Krise Ohne Bremse an die Wand

Die Krise lehrt uns: Die Gesellschaft lässt sich nicht grenzenlos beschleunigen. Ein Plädoyer für die Verlangsamung

Der Soziologieprofessor Hartmut Rosa ist der Autor der bedeutenden Studie "Beschleunigung. Die Veränderung der
Zeitstrukturen in der Moderne"

Der Soziologieprofessor Hartmut Rosa ist der Autor der bedeutenden Studie "Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne"

Der Ruf nach Entschleunigung, so hörte man noch vor Kurzem, sei die Ideologie der Modernisierungsverlierer, die sich nach langsameren Zeiten zurücksehnten. Verlangsamung sei attraktiv für diejenigen, die sich dem neuen Tempo nicht anpassen könnten, ansonsten aber schädlich für die weitere Modernisierung der Gesellschaft. Das allerdings ist ein Irrtum: Systematische Entschleunigung ist funktionsnotwendig für die Erhaltung moderner Gesellschaften. Der auf Beschleunigung der Kapitalumschlaggeschwindigkeit gerichtete Kapitalismus bedarf entgegengerichteter Beharrungskräfte und stabilitätssichernder Institutionen, er braucht auch Abbremsvorrichtungen zum Schutz vor überhitzenden Transaktionsgeschwindigkeiten. Was passiert, wenn diese bestandsnotwendige Voraussetzung verletzt wird, lässt sich trefflich an der Finanzmarktkrise studieren.

Beschleunigung ist der modernen Gesellschaft strukturell und kulturell eingeschrieben. Eine solche Gesellschaft stabilisiert sich dynamisch, das heißt, sie funktioniert so lange reibungslos, wie sie Bewegung und Steigerung aufrechterhalten kann. Dynamische Entwicklung ist jedoch nur so lange möglich, wie sie sich vor einem stabilen Hintergrund vollzieht, der Risiken kalkulierbar macht, Planung erlaubt und so langfristige Investitionen ermöglicht. Diese Stabilitätsbedingungen wurden im 20. Jahrhundert durch Demokratie, Rechts- und Sozialstaat geschaffen und politisch gewährleistet.

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Die größte Gefahr der Beschleunigungsgesellschaft liegt in ungeplanten Prozessen der Desynchronisation, das heißt der zeitlichen Entkoppelung: Nicht alle Sozialsphären lassen sich in gleichem Maße beschleunigen. Politische Prozesse, demokratische zumal, sind beispielsweise notgedrungen zeitaufwendig. Demokratische Willensbildung und Entscheidungsfindung, die auf der Organisation und Artikulation der öffentlichen Meinung, auf sorgsamer Abwägung der Argumente und auf Konsensfindung beruhen, werden sogar langsamer, je komplexer und dynamischer die Gesellschaft wird. Daher hat die Politik in den vergangenen Jahrzehnten ihre klassisch-moderne Rolle als Schrittmacher sozialer Entwicklung verloren. Verzweifelt versucht sie, Feuer zu löschen und das Schlimmste zu verhindern. Doch ihr Gestaltungsanspruch verblasst.

Die westlichen Gesellschaften haben auf diese Krise mit dem Versuch reagiert, das politische Beschleunigungshemmnis für die ökonomische Entwicklung zu beseitigen – meist durch Deregulierung und Privatisierung, durch Rückzug des Staates aus der Wirtschaft, durch Entbürokratisierung und Flexibilisierung. Markt und Wettbewerb sollten schneller und effizienter regeln, was die Politik nicht mehr steuern konnte. Neoliberale Politik erwies sich als eine Politik zur Entfernung sozialer Bremsen durch Preisgabe des demokratischen Steuerungsanspruches.

Das System belohnt die Kurzsichtigkeit der Manager

Die Wirkung zeigte sich insbesondere auf den Finanzmärkten, die seit der Erosion des Bretton-Woods-Abkommens Anfang der 1970er Jahre mit immer weniger Bremskraft und schließlich fast ganz ohne Bremse fuhren. Was sich beschleunigen lässt, hat der Turbokapitalismus beschleunigt, und als in besonderem Maße akzelerationsfähig erwiesen sich die Finanz- und Kapitalströme, der Geldkreislauf. Die Umstellung vom Modell des Rheinischen Kapitalismus auf den mit kurzfristigen Bilanzen und Horizonten operierenden angelsächsischen Kapitalismus, das Prinzip des Investmentbankings, in dem es darum geht, in immer kürzeren Zeiten immer höhere Profite zu realisieren und dabei ein Anreizsystem für Manager und Banken zu schaffen, das extreme Kurzsichtigkeit prämiert, die Beseitigung transaktionshemmender politischer Interventions- und Steuerungsinstrumente: Sie alle dienten dem Zweck, die Kapitalumschlaggeschwindigkeit zu erhöhen. So steigerte sich die durchschnittliche Umschlaggeschwindigkeit von Aktien an der New Yorker Börse zwischen 1960 und 2005 um das Zehnfache. Durch den Verzicht der Politik auf steuernde und kontrollierende Intervention wurde das Desynchronisationsproblem zwischen politischer Entscheidung und ökonomischem Tempo eindeutig zugunsten des Letzteren gelöst: Die Finanzmärkte hatten zuletzt praktisch keine »Reibungsverluste« mehr zu befürchten.

Wie sich indessen rasch zeigte, entstand nun eine neue, höchst verhängnisvolle zeitliche Kluft: Während sich die Kapitalumschlaggeschwindigkeit über finanzielle Transaktionen nach dem Code zahlen/nicht zahlen nahezu beliebig und bis zur Lichtgeschwindigkeit steigern lässt, gilt das für reale Produktions- und Konsumtionsprozesse keineswegs. Diese sind unaufhebbar zeitaufwendig, und in vielen Bereichen hat es den Anschein, als seien die Geschwindigkeitsgrenzen erreicht und die Märkte gesättigt. Infolgedessen kam es zu einer heute viel beklagten neuen Desynchronisation, derjenigen zwischen turbobeschleunigten Finanzmärkten und »abgehängter« Realökonomie. Finanztransaktionen in schwindelerregendem Tempo ermöglichten Gewinne in ungeahnter Höhe und Managerboni, die gar nicht mehr »real konsumiert« werden konnten, sondern stattdessen in Vermögenswerte investiert wurden.

Während die Finanzmärkte riesige Gewinnspannen realisierten, steigerte sich die Realproduktion in den westlichen Industriestaaten kaum mehr – man vermutet, dass bis zu 40 Prozent des (gegenüber den Finanzmarktgewinnen ohnehin geringen) Wirtschaftswachstums ein Scheinwachstum waren, das auf dem Handel von Finanzprodukten und Vermögenstiteln beruhte und keinerlei Beziehung zum Markt der Güter und Dienstleistungen hatte. So wie der Turbokapitalismus die Beschleunigungsgrenzen der Realproduktion durch Virtualisierung zu überwinden schien, so gelang es ihm auch, die Geschwindigkeitsgrenzen der Realkonsumtion zu ignorieren: Nicht nur die Produktion von Gütern und Dienstleistungen ist zeitaufwendig, sondern auch deren Verbrauch. Auch er lässt sich nicht beliebig beschleunigen.

Mit einem Wort: Der Kapitalismus in seiner spätmodernen Phase lebt davon, dass die Verbraucher in wachsendem Maße den Kaufakt mit dem Konsumtionsakt verwechseln. Sie kaufen immer mehr Bücher, aber sie kommen nicht mehr dazu, sie zu lesen; sie kaufen Schuhe und Kleider, die sie kaum je tragen; sie kaufen Keyboards, Tennisschläger und Teleskope, die sie nie benutzen; sie kaufen technische Geräte, die so komplex sind, dass sie Monate oder Jahre brauchten, um ihre Funktionen wirklich auszuschöpfen. Wäre der Sonntag verkaufsoffen, würde er nicht dem Realkonsum geopfert, sondern dem Kaufakt: Anstatt das Gekaufte zu konsumieren, würden wir erneut shoppen, und wer shoppt, konsumiert nicht.

In den Hochzeiten des Finanzmarktkapitalismus wurden sogar die Geschwindigkeitsgrenzen des Kaufens erreicht. Nicht zuletzt deshalb, weil Kaufen den aus Zeitnot entgangenen Realkonsum kompensieren muss, wurde das Kauftempo vom Erwerbstempo entkoppelt. Man kann das Kaufen beschleunigen, ohne die Einnahmen zu steigern, indem man Schulden macht – was, insbesondere in den USA, nur allzu viele in schwindelerregender Geschwindigkeit taten. Der Schuldenkrise auf der einen Seite stand nun aber die sogenannte Asset Price Inflation, der rasante Anstieg der Preise für Vermögenstitel, auf der anderen gegenüber: Diejenigen, deren Einnahmen in den Zeiten des Turbokapitalismus gewaltig stiegen, investierten diese in Finanzmarktprodukte und Vermögenswerte. Auf diese Weise wuchsen Konsum und Produktion rein virtuell: Es wurde gekauft, ohne zu konsumieren, und verkauft, ohne zu produzieren; beides in einem atemberaubenden Tempo.

»Organisatorisches Kammerflimmern« war vielerorts der dabei erzielte Realeffekt. Statt zu produzieren, fusionierten und reorganisierten sich viele Firmen in Permanenz; Universitäten verbesserten nicht Forschung und Lehre, sondern legten in immer kürzerer Zeit neue Forschungsversprechungen und Lehrpläne auf; statt effektiv zu steuern und zu regulieren, schufen Regierungen derweil neue Institutionen und realitätsferne Gesetze. Weil die Trägheit des Irdischen und Materiellen der Realbeschleunigung Hindernisse und Grenzen entgegensetzt, hat sich das Tempo der Spätmoderne in virtuelle Sphären verlagert, deren hektisches Rotieren den Stillstand der Realsphären lange Zeit erfolgreich überlagerte.

Eine solche Entkoppelung konnte auf Dauer nicht gut gehen, denn die Finanzmärkte blieben in ihrer Operationslogik irreduzibel an die Realökonomie zurückgebunden. Reißt das Band, zerbricht die Illusion, dann droht dem buchstäblich »enthemmten« System – ähnlich einem Auto, das ohne Bremsen früher oder später gegen die Wand fahren muss – der Crash in Form eines gewaltigen, deformierenden Tempoverlustes. Den Aufprall erleben wir nun in Form der Weltwirtschaftskrise, im angelsächsischen Sprachgebrauch trefflich als economic slowdown bezeichnet. Kredit- und Bankenmisere verwandeln die fluiden High-Speed-Kapitalströme derzeit in eine zähflüssige, teilweise sogar stillstehende Masse; der Zusammenbruch gleicht einem totalen Kreislaufkollaps.

Manchmal liegt in der Krise ja tatsächlich eine Chance

Inzwischen sind Finanzmarkt und Realökonomie dabei, sich zu resynchronisieren – um den doppelten Preis einer gewaltigen Steigerung der Zahl von durch Arbeitslosigkeit und Armut »Zwangsentschleunigten« und einer gravierenden wechselseitigen Verlangsamung. Diese vollzieht sich ihrerseits so turbulent, dass die Regierungen nun mittels gigantischer Staatsinterventionen die Notbremse zu ziehen versuchen, und selbst die in ihrer Glaubwürdigkeit erschütterten sogenannten Wirtschaftsexperten vermögen mit den Ereignissen nicht Schritt zu halten. »Die Worte veralten einem im Mund«, befand ifo-Chef Hans-Werner Sinn angesichts der Schwierigkeit, noch Prognosen zu wagen. Man darf gespannt sein, ob die Verfechter der neoliberalen Beschleunigungspolitik daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen in der Lage sind. Zweifel sind berechtigt, und sie nähren ihrerseits Zweifel daran, ob Politiker gut beraten sind, in der Krise weiterhin auf den Rat der Ökonomen zu vertrauen. Ob es der spätmodernen Gesellschaft noch einmal gelingt, wirksame (demokratische) Bremsen einzuziehen, Politik und Wirtschaft zu resynchronisieren und auf diese Weise erneut in die (dann stabilisierte) realökonomische Beschleunigungsspirale zurückzukehren, ist die eine Frage. Ob wir das angesichts von beschleunigungsbedingten Öko- und Klimakrisen und angesichts einer wachsenden Zahl von Depressions- und Burn-out-Kranken, die als Extremformen des »erschöpften Selbst« dem atemberaubenden Tempo des spätmodernen Hamsterrades schon zum Opfer fielen, wollen sollen, lautet die andere. Manchmal liegt in der Krise ja tatsächlich auch die Chance.

Hartmut Rosa ist Professor für Soziologie an der Universität Jena und Autor der bedeutenden Studie »Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne«

 
Leser-Kommentare
  1. Langsamkeit bedeutet im Sinne des westlichen Erfolgdenkens Mißerfolg. Der Soziologie Robert Levine hat das schon vor zig Jahren festgestellt, er hat das Gehtempo, die Zahl und Genauigkeit der öffentlichen Uhren, die Zahl der Arbanduhren und vieles mehr gemessen. Wer langsamer ist, wird von unserer Gesellschaft gnadenlos aufs Abstellgleis geschoben. Slow Time hat hierzulande keine Chance.

    • Chali
    • 29.06.2009 um 15:04 Uhr

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

  2. ... Weltwirtschaft und Welthandel mit demokratischer Kontrolle?

    Die WTO blockt alle Versuche ab, dem Primus Kapital und Secundus Freihandel menschliche Kriterien oder Umweltbelange zur Seite zu stellen. Selbst in der EU spielen soziale Leitgedanken und Korrektive hinter wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit und Wachstum die dritte und vierte Geige.

    Kapitalismus nährt sich aus einer Urgewalt, und alles was dagegen ankommen könnte, ist bei uns als Bürokratismus verschrien. Wir kennen die Rituale: die Bedenkenträger reklamieren Schieflagen, die Wirtschaftsliberalen huldigen ihrer darwinistischen Heldenverehrung in der Welt aus Siegern und Opfern.

    Natürlich hindert das nicht, wie zur Zeit, auf die Kassen des Staats zurückzugreifen -- is' dann doch gut, dass es ihn gibt -- mehr Berechtigung als zum willfährigen Feuerwehrmann oder zum Wachmann, wenn es gilt bei nächster Gelegenheit die angehäuften Reichtümer wieder gegen neidige gesellschaftliche Begehren abzuschotten, hat er aber auch nicht.

    Es ist nicht primär die Geschwindigkeit, es ist die Zügellosigkeit und der gigantische Umfang der maroden Billionenkredite, die der Weltfinanzwirtschaft die obstruktive Selbstvergiftung einbrachten. Die Parallelen zum Freihandel sind augenfällig. Es ist ein großer Unterschied, ob ein paar Koggen übers Meer schippern und die Pelze der russischen Jäger zu den eitlen Höflingen Westeuropas segeln, oder ob Megatonnenfrachter um die Welt schippern und mit kleinem Dollar und Euro billige Elendsarbeit in rauchgasgeschwängerten asiatischen Produktionsmetropolen einzukaufen.

    Es ist gigantisch. Es ist undemokratisch. Es ist falsch.

  3. Der Artikel ist aus meiner Sicht sehr gut und eidrucksvoll. Z. B. hatte ich mich schon seit längerem gefragt, wer eigentlich den ganzen ständig neu auf den Markt geworfenen Ramsch kauft, in den produzierten Mengen. Man kann ja nicht mit 3 Handys gleichzeitig telefonieren und auch nicht mit 2 Autos gleichzeitig fahren.
    Um mit der Entwicklung auf den Finanzmärkten Schritt zu halten musste einerseits die Produktivität kontinuierlich gesteigert werden und gleichzeitig auch der Konsum, damit die produzierte Ware nicht auf Halde gelagert werden musste (was ja wieder einen Finanziellen Aufwand für das Unternehmen bedeutet und der Entwicklung der FInanzmärkte entgegenläuft, die Pleite wäre unverzüglich eingetreten).
    Ich würde daher sagen, dass die Politiker unbedingt wieder ihrer wahren Aufgabe nachgehen müssen: Steuern. Damit Dinge entwickelt und produziert werden, die benötigt werden und nicht ständig mehr von dem Müll produziert wird, mit dem wir eh schon bis zum Hals vollgeladen sind. D. h. mittelständische Unternehmen fördern, die Technologie für nachhaltige Energieversorgung entwickeln und viel viel Geld in Bildung investieren.

  4. Die Worte höre ich gerne, allein es fehlt mir der Glaube. Wenn ich mir die Entwicklungen in unserer Gesellschaft anschaue, erkenne ich, dass nach wie vor die Weichen in Richtung Beschleunigung gestellt werden - es gilt: time is money. So ist man gerade dabei bundesweit die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre zu beschränken. Vielleicht gibt es ja hierfür nachvollziehbare Gründe, genannt wird zumeist nur der, dass unser akademischer Nachwuchs nur so international "konkurrenzfähig" sein könne. Die Einführung des schnellen Schmalspurstudiums zum "Bachelor" wird in ähnlicher Weise begründet. Zum Querdenken und zur akademischen Muse bleibt keine Zeit mehr. Wenn etwas lehrplantechnisch gestrichen wird, dann sind es zumeist die musischen Fächer, die nicht primär auf Verwertbarkeit abzielen. In der gleich Logik werden zunehmend auch die geisteswissenschaftlichen Fächer in Frage gestellt, deren Nutzen ebenfalls - zumindest aus ökonomischen Gesichtspunkten - fragwürdig erscheint. Auch in das persönliche Zeitmanagment der Menschen wird zunehmend eingegriffen. Nicht nur, dass die Arbeitsdichte, das heißt die Menge der geleisteten Arbeit in einer bestimmten Zeit, immer weiter erhöht wird (tw. bis zum psychischen und körperlichen Burn-out) auch die Arbeitszeiten werden immer weiter ausgedehnt und entfernen sich zunehmend von unseren Bedürfnissen. Ich denke an die wachsende Zahl von Verkäuferinnen, die mitunter bis um 23 Uhr abends im Laden stehen oder an die zunehmende Zahl von Arbeitnehmern, die nachts arbeiten müssen. Der Grund auch hier: Erhöhung des Konsums und effektiver - sprich ökonomischer - Einsatz des Produktionsmittels Mensch. Diese und viele weitere Beispiele zeigen, dass es sich bei der aktuellen Finanzkrise nicht nur um eine rein ökonmische, sondern vielmehr um eine Krise unsere Gesellschafts- und westlichen Lebensmodells handelt. Allerdings wurde den Menschen bereits solange in den Kopf gehämmert, dass wir ohne eine Erhöhung unserer Produktivität - und damit eine immer stärkere gesellschaftliche Beschleunigung - unseren Wohlstand nicht halten können, dass diese Lebensweise noch zu selten hinterfragt wird. Es herrscht ein Mangel an gesellschaftlichen Utopien und schlüssigen Gegenentwürfen, sodass ich befürchte, dass wir gezwungen werden der Wurst immer schneller hinterherzuhecheln, auch wenn immer mehr dabei auf der Strecke bleiben.

  5. Wahrscheinlich ändert sich erst etwas, wenn die Politiker Stress mit dem Souverän haben!

  6. ... von Sten Nadolny, ist ein Roman den ich mir mal wieder vornehmen werde.

    Michel 'Momo' Katzentisch

  7. Ja, die Entdeckung der Langsamkeit war zumindest ein neugierig machender Titel zu einem lesenswerten Buch. Und dann das Buch Momo von Michael Ende.
    Ich habe selten einen Artikel in den letzten Jahren gelesen, dem ich soviel abgewinnen kann, wie dem von diesem Autor, Hartmut Rosa.Und ich wünsche ihm viele aufmerksame Leser.
    Erst neulich beschrieb ich die Situation unserer Arbeitswelt mit ihren Fusionen und Pleiten und dem zunehmenden Stress am Arbeitsplatz mit dem in Kindertagen auf einer Kirmes gesehenen "Teufelsrad:" In einem Zelt befindet sich eine große runde Scheibe aus glattem Holz, die sich immer schneller dreht und die an der Peripherie liegend oder hockend befindlichen Personen werden als erste von der Scheibe ins Aus geschleudert, bis auch der Letzte aus der Mitte der Scheibe hinauskatapultiert wird.Das ist dann der "Sieger."

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  • Quelle DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27
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