Gymnasium urteilen, aber es gibt Gymnasien und Gymnasien. Persönlich hab ich damals sehr positive Erfahrungen gesammelt, die Lehrer waren nett und bemüht, unsere Schule war sehr gut ausgebaut und der Unterricht meistens spannend.

    Würde die NRW-Bildungsbarbie Frau Sommer sich den Plänen ihrer hamburgischen Kollegen anschließen, würde es mich sehr erschrecken, weil das Gymnasium bleibt die einzige problemlos funktionierende Bildungsinstitution außer den Hochschulen.

    Man darf soziale Probleme nicht als ein mangelndes Bildungsangebot ansehen, den das wird angeboten, aber in den seltensten Fällen angenommen.

    Mit freundlichen Grüßen an das St.-Anna Gymnasium Wuppertal,

    f.zillo

    Antwort auf "Das Gymnasium"
    • Manu84
    • 22. Juni 2009 22:33 Uhr

    Danke schön...ein wirklich toller, ausgewogener Artikel. Und was mir besonders gut gefallen hat:

    "Und hier spielt der Habitus eine unvermeidliche Rolle, der Einklang mit der unbewussten Vorstellung des Lehrers davon, welche Art des Sprechens und Benehmens eine positive Prognose nahelege. Es kommt hinzu, dass Eltern der Mittelschicht auf die Gymnasialempfehlung zumeist dringenden Wert legen, dem sie unter Umständen Nachdruck zu verschaffen wissen, während Eltern der Unterschicht, wenn sie überhaupt in Erscheinung treten, oftmals gleichgültig wirken."

    Es ist nämlich beileibe nicht so, dass die Lehrer blinde Zensoren sind, die die armen Unterschichtenkinder aus Böswilligkeit vom Gymnasium fernhalten, sondern oftmals einfach erkennen, dass ausser einem zumindest mittelmäßigen Notenschnitt (2,... oder so, kennen den genauen Wert nicht) eventuell auch ein gewisses Auftreten verlangt werden darf sowie eine einigermaßen fehlerfreie Beherrschung von Deutsch sowohl schriftlich als auch mündlich. Und auch der zweite Teil des Zitats stimmt vollkommen; die Eltern sind es, die ihren Kindern die höhere Bildng verweigern, und nicht die Schulen.

    PS: Wer sich selber als Elite bezeichnet, kann eigentlich gar nicht dazugehören, oder? Und warum soll es verdammt nochmal so toll sein, wenn es etwas wie eine Elite gibt? Meiner Meinung nach steht ein ehemaliger Realschüler mit guter abgeschlossener Lehre mit 19 Jahren fester im Leben und hat auch eine bessere Ausgangsposition als ein Gymnasiast.

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    • th
    • 24. Juni 2009 20:27 Uhr

    ohne Rücksicht auf den "Habitus" - nur das wäre "gerecht" - wenn auch nicht sehr human.

    Tatsächlich sollten _alle_ Kinder gefördert werden, und die, welche es brauchen, ein bisschen mehr. Aber bis das in die Köpfe hineingeht ...

  5. Tut mir Leid, anders lässt es sich nicht beschreiben. Von einem für Die Zeit schreibenden Journalisten kann man wohl ein Mindestmaß an Rechercheaufwand verlangen. Herr Greiner schreibt sich aber nur die Gefühle vom Leib und lügt sich dabei einen in die Tasche. So viele unrichtige Behauptungen habe ich selten in einem Zeitungsartikel gelesen. Und der Rest ist reine Polemik.

    Ich zähle auf:
    - "erfreut sich das deutsche Gymnasium immer noch und immer mehr des Zuspruchs der Eltern." Bitte dazu ein paar Zahlen. Und überhaupt: Im Vergleich womit? Die Nachfrage ist groß, zweifellos, aber die Nachfrage nach Gesamtschulen ist größer... Dass Haupt- und Realschulen gerade sterben ist bloß der Anfang vom Ende des dreigliedrigen Schulsystems.

    - "Trotz dieser Unterschiede sind die Gemeinsamkeiten so bestimmend, dass man nach wie vor von »dem« deutschen Gymnasium sprechen kann. Es gibt wissenschaftlich ausgebildete Lehrer, es gibt Fächer, es gibt Klassen." Großartig, das hat man an anderen Schulen nie gesehen. Den Ironietag muss ich übersehen haben.
    - "Der von Pädagogen missachtete, von Schülern geschätzte Frontalunterricht dominiert. " Wenn überhaupt, dann wird er von Lehrern geschätzt, die es nicht anders kennen. Ansonsten Unsinn, zumal man dabei wenig lernt.

    - "aber wegen seiner Bindung an die Tradition »gilt es heute in weiten Kreisen der Erziehungswissenschaft als Symbol für ein überholtes Bildungssystem«" Quatsch, es gilt als überholt, aber aus ganz anderen Gründen - weil es (als Teil des dreigliedrigen Schulsystems) sehr effektiv Kindern aus sozial schwachen Familien vom Abitur abhält und so soziale Unterschiede zementiert. Zudem gelten leistungsmäßig heterogen besetzte Klassen insgesamt als leistungsstärker. Mit anderen Worten: Das Gymnasium verhindert effektivere Bildung, aber das ist ja gar nicht so wichtig, denn in erster Linie geht es dabei um etwas ganz anderes, nämlich die Hierarchisierung der Gesellschaft. Klappt ja auch wunderbar.

    - "Die Gesamtschule jedenfalls, die zu ihrem Beginn (Mitte der sechziger Jahre) als Einheitsschule gedacht war und das Gymnasium ersetzen sollte, hat die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt, vor allem nicht die einer verstärkten Integration sozial benachteiligter Schüler." Das ist schlicht falsch. Auf jede Publikation, die das zu beweisen versucht, kommen hundert, die das Gegenteil belegen.

    - "Woher aber kommt die regelmäßig anbrandende Welle antigymnasialer Ressentiments? Es gab und gibt in Deutschland einen bürgerlichen Selbsthass, der sich zuletzt in der 68er-Revolte Ausdruck verschaffte." Das erinnert mich vom Duktus eher an die Junge Freiheit, aber immerhin wird hier deutlich, woher der Wind weht. Um gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: ich bin Jahrgang 76 und habe nichts mit den 68ern am Hut.

    - "Legitim daran war die Wahrnehmung, dass die zentralen bürgerlichen Institutionen, darunter eben auch das Gymnasium, dem Nazi-Terror nicht nur keinen Widerstand entgegengebracht, sondern ihm oftmals Vorschub geleistet hatten. (...) Das Versagen angesichts der Nazis jedoch betrifft nahezu alle Institutionen einschließlich der Kirchen, und sie deshalb zu verwerfen führt in den Fehler des Gegenteils." Schön formulierter Zirkelschluss, Respekt.

    - "Heute ist es im Schnitt ein Drittel, in manchen Stadtregionen fast die Hälfte, was eben auch bedeutet, dass das Gymnasium keineswegs mehr exklusiv ist. Und doch ist es keine Schule der Unterschicht, naturgemäß." Wenn sich zwei Sätze hintereinander widersprechen, dann hat der Lektor geschlafen... Schön vor allen Dingen das "naturgemäß".

    - "Könnte es nicht sein, dass Bildung heute das Gegenteil bedeuten müsste? Ein Freiraum nämlich, der offen ist für die Muße und die Musen, für die Lust an der Sache, gar für Umwege oder Seitenwege, damit der Schüler sich selbst und seine Fähigkeiten entdecke." Dafür gibt es ja schon Gesamtschulen. ;-)

    Den rudimentären Verweis auf den armen Humboldt (der kann sich schließlich nicht mehr wehren) fand ich interessant. Gerade erst gestern las ich an gleicher Stelle, hier bei Zeit online einen Artikel über die häufig missgedeutete Rolle Humboldts bei der Strukturgebung der Universitäten.
    Auf die Schulen treffen die dortigen Ausführungen doch genauso zu - Herr Greiner sollte sich daher mal ein paar passendere Vorbilder suchen.

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    • th
    • 24. Juni 2009 20:29 Uhr

    die Sprache des Artikels trieft ...

  6. Ich habe meine Schulausbildung 2001 abgeschlossen und das Gymnasium in guter Erinnerung behalten. Insbesondere scheint mir der Frontalunterricht gerade vorteilhaft für die Wissensvermittlung zu sein. Schade war nur, dass man mit etwas mehr Druck noch viel mehr hätte lernen können - gerade den schwächeren Schüler wäre das zugute gekommen.
    Gegenüber lag eine Realschule, der Austausch mit den dortigen Schülern ging gegen Null. Aus gesellschaftspoltischer Sicht sicher bedenklich, für den Lernfortschritt der Gymnasiasten aber ohne Nachteile. Wie hätte wohl ein gemeinsamer Unterricht aussehen können? Während der Lehrer die stärlsten Schüler unablässig mit neuem Wissen/Aufgaben versorgen muss, hat er gleichzeitig den schwächsten Schülern die Grundlagen von vor 2 Schuljahren zu erklären?
    Meines Erachtens wird ein Unterricht in stark heterogenen Klassen den Fortschritt der besten Schüler bremsen. Welche Eltern wollen das hinnehmen?

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    "Insbesondere scheint mir der Frontalunterricht gerade vorteilhaft für die Wissensvermittlung zu sein."

    Verglichen mit was? *Frontalunterricht* ist ohnehin eher synonym mit Stopf-Wissen und Auswendiglernen. Ich hab bestimmt nix dagegen, wenn jemand vorne was mit den Schülern herleitet oder ihnen demonstriert, das kann sogar sehr effektiv sein.


    "Schade war nur, dass man mit etwas mehr Druck noch viel mehr hätte lernen können - gerade den schwächeren Schüler wäre das zugute gekommen."

    Du hast definitiv kein G8 gemacht. Dass man mit mehr Druck mehr lernt ist ohnehin meist eine Fehleinschätzung, insbesondere der Lehrer und Eltern. Man lernt selektiv für die Fächer in denen es viel Druck gibt, alle anderen vernachlässigt man, insbesondere auch evtl. nützliche Hobbies (über mein Hobby bin ich z.B. an meinen Beruf gekommen).

    Da alle Anreize extrinsisch sind (man wird gezwungen oder gelockt), vergisst man die meisten gelernten Sachen sofort nach der Klausur wieder, gegen viele Fächer entwickelt man sogar ausgesprochene Abneigungen, die sich das ganze restliche Leben negativ auswirken können. Ich kenne z.B. Leute, die schon bei der einfachsten Mathe-Aufgabe aufstecken, weil sie in dem Fach traumatisiert sind, sie hassen es so sehr, dass sie jede Beschäftigung damit ablehnen.

    "Aus gesellschaftspoltischer Sicht sicher bedenklich, für den Lernfortschritt der Gymnasiasten aber ohne Nachteile."

    *lol* wie willst du das einschätzen? Du hast ja gar keinen Vergleich. Dass die üblichen Klassenziele erreicht wurden, sagt ja nichts darüber aus, was versäumt wurde.

    "Während der Lehrer die stärlsten Schüler unablässig mit neuem Wissen/Aufgaben versorgen muss, hat er gleichzeitig den schwächsten Schülern die Grundlagen von vor 2 Schuljahren zu erklären?"

    Wenn man vom Frontalunterricht ausgeht eine unlösbare Aufgabe. Tut man das nicht, könnte man z.B. Lerngruppen organisieren. Die guten Schüler vertiefen und wiederholen beim Erklären ihr Wissen, lernen soziale Fähigkeiten und den schwächeren Schülern wird lehrerfrei geholfen. Aber solche Techniken muss auch ein Lehrer erst lernen.

    "Meines Erachtens wird ein Unterricht in stark heterogenen Klassen den Fortschritt der besten Schüler bremsen. "

    Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Frage ist doch: wie heterogen ist eine Klasse? Und: warum ist sie das?

    In meinen Augen sollte der Staat mit Vorschule und späterer Einschulung etc. dafür Sorge tragen, dass die Klassen nicht zu heterogen sind. Es geht z.B. nicht an, dass die Schüler kein deutsch sprechen können oder allenfalls rudimentär, wie soll man sowas Auffangen ohne dabei massenweise Zeit zu verlieren?

    Mit anderen Worten: der Bildungsstand auf dem gestartet wird, sollte nicht zu unterschiedlich sein. Wird im Folgenden darauf geachtet, dass er sich nicht zu sehr divergiert, sehe ich keinen Grund warum eine Leistungsselektion nötig sein sollte. Wenn ein Schüler nicht mehr mitkommt, dann muss man ihm helfen, nicht ihn kategorisieren und abkapseln. Es ist vollkommen schwachsinnig, bei einem sich entwickelnden Kind ein bestimmtes unveränderliches Intelligenzniveau feststellen zu wollen. Sowas schaffen nur CDU-Wähler.

    Ich bin für mehr staatliche Bildungsverantwortung und das geht weit über WischiWaschi-Gesamtschulen hinaus. Kein Schüler darf mehr hängen gelassen werden. Deutschland sollte endlich ein Land der Bildung werden. Bezahlbar ist es ohnehin, seit der Krise wissen wir, welche Geldmengen locker gemacht werden können.

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