Nordsee Wind von vorn
In Niedersachsen kämpfen Krabbenfischer gegen riesige Mühlen, die vor der Küste bald Strom erzeugen sollen

© Jeff J Mitchell/Getty Images
Diese Windmühlen stehen in Schottland, in Eaglesham
Im Hafen von Fedderwardersiel liegen Anita, Venus, Heide und Hermann auf dem Trockenen. Sie sind dem Krabbenfang verpflichtet, er der Seenotrettung. Die Nordsee ist hier meist ein Rinnsal. Nur die drei Stunden rund um Hochwasser können die Kutter ein- und auslaufen. Die übrige Zeit stapfen Urlauber durch das Watt vorm Deich.
Wir sind auf Butjadingen, einer Halbinsel, die sich wie ein Stiefel zwischen Jade und Weser in die Nordsee streckt. Die höchsten Erhebungen ringsum sind die Windräder. Sie stehen, wohin man schaut, jeder Milchbauer ein Windmüller.
Seit bald hundert Jahren ist Fedderwardersiel Fischereihafen, und die Frage ist jetzt: Wie lange noch? Die Antwort kennt nur der Wind.
Acht Kutter laufen regelmäßig aus und durchkämmen die Küstengewässer nachts nach der Nordseegarnele, landläufig bekannt als Granat oder Krabbe. Ansonsten lebt das Dorf vom Tourismus: Fischimbiss, Edeka, Souvenirladen, Campingplatz. Am Nationalparkhaus beworben wird die freitägliche Erlebnisführung »Granat: Der Edelstein der Nordsee – der Weg der Nordseegarnele auf unseren Teller«. Mit Verkostung! Im Laden der Fischerei-Genossenschaft kostet ein Kilo Edelsteine fünfneunzig, für das Kilo in Polen handgepulter Krabben muss man das Fünffache hinlegen. Die Urlauber pulen und genießen.
Das Ferienidyll wäre perfekt, flatterte da nicht dieses Transparent am Dieseltank: »Wenn in Nordergründe Räder drehen, wo sollen wir dann fischen gehen?« Das habe wohl mit Windenergie zu tun, vermutet ein Urlauber in breitem Westfälisch. Um Krabben ginge es, wirft seine Frau ein, das seien ja streng genommen gar keine Fische. Keine weiteren Fragen, bitte, sie seien hier schließlich im Urlaub.
Nordergründe liegt vor dem Deich, an die 30 Kilometer vor der Butjadinger Küste, auf die Insel Wangerooge zu. Und Nordergründe sei ein wichtiges Revier, sagt der Fischer Söhnke Thaden aus Fedderwardersiel. Mancher Kollege hole dort die Hälfte seines angelandeten Fangs. Hier tummelten sich die Garnelen nur so, in Nordergründe sei die Natur noch in Ordnung. Damit das so bleibt, sind er und sieben Kollegen vor das Oldenburger Verwaltungsgericht gezogen und haben gegen die Errichtung eines Windparks inmitten ihres Fischgrunds geklagt.
- Datum 18.06.2009 - 22:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
- Kommentare 4
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Hallo Herr Kühnemund, hatten Sie in Deutsch eine 5 ?
Das liest sich ja wie eine Gebrauchsanweisung aus Taiwan, die per B-Software ins Deutsche übersetzt wurde. ;-)
Wenn ich die drei Seiten richtig interpretiere, wollten Sie uns mitteilen dass der gemeine Deutsche vor`s Gericht zieht, wenn überhaupt irgendwas in seiner näheren Umgebung gebaut werden soll.
Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber warum in so einer schweren Sprache?
Vielleicht liegt`s aber auch nur dran das es schon spät ist und die 50-ziger Feier bei meinem Schwager etwas länger dauerte...,-)
[Anm.: Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]
...das sind doch die, die den Meeresboden mit Grundschleppnetzen verschönern?
In welchem Zusammenhang steht denn die Krabbenfischerei im Wattenmeer oder der Nordsee zum Naturschutz? Ich vermute mal negativ korreliert?
Das was in diesem Artikel als Quasi-Zitat behauptet wird, ist eine Lüge:
"... Die Lösung des Konfliktes sei eine Frage der Zeit. Die klassischen Windmühlen seien als Landschaftsbestandteil akzeptiert, die Leuchttürme und auch die Windräder an Land. ..."
Im Gegenteil: Es gibt mittlerweile massiven Widerstand gegen weitere WKAs oder "Repowering" bestehender Anlagen. Und der Widerstand wächst in dem Maße, wie unser schönes Norddeutschland mit riesigen Anlagen zubaut wird. Das wirkt sich auch sehr negativ auf den Tourismus aus. Insofern kann ich auch die Inselgemeinden verstehen; die leben nämlich ausschließlich vom Tourismus.
Man muß sich nur einmal die ehemals schöne Insel Fehmarn anschauen, sie wurde landschaftlich total verschandelt.
Und dann wird hier noch eine weitere Legende gepflegt: Nämlich das es den Betreibern und Landwirten um Umweltschutz geht! Nein, diesen Leuten geht es nur um das eigene Portemonnaie, der Umweltschutz ist lediglich ein schönklingendes Alibi.
Hier scheint mir doch die grundsätzliche Ursache zu liegen. Ist es aber die mangelnde Akzeptanz oder schlichtweg der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen einerseits und dem erwarteten Bild einer Landschaft andererseits.
Landwirte, die ihr eigenes Windrad bauen, haben sicher wirtschaftliche Interessen, oft aber auch kaum eine Alternative die eher kargen Erträge Ihres Hofes aufzubessern und sei es erstmal nur, um Kosten für die selbst benötigte Energie einzusparen.
Bei großen Windparks, die natürlich wirtschaftlichen Interessen folgen, verhält es sich grundsätzlich anders. Hier versucht kein Einheimischer seine eigene Existenz zu sichern, sondern da kommt ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Natürlich prallen dann Interessen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mir stellt sich die Frage, ob im Sinne der Umwelt, solche Anlagen in Gebieten geplant und gebaut werden dürfen, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind und somit eigentlich einem besonderen Schutz unterliegen sollten.
Die einen wollen Geld verdienen, die anderen verdienen bereits ihr Geld mit ihrer Umgebung und den jeweils "günstigen Standortvorteilen". Ist das eine dann schützenswert, das andere nicht? Den Vorteil, den die eine Seite sieht, sieht die andere Seite als Nachteil. Das alte Spiel, nichts Neues.
Doch in dieser strukturschwachen Region doch wieder anders, vor allem auch, weil es eine Ferienregion ist und viele ihr Geld mit dem Tourismus verdienen. Eine Windkraftanlage schafft da keine Besserung. Im Gegenteil - wenig Arbeitsplätze, weithin sichtbar. Aber stört das den gemeinen Touristen?? Also die, die mit ihrem eigenen PKW anreisen, auf nichts verzichten möchten, was sie zuhause auch haben? Wegen der schlecht vorhersagbaren Wetterverhältnisse werden Spaßbäder und diverse andere Unterhaltungs- und Vergnügungmöglichkeiten mit entsprechender Infrastruktur in die Landschaft gehämmert, Autobahnen oder wenigstens ausgebaute Schnellstraßen durch die Landschaft gefräst und der Parkplatz muss natürlich in Strandnähe sein, damit man das ganze Gedöns nicht so weit schleppen muss.
Alles dann bei halbwegs genauerem Hinsehen dann doch nicht so einfach und klar.
Hier scheint mir doch die grundsätzliche Ursache zu liegen. Ist es aber die mangelnde Akzeptanz oder schlichtweg der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen einerseits und dem erwarteten Bild einer Landschaft andererseits.
Landwirte, die ihr eigenes Windrad bauen, haben sicher wirtschaftliche Interessen, oft aber auch kaum eine Alternative die eher kargen Erträge Ihres Hofes aufzubessern und sei es erstmal nur, um Kosten für die selbst benötigte Energie einzusparen.
Bei großen Windparks, die natürlich wirtschaftlichen Interessen folgen, verhält es sich grundsätzlich anders. Hier versucht kein Einheimischer seine eigene Existenz zu sichern, sondern da kommt ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Natürlich prallen dann Interessen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mir stellt sich die Frage, ob im Sinne der Umwelt, solche Anlagen in Gebieten geplant und gebaut werden dürfen, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind und somit eigentlich einem besonderen Schutz unterliegen sollten.
Die einen wollen Geld verdienen, die anderen verdienen bereits ihr Geld mit ihrer Umgebung und den jeweils "günstigen Standortvorteilen". Ist das eine dann schützenswert, das andere nicht? Den Vorteil, den die eine Seite sieht, sieht die andere Seite als Nachteil. Das alte Spiel, nichts Neues.
Doch in dieser strukturschwachen Region doch wieder anders, vor allem auch, weil es eine Ferienregion ist und viele ihr Geld mit dem Tourismus verdienen. Eine Windkraftanlage schafft da keine Besserung. Im Gegenteil - wenig Arbeitsplätze, weithin sichtbar. Aber stört das den gemeinen Touristen?? Also die, die mit ihrem eigenen PKW anreisen, auf nichts verzichten möchten, was sie zuhause auch haben? Wegen der schlecht vorhersagbaren Wetterverhältnisse werden Spaßbäder und diverse andere Unterhaltungs- und Vergnügungmöglichkeiten mit entsprechender Infrastruktur in die Landschaft gehämmert, Autobahnen oder wenigstens ausgebaute Schnellstraßen durch die Landschaft gefräst und der Parkplatz muss natürlich in Strandnähe sein, damit man das ganze Gedöns nicht so weit schleppen muss.
Alles dann bei halbwegs genauerem Hinsehen dann doch nicht so einfach und klar.
Hier scheint mir doch die grundsätzliche Ursache zu liegen. Ist es aber die mangelnde Akzeptanz oder schlichtweg der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen einerseits und dem erwarteten Bild einer Landschaft andererseits.
Landwirte, die ihr eigenes Windrad bauen, haben sicher wirtschaftliche Interessen, oft aber auch kaum eine Alternative die eher kargen Erträge Ihres Hofes aufzubessern und sei es erstmal nur, um Kosten für die selbst benötigte Energie einzusparen.
Bei großen Windparks, die natürlich wirtschaftlichen Interessen folgen, verhält es sich grundsätzlich anders. Hier versucht kein Einheimischer seine eigene Existenz zu sichern, sondern da kommt ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Natürlich prallen dann Interessen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mir stellt sich die Frage, ob im Sinne der Umwelt, solche Anlagen in Gebieten geplant und gebaut werden dürfen, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind und somit eigentlich einem besonderen Schutz unterliegen sollten.
Die einen wollen Geld verdienen, die anderen verdienen bereits ihr Geld mit ihrer Umgebung und den jeweils "günstigen Standortvorteilen". Ist das eine dann schützenswert, das andere nicht? Den Vorteil, den die eine Seite sieht, sieht die andere Seite als Nachteil. Das alte Spiel, nichts Neues.
Doch in dieser strukturschwachen Region doch wieder anders, vor allem auch, weil es eine Ferienregion ist und viele ihr Geld mit dem Tourismus verdienen. Eine Windkraftanlage schafft da keine Besserung. Im Gegenteil - wenig Arbeitsplätze, weithin sichtbar. Aber stört das den gemeinen Touristen?? Also die, die mit ihrem eigenen PKW anreisen, auf nichts verzichten möchten, was sie zuhause auch haben? Wegen der schlecht vorhersagbaren Wetterverhältnisse werden Spaßbäder und diverse andere Unterhaltungs- und Vergnügungmöglichkeiten mit entsprechender Infrastruktur in die Landschaft gehämmert, Autobahnen oder wenigstens ausgebaute Schnellstraßen durch die Landschaft gefräst und der Parkplatz muss natürlich in Strandnähe sein, damit man das ganze Gedöns nicht so weit schleppen muss.
Alles dann bei halbwegs genauerem Hinsehen dann doch nicht so einfach und klar.
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