Aufruhr in Iran Droht jetzt ein Bürgerkrieg?

Wurden die Wahlen wirklich gefälscht? Droht Chaos? Wie reagiert Israel? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Situation in Iran

Teheran: Nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zur Präsidentenwahl kam es zu schweren Tumulten. Wohin steuert Iran?

Hat Mahmud Ahmadineschad durch einen Wahlbetrug gewonnen?

Die Opposition sagt eindeutig: Ja. Für diese These gibt es eine Reihe von Indizien, allerdings keine harten Beweise. Tatsächlich haben Umfragen vor der Wahl ergeben, dass es zwischen Ahmadineschad und seinem Herausforderer Mir Hussein Mussawi zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen könnte. Mit anderen Worten: Ahmadineschad ist eine Mehrheit zuzutrauen, allerdings kaum eine erdrückende von 65 Prozent im ersten Wahldurchgang. Warum? Weil 80 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gegangen sind, und eine hohe Wahlbeteiligung normalerweise Reformkandidaten nutzt. So war es 1997 und 2001, als Mohammed Chatami jeweils mit über 60 Prozent der Stimmen Präsidentenwahlen gewann.

Bei seiner ersten Wahl 2005 erreichte Ahmadineschad zwar auch überraschende 62 Prozent, allerdings war die Wahlbeteiligung mit 49 Prozent relativ niedrig. Sollte er diesmal wirklich 65 Prozent erreicht haben, müssten also große Teile der Wähler, die wenige Jahre zuvor den Reformer Chatami gewählt haben, umgeschwenkt sein, zum Hardliner Ahmadineschad. Das ist sehr unwahrscheinlich.

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Neben dieser »Wählerstromanalyse« gibt es eine Reihe von Hinweisen, dass es bei der Auszählung zu Manipulationen gekommen ist. So ist das Ergebnis sehr schnell bekannt gegeben worden. Das bedeutet, dass Millionen Wahlzettel innerhalb weniger Stunden gezählt worden sein müssten – das ist zumindest erklärungsbedürftig. Stutzig macht auch, dass der Wahlanteil für Ahmadineschad in den verschiedenen Provinzen konstant geblieben ist. Seine Konkurrenten haben nicht einmal in ihren Heimatprovinzen gewonnen oder einen beträchtlichen Stimmenanteil erreicht. Mehdi Karrubi zum Beispiel, der bereits 2005 kandidiert hatte und damals fast in die Stichwahl gekommen war, hat in seiner eigenen Provinz Lorestan gerade mal fünf Prozent bekommen. Landesweit kam er auf nicht mehr als 1,9 Prozent.

Wahlfälschungen werden sich trotz allem kaum beweisen lassen, es bleibt der Eindruck von Manipulationen. Doch auch Mussawi hatte zur Verwirrung beigetragen, indem er sich schon vor dem Schließen der Wahllokale zum Sieger erklärt hatte. Kurz danach verkündete das Innenministerium, Ahmadineschad habe mit einer großen Mehrheit gewonnen.

Ist Ahmadineschads Sieg ein Triumph der Mullahs?

Nein. Mahmud Ahmadineschad selbst ist kein Mullah, und er wurde vor seiner ersten Wahl 2005 von vielen Iranern gerade deshalb gewählt. Er ist der erste Präsident der Islamischen Republik Iran, der kein Mullah ist. In den Augen der Bevölkerung sind die Mullahs korrupt. Sie haben durch den Missbrauch politischer Macht viel Kredit verloren, auch unter den religiösen Iranern. Haschemi Rafsandschani ist die Symbolgestalt dafür. Er trat 2005 gegen Ahmadineschad an und verlor die Wahl mit großem Abstand. Viele Iraner wählten Ahmadineschad, weil er fromm ist, was für Religiöse so viel heißt: Er ist nicht korrupt.

Ahmadineschad hat einen Hintergrund als Milizionär. Er war ein Pasdaran, ein Revolutionswächter, und hat im Krieg gegen den Irak (1980 bis 1988) gekämpft. Die Pasdaran sind seine Machtbasis. In den ersten fünf Jahren seiner Amtszeit hat er zentrale Stellen in Unternehmen, Ministerien und Universitäten mit seinen Gesinnungsgenossen besetzt. In seiner Amtszeit hat eine schleichende Militarisierung stattgefunden. Die Pasdaran verdrängten die Mullahs von den Fleischtöpfen der Revolution. Das ist mit ein Grund für den harten Kampf, den zum Beispiel Rafsandschani gegen Ahmadineschad führt.

Leser-Kommentare
  1. is low, because it would need two strong civil parties. But there's only one strong, the opponents of Ahmadi. Supporters are just a handful (the contrary what Peter Scholl Latour will make us believe, btw.!!!). So, no civil war, hopefully.

    But there is still the Revolutionary Guardians and Basij, which is more dangerous for the current movement.

    Western governments should refrain from their policy of just watching the fraud. Take clear position against Ahmadi, Khamenei and their Coup d'Etat to support Iranian people!!!

  2. to pretend huge support:

    http://kheirkhah.ir/media...

    no media manipulation needed here:

    http://www.flickr.com/pho...

  3. the time would be right for a revolution but it might be doubted that mossavi is prepared to offer anything more than just opposition to the election results. the demonstrations will come to an end soon, but under the surface the people and oppositional brains will develop an alternative to the existing system. the islamic revolution will collapse within the next 5 years. hopefully good forces will take over then. the iranian people deserves better than the last 50 years.

  4. der artikel greift inhaltlich viel zu kurz.
    wir kennen zwei bilder des iran.

    a) das der presse der westlichen welt und des iran selber bis dato.
    b) die selbstdarstellung der jungen generation des iran im internet

    nehmen sie doch anstelle von hochrechnungen einfach INDIKATOREN

    1- das Durchschnittsalter im Iran 24,8 Jahre
    (http://www.geographixx.de...)
    und wieviel jahre seit dem irak- iran krieg ?

    2- ethnische Gruppen
    nur 51 Prozent sind Perser ( wikiped iran)
    fällt auch im unterschiedlichen bildmaterial der presse auf.

    das was wir heute als Demonstration live haben, läuft auf dem internet
    seit Jahren;
    ich kann mich erinnern, dass die iranische opposition vor 3 jahren mit nazibeflaggung gegen den eigenen präsidenten demonstriert hatte;
    wurde aber vom westen inhaltlich nicht verstanden

    es ist müssig als leser ständig mitansehen zu müssen, wie die presse in
    allem hinterher hinkt.
    spätestens seit der krise in Myanmar hätten sie fachpersonal einstellen müssen, das in netzwerke integriert ist, damals waren die bilder auf youtube bereits eine woche zu sehen, bis der spiegel als erstes berichtete.
    ich hoffe, dass das ganze auch zu einer umstrukturierung einiger redaktionsbüros führen wird.

    • KHJ
    • 17.06.2009 um 17:35 Uhr

    Nein, auch wenn dieser militärischer Kampf nicht gewonnen werden kann, trotzdem wird die Opposition als Sieger hervorgehen. Sie geben alles, alles für die Freiheit und sogar ihr Leben. Mehr geht wirklich nicht. Das islamistische Mullahsystem, der Präsident und Holocaustleugner, Mahmud Ahmadinedschad, der Wächterrat und dessen Geistlicherführer Seyyed Ali Chamenei und wer sich sonst noch im Iran als wichtig erachtet , sie werden eine deftige Niederlage erleben und mit ihm, der Islam.

    Sie erleben im Iran eine Revolution von unten, so wie damals 1989 in der DDR, als auch tausende auf die Straßen gingen und riefen:"Wir sind das Volk" und was daraus geworden ist, ist ja bereits bekannt. In der DDR war es eine friedliche Revolution. Im Iran wird es ein blutige Revolution werden.Leider!

    Es wird nicht mehr lange dauern bis der Notstand ausgerufen wird und das Militär ausrückt und mit äußerter Gewalt die Demonstration auflöst. Wer so gegen sein Volk ist, mögen die Gründe noch so fadenscheinig sein, der hat es nicht mehr verdient, den Volksvertreter zu mimen. Ein freies Iran, frei von religöser Bevormundung, nur das, wird das Iran von morgen sein. "So Gott es will?"

    KHJ aus Köln

    • HBogon
    • 17.06.2009 um 17:41 Uhr

    Im Gegensatz zu den bisherigen, teilweise schon hetzerischen Iran-Artikeln der ZEIT ist dies hier ein differenzierender Beitrag ohne Polemik und Kriegsvokabular.

    Es wäre ja schön, wenn sich auch die ZEIT-Redaktion dauerhaft zu Abrüstungsverhandlungen bereit zeigte und zur sachlichen Information zurückkehren würde.

    • FahadA
    • 17.06.2009 um 18:04 Uhr

    Ladurener erwaehnt zweimal, dass Ahmadinejad 65 % der Stimmen erhalten haette. Tatsaechlich waren es 62,6 %. Aehnlich wie 2005. Dass das Endergebnis praktisch dem Ergebnis eines Polls von Terror Free Tomorrow von Mitte Mai entspricht, in dem Telefon-Interviews aus dem benachbarten Ausland durchgefuehrt worden waren, spricht gegen die These des Wahlbetrugs (obwohl ein eindeutiger Betrug wohl nicht oder extrem schwer nachweisbar waere). Ich habe des oefteren hier die These vertreten, dass Ahmadinejad die Sympathie der Mehrheit der Bevoelkerung im Iran besitzt. Es ist eine Tragoedie, aber Wunschkandiaten des Westens haben es im Land bekanntlicherweise besonders schwer.

    Militaerdiktatur, nicht Buergerkrieg droht.

    Freelance

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    for Ahmadi to have a majority. If u have friends in Tehran and nobody knows anyone who voted for Ahmadi or someone who knows someone, who actually voted for him? Looks like there is two groups of people nobody knowing anyone of the other?? Unlikely. So far, for Tehran at least, there is a massive election fraud. Might be Ahmadi has won the rural areas, but even there only slightly. Most possibly he has lost the elections. Then, if he had won, even slightly: why any fraud, which is obvious?

    for Ahmadi to have a majority. If u have friends in Tehran and nobody knows anyone who voted for Ahmadi or someone who knows someone, who actually voted for him? Looks like there is two groups of people nobody knowing anyone of the other?? Unlikely. So far, for Tehran at least, there is a massive election fraud. Might be Ahmadi has won the rural areas, but even there only slightly. Most possibly he has lost the elections. Then, if he had won, even slightly: why any fraud, which is obvious?

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