Liebeskolumne Zerstört das Kind die Beziehung?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Was tun, wenn die Sexualität nach der Geburt des Kindes gestört ist?
Die Frage: Hans und Ulrike sind seit 20 Jahren ein Paar. Sie haben sich schon in der Schule kennengelernt und seither ein sorgloses Beziehungsleben geführt. Endlich ging ihr lang gehegter großer Lebenswunsch in Erfüllung: ein gemeinsames Kind. Jetzt ist ihr Sohn bald ein Jahr alt. Aber Hans und Ulrike hatten seit der Geburt keinen Sex mehr miteinander. Auch während der gesamten Schwangerschaft hatte Ulrike kaum Lust auf Beischlaf. Hans sagt immer wieder, dass das kein Problem für ihn sei und dass es ganz normal sei, in den ersten Monaten nach der Ankunft eines Kindes keinen Sex zu haben. Aber es ist Ulrike, die das fehlende Sexualleben als großes Problem empfindet. Sie sagt, dass sie nun grundsätzlich an der Beziehung zweifelt und überlegt, sich von Hans zu trennen. Was können die beiden tun?
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es mag sein, dass Hans’ erotische Gefühle unverändert sind und er deswegen zuversichtlich ist. Aber Ulrikes Sexualität ist gestört, und das alarmiert sie mit Recht. Ein Kind ändert viel in einer Beziehung. Oft öffnet es einen Weg zu bisher unterdrückten Konflikten. Besonders, wenn es eine auf dem Pausenhof begonnene Ehe ist. Möglicherweise hat Ulrike schon länger Zweifel, ob Hans der Mann ihres Lebens ist. Ihre mütterlichen Gefühle für ihn haben sie aber gehindert, sich das einzugestehen. Die mütterlichen Gefühle haben jetzt ihren richtigen Ort gefunden – und welche Gefühle bleiben für Hans? In diesem Fall wird sich das Problem nicht von alleine lösen. Die beiden müssen sich auf der Mann-Frau-Ebene neu finden, oder sie fangen irgendwann an, einander Mami und Papi zu nennen.
Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de.
- Datum 28.08.2009 - 15:42 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
- Kommentare 5
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"Es mag sein, dass Hans’ erotische Gefühle unverändert sind und er deswegen zuversichtlich ist. Aber Ulrikes Sexualität ist gestört, und das alarmiert sie mit Recht."
- Und da gingen bei mir auch wieder alle Alarmglocken an. Ihre Sexualität ist also gestört, und er hat nichts mit dem Problem selbst am Hut und er kann auch nicht an der Lösung mitarbeiten?
I don't think so. Und wieder scheint das schlimmste aller denkbaren Übel zu sein, dass man "Mama" und "Papa" zueinander sagt. Das passiert Allen (glaube ich) und ist für sich genommen noch nicht schlimm. Mir drängt sich da eher etwas anderes auf wenn ich sowas lese:
"Jetzt ist ihr Sohn bald ein Jahr alt. Aber Hans und Ulrike hatten seit der Geburt keinen Sex mehr miteinander."
Und wieviele ERNSTHAFTE Gespräche hatten die beiden über die Geburt?
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"Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." (Freud)
Anm.: das könnte auch eine SIE gewesen sein
"(. . .)dass man "Mama" und "Papa" zueinander sagt. Das passiert Allen (glaube ich) und ist für sich genommen noch nicht schlimm."
noe, das 'passiert' nicht jedem und nun weiss ich endlich warum meine eltern es so abartig finden wenn andere paare das machen. und ich denke auch nicht dass es ein 'fuer sich genommen' gibt hier da sich gegenseitig mama und papa zu nennen ausdruck einer inneren einstellung ist.
Ja, auf jeden Fall.
Nicht umsonst werden nach Geburt eines Kindes sehr viele Ehen geschieden. Die Ehefrau ist in unserer modernen Zeit so etwas von emanzipiert das Ihr Ihre ehelichen Verpflichtungen scheiß egal sind.
Zudem hielft Ihr unser Scheidungsrecht noch gelassen zu sein.
Der Papa hilft ja auch noch nach einer Scheidung weiter, muss er ja schließlich den lebensstandard der Frau zu finanzieren sebst wen Man(n) im Keller wohnen muß...
Komische Gesellschaftsform...
..., sondern die Eltern entscheiden sich gegen diese. Es ist völlig irrational, diese Verantwortung auf das Kind zu projizieren. Und es ist auch keine komische Gesellschaftsform, dass zu einem Kind immer zwei Eltern gehören, die diese Verantwortung nicht einfach wie einen alten Hut wegwerfen können.
Huch, als ich über diesen Kommentar gestolpert bin, hatte ich sofort das Bedürfnis, den Verfasser zu trösten. Tja, es ist schon ein Problem, wenn Ehefrauen emanzipiert sind ... und seit wir Frauen das Wahlrecht haben, stolpert die Politik bei Lichte betrachtet auch nur von einer Katastrophe in die Nächste. Übel, übel, sprach der Dübel ...
Vielleicht ist an dieser Stelle die Überlegung erlaubt, wie paradiesisch die "vormodernen" Zeiten wohl gewesen sein mögen, wenn sie nur mit einer nicht-emanzipierten (sprich unterworfenen) Ehefrau funktioniert haben.
Aber keine Sorge, lieber Octonet, ich befinde mich im Grunde in großer Übereinstimmung mit Ihnen: Die Emanzipation des Menschen als egomane Bestie, die rücksichtslos für ihr persönliches Lebensglück auf anderen herumtrampeln darf, ist eines der Grundprobleme unserer modernen Gesellschaft. Allerdings betrifft dies nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Bei uns Frauen fällt es nur stärker auf, weil ihr Männer ein solches Verhalten von uns nicht gewohnt seit. -- Während Ihr Männer das ja schon seit Jahrtausenden immer mal wieder macht. Ich verbeuge mich daher vor dem Meister ... ;-))
..., sondern die Eltern entscheiden sich gegen diese. Es ist völlig irrational, diese Verantwortung auf das Kind zu projizieren. Und es ist auch keine komische Gesellschaftsform, dass zu einem Kind immer zwei Eltern gehören, die diese Verantwortung nicht einfach wie einen alten Hut wegwerfen können.
Huch, als ich über diesen Kommentar gestolpert bin, hatte ich sofort das Bedürfnis, den Verfasser zu trösten. Tja, es ist schon ein Problem, wenn Ehefrauen emanzipiert sind ... und seit wir Frauen das Wahlrecht haben, stolpert die Politik bei Lichte betrachtet auch nur von einer Katastrophe in die Nächste. Übel, übel, sprach der Dübel ...
Vielleicht ist an dieser Stelle die Überlegung erlaubt, wie paradiesisch die "vormodernen" Zeiten wohl gewesen sein mögen, wenn sie nur mit einer nicht-emanzipierten (sprich unterworfenen) Ehefrau funktioniert haben.
Aber keine Sorge, lieber Octonet, ich befinde mich im Grunde in großer Übereinstimmung mit Ihnen: Die Emanzipation des Menschen als egomane Bestie, die rücksichtslos für ihr persönliches Lebensglück auf anderen herumtrampeln darf, ist eines der Grundprobleme unserer modernen Gesellschaft. Allerdings betrifft dies nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Bei uns Frauen fällt es nur stärker auf, weil ihr Männer ein solches Verhalten von uns nicht gewohnt seit. -- Während Ihr Männer das ja schon seit Jahrtausenden immer mal wieder macht. Ich verbeuge mich daher vor dem Meister ... ;-))
..., sondern die Eltern entscheiden sich gegen diese. Es ist völlig irrational, diese Verantwortung auf das Kind zu projizieren. Und es ist auch keine komische Gesellschaftsform, dass zu einem Kind immer zwei Eltern gehören, die diese Verantwortung nicht einfach wie einen alten Hut wegwerfen können.
Huch, als ich über diesen Kommentar gestolpert bin, hatte ich sofort das Bedürfnis, den Verfasser zu trösten. Tja, es ist schon ein Problem, wenn Ehefrauen emanzipiert sind ... und seit wir Frauen das Wahlrecht haben, stolpert die Politik bei Lichte betrachtet auch nur von einer Katastrophe in die Nächste. Übel, übel, sprach der Dübel ...
Vielleicht ist an dieser Stelle die Überlegung erlaubt, wie paradiesisch die "vormodernen" Zeiten wohl gewesen sein mögen, wenn sie nur mit einer nicht-emanzipierten (sprich unterworfenen) Ehefrau funktioniert haben.
Aber keine Sorge, lieber Octonet, ich befinde mich im Grunde in großer Übereinstimmung mit Ihnen: Die Emanzipation des Menschen als egomane Bestie, die rücksichtslos für ihr persönliches Lebensglück auf anderen herumtrampeln darf, ist eines der Grundprobleme unserer modernen Gesellschaft. Allerdings betrifft dies nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Bei uns Frauen fällt es nur stärker auf, weil ihr Männer ein solches Verhalten von uns nicht gewohnt seit. -- Während Ihr Männer das ja schon seit Jahrtausenden immer mal wieder macht. Ich verbeuge mich daher vor dem Meister ... ;-))
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