Hypo Real Estate Die Mutter aller Pleiten

Ein maßloser Chef, eine Tochterfirma außer Rand und Band, eine machtlose Finanzaufsicht: Die Immobilienbank Hypo Real Estate ist der teuerste Rettungsfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte – und Quelle vieler Legenden. Ein Drama in acht Akten

Kein Namensschild, keine Initialen, nichts. Niemand soll sehen, wer hier wohnt. Niemand soll klingeln oder Briefe einwerfen – zumindest keiner, von dem der Hausherr das nicht will. Ein Briefkasten mit einem geschwungenen Posthorn drauf. Ein weiß lackiertes Eisentor. Daneben eine riesige Dreiergarage. Dahinter: die Villa. Als wäre sie ein Versteck.

Vaterstetten, 20 Autominuten östlich von München. Wer hier wohnt, will seine Ruhe haben. Den Mann in der Villa nennen sie nur den »Skandalbanker«. Den »Pleitebanker«. Er heißt: Georg Funke. Er war: Vorstandschef der Hypo Real Estate, kurz HRE, von deren Börsengang 2003 bis zu seinem Rücktritt im Herbst 2008.

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Glaubt man der offiziellen Geschichte, dann kam da einer aus dem Nichts und verschwand im Nichts. Niemand hatte Funke auf dem Zettel, bevor er an die Spitze der HRE rückte. Er war keiner der old boys der Deutschland AG, kein smarter Newcomer. Jetzt ist er wieder abgetaucht. Und dazwischen?

Hat er im Alleingang eine Bank ruiniert. Hat die Regierung der Bundesrepublik Deutschland gezwungen, fast 100 Milliarden Euro an Bürgschaften und direkten Staatshilfen zu gewähren. Hat den Staat genötigt, erstmals eine private Bank zu übernehmen. Funke war selbstverliebt und gierig. Und nun wagt er es noch, gegen seine fristlose Kündigung und den Stopp aller Geldzahlungen zu klagen.

Funke ist die Finanzkrise.

Das ist die Geschichte, die jeder kennt. Aber war es wirklich so?

Wahrscheinlich hat jeder Bundesbürger in den vergangenen neun Monaten irgendwann von der HRE gehört. Nach den beiden nächtlichen Rettungsaktionen im Herbst. Nach dem Streit über die Entmachtung der Aktionäre im Frühjahr. Nach der Hauptversammlung Anfang Juni, die die Verstaatlichung ermöglichte. Die HRE prägte das Wörterbuch der Krise: Systemrelevanz. Enteignung. Bad Bank. Und jetzt: Untersuchungsausschuss.

Es ist eine Geschichte, die einen Schuldigen braucht, das ist fast zwingend bei solch einem Drama. Funke könnte seine Version erzählen, will aber nicht, auch nicht im Beisein seines Anwalts. Die Wahrheit ist kompliziert. Und so kommt es, dass die Bank, über die seit Ausbruch der Krise mehr berichtet, geschrieben und diskutiert wurde als über jede andere, dass diese Bank bisher niemand wirklich kennt.

1. Akt: Berlin, am Donnerstag dieser Woche. Am späten Nachmittag wird Georg Funke das Paul-Löbe-Haus betreten, einen Betonriegel voller Abgeordnetenbüros und Sitzungsräume, direkt an der Spree. Er wird in einen der gläsernen Aufzüge steigen und hinauf in den zweiten Stock fahren. Oben angekommen, werden ihm Kamerateams und Fotografen den Weg versperren, man wird versuchen, ihm eine Gasse zu bahnen, hinein in den Sitzungssaal Nummer 2300, bis hin zu seinem Stuhl. Vor ihm auf dem Tisch wird sein Namensschild stehen, direkt daneben das seines Anwalts.

»Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«, heißt es in Artikel 20 des Grundgesetzes. Im Untersuchungsausschuss dürfen die Repräsentanten des Volkes ihre Fragen stellen. Funke gegenüber werden elf Abgeordnete sitzen, seit Ende April beschäftigen sie sich mit der Beinahepleite der HRE. Allein die drei Oppositionsparteien haben 76 Beweisanträge eingebracht. Funkes Auftritt ist der erste Höhepunkt.

Man muss sich eine Zeugenbefragung im Untersuchungsausschuss als Kräftemessen vorstellen. Hier die Opposition. Dort die Regierung. Hier die FDP. Dort die SPD. Hier Volker Wissing. Dort Nina Hauer. Wissing will zeigen: Die Krise der Bank war absehbar, also hat die Regierung versagt. Hauer will zeigen: Ohne die überraschende Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, ohne den Kollaps der Finanzmärkte hätte die HRE überlebt.

Vielleicht versteht man diesen Gegensatz am besten, wenn man das Debakel der HRE mit dem Untergang eines Schiffes vergleicht. Aus Sicht der Opposition war dieses Schiff zu schnell unterwegs, es hatte große Löcher im Rumpf, die man früh hätte stopfen können. Die Sicht der Regierung ist eine andere: Das Schiff hatte Schäden, aber es war fahrtüchtig – und nach allen bisherigen Erfahrungen hätte es den rettenden Hafen erreicht. Dann aber kam eine unvorhersehbare Monsterwelle.

Wissing fragt scharf, schnell, fast wie ein Staatsanwalt. Hauer fragt anders. Suggestiver. Verständnisvoller. »Also hat der Finanzminister das nicht wissen können?« ist so eine typische Frage.

Vor Volker Wissing steht ein silberner Laptop, in den er ständig neue Fragen hackt.

Vor Nina Hauer steht eine silberne Thermoskanne mit Tee.

Ihr Kräftemessen ist auch deshalb so seltsam, weil die Redezeit ungleich verteilt ist, entsprechend der Sitzverteilung im Bundestag. FDP, Linke und Grüne haben je nur sieben bis acht Minuten pro Fragerunde, Union und SPD mehr als doppelt so viel.

Spielchen, all das. Obwohl es hier doch um Fragen geht, die sich alle Bürger stellen: War die Rettung der Bank wirklich 100 Milliarden Euro Steuergeld wert? Hat die Regierung das Desaster kommen sehen? Und lag der entscheidende Fehler womöglich schon in der Gründung der HRE?

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 18.06.2009 um 11:20 Uhr

    Irgendwie ... schicksalhaft. Griechische Tragödie. Hereingebrochen
    - wie ja auch der zweite Weltkrieg - einfach so - ausgebrochen ist.

    So einer taugt perfekt als Sündenbock – vor allem für jene, die sich reinwaschen wollen. Die behaupten, schon immer gewarnt zu haben. Die nie irrten. Wie jene Linken, die von jeher wussten, dass der Markt versagt. Wie jene Liberalen, die dem Staat und seinen Beamten nie trauten.

    Nun - ich lese die nachdenk-seiten, und ...

    • NoG
    • 18.06.2009 um 11:29 Uhr

    danke erstmal fuer so eine umfangreichen bericht.
    haette schon viel frueher hier stehen koennen bzw. muessen.

    was mich wundert und auch hier nicht geklaert wurde, ist die rolle der deutschen bank/ ackermann.
    wieso besetzt quasi er den neuen vorstandsposten und den aufsichtsratvorsitz mit "seinen" leuten?
    was hat die deutsche bank denn nun eigentlich mit der hre genau zu tun?

    erschreckend ist sowas hier:

    "Dürfte die BaFin die Geschäftsmodelle von Banken prüfen, hätte sie den Kauf der Depfa wohl untersagt. Die Möglichkeit dazu war 2004 im Entwurf einer Aufsichtsrichtlinie vorgesehen. Sie kam wegen der Lobbyarbeit der Banken so nie zustande."

    das ist offensichtlich nicht mehr unser staat.

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    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    Dazu und auch zum Untersuchungsausschuss gibt es Fernsehreportagen, namentlich Frontal21 und WISO (ZDF Mediathek) und Monitor und PlusMinus (ARD Mediathek).
    Demnach wird vermutet, dass die DB der größte Gläubiger der HRE ist. Außerdem ist der Pfandbriefhandel das wichtigste Standbein der DB in Verbindung mit den Immobiliengeschäften der HRE. Ohne eine Rettung der HRE wäre es auch schlecht um die DB bestellt gewesen.
    Ackermann, der heroisch auf direkte Staatshilfen für die DB verzichtet hat, hat die DB indirekt über Staatshilfen für IKB und HRE stabilisiert. Die DB hatte als größter Gläubiger der AIG sogar 11 Millarden $ aus dem amerikanischen Rettungsfonds erhalten.
    Im Falle der IKB 2007 war es sogar so, dass es die Deutsche Bank war, welche der IKB die Schrottpapiere verkaufte an denen sie beinahe Pleite ging. Dann hat der Steuerzahler für Ackermanns Renditewahnsinn aufkommen dürfen.
    Wie auch immer. Ich danke Zeit Online für diesen ausführlichen Bericht. Das ist genau die Art der Information, welche ich so oft vermisse. Gerade in einer Zeit, in welcher kaltblütige Geschäftemacher die Verworrenheit, Hektik und Panik einer Krise für sich ausnutzen. Bestes Beispiel ist das BMF und die HRE Rettung, ohne dass der Finanzminister ausreichend über die Bank informiert war. Es musste ja plötzlich sehr schnell gehen.

    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    Dazu und auch zum Untersuchungsausschuss gibt es Fernsehreportagen, namentlich Frontal21 und WISO (ZDF Mediathek) und Monitor und PlusMinus (ARD Mediathek).
    Demnach wird vermutet, dass die DB der größte Gläubiger der HRE ist. Außerdem ist der Pfandbriefhandel das wichtigste Standbein der DB in Verbindung mit den Immobiliengeschäften der HRE. Ohne eine Rettung der HRE wäre es auch schlecht um die DB bestellt gewesen.
    Ackermann, der heroisch auf direkte Staatshilfen für die DB verzichtet hat, hat die DB indirekt über Staatshilfen für IKB und HRE stabilisiert. Die DB hatte als größter Gläubiger der AIG sogar 11 Millarden $ aus dem amerikanischen Rettungsfonds erhalten.
    Im Falle der IKB 2007 war es sogar so, dass es die Deutsche Bank war, welche der IKB die Schrottpapiere verkaufte an denen sie beinahe Pleite ging. Dann hat der Steuerzahler für Ackermanns Renditewahnsinn aufkommen dürfen.
    Wie auch immer. Ich danke Zeit Online für diesen ausführlichen Bericht. Das ist genau die Art der Information, welche ich so oft vermisse. Gerade in einer Zeit, in welcher kaltblütige Geschäftemacher die Verworrenheit, Hektik und Panik einer Krise für sich ausnutzen. Bestes Beispiel ist das BMF und die HRE Rettung, ohne dass der Finanzminister ausreichend über die Bank informiert war. Es musste ja plötzlich sehr schnell gehen.

  1. [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    Antwort auf "sehr interessant"
  2. Dazu und auch zum Untersuchungsausschuss gibt es Fernsehreportagen, namentlich Frontal21 und WISO (ZDF Mediathek) und Monitor und PlusMinus (ARD Mediathek).
    Demnach wird vermutet, dass die DB der größte Gläubiger der HRE ist. Außerdem ist der Pfandbriefhandel das wichtigste Standbein der DB in Verbindung mit den Immobiliengeschäften der HRE. Ohne eine Rettung der HRE wäre es auch schlecht um die DB bestellt gewesen.
    Ackermann, der heroisch auf direkte Staatshilfen für die DB verzichtet hat, hat die DB indirekt über Staatshilfen für IKB und HRE stabilisiert. Die DB hatte als größter Gläubiger der AIG sogar 11 Millarden $ aus dem amerikanischen Rettungsfonds erhalten.
    Im Falle der IKB 2007 war es sogar so, dass es die Deutsche Bank war, welche der IKB die Schrottpapiere verkaufte an denen sie beinahe Pleite ging. Dann hat der Steuerzahler für Ackermanns Renditewahnsinn aufkommen dürfen.
    Wie auch immer. Ich danke Zeit Online für diesen ausführlichen Bericht. Das ist genau die Art der Information, welche ich so oft vermisse. Gerade in einer Zeit, in welcher kaltblütige Geschäftemacher die Verworrenheit, Hektik und Panik einer Krise für sich ausnutzen. Bestes Beispiel ist das BMF und die HRE Rettung, ohne dass der Finanzminister ausreichend über die Bank informiert war. Es musste ja plötzlich sehr schnell gehen.

    Antwort auf "sehr interessant"
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    • NoG
    • 18.06.2009 um 12:52 Uhr

    die rolle der deutschen bank bzw die vermutungen kannte ich bereits.
    wie gesagt, aergerlich das dies hier nicht thematisiert wird.

    ich vermute auch mal den "tieferen sinn":

    lieber eine hre die im prinzip keiner kennt, als das internationale finanzaushaengeschild der stolzen exportnation.
    man stelle sich mal die pleite der deutschen bank, die verstaatlichung oder die uebernahme der deutschen bank durch ein auslaendisches institut vor...

    ich wuerde sagen die lobbyarbeit der deutschen bank ist um einiges besser.
    nicht umsonst hat ackermann verlaengert - er hat halt die besten beziehungen nach berlin.

    ich wuensche dem kontrollausschuss alles gute.
    im uebrigen ist mir vollkommen egal aus welchem motiv heraus linke und fdp hier agieren.

    und an die zeit: die luecken im artikel duerfen ruhig geschlossen werden.
    spaetestens bei einer image-kampagne schaltet die deutsche bank auch in ihrer zeitung wieder anzeigen. ;)

    • HBogon
    • 18.06.2009 um 13:41 Uhr

    Die Deutsche Bank ist wesentlicher Teil des Problems.

    Zuerst hat sie den Handel mit Schrottpapieren kräftig befördert, dann hat sie etwas schneller als andere gemerkt, dass der Crash bevorsteht und ihre Sprengstoffe bei den Dümmeren abgeladen. Der ganz große Hai frisst halt die anderen Haie.

    Auch die DB wäre längst bankrott und von Steuermitteln abhängig, wenn sie nicht diesen einen Schritt schneller gewesen wäre.

    Soll man dies nun auch noch als Verdienst von Ackermann betrachten?
    Der schwadroniert schon wieder von 25% Profiten und tollen Geschäften, die er wieder auf Kosten anderer machen wird.

    Es wird ZEIT, dass dies endlich in den Medien aufgearbeitet wird. Von der machthabenden Politkaste ist dies nicht zu erwarten.
    Ackermann geht bei Merkel nach Belieben ein und aus. Solange diese Figur Politik, Bankwesen, Großindustrie und die marktradikale Ideologie in Deutschland maßgeblich beeinflusst, kann sich nichts ändern und wird sich auch nichts ändern. Veränderungen fangen bei den Köpfen an.

    • NoG
    • 18.06.2009 um 12:52 Uhr

    die rolle der deutschen bank bzw die vermutungen kannte ich bereits.
    wie gesagt, aergerlich das dies hier nicht thematisiert wird.

    ich vermute auch mal den "tieferen sinn":

    lieber eine hre die im prinzip keiner kennt, als das internationale finanzaushaengeschild der stolzen exportnation.
    man stelle sich mal die pleite der deutschen bank, die verstaatlichung oder die uebernahme der deutschen bank durch ein auslaendisches institut vor...

    ich wuerde sagen die lobbyarbeit der deutschen bank ist um einiges besser.
    nicht umsonst hat ackermann verlaengert - er hat halt die besten beziehungen nach berlin.

    ich wuensche dem kontrollausschuss alles gute.
    im uebrigen ist mir vollkommen egal aus welchem motiv heraus linke und fdp hier agieren.

    und an die zeit: die luecken im artikel duerfen ruhig geschlossen werden.
    spaetestens bei einer image-kampagne schaltet die deutsche bank auch in ihrer zeitung wieder anzeigen. ;)

    • HBogon
    • 18.06.2009 um 13:41 Uhr

    Die Deutsche Bank ist wesentlicher Teil des Problems.

    Zuerst hat sie den Handel mit Schrottpapieren kräftig befördert, dann hat sie etwas schneller als andere gemerkt, dass der Crash bevorsteht und ihre Sprengstoffe bei den Dümmeren abgeladen. Der ganz große Hai frisst halt die anderen Haie.

    Auch die DB wäre längst bankrott und von Steuermitteln abhängig, wenn sie nicht diesen einen Schritt schneller gewesen wäre.

    Soll man dies nun auch noch als Verdienst von Ackermann betrachten?
    Der schwadroniert schon wieder von 25% Profiten und tollen Geschäften, die er wieder auf Kosten anderer machen wird.

    Es wird ZEIT, dass dies endlich in den Medien aufgearbeitet wird. Von der machthabenden Politkaste ist dies nicht zu erwarten.
    Ackermann geht bei Merkel nach Belieben ein und aus. Solange diese Figur Politik, Bankwesen, Großindustrie und die marktradikale Ideologie in Deutschland maßgeblich beeinflusst, kann sich nichts ändern und wird sich auch nichts ändern. Veränderungen fangen bei den Köpfen an.

  3. ... sach mal einer an: Im o.g. Amt arbeiten seit Jahren über 1.000 Leute die nix anners tun als zu kontrollieren und die haben vonner Bankenpleite nichts gecheckt??? ... *häääää* ...

    Die Hauptbeschäftigung im Finanzbusiness schein zu sein, sich gegenseitig Jobs und Einkommen zugeschieben und dann eine riesen Luftnummer zu drehen ... *smile* ... bis es Ihnen zum Halse raushängt. Ich erachte es alles als Dreck und die Teilnehmer an den Börsen agieren ähnlich "Schweinen am Trog".

    Abschliessende Frage zum Artikel: Wie ist es möglich, dass bestimmte Personen, wie z.B. Herr Knobloch gar nicht erst auftauchen???

    Greetz aus Berlin, Ed

  4. Aber die Reinwaschung der Verantwortlichen stört mich gewaltig. Wenn ich den Artikel lese, waren nur in der Regel erfolgreiche, integere Manager und Politiker im Umfeld der HRE, die auch noch fast alles richtig gemacht haben. Aber leider gibt es Lehman, Bafin, Lobbys, das System und Zufälle, die zusammen so ungünstig gewirkt haben, dass es zum Desaster gekommen ist. So ein Pech aber auch!

    In einem ähnlichen Ton würde ich auch schreiben, um die Personen in der Schusslinie zu schützen:

    -- Die menschliche Seite herauskehren ("Das ist die offizielle, die falsche Geschichte vom glücklichen Rentner." ... "Dabei ist Bruckermann Ende 2007 schwer krank und in sich gekehrt, als »abgekapselt« beschreibt ihn ein Weggefährte."),

    -- Empathie nutzen ("Georg Funke muss dafür seine Villa in Vaterstetten verlassen." Das ist genial -- trotz sachlich richtiger Aussage wird etwas völlig anderes suggeriert.),

    -- Vorzüge herausstreichen (und wenn es die Verwandschaft ist oder von Josef Ackermann angerufen zu werden),

    -- Kleine Fehler zugeben und große Fehler auf andere schieben ("Mit dem Kauf der Depfa besiegelt Funke das spätere Ende der HRE. Als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers untergeht, versiegen schlagartig die Geldquellen der Depfa. Sie reißt die HRE mit. Funkes Bank ohne die Iren – sie würde heute vielleicht noch still vor sich hin arbeiten.")

    -- Zweifel durch den Verweis auf Zufälle und Fehler anderer streuen ("Am Morgen des 29. September spricht Steinbrück von der »geordneten Abwicklung« der HRE. Drei Tage später braucht die Bank weitere 15 Milliarden Euro.")

    Die Absicht ist deutlich zu erkennen, der Grund dafür bleibt unklar.

    Was zum Vergleich spannend und für die Meinungsbildung unverzichtbar ist, wäre die böse Variante der Geschichte. Wenn die Verteidigung ein so eindringliches Plädoyer hält, sollte die Staatsanwaltschaft das auch dürfen, oder?

    Alles Gute
    Kai Hamann

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    • Chali
    • 18.06.2009 um 12:48 Uhr

    Hinzusetzen möchte ich noch:
    Mit Namen arbeiten, wo es ungefährlich ist, ansonsten Superobjekte verwenden. ("Die Linken") ("Die Politik scheut die Reform." Nach 11 Jahren SPD kann ich das nicht bejahen. Es kommt wohl auf die Art der Reform an )

    Ein Wanderer zwischen den Welten: bestens vernetzt in der Frankfurter Finanzindustrie, zugleich einer der wenigen Kapitalmarktexperten im politischen Berlin. Asmussen hat die Deregulierungspolitik der Schröder-Jahre umgesetzt, er warb für die Verbriefung von Krediten und setzte sich für die Zulassung von Hedgefonds in Deutschland ein.

    [...]
    Dürfte die BaFin die Geschäftsmodelle von Banken prüfen, hätte sie den Kauf der Depfa wohl untersagt. Die Möglichkeit dazu war 2004 im Entwurf einer Aufsichtsrichtlinie vorgesehen. Sie kam wegen der Lobbyarbeit der Banken so nie zustande.

    Unbedarft wie ich bin, gehe ich jetzt mal davon aus, dass "die Lobbyarbeit" "der Banken" nun nicht eben eine titanische gewesen ist?

    • Chali
    • 18.06.2009 um 12:48 Uhr

    Hinzusetzen möchte ich noch:
    Mit Namen arbeiten, wo es ungefährlich ist, ansonsten Superobjekte verwenden. ("Die Linken") ("Die Politik scheut die Reform." Nach 11 Jahren SPD kann ich das nicht bejahen. Es kommt wohl auf die Art der Reform an )

    Ein Wanderer zwischen den Welten: bestens vernetzt in der Frankfurter Finanzindustrie, zugleich einer der wenigen Kapitalmarktexperten im politischen Berlin. Asmussen hat die Deregulierungspolitik der Schröder-Jahre umgesetzt, er warb für die Verbriefung von Krediten und setzte sich für die Zulassung von Hedgefonds in Deutschland ein.

    [...]
    Dürfte die BaFin die Geschäftsmodelle von Banken prüfen, hätte sie den Kauf der Depfa wohl untersagt. Die Möglichkeit dazu war 2004 im Entwurf einer Aufsichtsrichtlinie vorgesehen. Sie kam wegen der Lobbyarbeit der Banken so nie zustande.

    Unbedarft wie ich bin, gehe ich jetzt mal davon aus, dass "die Lobbyarbeit" "der Banken" nun nicht eben eine titanische gewesen ist?

    • Chali
    • 18.06.2009 um 12:48 Uhr

    Hinzusetzen möchte ich noch:
    Mit Namen arbeiten, wo es ungefährlich ist, ansonsten Superobjekte verwenden. ("Die Linken") ("Die Politik scheut die Reform." Nach 11 Jahren SPD kann ich das nicht bejahen. Es kommt wohl auf die Art der Reform an )

    Ein Wanderer zwischen den Welten: bestens vernetzt in der Frankfurter Finanzindustrie, zugleich einer der wenigen Kapitalmarktexperten im politischen Berlin. Asmussen hat die Deregulierungspolitik der Schröder-Jahre umgesetzt, er warb für die Verbriefung von Krediten und setzte sich für die Zulassung von Hedgefonds in Deutschland ein.

    [...]
    Dürfte die BaFin die Geschäftsmodelle von Banken prüfen, hätte sie den Kauf der Depfa wohl untersagt. Die Möglichkeit dazu war 2004 im Entwurf einer Aufsichtsrichtlinie vorgesehen. Sie kam wegen der Lobbyarbeit der Banken so nie zustande.

    Unbedarft wie ich bin, gehe ich jetzt mal davon aus, dass "die Lobbyarbeit" "der Banken" nun nicht eben eine titanische gewesen ist?

    Antwort auf "Spannender Artikel"
  5. Wenn es bei einer Massenkarambolage zu einer Serie von Auffahrunfallen kommt, dann würde man eventuell dem einzelnen Fahrer Schuld geben können, wenn allerdings solche Auffahrunfälle die Regel im Straßenverkehr sind, dann liegt ein Systemfehler vor. Es hat sich bei der Finanzkrise um ein globales Ereignis gehandelt, so dass man kaum die Schuld auf einzeln abwälzen kann. Wer hier Abhilfe schaffen wollte, wird sich weniger um staatliche Aufsicht als vielmehr um allgemeine Sitten kümmern müssen. Wenn das Umfeld nicht stimmt, dann gibt es auch keine zuverlässige Finanzwirtschaft und man kann noch von Glück sagen, dass es noch alles so gut funktioniert. Die komplizierten Vorgänge von Wirtschaft, Verwaltung und Technik können nur per Vernunft geregelt werden. Zum anderen ist es kaum möglich, dass wildfremde Personen plötzlich Manager oder gar Vorstandschefs von Banken werden - nur wenn das Umfeld entsprechend ist, dann wird soetwas zur Norm. Eine weitere nicht mehr praktizierte Sitte ist die erfahrbare Konsequenz wirtschaftlicher Fehlentscheidungen. Heutzutage ist die Qualität der Entscheidungen beliebig geworden, weil die wirtschaftlichen Konsequenzen dann politisch aufgefangen werden. Nur ein Teil der Aufwendungen muss durch die Erträge des eigentlichen Hauptgeschäftes erbracht werden, ein anderer Teil wird vom Staat, den Gläubigern oder vielleicht sogar durch Geschäfte in der Grauzone abgedeckt. Dies könnte man sicherlich als Komponente eines neuen halbstaatlichen Wirtschaftssystems betrachten, wenn es die Vernunft nicht gebieten würde, auf die Sachzwänge wirtschaftlichen Handelns hinzuweisen. Wenn Unternehmen praktisch in einer Dauerpleite wirtschaften, dann liegt die Vermutung nahe, dass sie wesentlich mehr Ressourcen verbrauchen als sie selber bereitstellen. Eine geringe Anzahl unwirtschaftlicher Betriebe kann durch die doppelte Anstrengung der anderen noch getragen werden, wenn es allerdings zum Prinzip wird, höhere Kosten als Einnahmen zu erwirtschaften, dann ist der Staatsbankrott nicht mehr fern. Insofern kann man doch nicht sagen, dass der ehemalige Vorstand der HRE Fehler gemacht hat, er hat, so wie es das momentane politische System fördert und zulässt ganz selbstverständlich mit einer staatlichen Verlängerung der Finanzdecke gerechnet. Allerdings ist dies ja auch die Gewohnheit vieler gegenwärtiger Politiker mit dem Gedanken von Verstaatlichungen zu spielen, war dies doch das tragende Prinzip in den Wirtschaften des Ostens gewesen. Als Frage stellt sich nur, ob politisch eine Änderung gewollt wird - da ist nirgendwo ein Schwenk zu entdecken, so dass völlig selbstverständlich unwirtschaftliches Verhalten durch Staatsbürgschaften belohnt wird - bis sehr plötzlich der Staatsbankrott kommt: "Völlig unerwartet, wie die Finanzkrise."

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