Warum machen Sie das? "Ich lebe selbstbestimmt, wie viele von uns"Seite 2/2
El Masrar: Nein, der Islam ist ein Thema unter mehreren. Wir beschäftigen uns mit Themen, die man dem muslimischen Kulturkreis zuordnet. Wir hatten etwa die Geschichte einer Jordanierin, deren Bruder, von der Mutter angestachelt, sie mit Benzin übergossen hat. Manchmal sind es leider die Frauen, die solche Traditionen weitertragen.
ZEITmagazin: Und es gab Kritik von allen Seiten?
El Masrar: Keinen Einspruch, keine Drohung. Der muslimischen Gemeinschaft sind diese Fragen doch auch bewusst.
ZEITmagazin: Kommen klassische Frauenthemen vor?
El Masrar: Oh ja, wir haben auch die Rubrik »Mode und Schönheit«. Zu einem Frauenmagazin gehört das dazu. Auch eine intelligente Frau will die Farben der Saison kennen.
ZEITmagazin: Sie tragen heute Beige. Kommt mir in vor.
El Masrar: Sie wollen sagen: Ich muss mal wieder dringend einkaufen. Nein, wir wollen auch unterhalten. Manchmal testen wir auch Anti-Cellulite-Cremes. Frauengewebe eben. Davon kann Aisha genauso ein Lied singen wie Helga.
ZEITmagazin: Auch die Gazelle muss sich in der Steppe anpassen, um zu überleben.
El Masrar: Ja. Gerade versucht sich Deutschland in Ethno-Marketing, will die Türken, die Russen ansprechen, eine Parallelwelt, in die wir gesetzt werden mit der Botschaft: Kauft in eurer Welt, nicht in unserer.
ZEITmagazin: Und dafür wirbt man mit Stereotypen?
El Masrar: Genau. Aber wir wollen mit der deutschen Gesellschaft leben und nicht neben ihr. Wir regen uns in diesem Land über dieselben Dinge auf wie Otto und Sieglinde. Wir mögen zwar anders aussehen, aber wir wollen mitgestalten.
ZEITmagazin: Ist Ihre Arbeit Integrationsarbeit?
El Masrar: Fast wider Willen. Ich hinterlasse andere Bilder. Und es wäre schön, wenn manche Deutsche diese Bilder aufnehmen würden. Jeder wirkt auf jemanden. Wir leben hier gemeinsam und haben schon genug Parallelwelten, auch unter Deutschen.
ZEITmagazin: Und Ihre Zeitschrift liegt ganz einfach am Bahnhofskiosk?
El Masrar: Ja. Manchmal zwischen Diät- und Sexmagazinen. Da muss sich schon mal eine voll verschleierte Leserin ihre Gazelle rausfischen.
- Datum 23.06.2009 - 13:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26
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Jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und Bildung!
Mit der Herausgabe der Zeitschrift "Gazelle" und dem neu erschienen Buch "Muslim Girls" leistet die junge Autorin Sineb El Masrar einen guten Beitrag zur Förderung des Interkulturellen Dialogs.
Über das o.g. Buch war ich sehr gespannt, bevor ich es geholt habe. Ich habe das Buch gelesen und stellte fest: ein starkes und spannendes Buch! Sehr zu empfehlen, sollte mann/frau weitere Erkenntnisse über Interkulturalität! Ein Bildungsbuch ...
Die authentische, selbstkritische und differenzierte Darstellung in dem Buch "Muslim Girls" macht den Weg frei für einen sinnvollen interkulturellen Dialog! Alle Schichten der Bevölkerung sind dazu eingeldaen und werden gebeten, auf einander zu zugehen! Ein solcher Dialog kann der erste Schritt dafür sein, miteinander statt über- oder nebeneinander zu kommunizieren! Das Land von Goethe und Schiller braucht eine solche positive Entwicklung dringender denn je! Denn "Deutschland schafft sich nicht ab", sondern das Risiko besteht, "das Land könnte sich druch einseitige Bewertungen und Berichterstattungen blamieren". Dass Letzeres vermeiden werden sollte, wären weitere Beiträge à la Sineb El Mesrar sehr sinnvoll und hilfreich. Wolltet Ihr, dass die Gesellschaft sozialer und tolerant wird, dann mischt Euch ein!
Hamid Rochdi
Sprachwissenschaftler, Dipl.-Übersetzer
Kultur-/Kommunikationscoach
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