Klimapolitik in den USA Strom aus der WüsteSeite 3/3

ZEIT: Geht das so locker: Kingsize-Kühlschränke und Klimaanlagen ohne Erdöl und Kohle?

Kennedy: Allein in unseren abgelegenen Wüsten könnte man die gesamte elektrische Energie produzieren, die wir brauchen, oder mit Windstrom aus Norddakota, Texas und Montana. Die Bauern dort würden auch gerne riesige Windfarmen errichten. Aber derzeit kriegen sie ihren Strom nicht auf den Markt. Das ist Obamas zweites großes Hindernis: unser veraltetes, über 50 Bundesstaaten und zig Energieversorger verteiltes Stromnetz mit seinen byzantinischen Zugangsregeln. Der Staat muss 150 Milliarden Dollar in ein intelligentes nationales Netz investieren, das jeden Amerikaner erreicht, sodass er sich Strom herausholen oder welchen einspeisen kann, von seiner Fotovoltaikanlage oder aus seinem Elektroauto. Aber etwas Ähnliches haben wir schließlich schon mal hingekriegt.

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ZEIT: Was meinen Sie damit?

Kennedy: 1979 haben wir begonnen, Datenübertragungsleitungen bis zu jedem Haus zu legen. Damals erschien das utopisch, bei IBM winkten sie ab: Der Personal Computer ist eine Sackgasse. Heute hat jeder Amerikaner PC und Internet, es ist laufend billiger geworden, sich zu informieren und zu telefonieren. Das Gleiche wird mit Elektronen passieren.

ZEIT: Sie informieren sich in Deutschland über das Erneuerbare Energien-Gesetz. Planen die USA Ähnliches?

Kennedy: Wir Umweltverbände machen Druck dafür, denn in Deutschland hat das Einspeisungsgesetz für Klimaschutz und Technologieentwicklung bisher offenbar am meisten gebracht. In den Bundesstaaten könnte es schneller gehen als im Kongress; einige Gouverneure sind da schon vorgeprescht. Nur sind die Fördersysteme in den USA kaum durchschaubar. Mein eigenes Haus in Mount Kisco zum Beispiel ist eigentlich eine Art Kraftwerk, wir haben Geothermie, Fotovoltaik, eine Windkraftanlage und im Keller einen Akku zum Speichern. Für alles gäbe es auch Rabatte oder Steueranreize, aber um die zu kapieren, müsste man ein Genie sein! Vielleicht können wir von Deutschland lernen, wie man es besser macht.

ZEIT: Sie kämpfen vor allem für den Gewässerschutz. Was genau tut die Waterkeeper Alliance, die Sie gegründet haben?

Kennedy: Das ist ein Zusammenschluss vieler kleiner Gruppen, deren Patrouillenboote auf den Flüssen Amerikas und in aller Welt unterwegs sind. Wenn wir Verschmutzer erwischen, dann führen wir Prozesse und setzen damit manchmal neues Recht.

ZEIT: Ihr Lieblingsgegner scheint die Schweinefleischindustrie zu sein, seit Jahren liegen Sie mit einem der amerikanischen Marktführer im Clinch. Warum gerade die Speckbarone?

Kennedy: Deren Fleischmengen kann man nur so billig produzieren, wenn die Ausscheidungen gigantischer Tierfabriken im Wasser landen. Oft ist dann Korruption lokaler Politiker und Behörden im Spiel. Wo die Umwelt zerstört wird, da wird meist auch die Demokratie untergraben.

Das Gespräch führte Christiane Grefe

 
Leser-Kommentare
    • PhilN
    • 22.06.2009 um 10:31 Uhr

    Wieso kauft man sich eigentlich noch die Zeit um die gleichen Artikel vier Tage spaeter bereits im Internet zu finden. Der derzeitigen Ausgabe liegt doch ein Dossier ueber die Probleme der NYT bei. Vielleicht sollte man daraus lernen und nicht ebenfalls alles unmittelbar kostenlos zur Verfuegung stellen.

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    Warum bringt man nicht ein kostenpflichtiges aber dafür vollständiges Onlineabo heraus?
    Ich wär der erst der dafür zahlt.

    Warum bringt man nicht ein kostenpflichtiges aber dafür vollständiges Onlineabo heraus?
    Ich wär der erst der dafür zahlt.

  1. 2. Oder:

    Warum bringt man nicht ein kostenpflichtiges aber dafür vollständiges Onlineabo heraus?
    Ich wär der erst der dafür zahlt.

    Antwort auf "Wieso kauft man sich"

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