Studiengebühren Für jeden Studenten findet sich eine Ausnahme

Die Politik reagiert mit Aktionismus, seit klar ist: Studiengebühren sind bei Studenten unbeliebt wie nie. Die neueste Umfrage bestätigt dies nur

Mit einem solchen Einbruch hatte keiner gerechnet, wahrscheinlich nicht einmal der Minister selbst: Um bis zu 50 Prozent weniger Studiengebühren haben Baden-Württembergs Hochschulen dieses Sommersemester im Vergleich zum Vorjahr eingenommen. Im Landesdurchschnitt sank das Aufkommen um fast ein Drittel.

Verantwortlich ist die sogenannte neue Geschwisterregelung, die Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) ins Landeshochschulgebührengesetz hat schreiben lassen. Sie besagt, dass in Familien mit drei Kindern künftig ein Kind von den Studiengebühren befreit wird – unabhängig davon, ob seine Geschwister überhaupt studieren oder längst im Berufsleben stehen. Die Zahl der Familien mit vielen Kindern, die sich daraufhin bei den Hochschulen gemeldet haben, übertrifft alle Prognosen. »Sie glauben gar nicht, wie viele Patchworkfamilien es offenbar gibt in Baden-Württemberg«, sagt ein Uni-Rektor, der nicht genannt werden will. »Es ist absurd.«

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Der Wunsch, anonym zu bleiben, offenbart den enormen Druck, der in der Debatte ums Bezahlstudium steckt. Denn einerseits leiden die Hochschulen im Südwesten unter den empfindlichen Einbußen, andererseits mag kaum ein Rektor durch offene Kritik an der Reform als vermeintlich unsozial auffallen. Wissenschaftsminister Frankenberg, dem die Neuregelung von der CDU-Landtagsfraktion aufs Auge gedrückt worden ist, macht selbst gute Miene zum teuren Spiel und will die Neuregelung als »bewusste Familienpolitik« verstanden wissen, »das hat mit den Studiengebühren eigentlich wenig zu tun«.

Hat es natürlich doch. Beispiel Universität Freiburg: Alte und neue Ausnahmeregelungen bei der Gebührenpflicht haben mittlerweile dazu geführt, dass nur noch gut die Hälfte (58 Prozent) aller Studenten überhaupt die 500 Euro im Semester hinblättern müssen. Statt 15 Millionen Euro wie im Vorjahr kommen 2009 nur noch 9,7 Millionen aufs Uni-eigene Konto, schätzt Rektor Hans-Jochen Schiewer, der bereits mit einer partiellen Haushaltssperre reagiert hat. Zahlreiche aus Studentengeldern finanzierte Angebote in Freiburg und anderswo sind plötzlich wieder gefährdet – von der vielerorts verbesserten Studienberatung über die Career Center bis hin zur technischen Aufrüstung der Bibliotheken.

Selbst ein Lieblingsprojekt von Minister Frankenberg droht zum Opfer des Gebührenausfalls zu werden: Die Rektoren der baden-württembergischen Fachhochschulen haben einstimmig beschlossen, vorerst keine Beamtenstellen aus Studiengebühren zu schaffen – und schlagen damit ein entsprechendes Angebot des Ministers aus. »Natürlich würden wir eine bessere Betreuung der Studierenden durch diese Stellen begrüßen, aber zunächst müssen wir den dramatischen Einbruch beim Gebührenaufkommen verkraften«, sagt Winfried Lieber, Rektor der Hochschule Offenburg und Vorsitzender der Rektorenkonferenz. Längerfristige finanzielle Verpflichtungen kämen da auf absehbare Zeit nicht infrage.

Zu den Sorgen wegen der finanziellen Einbußen gesellt sich bei vielen der Ärger, dass die Geschwisterregelung nicht einmal besonders sozial daherkommt. So spielt bei der Gebührenbefreiung die Vermögenssituation von Eltern und Geschwistern keine Rolle, selbst auf das Alter der Geschwister oder ihren Anspruch auf Kindergeld kommt es nicht an. Es kann zum Beispiel die kuriose Situation entstehen, dass Eltern mit einem Bruttojahreseinkommen von 30000 Euro für ihre zwei Kinder voll zahlen müssen, während der Staat von einer Familie mit 120000 Euro Gehalt keinen Cent verlangt – dann nämlich, wenn sie drei Kinder hat und nur eines dieser Kinder studieren will.

Studiengebühren-Experten halten das Argument von der sozialen Verträglichkeit denn auch für vorgeschoben. »Manche Politiker erliegen hier offenkundig der Versuchung, sich als die großen Heilsbringer zu inszenieren – leider an der falschen Stelle und auf Kosten der Hochschulen«, sagt Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das von der Hochschulrektorenkonferenz und der Bertelsmann Stiftung finanziert wird. Damit setzt sich ein Trend fort, der im vergangenen Jahr nach der für die CDU katastrophalen Hessen-Wahl begonnen hatte: Ehemals lautstarke Befürworter der Studiengebühren melden sich immer seltener zu Wort, gleichzeitig hat ein Wettbewerb um die medienwirksamsten Ausnahmeregelungen begonnen.

So geht auch die baden-württembergische Gesetzesänderung darauf zurück, dass sich CDU-Landtagsabgeordnete an der großzügigeren bayerischen Regelung störten. Die sah schon bislang vor, dass Familien mit drei Kindern gar keine Studiengebühren zahlen mussten, solange die Eltern für alle drei Kindergeld bezogen. Plötzlich kam den baden-württembergischen Parlamentariern ihre eigene Klausel, nur bei zwei zahlenden Geschwistern das dritte Kind zu entlasten, offenbar allzu schäbig vor. Doch der Freistaat legt bereits wieder nach: Der neue Münchner Bildungsminister Wolfgang Heubisch (FDP) will im Juli eine Gesetzesänderung durchdrücken, der zufolge künftig nie mehr als ein Kind pro Familie gleichzeitig Gebühren zahlen müsste.

Die Angst der Bildungspolitiker, wegen der Studiengebühren vom Wähler abgestraft zu werden, ist gewaltig – und das nicht ohne Grund: Die neuen Zahlen des Gebührenkompasses 2009 belegen, dass noch nie so viele Studenten gegen Studiengebühren waren wie heute. 72 Prozent sprachen sich in der bundesweiten Umfrage der Universität Hohenheim für die Abschaffung der Gebühren aus, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Zwar sei die Zufriedenheit der Studenten mit der Verwendung der Gebühren leicht gewachsen, doch liege sie mit einem Wert von 4,22 auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 immer noch im Bereich von »ausreichend bis mangelhaft«, wie der wissenschaftliche Leiter der Studie, der BWL-Professor Markus Voeth, betont.

Die Hohenheimer haben an 49 Universitäten insgesamt 5600 Studenten befragt und dabei auch eine Rangliste der Universitäten mit der höchsten Zufriedenheit erstellt. Spitzenreiter sind die TU Clausthal, die RWTH Aachen und die Universität Würzburg – wobei selbst die besten drei nicht über eine gute Vier in der Bewertung hinauskommen. Unter den Verlierern im Ranking finden sich einige Hochschulen, die in den vergangenen Monaten Negativschlagzeilen bei der Gebührenverwendung gemacht hatten – etwa die Universität des Saarlandes, die trotz heftiger Studentenproteste mit Gebührengeldern ein Gebäude aufstocken lässt. Auch Voeths eigene Universität in Hohenheim bekam die Quittung für die Pläne des Rektorats, allgemeine Haushaltslöcher mit dem Geld der Studenten stopfen zu wollen: Fast zwei Drittel (63,9 Prozent) der Befragten glauben, dass ihre Gebühren vom Land genutzt werden, um die eigenen Zuschüsse an die Hochschule zu kürzen – im Bundesschnitt sagen das nur gut ein Drittel (34,3 Prozent).

Vor allem drei Voraussetzungen müssten erfüllt sein, damit die Zufriedenheit der Studenten zunehme, folgert Studienleiter Voeth nach der statistischen Analyse der Umfragedaten: Die Gelder müssten sachgerecht eingesetzt werden, und zwar vor allem für die Verbesserung von Lehre und Infrastruktur, die Studenten sollten in den Prozess der Gebührenverteilung gleichberechtigt eingebunden sein, und sie sollten über die Verwendung der Gelder vollständig und lückenlos informiert werden. »All diese Punkte sind an den Hochschulen bislang bestenfalls zum Teil Wirklichkeit.«

Fortschritte sieht Voeth bei den Bemühungen der Universitäten um mehr Transparenz. Während die Uni-Leitungen anfangs ihre Informationspflicht mit unübersichtlichen Websites voller Tabellen zu erfüllen glaubten, informierten mittlerweile vielerorts die Professoren ihre Studenten in Vorlesungen, wie viele Gebühren-Euro sie für Mitarbeiter und Neuanschaffungen investierten. Viele Hochschulen sind zudem dazu übergegangen, aus Studiengebühren bezahlte Bücher und Geräte mit Aufklebern kenntlich zu machen – eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung. »Der Wandel zum Besseren ist da«, sagt Markus Voeth, »aber er geht für ein Studentenleben viel zu langsam vonstatten.«

Am meisten gilt das natürlich für die Hochschulen, die am Ende der Gebührenkompass -Zufriedenheitsrangliste stehen: die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie die Universitäten Wuppertal und Hamburg. Allerdings sind die Ergebnisse der Einzelhochschulen nur bedingt aussagekräftig, da sie im Gegensatz zu den bundesweiten Zahlen nicht den Bedingungen einer repräsentativen Umfrage entsprechen. Den deutschlandweiten Trend dagegen hält der CHE-Mann Ulrich Müller für bedenkenswert: »Das Ausmaß der Unzufriedenheit ist frappierend. Es sollte für die Hochschulen Anlass sein, ihre Gegenleistung überzeugender und sichtbarer zu gestalten.«

Den Gebührengegnern durch immer neue Ausnahmeregelungen den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen könnte sich hingegen für die Befürworter als gefährliche Strategie erweisen. »Wenn man jetzt mit Gesetzesänderungen kommt, die angeblich die soziale Verträglichkeit der Studiengebühren herstellen sollen, entsteht überhaupt erst der fatale Eindruck, es handle sich um ein extrem ungerechtes System, das das Studieren faktisch unbezahlbar mache«, sagt Müller. Bei einer Belastung von maximal 83 Euro pro Monat und Student sei das zwar Unsinn, »aber ich kann es den jungen Menschen nicht verdenken, wenn sie sich durch solche Aktionen verunsichern lassen«.

Der Präsident der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Bernd Huber, argumentiert noch grundsätzlicher. »Die Studienbeiträge geraten in ein existenzgefährdendes Legitimationsproblem hinein, wenn am Ende nur noch eine relativ kleine Gruppe von Studenten überhaupt zahlen muss«, so Huber. »Das wird die Debatte um den Sinn und Zweck der Beiträge nicht entschärfen, sondern weiter anheizen.« Der LMU-Präsident stimmt seine Verwaltung bereits auf massive Gebührenausfälle ein, die nach der Gesetzesänderung im Wintersemester auch in Bayern drohen – und die laut Experten noch dramatischer ausfallen könnten als in Baden-Württemberg. An sich, so Huber, sei er ja ein Gebührengegner, »aber wenn man die schon will, dann bitte für alle gleichmäßig«. Der soziale Ausgleich müsse dann über ein Stipendiensystem erfolgen. »Dass das bis heute fast flächendeckend fehlt, zählt zu den Geburtsfehlern und Lebenslügen der Studienbeiträge.«

Einige Landesregierungen immerhin haben das erkannt: Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) geht gerade mit seinem bundesweit einmaligen Stipendienprogramm an den Start, das in Kooperation mit Unternehmen und privaten Spendern eine echte Breitenförderung ermöglichen soll. Pinkwarts saarländischer Kollege Joachim Rippel (CDU) wiederum hat bereits im März angekündigt, dass künftig das Land die Zinszahlungen für sämtliche Studiengebührendarlehen übernehmen werde, und zwar bis zu zwei Jahre nach Studienende. Eine enorme Erleichterung für die Studenten, denn die auflaufenden Zinsen machen bei den Krediten einen Großteil der Belastung aus. Beide Maßnahmen sind eine sinnvolle sozialpolitische Ergänzung der Studiengebühren, und sie könnten dazu beitragen, deren Akzeptanz zu erhöhen – ganz im Gegensatz zur baden-württembergischen Neuregelung.

Nein, ein Legitimationsproblem könne er nicht erkennen, sagt indes Peter Frankenberg. Außerdem, so versichert der CDU-Politiker tapfer, könnten sich die Hochschulrektoren auf ihn verlassen, dass jetzt Schluss sei mit dem Ausweiten der Befreiungsregeln. »Wir lassen uns da nicht auf einen Wettbewerb ein.« Womöglich ein frommer Wunsch: Angesichts der katastrophalen Ergebnisse des Gebührenkompasses 2009 dürften erste Unionspolitiker im Ländle schon wieder nach Bayern hinüberschielen.

 
Leser-Kommentare
  1. Ach, wie ist es schön, dass immer deutlicher wird, was für ein Mist die Studiengebühren bzw. die Regelungen, wer zu zahlen hat und wer nicht, sind. Selbst Gebührenbefürworter wie der von uns allen "geschätzte" Herr Kerstan und die Politiker mit ihren Gesetzen bringen mittlerweile Argumente vor, die unfreiwilligerweise bezeugen, wie sozial ungerecht und sinnlos die Gebühren sind.
    Das Bildungssystem in Deutschland, besonders an den Universitäten und Fachhochschulen, war schon vor Bologna und Studiengebühreneinführung hochgradig selektiv und ausgrenzend für motivierte Studenten aus niedrigeren Bevölkerungsschichten. Die Lehre ließ auch damals an vielen Stellen zu wünschen übrig - und daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil, es ist noch schlimmer geworden und das Bildungssystem im Ganzen noch ausgrenzender als zuvor.
    Herzlichen Glückwünsch, Mission erfüllt!

    Ach ja, und sollten die Landesregierungen jetzt gedenken im Zuge des Wahlkampfes die Studiengebühren wieder abzuschaffen, würde mich interessieren, was mit den Studenten geschieht, die in den vergangenen Jahren mit hart erarbeitetem Geld (sinnlose) Gebühren bezahlt haben. Dürfen wir diese dann nachträglich zurückfordern, wenn unser Jahreseinkommen unter 20.000 Euro liegen sollte und die Zinsen unseres Studienkredits uns auffressen?! Oder bekommen wir sie erstattet, wenn wir aufgrund der Wirtschaftskrise und Einstellungsstopps kollektiv in die Arbeitsagenturen umziehen?

    Oder wie wäre es mit nachgelagerten, leistungsbezogenen Gebühren: Nur wenn die Lehre eine gewisse Qualität erreicht, muss gezahlt werden? Frei nach dem Motto: "Kein Geld für Sch****!" Dann wären die Studenten vielerorts fein raus...

  2. [Satire an]
    Wer studiert und seine wertvolle Zeit in Hörsälen verbringt, statt als Angestellter oder Arbeiter Karriere zu machen und das Volksvermögen zu mehren (damit wir es den Banken geben können) - so jemand gehört bestraft und soll gefälligst Studiengebühren zahlen.

    Deutschland braucht keine Ingenieure, Wissenschaftler, Künstler etc.

    Was wir brauchen sind Handwerker, Landwirte und Leute für den Kohlebergbau - denn dort liegt Deutschlands Zukunft.
    [Satire aus]

    Wer noch einen Beweis braucht, das Politiker/innen in Deutschland oft bizarr denken - mit den Studiengebühren wurde er erbracht.

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    Doch die Absurdität liegt doch sowieso schon darin: Für Bankenrettungen, mies gehende Konzerne und alle möglichen absurd-utopischen Bauvorhaben hat man Geld, aber die Bildung scheint in diesem Land jeglichen Stellenwert verloren zu haben...Und das ist eine bittere Medizin die Deutschland in ein paar Jahren schlucken wird, wenn die Rentnerquote proportional zur Arbeiterquote ist und Deutschland nicht mehr Exportweltmeister werden kann - allen neoliberalen Giftspritzen zum Trotz.

    Doch die Absurdität liegt doch sowieso schon darin: Für Bankenrettungen, mies gehende Konzerne und alle möglichen absurd-utopischen Bauvorhaben hat man Geld, aber die Bildung scheint in diesem Land jeglichen Stellenwert verloren zu haben...Und das ist eine bittere Medizin die Deutschland in ein paar Jahren schlucken wird, wenn die Rentnerquote proportional zur Arbeiterquote ist und Deutschland nicht mehr Exportweltmeister werden kann - allen neoliberalen Giftspritzen zum Trotz.

  3. Studenten, Ausländer, Sozialschmarotzer - waren und sind für die Politik beliebte Prügelknaben.

  4. Das wird ja lustig, wenn ich diese Jahr mein Studium beginne ...

  5. Die CDU legt sich mit der Internetgemeinde und den Studenten gleichzeitig an, finanziert den Bankstern fette Porsche, BWM und Audi's - und glaubt dann auch noch wiedergewählt zu werden? Die einzige Chance liegt in der Trägheit der älteren Generationen, die das Häckchen wieder brav da machen, wo sie es bereits die letzten 30 Jahre gemacht haben.

    Irgendwie haben viele nicht begriffen, dass man bei Wahlen eine Auswahl treffen kann......

    Ach ja - mit den Bauern legt sich die CDU auch noch an - irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch mit der Schützenhilfe unserer "unabhängigen" Presse die großen Parteien in diesem Jahr einen Denkzettel erhalten werden.

    Ich meine, Studiengebühren ja - aber 500 Milliarden innerhalb weniger Stunden ausgeben? Wahnsinn.

  6. Denkbar wäre eine einfache Regelung - Akademiker zahlen 1% zusätzliche Lohnsteuern bzw. Spenden 1% ihres JAhreseinkommens an ihre Hochschule.

    Ich hätte auch kein Problem mit einer Studiengebühr in der Höhe von 20 € / Monat oder der Möglichkeit zusätzliche Leistungen, wie z.B. zusätzliche Klausurtermine oder Freiversuche zu erkaufen. Immerhin sind Prüfungen aufwändig und zusätzliche Klausurtermine würden das Studium bei vielen Studies beschleunigen - aber auf eine angenehme Art und eine individuelle Planung erleichtern.

    Zudem bin ich der Meinung das vor allem das Internet die Möglichkeit bietet die Lehre zu revolutionieren. Wieso soll in jedem Semester die gleiche Grundlagenvorlesung von einem gelangweilten Prof gehalten werden? Das ganze kann man auch einfach auf CD aufnehmen und den Studieninteressierten, mitsamt von Probeklausuren zu DL anbieten - bzw. - online Abfragen durchführen um zu testen wie Klausurfit man ist.

    Es ist doch schon komisch wie sehr man sich auf Verbesserung durch mehr Geld versteift, anstatt die Möglichkeiten auszunutzen bessere Bildung mit geringerem Aufwand anzubieten. Aber hier denkt die Generation der Internetausdrucker eben nicht sehr fortschrittlich. Aber was erwartet man eben auch von Profs die die Lehrqualität in direkte korrelatoion mit den Druchfallquoten in den Klausuren setzen - um so mehr Studenten durchfallen - um so besser die Lehre......

  7. typisch verschwurbelt deutsch. eine maßnahme wird eingeführt.
    und in der folge für die ganz schlauen möglichkeiten geschaffen, wie man sich hintenrum der maßnahme entziehen kann.
    auch finde ich, daß man solche sachen vom individuum her denken muß.
    und nicht vom deutschen popanz " gottesfürchtige familie " her.
    was kann kalle schabernack dafuer, daß seine eltern gebärfaul waren
    und nur er selbst den ableitenden geburtswegen entquollen ist ?
    schon beim wehrdienst fand ich das ungerecht.

  8. Mit 485 Euro (in Bayern: 3% in den Sicherungsfonds, exkl. Verwaltungsaufwand :-) pro Mann und Nase lassen sich keine großen Sprünge machen. An einigen Unis sind sowieso ein Drittel der Studenten von den Gebühren befreit (siehe Ausnahmeregelungen). Langfristige Planungen sind nur begrenzt möglich, und selbst wenn man jemanden gefunden hat, der einen studiengebührenfinanzierten Lehrauftrag für erstmal zwei Jahre übernehmen würde, dann macht einem das Beschäftigungsrecht einen Strich durch die Rechnung. Es gibt nur einen begrenzten Kanon an wohldefinierten Beschäftigungsverhältnissen, die es an einer Uni geben darf. Reine Lehrprofessuren sind da nicht vorgesehen...

    Was folgt ist die Verwaltung des Mangels. Währenddessen kommen von Seiten der Politik fortwährend widersprüchliche Signale:

    Es sollen mindesten 40% eines Jahrganges zu einem Universitätsabschluß geführt werden (--> Schwerpunkt Lehre) - aber die Hochschulen sollen sich als Eliteuniversitäten profilieren (--> Schwerpunkt Forschung).

    Es werden händeringend Fachkräfte gesucht - aber der Zugang zu Masterstudiengängen soll eventuell auf 25% eines Jahrgangs beschränkt bleiben. Wer möchte bitteschön einen Ingenieur oder Naturwissenschaftler beschäftigen, der gerademal drei Jahre studiert hat? TAs sind in der Praxis erstmal wesentlich kompetenter.

    Nach schmerzhaften Kürzungen des Hochschuletats (Bayern 2003: minus 15%...) werden nun, kurz bevor der doppelte Jahrgang an die Unis stürmt, ein paar Mittel locker gemacht. Schöne Bescherung...

    P.S.:
    In Bayern wurde mit Einführung der Studienbeiträge ein Sicherungsfonds aufgelegt, in den noch 2007 10% des Geldes floß. 50 Euro pro zahlendem Student und Semester sollten die Banken dazu bewegen, günstige Darlehen an Studenten zu vergeben, die ja meist keinerlei Sicherheiten vorzuweisen haben. Sollte ein Kredit nicht zurückgezahlt werden, würde dieser Fonds einspringen. Einige Zeit später wurde der Prozentsatz sang- und klanglos auf 3% gekürzt.

    Was mich eigentlich interessiert, ist, was aus diesem Geld und anfallenden Zinsen wird (ich gehe mal davon aus, dass viele Studenten aus Angst vor Überschuldung gerade keinen Kredit aufnehmen, zumindest im Moment noch). Ursprünglich sollten die 500 Euro ja der "Verbesserung der Lehre" zugute kommen - gilt das denn dann auch irgendwann für diesen Fonds?

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