Lionel Messi Die Hummel, die nicht fliegen darfSeite 3/3
Der unglaublichste Moment meines Treffens mit Messi ist der, als ich ihm sage, dass er, wenn er spielt, Maradona gleicht – ihm "gleicht": weil ich nicht weiß, wie ich eine Beobachtung, die schon tausendmal gemacht wurde, besser ausdrücken soll, aber sagen will ich es ihm trotzdem. Er antwortet mir: "Ist das wahr?", mit einem Lächeln, noch schüchterner als sonst und überglücklich.
Im Übrigen war Lionel Messi bereit, mich zu treffen, nicht weil ich ein Schriftsteller bin oder aus sonst einem Grund, sondern nur weil ich aus Neapel komme. Für ihn bin ich das, was für einen Muslim jemand ist, der in Mekka geboren wurde. "Neapel gefällt mir, ich möchte bald hinfahren", sagt Messi. "Es ist sicher sehr schön, wenn man dort ein wenig länger bleiben kann. Für einen Argentinier ist es wie nach Hause kommen." Neapel ist für Messi und für viele Fans des FC Barcelona ein heiliger Ort des Fußballs. Es ist der Ort der Talentweihe, die Stadt, in welcher der Gott des Fußballs seine besten Jahre verbrachte, wo er aus dem Nichts aufstieg zum Sieger über die großen Mannschaften, zum Eroberer der Welt.
Lionel Messi wirkt wie das glatte Gegenteil dessen, was man sich unter einem Fußballstar vorstellt, er ist linkisch, er benutzt nicht die üblichen Phrasen, die zu benutzen man ihm empfiehlt, er wird rot und schielt auf seine Füße, er beginnt an Daumen- und Zeigefingernagel zu kauen, wenn er nicht weiß, was er sagen soll.
Aber die Geschichte des Flohs ist noch erstaunlicher, in vielerlei Hinsicht. Mit Messi ist es wie mit der Hummel. Man sagt, die Hummel dürfte eigentlich gar nicht fliegen, weil ihr Körper unverhältnismäßig groß und viel zu schwer für ihre kleinen Flügel sei. Aber die Hummel weiß das nicht, sie fliegt einfach. Messi mit seinem Körperchen, seinen kleinen Füßen, seinen Beinchen und der schmalen Brust, mit all seinen Wachstumsproblemen, sollte eigentlich im muskelstrotzenden modernen Fußball gar nicht spielen können.
Aber Messi weiß das nicht. Und ebendeshalb ist er der Größte von allen.
Roberto Saviano wurde 1979 in der Nähe von Neapel geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist. 2006 erschien sein Bestseller Gomorrha über Praktiken der CamorraDas Buch wurde verfilmt und in 42 Sprachen übersetzt.
- Datum 07.04.2010 - 09:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27
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Ein rührender Artikel. Wunderschön geschrieben/ übersetzt.
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"Zweifel ist keine angenehme Voraussetzung, aber Gewißheit ist eine absurde."
"Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen"
- Voltaire
Wirklich schöner Artikel.
Einiziger Schwachpunkt am Originaltext:
"Nur um Messis Gesicht zu erspähen, muss man den Blick senken, bis etwa auf Schulterhöhe seiner Kameraden."
In Wahrheit sind Spieler wie Xavi (1,70m), Iniesta (1,70), Pedro (1,69) oder Krkic (1,70) zumindest körperlich mit Messi auf Augenhöhe.
Jedem, der mal ein Barca-Spiel verfolgt hat, sollte auffallen, dass der Verein zumindest in der Offensive verstärkt auf diesen Spielertyp - klein, wendig, schnell, mit hervorragende Technik und Übersicht - setzt und damit sehr erfolgreich fährt. Wenn man diesen Spielern zuschaut hat man das Gefühl die Zeit würde für sie nur halb so schnell laufen und für uns Beobachter steht sie still.
er ist 23 & sieht auch so aus. er ist genauso groß wie manch andere aus seinem team. & nur weiL er kein bart hat is er jetzt nen kind?! nee. auserdem hat er öfters maL bartstoppeLn in der gusche.!
Nun wissen wir: Das Portrait eines Sportlers durch einen Schriftsteller kann ebenso mitreissend sein wie Händels "Messias" nach der Überarbeitung durch Mozart. Oder die Geschichte des Heiligen Hubertus, wie sie uns von Jacobus von Voragine überliefert wurde. Auch das Leben Lionel Messis ist aus dem Stoff gemacht, aus dem Legenden gestrickt werden, und Roberto Saviano ist es vortrefflich gelungen, dieses Klein-Od zum glänzen zu bringen.
Herzlichen Dank an die ZEIT-Redaktion, diesen herausragenden Artikel noch einmal einzustellen, der mir ansonsten entgangen wäre.
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