Probefahrt Ein Blinker im Stimmbruch

Unser ZEITmagazin-Autor hat den Dacia Logan ausprobiert. Und herausgefunden, warum auf den Straßen Chaos herrscht

Kein Prestigeobjekt, aber mit erprobter Technik. Der Dacia Logan basiert auf dem Renault Clio der vorletzten Generation

Kein Prestigeobjekt, aber mit erprobter Technik. Der Dacia Logan basiert auf dem Renault Clio der vorletzten Generation

Vor Kurzem hörte ich im Radio den Autopapst. Der Autopapst kommt immer sonntags, im Berliner Sender Radio Eins, ihn kann man anrufen, wenn es im Auto wackelt, hakelt oder rumst. Der Autopapst weiß fast immer eine Lösung. In der Sendung, die mich nachhaltig bewegte, ging es um den Blinker. Die Co-Moderatorin des Autopapstes erzählte, dass gerade in Berlin die Menschen immer seltener den Blinker ihres Autos betätigen würden, um auf den Vorgang des Abbiegens aufmerksam zu machen – und das sei doch mindestens eine Schweinerei, denn so ein Blinker, der sei doch einfach was ganz Tolles.

Der Autopapst sagte, dass der Blinker natürlich nützlich, im Grunde genommen aber doof und hässlich sei. Im Prinzip habe noch kein Autohersteller verstanden, wie man formschöne und doch funktionale Blinker ins Auto integriert. Mit diesen Informationen, die mich mehr verwirrten als aufklärten, stieg ich am nächsten Tag in einen Dacia Logan, allerdings unter Protest. Als ich den Wagen sah, fing ich an zu lachen, dachte: Sehr witzig, und wo ist jetzt der echte Testwagen? Dieser Dacia sieht aus, wie Vierjährige Autos malen.

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Ich stieg dennoch ein, fuhr los, und an der nächsten Ecke betätigte ich den Schalter des Blinkers. Vor Schreck hätte ich den Wagen beinahe abgewürgt, denn ich hörte ein Geräusch, wie ich es noch nie gehört hatte. Es klang wie jemand im Stimmbruch, der versucht, Alle meine Entlein zu summen. Es war das Geräusch des Blinkers, und es wurde nicht besser, je öfter ich abbog. Es wurde schlimmer. An der fünften Kreuzung überlegte ich, ob Sounddesigner ein überschätzter Beruf ist, an der achten Kreuzung war ich überzeugt, dass die neue Unlust am Blinken vielleicht damit zu tun haben könnte, dass die Fahrer beim Blinken ähnlich furchtbare Geräusche hören wie ich. Und vielleicht ist dies das größte Problem, das im Straßenverkehr in Zukunft auf uns zukommt: Autofahrer, die aufgrund schlimmer Blinkergeräusche das Blinken komplett einstellen, abbiegen, ohne es anzuzeigen, und damit für Verwirrung und Chaos sorgen.

Wahrscheinlich ist der Dacia Logan ein gutes Auto, leider weiß ich es nicht so genau. Ich bin nicht sehr oft damit gefahren. Ich nahm stattdessen das Fahrrad, und wenn ich abbog, streckte ich meinen Arm aus.

 
Leser-Kommentare
  1. viele bedauernswerte taxifahrer sollen sich ja nur noch diesen
    ...was auch immer... leisten können.
    (wo es doch jetzt den schicken neuen E220cdi gibt...---für spottbillige fuffzichtausend krisenkracher... )
    das muß ja heftig sein, 10-12 stunden dieses psychoakustische blink-martyrium.
    da könnten ja die mini-jobbenden traxler ihre schweinchenrosa ohrstopfen, die sie des nachts tragen, in ihrer 1-zimmer bruchbude, 3 Meter Luftlinie neben der S-Bahn, am Tag auch gleich drin lassen.
    Müssen nur manchmal gewechselt werden, da es sonst zu Cerumenpfröpfen
    kommt, die den lärm-dämpf-weg-zweck zwar auch erfüllen, aber doch irgendwie ekelig sind :)

  2. Ich liebe diese kleinen subjektiven Fahreindrücke in der Zeit. Immer wieder muss ich schmunzeln und stelle fest, dass sie meinungsbildender sind als in der Mühe um Objektivität erstellte Artikel in Autofachzeitschriften.

  3. Herr Kalle,

    Sie sind unwitzig.

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    Der Nachname ist hier wohl Programm.

    Der Nachname ist hier wohl Programm.

    • Hagane
    • 25.06.2009 um 21:51 Uhr

    Um vom Hohn verschont zu bleiben haette vermutlich nen Stern drankleben muessen. Da bringt ein Hersteller mal ein Auto raus, was im wahrsten Sinne ein Auto ist, eine Moeglichkeit von A nach B zu kommen und das zu einem fairen Preis. Und ueberall auf der Welt geht die Kiste wie geschnitten Brot weg.
    Ausser in Deutschland, wo es Leitkultur ist eine Karre zu fahren, wo der Nachbar neidisch aufguckt und man sich abends beim Bierchen an made-in-germany ergoetzt (auch wenn Deutschland eigentlich nirgendwo mehr fuehrend ist).

    Aber vermutlich ist der Artikel satirisch gemeint, dann ist er einfach schlecht und unlustig geschrieben....

  4. Der Nachname ist hier wohl Programm.

    Antwort auf "Dacia-Logan-Probefahrt"
  5. @ Auto-Industrie: baut eine Schnittstelle zum PC ein. Lasst uns eigene Blinker-Sounds uploaden, sowie auch Sounds für andere Dinge: "Ey, Alta, musstu anschnallen, sonst hol isch mein Bruda!" :-)

  6. Hatte mal einen Dacia Logan augeliehen, als ich die Familie meiner Frau in Modawien besucht habe. Und das mit dem Blinker kann ich nur als extremen Quatsch bezeichnen. Das Auto war sehr gut. Es hatte alles, was ein Auto braucht, viel Platz und eine Superstraßenlage (welche auf den Straßen in Moldawien aufs härteste getestet wurde).
    Es hatte keinen Schmarren wie Sitzheizung und Auspuffbeleuchtung so wie inzwischen einige deutsche Autos, deren Hersteller nicht mehr wissen, was für einen Scheiss sie noch einbauen sollen, um die Kiste noch schwerer zu machen.
    Es hatte auch keinen Lautsprecher im Armaturenbrett. Man konnte den Motor noch so hören, normales Geräusch.
    Vielleicht sollte der Autor des Artikels seinen Mercedes Stern seines Fahrzeuges heute abend polieren und bei dieser Gelegenheit auch sein Hörgerät reinigen. So gehen vielleicht auch die Geräusche weg, die er fälschlicherweise auf den Blinker des Dacia Logan zurckgeführt hat.

  7. Dieser wohl "witzig sein sollende" Artikel ließ mich denken: Sehr witzig, und wo ist jetzt der echte Artikel?
    Und dann fragte ich mich, wer hat wohl für dieses Machwerk bezahlt? Frau Merkel oder Herr Wissmann, zur Unterstützung der notleidenden deutschen Premiumhersteller vielleicht?
    Und ich muss meinen Vorkommentatoren zustimmen, dass der Logan, mehr noch der MCV, genau dem entsprechen, was gerade in Zeiten der Krise, aber auch in normalen Zeiten, sehr vielen, nicht von dem schwachsinnigen Premium-Gerede verblendeten Autokäufern vorschwebt, wenn sie an "Auto" denken.
    Wie viele Millionen wurden von Herstellern und Interessenvertretern in den letzten Jahren wohl in die "Umerziehung" der Autokäufer mittels aufwendiger Werbekampagnen, Testberichte und entsprechender "Beratung" investiert, um den Absatz deutscher "Spitzentechnologie" zu fördern? Welche hintersinnigen Tricks wendeten Werbepsychologen an, um unterschwellig zu vermitteln, man benötige immer mehr PS, man habe ein Recht auf "Luxus", (Zentralverriegelung, Fensterheber, sechs Airbags, ESP und Klimaanlage für alle!)?
    Dabei verschwanden sinnvoll ausgestattete, bezahlbare Autos zugunsten von lauter überteuerten "wir sind so gut wie Mercedes"-Karossen, die dem Normalbürger den Hauch von "Luxus" gewährten, der ihm vorher als ihm zustehend und unverzichtbar ins Gehirn praktiziert worden war. „Marketing ist unersetzlich, um die Technologie vor allem emotional zu begleiten“, heißt das in schöner Umschreibung.
    Dabei ist natürlich der durch die Abwrackprämie noch geförderte Erfolg eines Dacia Logan ein Dorn im Auge der Herren in den Chefetagen.
    Dabei wäre die Frage nach der Ursache der tatsächlich beobachtbaren Unlust zum Blinken eine ernsthafte Erörterung wert gewesen, was vermutlich ganz schöne Wellen geschlagen und halb Deutschland auf die Barrikaden gebracht hätte, im Gegensatz zu Finanzkrise, Steuererhöhungen, höheren Krankenkassenbeiträgen und anderen Unbilligkeiten der letzten Zeit.
    Aber das war nicht des Autors Absicht, sondern nur billige Polemik auf Kosten des zum Witz auf Rädern deklassierten Dacia.
    Wie hieß es immer so schön in der "Sendung mit der Maus"?
    "Müsst ihr nicht machen!"

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    >(Zentralverriegelung, Fensterheber, sechs Airbags, ESP und Klimaanlage für alle!)<

    diese sachen sind aber ziemlich angenehm.(bis auf die airbags vllt. , denn beim an´n baum flug biste anyway mausetoht)
    der dacia hat auch echte vorteile. sie können damit einen bankraub begehen und niemand wird sich an das fluchtauto erinnern. sie haben die perfekte "tarnkappe" für illegale aktionen ;).

    >(Zentralverriegelung, Fensterheber, sechs Airbags, ESP und Klimaanlage für alle!)<

    diese sachen sind aber ziemlich angenehm.(bis auf die airbags vllt. , denn beim an´n baum flug biste anyway mausetoht)
    der dacia hat auch echte vorteile. sie können damit einen bankraub begehen und niemand wird sich an das fluchtauto erinnern. sie haben die perfekte "tarnkappe" für illegale aktionen ;).

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  • Serie Autotest
  • Quelle DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27
  • Kommentare 11
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  • Schlagworte Automobilindustrie | Autotest
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