H1N1-Virus Solidarität, jetzt!
Die Grippe-Pandemie ist da. Die ärmsten Länder brauchen Hilfe

© STR/AFP/Getty Images
Auf den Philippinen werden Schulkinder behandelt. Die Amerikagrippe könnte die ärmsten Länder härter treffen als die Länder der Nordhalbkugel
Ein wenig Weltuntergangsstimmung lag am Freitag vergangener Woche in der Luft – zumindest für ein paar Stunden. Am Nachmittag war die Nachricht durchgesickert, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) werde die grassierende Schweinegrippe zur weltweiten Seuche erklären – zur Pandemie.
Doch als die Generalsekretärin Margaret Chan am Abend auf einer Pressekonferenz Details enthüllte, legte sich die Spannung. Das Virus war noch immer vergleichsweise harmlos, es gab keine Empfehlungen für Versammlungsverbote oder Reisebeschränkungen. Doch wer sich jetzt entspannte, verpasste das Wesentliche.
Bisher traf die Schweinegrippe vor allem relativ wohlhabende Staaten. Nun aber, warnte Chan, ziehe das Virus auf die Südhalbkugel und bedrohe die ärmsten Länder. Dort ist die Müttersterblichkeit hoch, sind chronische Krankheiten weit verbreitet und die Gesundheitssysteme überlastet. Chan forderte Solidarität mit dem Süden.
Hilfe für die Ärmsten ist nicht nur aus karitativen Gründen dringend geboten, sie kann helfen, den globalen Seuchenzug einzudämmen. Zwar kündigte der Hersteller Baxter an, er werde einen Impfstoff bereits im Juli liefern, dies aber wohl kaum in ausreichenden Mengen. Antivirale Medikamente wie Tamiflu und Relenza können bis dahin auf der Südhalbkugel die Ausbreitung verzögern. Jeder Infektionsfall weniger mindert die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus zu einem aggressiven Erreger mutiert.
Die Bundesregierung hat 7,5 Millionen Euro zugesagt, notfalls auch mehr. Angesichts von 900 Millionen Menschen allein in Afrika wird Geld allein nicht reichen. Wenn die Menschen einer Weltregion an der Grippe erkranken und der Medikamentennachschub stockt, sollten sich die Bundesländer überlegen, Teile ihrer antiviralen Medikamentenvorräte in die betroffenen Länder zu schicken. Solange hier grippale Sommerpause ist, wäre das nur fair.
- Datum 18.06.2009 - 18:08 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
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Ihr Bitte wurde erhört: Sanofi-Aventis hat der WHO 100 Millionen Impfdosen gespendet (http://www.who.int/mediac...)
Wieso keine Solidarität schon früher? Der Grund für die vornehmliche Ausbreitung der Seuche in reichen Ländern ist a ) die geradezu fahrlässige Reisemanie und b ) die Unbedenklichkeitserklärung der USA. Mexiko hatte die Aubreitung relativ rasch im Griff, im Gegensatz zu den USA. Da es sich hier um einen Reiseknotenpunkt handelt, konnte das Virus sich relativ komfortabel verbreiten. Wer würde sich schon mit einer Grossmacht anlegen, da lässt man lieber gleich die Krankheit einfliegen. Die meisten Fälle in Europa sind ausschliesslich auf USA-Reisende zurückzuführen. Was für eine unsägliche Schlamperei.
Unterernährung, mangelnde hygienische Verhältnisse, Schuldenlast, nach wie vor Ausbeutung durch multinationale Konzerne und Interessen…
Und dann kommt diese böse, böse Grippe - HILFE!
OK, bisher ist sie ja doch recht harmlos aber sie könnte ja noch mutieren und dann wie die Vogelgrippe Millionen Menschen töten.
Wer würde denn die bereitgestellten Mittel bekommen?
Die liebe Pharmaindustrie, denen es so um unsere Gesundheit geht?
Ach ja.. Baxter da war doch was:
H5N1: Baxter kontaminiert Europäische Labors mit Vogelgrippe - versehentlich
Es könnte der Stoff eines US-Thrillers sein, doch es ist bittere Realität: Ausgerechnet der amerikanische Pharmariese Baxter hat in Europa Labors mit dem Erreger der Vogelgrippe verseucht. Die Proben seien versehentlich mit dem H5N1 kontaminiert worden und stammen aus dem Baxter-Werk in Deerfield, Illinois. Inzwischen haben sich in Europa österreichische und tschechische Behörden eingeschaltet. Haben Pharmakonzerne ihre Sicherheitsvorkehrungen noch im Griff?
Und dann noch Tamiflu - hier auf Spiegel online:
Rumsfeld profitiert vom Tamiflu-Boom
Seit sich die Welt durch die Vogelgrippe bedroht sieht, klingeln bei der Erfinderfirma des Gegenmittels Tamiflu die Kassen. Zu den Gewinnern gehört auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.
also Solidarität, jetzt!
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