Preise Die PreisfrageSeite 2/2
Eine Deflation hingegen scheint dem Durchschnittsverbraucher erst einmal nicht so viel Angst einzuflößen, zu verlockend scheint es, dass sein Erspartes schon morgen mehr wert würde. Aber der fortwährende Preisdruck einer Geldaufwertung »lähmt die Lust zu investieren«, wie einst André Kostolany sagte, und fügt damit der Volkswirtschaft schweren und dauerhaften Schaden zu. »Dann hätte ich lieber ein bisserl Inflation«, sagte Kostolany. Er war sich damit einig mit den meisten Ökonomen, die Deflation noch mehr fürchten als Inflation.
So warnt auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger zurzeit vor deflationären Tendenzen in Höhe von minus 0,5 bis ein Prozent. »Steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne, wegbrechende Exporte – das wird dafür sorgen, dass wegen der fehlenden Nachfrage die Preise sinken und es im schlimmsten Fall zu einer Spirale nach unten kommt«, sagt Bofinger.
Auch Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sieht für die Zeit der Krise eher die Gefahr einer Deflation: »Durch den Einbruch geraten die Preise und vor allem die Löhne unter Druck, so kann eine Preisspirale nach unten entstehen«, sagt er. Das Perfide daran sei, dass ei- ne solche Entwicklung nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sei: »Über ihre Zinspolitik kann die Zentralbank nichts mehr beeinflussen, sie kann nur noch über Wertpapierkäufe Liquidität bereitstellen und hoffen, dass das wirkt.« Inflationsszenarien dagegen seien erst dann vorstellbar, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehme. »Wenn Preise und Löhne wieder steigen und die Geldpolitik weiter expansiv gefahren würde, besteht eine solche Gefahr.« Allerdings nur theoretisch, denn dann würden die Notenbanken die Liquidität über Wertpapierverkäufe wieder aus dem Markt herausnehmen, und der Markt würde wieder von den Geschäftsbanken übernommen. »Dieses Problem ist lösbar«, sagt er.
HWWI-Präsident Straubhaar befürchtet wiederum, dass »die expansive Geldpolitik von heute den Keim für die Inflation von morgen« lege. Weil die Zentralbanken nicht rechtzeitig und entschlossen genug gegensteuern, sobald sich die Wirtschaft wieder erholt habe. Schon ab 2011 könnte sie in der Euro-Zone bei fünf Prozent liegen, auf längere Sicht könne auch ein weite- rer Anstieg nicht ausgeschlossen werden: »Und tatsächlich ist die Inflation keine Frage von morgen, sie läuft bereits.« Heute schon sehe man die Teuerung auf den Finanz- und Vermögensmärkten: »Die Inflation zeigt sich nicht im Verbraucherpreisindex, aber in den steigenden Preisen von Aktien, Gold, Rohstoffen und Erdöl.«
Folgen Anleger Straubhaars Szenario, sollten sie sich spätestens ab dem kommenden Jahr auf die Investition in Sachwerte konzentrieren und beispielsweise festverzinsliche Anlagen meiden. Das Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch würde bei einer Inflation seinen Wert verlieren. Reale Anlagen, wie zum Beispiel Immobilien, wären dafür in Inflationszeiten ein sicherer Hafen. Und inflationsindexierte Anleihen wälzen das Risiko auf den Emittenten ab. Aber auch wer in Aktien, also in Anteile an Unternehmen, investiert, sorgt für eine Geldentwertung vor. Ein Engagement am Aktienmarkt allerdings ist aktuell aus anderen Gründen riskant. »Die Kurse sind in den vergangenen Wochen vergleichsweise stark gestiegen«, sagt Straubhaar. Dieser enorme Anstieg lasse sich realwirtschaftlich nicht rechtfertigen – es besteht also die Gefahr, dass die Kurse wieder einbrechen. »Aus meiner Sicht kann man erst in den kommenden Jahren wirklich absehen, welche Unternehmen wie aufgestellt sein werden.«
Die Crux dabei ist: Haben die Deflationsprognosen recht, müsste sich der Anleger genau andersherum verhalten: also am besten sein komplettes Bargeld unter der Matratze aufbewahren und darauf verzichten, dafür etwas zu kaufen, auch keine Immobilien. Denn das Geld würde automatisch mehr wert und es würde kostspieliger, Schulden zu bedienen, die ebenso im Wert stiegen. Privaten Investoren bleibt nichts anderes übrig, als sich eine eigene Meinung zu bilden. »Inflationsrisiken sind ja nur eine Form von Geldanlagerisiken«, sagt Rudolph. »Die Verantwortung für den Erfolg einer Geldanlage lässt sich nicht einfach auf den Finanzberater abwälzen.«
- Datum 29.06.2009 - 10:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
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Wie stark schrumpft die Geldmenge momentan dadurch dass schlechte Schuldner pleite gehen oder gute Schuldner ihre Schulden zurückbezahlen.
Ich weiss nicht wie sie auf die Idee kommen Herrn Straubhaar als Wissenschaftler zu bezeichnen.
Um die stagnierenden Verbraucherpreise brauchen wir uns wohl kein allzu großes Kopfzerbrechen zu machen - die nach den Wahlen fällige saftige Umsatzsteuererhöhung wird die dicken Portemonnaies verschlanken. Und viele Deutsche werden bald auch die furchtbare Sorge, wo und wie sie ihr Geld anlegen, nicht mehr spüren - weil sie, arbeits- oder auftragslos geworden, das Zeug zum Überleben benötigen.
... Wissenschaft hingegen sollte schon auf Wissen basieren und daher ist die Frage Inflation/Deflation keine Glaubensfrage, sondern eine reine Wissenfrage. Daher zunächst mal die Theorie: um eine Inflation auszulösen bedarf es zunächst eines starken Massenimpulses, wo plötzlich massenhaft Waren überall nachgefragt werden und es vielleicht sogar zu gewissen Engpässen führt.
Praktisch gesehen passiert aber genau das Gegenteil. Seit Jahren wird fast nur noch für Halde produziert, da die Massenkaufkraft systematisch beschnitten wurde, mit gleichzeitigem Druck auf die Realwirtschaft den Wachstum zu erhöhen (was auch zu der Krise mitgeführt hat). Das wird nun durch die Krise noch zusätzlich verstärkt, da diese unnötigen Überkapazitäten in der Realwirtschaft ja irgendwie abgebaut werden müssen. Arbeitsplatzabbau = Kaufkraftabbau lautet hier die einfache Formel, die eigentlich jeder versteht, und: Kaufkraftabbau = Produktionsabbau - und hier schliesst sich der Kreis. Das nennt man Depression und in einer solchen Phase sind Preiserhöhungen der reinste Wahnsinn, da die Kaufkraft schon ohnehin schlecht ist.
Die Verfechter der Inflationstheorie scheinen also sich nur darauf zu stützen, dass zur Zeit schon wieder die Rohstoff- und Ölpreise in die Höhe gehen. Manche wollen da sogar schon wieder einen Aufschwung erkennen. In Wirklichkeit aber gelangt von dem Zentralbankengeld kaum etwas dort, wo die Maschine Wirtschaft wirklich schmiert - und dumme Handlanger in der Politik verhindern es auch noch durch hirnrissige Gesetze oder schlichtes Nichtstun. Wir sind zu Geiseln einer ganzen Branche geworden, die vor lauter 'Erfolg' nicht mehr merkt, dass sie an dem Ast sägt, auf dem sie sitzt.
Daher... Glauben spielt für mich persönlich in dieser Frage keine Rolle, nur die nackten Fakten zählen und die machen mir inzwischen richtig Angst - Deflation ist auch nur das kleinere Übel davon. Wir haben einfach die falschen Leute an den Hebeln, die vor lauter Ideologieverblendung die Fakten gar nicht kennen wollen und nur noch zu ihrem Eigennutz agieren.
Ihre Argumente klingen sehr plausibel.
Prognosen sind meistens unsicher; insbesondere dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.
Exzellenter Kommentar. Man könnte dem höchstens noch hinzufügen, dass in ökonomischer Hinsicht Inflationsangst, Verschuldungshysterie und Exportfixiertheit das magsiche Dreieck der deutschen Irrationalitäten bildet (die zudem oftmals auch noch ideologisch unterlegt sind)
Ihre Argumente klingen sehr plausibel.
Prognosen sind meistens unsicher; insbesondere dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.
Exzellenter Kommentar. Man könnte dem höchstens noch hinzufügen, dass in ökonomischer Hinsicht Inflationsangst, Verschuldungshysterie und Exportfixiertheit das magsiche Dreieck der deutschen Irrationalitäten bildet (die zudem oftmals auch noch ideologisch unterlegt sind)
Man kennt den bonitären Kreislauf - also den der Güter. Man kennt den monetären Kreislauf - also den der Zahlungsmittel. Preisstabilität erwartet man theoretisch dann, wenn der Güternmenge in etwa die gleiche Menge an Zahlungsmitteln gegenüber steht.
Viele Bürger geben aber ihr Einkommen nie komplett aus. Deshalb dient Geld auch als Wertaufbewahrungsmittel. Diese Funktion ist in den letzten Jahren durch Zocken pervertiert, so dass große Geldmittel vernichtet worden sind.
Die entscheidende Frage ist also: Haben wir es immer noch -trotz Wertvernichtung durch die letzte Finanzkrise- mit einem Nachfrage- oder eher mit einem Angebotsübergang zu tun.
Wo ist der Gleichgewichtspreis für wichtige Verbrauchs- und Gebrauchsgüter. Auf diesem Hintergrund muss man die Nachfrage neu erfasst und bewertet werden. Theoretische Modelle "bringen es" diesbezüglich nicht. Die Märkte können nur bei gegebenen Terms of Trade reagieren.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
...ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.
Dennoch halte ich dafür, dass nach einer Phase der Depression nebst leicht deflationären Tendenzen eine gewaltige Inflation kommt. Es gibt einfach zu viele Dollar und zu wenig Werte dafür.
Durch die enge Verflechtung mit der US-Wirtschaft (und die synchrone Geldmengen-Expansionspolitik dieser Tage) wird die Geldentwertung über den Atlantik schwappen.
Ich wette, Straubhaar hat recht: Hat er recht, bekomme ich 100 Prozent auf meinen Wetteinsatz plus Inflationsrate, hat er unrecht zahle ich 100 Prozent minus Deflationsrate.
Ja, die Gefahr einer Reflation ist durchaus gegeben, aber in diesem Fall wäre sie noch nicht mal wirklich tragisch, denn sie wäre nur ein Anzeichen dafür, dass unten genug ankommt, um die Angebots- und Nachfragestabilität wieder her zu stellen. Gleichzeitig würde nämlich die Wirtschaft tatsächlich wieder 'brummen' und hätte somit wieder Bedarf nach Arbeitskräften. Solcheine Inflation aber lässt sich schnell abwürgen, sobald das Geld wieder 'teuer' wird, was sie an sich recht gut beherrschbar macht. Deflation dagegen ist hartnäckig und lässt sich nur bekämpfen, indem man der gesamten Bevölkerung eine Systemrelevanz zuschreibt. Derzeit geniessen sie aber nur die Banken, die aber lieber in ihrer eigenen Liga spielen, wo die Bevölkerung nur als Zahlmeister oder Kunde zum Abzocken auftritt.
Wenn Sie von der Dollarflut reden, dann meinen sie eine "Importierte Inflation". Die tritt aber nur bei festen Wechselkursen auf. Ich bleibe also bei meiner Auffassung. Inflation findet nicht statt.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
Ja, die Gefahr einer Reflation ist durchaus gegeben, aber in diesem Fall wäre sie noch nicht mal wirklich tragisch, denn sie wäre nur ein Anzeichen dafür, dass unten genug ankommt, um die Angebots- und Nachfragestabilität wieder her zu stellen. Gleichzeitig würde nämlich die Wirtschaft tatsächlich wieder 'brummen' und hätte somit wieder Bedarf nach Arbeitskräften. Solcheine Inflation aber lässt sich schnell abwürgen, sobald das Geld wieder 'teuer' wird, was sie an sich recht gut beherrschbar macht. Deflation dagegen ist hartnäckig und lässt sich nur bekämpfen, indem man der gesamten Bevölkerung eine Systemrelevanz zuschreibt. Derzeit geniessen sie aber nur die Banken, die aber lieber in ihrer eigenen Liga spielen, wo die Bevölkerung nur als Zahlmeister oder Kunde zum Abzocken auftritt.
Wenn Sie von der Dollarflut reden, dann meinen sie eine "Importierte Inflation". Die tritt aber nur bei festen Wechselkursen auf. Ich bleibe also bei meiner Auffassung. Inflation findet nicht statt.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
Ihre Argumente klingen sehr plausibel.
Prognosen sind meistens unsicher; insbesondere dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.
Ja, die Gefahr einer Reflation ist durchaus gegeben, aber in diesem Fall wäre sie noch nicht mal wirklich tragisch, denn sie wäre nur ein Anzeichen dafür, dass unten genug ankommt, um die Angebots- und Nachfragestabilität wieder her zu stellen. Gleichzeitig würde nämlich die Wirtschaft tatsächlich wieder 'brummen' und hätte somit wieder Bedarf nach Arbeitskräften. Solcheine Inflation aber lässt sich schnell abwürgen, sobald das Geld wieder 'teuer' wird, was sie an sich recht gut beherrschbar macht. Deflation dagegen ist hartnäckig und lässt sich nur bekämpfen, indem man der gesamten Bevölkerung eine Systemrelevanz zuschreibt. Derzeit geniessen sie aber nur die Banken, die aber lieber in ihrer eigenen Liga spielen, wo die Bevölkerung nur als Zahlmeister oder Kunde zum Abzocken auftritt.
Exzellenter Kommentar. Man könnte dem höchstens noch hinzufügen, dass in ökonomischer Hinsicht Inflationsangst, Verschuldungshysterie und Exportfixiertheit das magsiche Dreieck der deutschen Irrationalitäten bildet (die zudem oftmals auch noch ideologisch unterlegt sind)
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