Weltkulturerbe Deutschland raus!

Die Unesco soll den Welterbe-Titel des Dresdner Elbtals aberkennen

Seit Jahren fordern sächsische Brückenfreunde uns auf, über die Brücke des Wahnsinns mal etwas Positives zu schreiben. Gelegentlich empfehlen sie auch den Rausschmiss des notorisch negativen, durch keine brachiale Baumaßnahme zu besänftigenden Redakteurs. Das erinnert uns an selige DDR-Zeiten, als das Positive Pflicht und alle Medien mit allem einverstanden waren. Wir haben der schönen Stadt Dresden zuliebe trotzdem verzweifelt nach Argumenten für die Waldschlösschenbrücke gesucht. Was ließe sich rühmen: dass sie fast so teuer wie die Frauenkirche ist? Dass sie die Elbauen zerstört, obwohl keine Querung gebraucht wird? Dass sie Stau erzeugt, Vögel vertreibt und für Fußgänger unpassierbar bleibt?

Ohne ideologische Tricks wie etwa falsche Mobilitätsversprechen lässt sich der Dresdner Betonwahn schwerlich verteidigen. Mit einem manipulierten Bürgerentscheid wurde denn auch vor Jahren der Baubeginn ertrotzt. Vergeblich demonstrierten Tausende Bürger, buhten Nobelpreisträger, ketteten Schriftsteller sich an Bäume. »Wozu in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!«, sagt Goethe, der auch mal in Dresden war. Wenn das Positive das Naheliegende ist, muss man die Brückenfreunde in Stadt, Freistaat und Bund vor allem für ihre Beratungsresistenz rühmen: dass sie sparsame Tunnelalternativen ignorierten, Protestplakate beschlagnahmten und die Kompromisswerkstätten der Unesco boykottierten. Wir haben auch so genug Touristen!

Anzeige

Das war standhaft, und für diese sture Standhaftigkeit kommt man auf die Rote Liste des bedrohten Welterbes, und wer dann immer noch seine Brückenbauwerke verteidigt, dem wird der begehrte Weltkulturerbe-Titel aberkannt. Es hat allerdings in der Geschichte der Unesco noch nie eine solche Aberkennung gegeben, nicht einmal für die Sprengung von Buddhastatuen durch die Taliban. Wir Deutschen werden wahrscheinlich die ersten erfolgreichen Titelverlierer sein. Nächste Woche fällt die Entscheidung der Vereinten Nationen. Den Sachwaltern nationaler Selbstbestimmung, die solche internationale Dreinrede ablehnen, sei jetzt schon gesagt: Es handelt sich um ein nationales Kulturerbe, das zu schützen die Nation selber nicht bereit ist. Immer wieder musste die Unesco uns mit Titelentzug drohen. Nun soll sie die Drohung wahr machen und unser angeblich so kulturbeflissenes, in Wahrheit kulturbanausenhaftes Land von der Liste streichen. Deutschland raus!

 
Leser-Kommentare
  1. Meine erste Reaktion war tatsächlich: "Hoffentlich!" Dann nämlich könnte Frau Finger sich wieder darauf konzentrieren, ausschließlich journalistisch statt hin und wieder auch demagogisch tätig zu sein (was auch dem Niveau der ZEIT gut bekäme!). Sie ist ja - wenn es nicht gerade um sächsische Themen geht, vgl. auch Paulinum in Leipzig - zur differenzierten Argumentation durchaus fähig.

    Ich habe gegen die Brücke gestimmt. Ich halte sie auch bis heute nicht (jedenfalls nicht an der Stelle, in der Form) für notwendig. Was ich aber für erforderlich halte ist, Auseinandersetzungen (noch dazu in einem - mit zeitweiligen Abstrichen - Qualitätsmedium) auf sachlicher Ebene zu führen, das heißt: Ohne Beleidigungen, ohne Verleumdungen, ohne Tatsachenverdrehungen. [...] (Bitte unterlassen Sie persönliche Angriffe. Die Redaktion /ft] Die Argumente zur Waldschlösschenbrücke sind ja auch hier auf ZEIT Online zur Genüge ausgetauscht worden, es lohnt sich nicht, die Diskussion zu wiederholen.

    (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
    (weder war der Bürgerentscheid manipuliert, noch hat es eine durchführbare sparsame Tunnelvariante gegeben). Auch bei Meinungsäußerungen sollte man eine gewisse Form wahren!

    Und deswegen hoffe ich darauf, dass Dreden den Welterbetitel behält - von mir aus auch zunächst nur vorläufig, um nach Fertigstellung der Brücke, also auf einer vernünftigen Tatsachengrundlage dann endgültig zu entscheiden. Ob Frau Finger dann wohl einsieht, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist, und ihre mehrfache Unverschämtheit (öffentlich, also in einem weiteren Artikel in der ZEIT) zugibt? Gar, wie eigentlich angebracht, Abbitte leistet? Bin sehr gespannt! Zur Brückenbefürworterin braucht sie deswegen nicht zu werden - in der Sache sind wir uns ja einig.

    JoshWolf, SLDD

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Leser Josh Wolf mag scharf in der Wortwahl sein, aber der Beitrag Ihrer Redakteurin ist genauso polemisch und enthält zudem unrichtige Tatsachenbehauptungen (manipulierter Bürgerentscheid etc.).

    Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Es besteht daher überhaupt kein Grund dafür, dass Sie Leser Wolf durch Ihre Zensurmaßnahmen und Belehrungen über die Etiquette derartig öffentlich abstrafen. Bedenken Sie bitte, es sind die Leser, für die Ihre Zeitung geschrieben wird und die (als Abonnenten) auch Ihr Gehalt mitbezahlen.

    Sie brauchen nicht jedem nach dem Mund reden, aber wer hart austeilt, kann nicht mimosenhaft schmollen (und nach der Zensur schreien oder sie selbst durchführen), wenn darauf ein genauso hartes Kontra kommt.

    Persönliche Angriffe? Habe ich nicht Frau Fingers Fähigkeiten grundsätzlich gelobt? Darf man Ausrutscher nicht mehr wohlabgewogen monieren?

    Unsachlich formulierte Kritik? Darf man hier eine Lüge nicht mehr eine Lüge nennen? Nett, dass Sie wenigstens das Wort "Verleumdungen" nicht gelöscht haben ...

    Wenn Frau Finger bei Ihnen einen Freibrief zum Verbreiten von Schmähungen und - jawohl - Lügen hat und ich das nicht in differenzierter und durchaus sachlicher Weise kritisieren darf, dann frage ich mich, ob Äußerungen an dieser Stelle überhaupt einen Sinn haben. Brauchen Sie nur Claqeure? Nachvollziehbarer wäre ein mit Dank verbundenes Versprechen gewesen, Artikel von Frau Finger, die sächsische Themen betreffen, künftig - hinsichtlich der Fakten, nicht des Standpunktes! - gegenlesen zu lassen.

    Interessanterweise greifen Sie zur Holzhammermethode des Löschens viel schneller in den Fällen, in denen die ZEIT sebst von der Kritik betroffen ist. Da sind Sie deutlich empfindlicher, als wenn sich die Forumteilnehmer gegenseitig oder Dritten die Frechheiten um die Ohren hauen. Sehr enttäuschend und der Glaubwürdigkeit der ZEIT in Fragen etwa der Meinungsfreiheit nciht gerade zuträglich.

    JoshWolf, SLDD

    Leser Josh Wolf mag scharf in der Wortwahl sein, aber der Beitrag Ihrer Redakteurin ist genauso polemisch und enthält zudem unrichtige Tatsachenbehauptungen (manipulierter Bürgerentscheid etc.).

    Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Es besteht daher überhaupt kein Grund dafür, dass Sie Leser Wolf durch Ihre Zensurmaßnahmen und Belehrungen über die Etiquette derartig öffentlich abstrafen. Bedenken Sie bitte, es sind die Leser, für die Ihre Zeitung geschrieben wird und die (als Abonnenten) auch Ihr Gehalt mitbezahlen.

    Sie brauchen nicht jedem nach dem Mund reden, aber wer hart austeilt, kann nicht mimosenhaft schmollen (und nach der Zensur schreien oder sie selbst durchführen), wenn darauf ein genauso hartes Kontra kommt.

    Persönliche Angriffe? Habe ich nicht Frau Fingers Fähigkeiten grundsätzlich gelobt? Darf man Ausrutscher nicht mehr wohlabgewogen monieren?

    Unsachlich formulierte Kritik? Darf man hier eine Lüge nicht mehr eine Lüge nennen? Nett, dass Sie wenigstens das Wort "Verleumdungen" nicht gelöscht haben ...

    Wenn Frau Finger bei Ihnen einen Freibrief zum Verbreiten von Schmähungen und - jawohl - Lügen hat und ich das nicht in differenzierter und durchaus sachlicher Weise kritisieren darf, dann frage ich mich, ob Äußerungen an dieser Stelle überhaupt einen Sinn haben. Brauchen Sie nur Claqeure? Nachvollziehbarer wäre ein mit Dank verbundenes Versprechen gewesen, Artikel von Frau Finger, die sächsische Themen betreffen, künftig - hinsichtlich der Fakten, nicht des Standpunktes! - gegenlesen zu lassen.

    Interessanterweise greifen Sie zur Holzhammermethode des Löschens viel schneller in den Fällen, in denen die ZEIT sebst von der Kritik betroffen ist. Da sind Sie deutlich empfindlicher, als wenn sich die Forumteilnehmer gegenseitig oder Dritten die Frechheiten um die Ohren hauen. Sehr enttäuschend und der Glaubwürdigkeit der ZEIT in Fragen etwa der Meinungsfreiheit nciht gerade zuträglich.

    JoshWolf, SLDD

  2. Seltsamer Vorschlag, den Rauswurf "Deutschlands" aus den UNESCO-Programmen zu fordern. In Speyer und Eisenach, in Bremen und Regensburg geht man schließlich verantwortungsvoll mit seinem Weltkulturerbe um. Warum sollen wir jetzt alle für die Narreteien der Sächsischen Staatsregierung und der Stadt Dresden bezahlen?

  3. Ich möchte mich gern den Forderungen des ersten Kommentars anschließen, man kann von der Waldschlösschen-Brücke halten was man will, aber die Veröffentlichung eines derart polemischen Kommentars, der zur Untermauerung seiner Thesen auf Falschaussagen zurückgreift, ist meiner Ansicht einer Wochenzeitung wie der Zeit nicht würdig. Bisher nahm ich an, das Journalisten und Zeitungsmacher eine gewisse Ehre und Selbstachtung besitzen und die Fakten die sie veröffentlichen, auf ihre Belegbarkeit und Wahrheitsgehalt überprüfen. Aber wahrscheinlich ist diese lustlose Haltung gegenüber fundierter Recherchearbeit nur ein weiterer Ausdruck einer Gesellschaft, die sich nur auf Halbwissen und unbelegtes Hörensagen stützt, das heutzutage auch Journalisten gefühlte Wahrheiten veröffentlichen an Stelle belegter Fakten. Ich bin Naturwissenschaftler und man erwartet von mir das meine Hypothesen durch Experimente in fünf verschiedenen Varianten belegt werden und das bedeutet für mich eine Menge Arbeit mit 80% frustrierenden Ergebnissen, aber trotzdem macht es mir Freude, weil am Ende eine höchst wahrscheinliche Wahrheit steht. Von Journalisten erwarte ich nicht mehr und nicht weniger, zumal ihre Ergüsse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von wesentlich mehr Menschen gelesen werden (im Vergleich zu meinen) und diese Menschen sich darauf verlassen geprüfte Fakten serviert zu bekommen.

  4. Evelyn Finger, vielen Dank für diesen treffenden und klugen Beitrag, er trifft genau die Situation hier in Dresden, hätten wir solche kritischen Journalisten in den lokalen Medien wäre es nicht so schlimm gekommen, die tragen Mitschuld das unser schönes Elbtal zerstört wurde, man nur wütend sein und trauern,
    Pfui für die miserable Politik in Dresden! Danke Evelyn Finger!

    • RZ
    • 19.06.2009 um 18:08 Uhr

    Ehrlich gesagt: ich verstehe die Aufregung nicht. Inzwischen ist (in Deutschland) jede Dorfkapelle "Weltkulturerbe". Das Menschen sich von diesem Titel beeindrucken lassen bezweifle ich. In den meisten anderen Ländern gibt es übrigens viel weniger "Weltkulturerbe" (http://de.wikipedia.org/w...), dort scheint man die Sache mal wieder erheblich unverbissener zu sehen als bei uns. Darüber hinaus finde ich die Brücke optisch ansprechend. Beim Bau anderer Brücken, wie der Golden Gate Bridge oder der Brooklyn Bridge hat es ja schon ähnliche "Aufstände" gegeben, und heute gelten eben diese Brücken als Wahrzeichen.

    Etwas genervt reagiere ich auf frei erfundene Wahlfälschungs- und andere Manipulationsvorwürfe. Was es nicht so, daß gerade Brückengegner mal wieder eine dieser angeblich vom Aussterben bedrohten, aber merkwürdigerweise dauernd am Ort großer Bauprojekten auftauchenden Tierarten "entdeckt" hatten?

    Und wie eine zusätzliche Brücke Stau erzeugen(!) kann, und weshalb ein fehlender Fußgängerübergang bei einer Brücke, die nach Meinung der Autorin eh nicht gebaut werden sollte einen Mangel darstellen soll kann ich auch nicht nachvollziehen.

  5. Wie kann man nur das Dresdner Elbtal seine "einzigartige, über 300 Jahre gewachsene Kulturlandschaft mit einer wunderbaren Verbindung von Landschaftsraum und baulichen Anlagen", mit "einmaligen, universellen Wert" für eine Autobahnbrücke opfern, darum haben auch die deutschen Denkmalpfleger einen sofortigen Baustopp gefordert! Der Bürgerbescheid pro Brücke wurde mit unlauteren Mitteln (bei Lobbycontrol nachsehen) geführt, der Tunnel wäre rechtzeitig geplant billiger als diese Monsterbrücke, aber dieser Bau wuchert wie ein Krebsgeschwür bis die Folgen dieses vollkommen unverhälnismäßigen Ausbaus vollständig erkannt sind wird es allerdings wie immer zu spät sein.

    • pekka
    • 19.06.2009 um 18:35 Uhr

    dann ist halt der titel weg...
    und dass der kommentar "deutschland raus" schlecht sei, kann ich nicht nachvollziehen, das niveau von kommentatoren dresdner lokalzeitungen ist jedenfalls nicht höher.
    btw: die brücke ist hasslich, und unterhalb der elbe gibt es wasserströmungen, die unterquert werden müssten, ob dann der tunnel billiger ist wage ich zu bezweifeln

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zur Machbarkeit des Tunnels einschließlich Grundwasserströmung unter der Elbe gibt es Gutachten, zu finden auf der hervorragenden Webseite der Grünen Liga Sachsen unter www.welterbe-erhalten.de/...

    Zur Machbarkeit des Tunnels einschließlich Grundwasserströmung unter der Elbe gibt es Gutachten, zu finden auf der hervorragenden Webseite der Grünen Liga Sachsen unter www.welterbe-erhalten.de/...

  6. Leser Josh Wolf mag scharf in der Wortwahl sein, aber der Beitrag Ihrer Redakteurin ist genauso polemisch und enthält zudem unrichtige Tatsachenbehauptungen (manipulierter Bürgerentscheid etc.).

    Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Es besteht daher überhaupt kein Grund dafür, dass Sie Leser Wolf durch Ihre Zensurmaßnahmen und Belehrungen über die Etiquette derartig öffentlich abstrafen. Bedenken Sie bitte, es sind die Leser, für die Ihre Zeitung geschrieben wird und die (als Abonnenten) auch Ihr Gehalt mitbezahlen.

    Sie brauchen nicht jedem nach dem Mund reden, aber wer hart austeilt, kann nicht mimosenhaft schmollen (und nach der Zensur schreien oder sie selbst durchführen), wenn darauf ein genauso hartes Kontra kommt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Witz ist nur, dass mein Keil gar nicht so grob war - schließlich schätze ich die Arbeit von Frau Finger im Normalfall und ärgere mich oft über den Ton, den sich hier einige leider nicht verkneifen können. Mein Keil, der war so filigran, dass ich jetzt schon nicht mehr weiß, was da gelöscht wurde. Irgendwas von "Hasstirade" oder so?

    JoshWolf, SLDD

    Der Witz ist nur, dass mein Keil gar nicht so grob war - schließlich schätze ich die Arbeit von Frau Finger im Normalfall und ärgere mich oft über den Ton, den sich hier einige leider nicht verkneifen können. Mein Keil, der war so filigran, dass ich jetzt schon nicht mehr weiß, was da gelöscht wurde. Irgendwas von "Hasstirade" oder so?

    JoshWolf, SLDD

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service