Agrarpolitik »Gleitflug für Milchbauern«
Agrarministerin Ilse Aigner will den Erzeugern kurzfristig helfen – und macht ihnen langfristig wenig Hoffnung. Ein Interview über Milchsubventionen und Gen-Innovationen
DIE ZEIT: Wie viele Agrarminister werden die hiesigen Milchbauern noch erleben, bis ihnen einer die Wahrheit sagt: Das Bauernsterben geht weiter?
Ilse Aigner: Ich brauche mich da nicht zu verstecken. Wo ich auch stehe, sage ich: Die Milchquote, die einer künstlichen Verknappung der Milchmenge gleichkommt, läuft nach derzeitiger Beschlusslage aus. Um das zu verhindern, wäre ein Vorschlag der Europäischen Kommission oder ein einstimmiger Beschluss der 27 Agrarminister für die Quote nötig. Beides ist leider wenig realistisch.
ZEIT: Die Pleite Tausender kleiner Milchbetriebe steht also fest?
Aigner: Das ist nicht gesagt. Es überlebt nicht zwingend der größte, sondern derjenige, der sich am besten auf den Strukturwandel einstellt.
ZEIT: Wie helfen Sie den Bauern dabei?
Aigner: Zum Beispiel mit Liquiditätshilfen, die die Phase niedriger Preise überbrücken sollen. Wir können die Direktzahlungen vorziehen oder zinsverbilligte Kredite anbieten. Der Agrardiesel wird stärker bezuschusst, und wir wollen das Milchbegleitprogramm in das europäische Konjunkturprogramm einbauen. Damit könnten wir 1,1 Milliarden Euro für den Milchbereich einsetzen. Für Grünlandbewirtschaftung, Weideprämie oder den Fall, dass sich einzelne Betriebe vergrößern wollen.
ZEIT: Auf Kosten anderer, und der Dieselzuschuss hilft eher den Ackerbauern. Wie viele Bauern wird es also 2020 noch geben?
Aigner: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Gerade kleinere Betriebe haben oft mehrere Standbeine und können auch mal ausweichen in den Tourismus oder die Holzvermarktung. Wer sich allein auf Milch konzentriert, der hat trotz Größe vielleicht schneller Schwierigkeiten.
ZEIT: Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft schätzt, dass sich die Zahl der Betriebe in 13 Jahren halbieren wird.
Aigner: Wir sind unbestritten in einer schwierigen Situation, können aber davon ausgehen, dass der Absatz wieder steigt und damit der Preis.
ZEIT: Aber solche Prognosen zeigen: Die Herausforderung ist größer als in der Automobilindustrie.
Aigner: Es ist eben nicht nur der Absatz in Europa gesunken, mit der Wirtschaftskrise sind uns ganze Märkte weggebrochen, etwa China und Russland.
ZEIT: Liegt die Zukunft in Asien, Afrika, Arabien?
Aigner: Jeder fünfte Landwirt und jeder vierte Beschäftigte in der Ernährungswirtschaft lebt heute vom Export. Und da die Weltbevölkerung deutlich wachsen wird, sollten wir bei ihrer Ernährung dabei sein.
- Datum 18.06.2009 - 10:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
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Da hat sich Frau Aigner nicht grad ein Bein ausgerissen für die Lebensmittelampel, die die Mehrheit der Bundesbürger wollen.
Zitat (Zeit.de):
"Aigner kommt der Brüsseler Entwurf ganz gelegen. Die Mehrheit der Bundesbürger war für die Ampel, die Ministerin aber eher dagegen. Sollte die Ampel nicht eingeführt werden, war wieder einmal Brüssel schuld.
Ist halt das, was Politiker/innen unter Demokratie verstehen.
Es gibt immer wieder tolle Ansätzein Österreich,zum Beispiel den Frischmilchautomaten.
Seit vielen Jahren gibt es immer wieder Initiativen selbst guten Käse
herzustellen und eben gute Milch direkt vom Bauern.
Ein ausgeklügelter Verordnungsdschungel macht das aber sehr
schwer.Selbst wenn z.B die Brüssler Verordnungen eingehalten worden
sind ,kurze Zeit später kommt die nächste Verordnung die alles wieder
kaputt macht.Damit hat die Brüsseler Büreaukratie das Bauernsterben
stark gefördert. Die Schiene z.b JA Natürlich oder Natur pur etc
die eben gut kontrolliert werden müssen werden gerne gekauft und
stärken die Kleinbäuerliche Struktur.
Davon haben zwar nur der Konsument eine deutlich bessere
Qualität und der Bauer kann besser leben.
Wenn wir auf die Irankrise schauen,so kann das durchaus wieder
höhere Ölpreise bedeuten. Das heißt weite Transporte werden teurer.
Das könnte die kleinen Nahversorger,das Kleingewerbe z.B Handwerk
und eben auch die heimische Landwirtschaft fördern.
Nur wer zahlt die Trasportpreise der Nahrungsmittel der Konsument.
Das heißt Assoziationen zwischen Bauern Nahversorgern und
Konsumenten könnten tatsächlich jetzt in der Krise viel positives
auch für die Natur bewirken.Wenn diese Assoziationen Europaweit
zusammenarben,so sollte es möglich sein den Brüsseler
Schreibtischtätern das Handwerk zu legen, denn mit Sachkundigkeit
haben die Brüsseler Gesetze und Förderungen schon lange nichts
zu tun !
So wie die "Diäten" ( für die Parlamentarier ) beileibe nicht mager machen, so ist der "Nährstand" derjenige, der sich am Volke nährt.
Früher waren die Bauern die Ernährer der Nation, heute sind sie die Kostgänger der Nation.
... aus der Region für die Region ist ein guter Ansatz. Wenn es der Landwirt auch noch schafft eigenen Käse, Joghurt und Buttermilch herzustellen finden sich auch bestimmt Hofläden und andere kleine Händler (Schlachter, Bäcker, Wochenmarkthändler) seine solche Produkte vertreiben.
Landwirte die ihre Kühe nur noch im Stall halten, auf deren Güllewiesen nur noch zwei/drei Sorten Gräser vorkommen, können auch nur noch geschmacklich mäßig gute Milch produzieren. Diese Sorte Milch muß es aus kostengründen auch geben, aber nicht soviel!
Haben sie -werter Leser- mal gesehen, was für freudige Bocksprünge Kühe machen, wenn's nach dem Winter im Stall wieder auf die Kräuterwiesn' geht. An dem Spruch mit der "Milch von glücklichen Kühen" ist wirklich etwas dran!
Michel Katzentisch
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