Warum machen Sie das? "Ich lebe selbstbestimmt, wie viele von uns"
Sineb El Masrar gibt die einzige deutsche Frauenzeitschrift für Migrantinnen heraus. Roger Willemsen erklärt sie, warum
ZEITmagazin: Frau El Masrar, welche Ethnien treffen sich in Ihnen?
Sineb El Masrar: Meine Eltern sind Marokkaner, ich bin in Hannover geboren. Mein Vater kam mit einem Wanderzirkus nach Deutschland und blieb. Er hat hier gleich alle Kontakte zu Migranten abgebrochen. Ich sollte deutsch aufwachsen.
ZEITmagazin: Und Ihre Mutter?
El Masrar: Meine Mutter ist eine einfache Frau, die nie die Schule besuchte. Sie bläute mir von Kindesbeinen an ein, dass ich eine unabhängige Frau werden sollte. Sie hielt sich an die Tradition, doch sie dachte: Ich kriege den Wandel in meinem Leben nicht mehr hin, aber meine Tochter soll ihn hinkriegen.
ZEITmagazin: In einer Gemeinschaft von Migranten?
El Masrar: Die Ersten von ihnen lernte ich erst mit 21 kennen, zwei Perserinnen und eine Ukrainerin. Dauernd stellte sich uns die Frage der Identität, wir lebten mit verwandten Brüchen. Da war ich so erleichtert und dachte: Wo wart ihr alle?
ZEITmagazin: Ist für Sie der »Migrationshintergrund« vor allem Hintergrund?
El Masrar: Ja, man wacht nicht morgens auf und fühlt sich als Afghanin, nur weil die Eltern da geboren sind. Setzen Sie eine Ukrainerin, eine Marokkanerin, eine Deutsche hinter eine Wand, fragen Sie sie, was sie vom Leben wollen. Sie werden sie nicht unterscheiden können.
ZEITmagazin: Viele Migranten werden nicht gern auf ihre Identität angesprochen.
El Masrar: Wenn ich Kinder hätte, und diese Generation würde noch immer auf ihre Herkunft angesprochen, würde ich mir auch Sorgen machen. Immer die Fragen: Wurdest du zwangsverheiratet, möchtest du zurück? Ich lebe selbstbestimmt, wie viele von uns.
ZEITmagazin: Sie leiden unter Stereotypen und antworten mit der »Gazelle«, der einzigen Frauenzeitschrift für Deutsche und Migrantinnen?
El Masrar: Ich kann die allgemeinen Vorstellungen annehmen und mich an ihnen reiben, oder ich kann meine dagegensetzen. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
ZEITmagazin: Um nicht bloß Objekt und Opfer solcher Bilder zu sein?
El Masrar: So ist es. Ich wollte eine Zeitschrift machen für biodeutsche Frauen und solche mit Migrationshintergrund, sie erscheint auf Deutsch, damit alle sie verstehen. 20 Prozent aller Menschen hier kommen aus dem migrantischen Milieu. Dazu kommen Deutsche mit binationalen Partnerschaften. Die Lebensrealitäten haben sich einfach verändert, und die Gazelleist eine Antwort darauf.
ZEITmagazin: Aber Ihr Schwerpunkt ist muslimisch?
- Datum 23.06.2009 - 13:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
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Jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und Bildung!
Mit der Herausgabe der Zeitschrift "Gazelle" und dem neu erschienen Buch "Muslim Girls" leistet die junge Autorin Sineb El Masrar einen guten Beitrag zur Förderung des Interkulturellen Dialogs.
Über das o.g. Buch war ich sehr gespannt, bevor ich es geholt habe. Ich habe das Buch gelesen und stellte fest: ein starkes und spannendes Buch! Sehr zu empfehlen, sollte mann/frau weitere Erkenntnisse über Interkulturalität! Ein Bildungsbuch ...
Die authentische, selbstkritische und differenzierte Darstellung in dem Buch "Muslim Girls" macht den Weg frei für einen sinnvollen interkulturellen Dialog! Alle Schichten der Bevölkerung sind dazu eingeldaen und werden gebeten, auf einander zu zugehen! Ein solcher Dialog kann der erste Schritt dafür sein, miteinander statt über- oder nebeneinander zu kommunizieren! Das Land von Goethe und Schiller braucht eine solche positive Entwicklung dringender denn je! Denn "Deutschland schafft sich nicht ab", sondern das Risiko besteht, "das Land könnte sich druch einseitige Bewertungen und Berichterstattungen blamieren". Dass Letzeres vermeiden werden sollte, wären weitere Beiträge à la Sineb El Mesrar sehr sinnvoll und hilfreich. Wolltet Ihr, dass die Gesellschaft sozialer und tolerant wird, dann mischt Euch ein!
Hamid Rochdi
Sprachwissenschaftler, Dipl.-Übersetzer
Kultur-/Kommunikationscoach
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