Es riecht nach Umsturz! Die Ökoautowelt droht durcheinanderzugeraten. Jahrelang galt Toyotas Prius mit seiner spritsparenden Hybridtechnik als Primus. Doch im jüngsten Umweltranking des ADAC, dem »Ecotest«, schlug den Hightech-Japaner ausgerechnet ein biederer VW Passat. Der Herausforderer, der sich mit dem kryptischen Titel »1,4 TSI Ecofuel« schmückt, erreichte fünf Sterne und 92 Punkte. Der Prius folgt auf Rang zwei (vier Sterne/89 Punkte), dicht dahinter der drittplatzierte Volvo V70 mit dem Anhängsel »2,4 BiFuel CNG« (zwei Punkte weniger). Die geheimnisvollen Bezeichnungen bei VW und Volvo besagen hauptsächlich eins: Diese Autos fahren – auch – mit Erdgas. Zufall oder ein neuer Techniktrend?

Generell sind die Ranglisten als Ergebnis von Autotests mit Vorsicht zu genießen, insbesondere wenn sich Sieger und Verlierer nur um wenige Punkte unterscheiden – denn die Messfehler übertreffen die mit viel Lärm publizierten Differenzen oft bei Weitem. Doch auch wenn man den Prius auf dem Podest lässt – schon weil bald ein gründlich renoviertes Folgemodell auf dem Markt erscheint –, fällt auf, dass nicht nur der ADAC, sondern auch die Fachzeitschriften zunehmend positiv über Erdgasautos urteilen.

Dafür gibt es plausible Gründe. Zum einen wird die Verbrennungstechnik besser. Neuerdings nehmen die Autohersteller Erdgas als Treibstoff ernst und bieten entsprechend optimierte Motoren an. Das senkt Verbrauch und Emissionen. Nebenbei werden die Autos spritziger, was die Tester freut.

Zweitens ist Erdgas von allen fossilen Treibstoffen der reinste. Seine einfache chemische Formel CH₄ belegt den hohen Gehalt an Wasserstoff (H), der sauber zu Wasser (H₂O) verbrennt – mit makelloser Schadstoffbilanz. Nur aus dem Kohlenstoff (C) wird CO₂, das berüchtigte Treibhausgas, das seit Kurzem besteuert wird. Benzin und Diesel bestehen zwar ebenfalls hauptsächlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff, sind jedoch komplexe Substanzgemische. Sie verbrennen schlechter, ihre relativ größeren C-Gehalte erhöhen auch den CO₂-Ausstoß.

Und drittens wird Erdgas mehrfach staatlich begünstigt. Es genießt an der Tankstelle ein deutliches Steuerprivileg im Vergleich zu Diesel und Benzin, die mehr als doppelt so hohen Abgaben unterliegen. Und wer mit Erdgas fährt, produziert weniger CO₂ und zahlt weniger Fahrzeugsteuer.

So viele Vorteile, das nährt die Neugier auf den Praxistest – einmal echt Gas geben! Die Wahl fiel zunächst auf eine B-Klasse von Mercedes mit der Typenbezeichnung »170 NGT Blue Efficiency«. Der Stuttgarter Buchstabensalat (NGT = Natural Gas Technology) verheißt »Erdgastechnik blitzblank«. Die Tester von Auto-Bild hatten sich im Januar die B-Klasse in drei vergleichbaren Motorisierungen mit Benzin-, Diesel- und Erdgasantrieb vorgeknöpft – und das Gasauto in der Disziplin Sparen zum Sieger gekürt. Kurz darauf bewertete der ADAC den 170 NGT mit der Gesamtnote »gut« (2,1); im Ecotest belegt er Platz 6 unter mehr als 800 getesteten Fahrzeugtypen.

In der Praxis erweist sich der Gas-Benz als bequemer Reisewagen, dessen spezieller Antrieb kaum auffällt. Die Erdgastanks im Unterboden schmälern den Platz im Kofferraum nur wenig: Dank Reifendrucksensoren und Reparatursets wird die Reserveradmulde ohnehin nicht mehr gebraucht. Hinter der Tankklappe rechts am Heck kommen zwei Stutzen zum Vorschein, einer für Erdgas und einer für Benzin. In den Gasflaschen lassen sich 16 Kilogramm CH₄ bunkern, das reicht für etwa 320 Kilometer Fahrt. Bei einem Gaspreis von derzeit rund 90 Cent pro Kilo fallen somit für 100 Kilometer Fahrstrecke etwa 4,50 Euro Treibstoffkosten an. Benzin kostet fast das Doppelte – so kann Mercedes fahren und gleichzeitig sparen.