EU hält Studienergebnisse zurück Pillendreher und Geheimniskrämer

Zur Freude vieler Pharmafirmen hält die EU die Ergebnisse von Arzneitests unter Verschluss

Jede Studie zählt. Freiwillige haben in Tests für neue Medikamente ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Ärzte brauchen alle Daten, ohne Ausnahme, um richtig therapieren zu können. Und die Öffentlichkeit möchte zu Recht wissen, ob das, was die Pharmafirmen herstellen, wirklich eine Verbesserung darstellt. Doch noch immer sind nicht alle Arzneistudien zugänglich – vor allem diejenigen nicht, die negativ verliefen.

»Pfizer hält Studien unter Verschluss«, beschwerte sich in der vergangenen Woche das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig). Das Iqwig bewertet seit 2004 den Nutzen von Arzneimitteln. Als das seit 1997 zugelassene Antidepressivum Edronax an die Reihe kam, nannte Hersteller Pfizer sieben Studien mit insgesamt 1500 Patienten.

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Das Iqwig aber stieß bei seinen Recherchen auf neun weitere Studien an 3000 Patienten. »Durch das Verschweigen von Studiendaten nimmt der Hersteller Patienten und Ärzten die Möglichkeit, sich informiert zwischen verschiedenen Therapieoptionen zu entscheiden«, sagt Peter Sawicki, Leiter des Iqwig. Pfizer weist die Vorwürfe zurück.

Doch die Blockade hat Methode. »Wir haben bisher nur zu 60 Prozent unserer Anfragen vollständige Informationen von den Herstellern erhalten«, sagt Beate Wieseler vom Iqwig. Die Produzenten hatten unverbindlich Transparenz zugesichert. So hat auch Pfizer vereinbart, eine Liste aller Studien vorzulegen, »aber Pfizer und andere Pharmaunternehmen erfüllen diese Selbstverpflichtung nicht«, sagt Wieseler. »Häufig unterschreiben sie zwar die Vereinbarung, aber legen trotzdem nicht alle Studien offen. Wir haben dann keine Sanktionsmöglichkeiten.«

Dabei lagern die wertvollen Studiendetails greifbar nahe an zentralem Ort: Schon im Jahr 2004 hatte die Europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMEA) eine Datenbank namens Eudract ins Leben gerufen. Jede neu aufgelegte Pharmastudie in Europa muss hier registriert werden.

Leser-Kommentare
  1. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine "Lösung" zum Problem wird. In dem Moment, wo ein "Geheimnis" als solches bekannt ist, hat es die Tarnkappe bereits verloren und es muß nicht lange dauern, bis die ersten Ergebnisse dieser Studien an die Öffentlichkeit sickern.
    Wenn ich Interesse wecken will, benutze ich am besten Verbote oder Heimlichkeiten.
    Die Arzneimittelindustrie wird mit ihrer oft sehr wagemutigen Werbung immer wieder mit der Realität konfrontiert sein. Das werden Verschlussachen nur hinauszögern können.
    Über die Faktoren, die eine Heilung massgeblich beeinflussen, sind inzwischen einfach viel zu viele einschlägige Untersuchungen und Erfahrungen im Umlauf, dass sich der Schein "objektiver" naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in der gewohnten Eindeutigkeit aufrechterhalten lässt - geschweige denn erschaffen.

    • Olly66
    • 19.06.2009 um 11:58 Uhr

    Man braucht dem Iqwig doch bloß Zugriff auf Eudract einzuräumen. Sowie dem BfArM.
    (Pfrrrrrrr.... welch hässliche Kunstwörter!)

    Ulla, das ist ein Job für dich! Die nächste Kaffeefahrt ausfallen lassen und dafür einen entspr. Gesetzestext ausarbeiten lassen. Du bist doch Ministerin!

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    ...für Frau Zypries und Herrn Schäuble.

    ...für Frau Zypries und Herrn Schäuble.

  2. ...wieso ein Institut (IQWiG), das im Zuge der Gesundheitsreform 2004 als eine Einrichtung der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gegründet wurde und im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses oder des Bundesgesundheitsministeriums tätig ist, nicht ebenso wie die BfArM auf die Daten der Eudract zugreifen darf. Schließlich wird das IQWiG durch Zuschläge für stationäre und ambulante medizinische Leistungen finanziert, und diese Gelder werden überwiegend von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet.

    Warum hat der Gesetzgeber nicht dafür gesorgt, dass dieses Institut seinen Auftrag ordentlich erfüllen kann? Herr Albrecht, bitte recherchieren Sie... :)

    Eine Anmerkung noch: Es soll ja klinische Studien geben, die nicht den Vorgaben der Good Clinical Practice entsprechen. Bei solchen fehlerhaften Studien verbietet sich die Veröffentlichung. Aber für die Gesamtbewertung der Wirkung und Verträglichkeit von Arzneimitteln durch unabhängige Experten sollten sie schon zur Verfügung stehen.

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    hat es bereits kurz und prägnant auf den Punkt gebracht :)

    hat es bereits kurz und prägnant auf den Punkt gebracht :)

  3. hat es bereits kurz und prägnant auf den Punkt gebracht :)

  4. Sehr geehrter Herr Albrecht,

    ich finde das die gesamte Pharmabranche, wie auch viele andere Branchen in einem wirtschaftsdemokratischen Verantwortungsdilemma stecken, welches darin besteht das man Unabhängig von Ergebnissen der Studien diese zu veröffentlichen hat!!! Es wird immer wieder argumentiert, das im negativen Studien die Konkurrenz sich Vorteile verschaffen kann und damit Resourcen zu sparen, usw. Aber schauen Sie sich doch genauer die Daten in Amerika an dort sehen sie wie die Industrie der Sponsoren von Studien agieren. Gerade einmal 10% der Sponsoren haben erst mehr als zweihandvolle Studien veröffentlicht! Dies gilt mir allgemein Verdächtig das sie ihr Verantwortungsdilemma nicht einlösen kann.
    Gruss
    Trizmachine

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    ...Verantwortungsdilemma ?

    Ein Dilemma ist üblicherweise die Qual sich zwischen zwei konträren Themen entscheiden zu müssen, oder wie unsere amerikanischen Freunde sagen würden: "You can't eat the pie and keep it!"

    Verantwortung heißt, für sein Handeln einstehen. Wo gibt es da ein Dilemma ?

    Worum es in Wahrheit geht, ist unser Geld zu kassieren, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen. Schon allein der Zusatz zur Werbung: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker (, bitte nicht Ihren Pharmahersteller)." verdeutlicht das.

    Das firmiert bei uns unter Betrug.

    ...Verantwortungsdilemma ?

    Ein Dilemma ist üblicherweise die Qual sich zwischen zwei konträren Themen entscheiden zu müssen, oder wie unsere amerikanischen Freunde sagen würden: "You can't eat the pie and keep it!"

    Verantwortung heißt, für sein Handeln einstehen. Wo gibt es da ein Dilemma ?

    Worum es in Wahrheit geht, ist unser Geld zu kassieren, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen. Schon allein der Zusatz zur Werbung: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker (, bitte nicht Ihren Pharmahersteller)." verdeutlicht das.

    Das firmiert bei uns unter Betrug.

  5. [entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew]

  6. ...Verantwortungsdilemma ?

    Ein Dilemma ist üblicherweise die Qual sich zwischen zwei konträren Themen entscheiden zu müssen, oder wie unsere amerikanischen Freunde sagen würden: "You can't eat the pie and keep it!"

    Verantwortung heißt, für sein Handeln einstehen. Wo gibt es da ein Dilemma ?

    Worum es in Wahrheit geht, ist unser Geld zu kassieren, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen. Schon allein der Zusatz zur Werbung: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker (, bitte nicht Ihren Pharmahersteller)." verdeutlicht das.

    Das firmiert bei uns unter Betrug.

    Antwort auf "Verantwortungsdilemma"
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    heisst in diesem Zusammnehang positive Studien zu veröffentlichen und negative unter verschluss zu halten. Was man damit Patienten, Betroffenen, Ärzten, Konkurrenten, usw. antut kann sich jeder selben malen... Im Umkehrschluss heisst das auch das viel Müll in den Denkfabriken und - laboren der Pharmabranche lagert...
    Gruss
    Trizmachine

    heisst in diesem Zusammnehang positive Studien zu veröffentlichen und negative unter verschluss zu halten. Was man damit Patienten, Betroffenen, Ärzten, Konkurrenten, usw. antut kann sich jeder selben malen... Im Umkehrschluss heisst das auch das viel Müll in den Denkfabriken und - laboren der Pharmabranche lagert...
    Gruss
    Trizmachine

  7. ...für Frau Zypries und Herrn Schäuble.

    Antwort auf "Ulla, übernehmen Sie"

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