Tschechien Der böhmische Traum

Die Tschechen und Europa – das ist eine schwierige Geschichte. Wer sie verstehen will, sollte František Palacký kennen: Den Mann, den unsere Nachbarn als Vater der Nation verehren

Eigentlich wollen sie ausgelassen feiern. Die vergangenen Wochen sind stürmisch gewesen und politisch brisant. Der Mittagstisch im Bürgerlichen Kasino, nah am Prager Rossmarkt, ist reich gedeckt. Die Elite der tschechischen Intellektuellen hat sich an diesem 11. April 1848 hier versammelt, darunter der Dichter Karel Jaromír Erben und der liberale Verleger und Politiker Graf Vojtěch Deym. Der Gastgeber aber heißt František Palacký. Auf den Tag genau vor 25 Jahren ist er nach Prag gekommen, das will er feiern, und natürlich soll auch auf seine Geschichte von Böhmen angestoßen werden, deren erster Band nun endlich auf Tschechisch erschienen ist.

Doch als Palacký eintrifft, bleibt keine Zeit mehr zum Feiern. In der Hand hält er ein Schreiben, das er den Freunden gerne vorlesen möchte, bevor er es abschickt. Es sei von größter Wichtigkeit.

Bis dato hat kaum jemand in Europa Notiz vom Unabhängigkeitsstreben der Tschechen genommen. Das soll sich jetzt ändern, mit diesem Brief. Einige Seiten lang, binnen weniger Stunden verfasst, auf Deutsch, glänzend in Ausdruck und Stil. Der Adressat: Alexander von Soiron, Präsident des Fünfzigerausschusses der entstehenden Frankfurter Nationalversammlung.

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»Ich bin kein Deutscher«, schreibt Palacký. »Ich bin ein Böhme slawischen Stammes.« Bei aller Hochachtung für die »Vaterlandsfreunde« in Frankfurt am Main werde er dem Ruf in die Paulskirche, um dort als Abgeordneter an der Verfassung mitzuwirken, nicht nachkommen. Den »großdeutschen Herren« hält Palacký das Gesetz der Gleichheit aller Nationen entgegen. Böhmens Anschluss an Deutschland wäre das Ende einer tschechischen Nation, bevor sie jemals auf Europas Landkarte aufgetaucht ist. Politischer Selbstmord.

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Während in Frankfurt die radikalen Demokraten von der deutschen Republik träumen, fordert František Palacký einen österreichischen Staatenbund mit einem starken Kaiser an der Spitze. Nur der Herr in der Hofburg garantiere den »slawischen Völkern« ihre Autonomie und Schutz vor der »russischen Universalmonarchie«, schreibt er in seinem Brief. »Wahrlich, existierte der österreichische Kaiserstaat nicht schon längst, man müsste im Interesse Europas, im Interesse der Humanität selbst sich beeilen, ihn zu schaffen.«

Austroslawismus heißt seine Verjüngungskur für das gebrechliche Donaureich. Anders als die Italiener und Ungarn setzt er auf eine Revolution ganz eigener Art: Kaisertreue gegen weitgehende Unabhängigkeit. Und eine Zeit lang sieht es so aus, als könnte Palacký tatsächlich Erfolg haben.

Böhmens großer Historiker und Politiker stammt – und das mag bezeichnend sein – aus dem Grenzland. Am 14. Juni 1798 wird František (Franz) Palacký als fünftes von zwölf Kindern in Hotzendorf (Hodslavice) geboren, nahe am Gebirge, das Mähren von der Slowakei und Schlesien trennt. Protestanten und Katholiken, Tschechen und Deutsche leben hier seit Jahrhunderten Hof an Hof. Er ist 14, als ihn sein Vater, der Dorfschullehrer, auf das evangelische Lyzeum nach Pressburg (Bratislava) schickt. Der Junge lernt schnell, liest die griechischen und lateinischen Klassiker, liest Klopstock, Goethe und Kant. Keiner behält so viele Namen wie Palacký, »Herr Alleswisser« nennen ihn die Kameraden. Am Ende der Studien beherrscht er elf Sprachen – und muss sich Kost und Logis als Privaterzieher von Söhnen ungarischer Adelsfamilien verdienen.

In Wien wird man misstrauisch und wittert Konspiration

Palacký will nach oben. Der berufliche Ehrgeiz verbindet sich mit politischen Ambitionen. Nach der Niederlage Napoleons breitet sich in Pressburgs Elite nationale Stimmung aus. Besonders das Schicksal des polnischen Helden Tadeusz Kościuszko, der sowohl im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg stritt als auch im Kampf um Polens Freiheit, versetzt den jungen Palacký in Begeisterung. »Mein Leben und mein Geist seien dem Vaterlande geweiht, und nur dem Vaterlande und meinem Volke gelte mein Atem«, notiert der 21-Jährige 1819 pathetisch in sein Tagebuch.

Im Frühjahr 1823 bricht er auf nach Prag. Ins deutschsprachige Prag. In den Amtsstuben, in den Offizierskasinos und Kaffeehäusern hört man kaum Tschechisch. Sogar der Prager Bürgermeister spricht Deutsch. »Ich zittere beinahe, wenn ich bedenke: ohne Amt und Beruf bist Du in einer fremden Welt«, schreibt der Vater dem Sohn. Doch der weiß: Sein Lebenswerk, die große Geschichte der Böhmen, kann er nur hier schreiben. In Prag.

Er besucht Dichter und Professoren. In den Salons des Adels glänzt er mit seinem Klavierspiel, er verschafft sich Konnexionen. Bald ist er, in bestem Sinne, stadtbekannt: ein Mann von mittlerer Statur, blonde, lockige Haare, buschige Koteletten. Brillant, klug, belesen.

Doch wirklich aufwärts geht es nur langsam. Palacký lebt ärmlich. Gelegentlich schickt der Vater ihm Geld. Erst im September 1827 endet die Not, denn Amor gewährt Kredit: Palacký heiratet Therese Miechura, die Tochter eines reichen Prager Anwalts und Grundbesitzers.

Zu Palackýs privatem Glück kommt der berufliche Erfolg. Gegen Widerstand aus Wien ernennt ihn Böhmens Landtag 1829 zum Landeshistoriografen: Endlich kann er sich an seine große Chronik der böhmischen Geschichte machen. Unermüdlich reist er durch Europa, recherchiert in Archiven, verfasst Studien zur Rechtsgeschichte, erstellt Verzeichnisse aller Herrschaften, Städte, Dörfer und Burgen Böhmens.

Rasch bekommt er die Brisanz des Auftrags zu spüren. Wien wittert Konspiration. Metternichs Spitzel lauern überall. Zwei von Palacký initiierte historische Zeitschriften – die eine in deutscher, die andere in tschechischer Sprache – geraten in Bedrängnis. »Wohin führt es«, fragt er verbittert, »wenn wir mit Ausnahme von Koch- und Gebetbüchern, Märchen und Silbenrätseln nichts anderes schreiben dürfen?«

Dennoch kann 1836 der erste Band der Geschichte von Böhmen erscheinen. Er ist auf Deutsch geschrieben und findet auch außerhalb des Landes viele Leser. Palacký reist nach Berlin, Dresden, Leipzig, nach Paris.

Palacký konstruiert den Tschechen ein kollektives Gedächtnis

Die Situation verschärft sich. Die Forderungen nach Bürgerrechten und nationaler Selbstbestimmung lassen sich nicht länger unterdrücken. Zu Beginn des Jahres 1848 rumort es in Palermo, das Volk stürmt den Palast des verhassten Bourbonenkönigs. Dann greift die Revolution auf ganz Italien über, auf Frankreich, auf Mitteleuropa.

Anfang März erreicht sie Prag. In den Festsälen eines beliebten Restaurants kommt es am 11.März zur ersten großen nationalen Demonstration. Trotz des noch winterlichen Wetters ist die Stimmung frühlingshaft. Beamte und Handwerker, Studenten und Arbeiter verabschieden eine Resolution an den Kaiser, die Böhmen die Autonomie, freie Wahlen und Pressefreiheit bringen soll. Sie gründen einen Nationalausschuss. Petitionen haben Hochkonjunktur – man manifestiert und proklamiert.

Am 13. März räumt Metternich in Wien kampflos das Feld und geht ins Exil. Österreichs Minister verhandeln mit einer Prager Delegation über eine neue Verfassung. Die tschechische Nationalität soll gleichberechtigt neben der deutschen stehen, Leibeigenschaft und Fronarbeit sollen ein Ende haben. Am 8. April verspricht die Wiener Regierung in einer »Böhmischen Charte« weitgehende Autonomie.

»Deine Landsleute«, schreibt Palacký an Therese, die, von einem Herzleiden geplagt, den Winter in Nizza verbringt, »sind kaum wiederzuerkennen. Wir sind ein anderes Volk geworden.« Prags tschechische Bürger zeigen den Stolz einer erwachenden Nation und demonstrieren ihre Hoheit in der Hauptstadt mit weißen Hüten, Kokarden und Regenschirmen ganz in Erwartung der neuen Konstitution. Man grüßt konstitutionell, tanzt begeistert die Konstitutionspolka, und die Bäckereien bieten Konstitutionshörnchen an.

Palacký indes mahnt zur Disziplin. »Die bürgerliche Freiheit bedeutet keine Anarchie, durch die Konstitution wird kein Heiliges Jahr für alle Faulenzer, Dummköpfe, Verschwender, Rebellen und andere unanständige Leute gewährt. Die Steuern muß man auch danach zahlen«, schreibt er am 19. März 1848 in der Prager Zeitung . Er warnt vor dem Chaos der Revolution. »Fast überall in den Nachbarländern ist schon Blut geflossen, nur bei uns nicht«, schreibt er stolz an Therese. »Dank sei der sittlichen Haltung unserer Patrioten.« Und Prag bleibt sittlich. Vorerst.

In diesen Tagen erscheint die tschechische Ausgabe der Geschichte von Böhmen, die nun schon Die Geschichte des tschechischen Volkes in Böhmen und Mähren heißt und wie das intellektuelle Grundgerüst einer nationalen Emanzipation wirkt. Der Autor konstruiert den Tschechen ein kollektives Gedächtnis. Seine Geschichte liefert Ursprünge und Blütezeiten und führt den Leser durch die Tage der Finsternis. Dabei preist Palacký die Tschechen als humanistisch orientiert, als freiheitlich und demokratisch gesinnt – die germanische Kultur hingegen, wie sie sich seit dem 13. Jahrhundert in Böhmen entfaltet habe, als ständeorientiert und autoritär.

Mit dieser »slawischen Legende« gießt Palacký selbst Öl in die Flammen der nationalen Bewegung. In den kämpferischen Märztagen erklären Journalisten und national gesinnte Politiker Palackýs Geschichte zur Pflichtlektüre. Für sie bedeutet der Kampf gegen den Ständestaat auch den Kampf gegen das »deutsche Element« in Böhmen. Zerstoben sind die Hoffnungen, die sich noch kurz zuvor der Pädagoge Josef Wenzig gemacht hat: »Der Teutone und der Slawe, dieses treffliche Paar, werden lernen, einander zu verstehen, und die deutsche Eiche wird neben der slawischen Linde grünen, die wiederum neben selbiger erblühen soll.«

Viele Abgeordnete der Frankfurter Paulskirche reagieren schockiert auf Palackýs Absagebrief an das Parlament – sind sie doch ganz in dem Glauben gewesen, dass die böhmischen Länder, wenn nicht deutsche, so zumindest eingedeutschte Gebiete sind. In Palacký sieht man einen exzellenten deutschen Historiker aus Prag. Nun aber ergreift zum ersten Mal in der modernen Geschichte ein tschechischer Bürger das Wort. Er verweigert sich und fordert keck, Deutschland solle sich doch an das österreichische Kaiserreich anschließen. Vor allem die Linke ist entgeistert. Karl Marx schimpft Palacký einen »übergeschnappten deutschen Gelehrten, der bis auf den heutigen Tag die tschechische Sprache nicht korrekt und ohne fremden Akzent sprechen kann«.

Auch in den deutschen Gebieten Böhmens – in Reichenberg, Saaz und Teplitz – radikalisieren sich nun die Gegner der tschechischen Nation. Sie bangen um ihren »deutschen Besitzstand« und fürchten Gewaltexzesse der Tschechen; niemand ist ihnen so verhasst wie »die Schlange, der Slave Palacký«. In den anderen Regionen des heutigen Tschechiens, in Mähren und in Österreichisch-Schlesien, ist man ohnehin gegen eine Vereinigung mit Böhmen.

Als Anfang Juni in Prag ein »Slawenkongress« zusammenkommt, bröckelt endgültig die Allianz zwischen deutschen und tschechischen Liberalen. Mehr als 300 Delegierte sind in der Stadt. Polen, Serben, Kroaten, Ruthenen, Ukrainer, Slowaken und Tschechen – sie alle zeigen ihre Embleme, ihre bunten Volkstrachten und zücken demonstrativ die Säbel. »Slawenbrüder! Kommt in die altberühmte Slawenstadt Prag«, heißt es auf der Einladung, mit der linke Demokraten wie aufgeklärte Konservative zum »Anti-Frankfurt« aufrufen. Der Kongress soll ein slawisches Gegengewicht zu den deutschen und ungarischen Machtansprüchen im Habsburgerreich sein. Palacký präsidiert, wenn auch nur ungern, wie der tschechische Historiker Jiří Kořalka 1998 in seiner großen Palacký-Biografie schreibt (die seit 2007 auch in deutscher Übersetzung zu lesen ist). Denn Palacký ahnt, dass Panslawismus und antiösterreichische Provokationen die Oberhand gewinnen könnten. So fordert gleich einer der Gäste, der genialische russische Anarchist Michail Bakunin: »Habsburg zerschlagen!«

Wien reagiert nervös. Das Militär soll in Prag »radikales Aufbegehren« unterdrücken. Am 12. Juni 1848 demonstrieren Studenten, Arbeiter und Handwerker auf dem Rossmarkt gegen die österreichischen Truppen. Was mit Rangeleien beginnt, endet mit Schüssen, mit Toten. Knapp 10.000 Soldaten stehen 3000 Aufständischen gegenüber, die Barrikaden errichten und Geiseln nehmen. Die Österreicher unter Feldmarschall Alfred Fürst zu Windischgrätz antworten mit einem erbarmungslosen Bombardement. Nach fünf Tagen ist der Aufstand niedergeschlagen; über Prag wird der Ausnahmezustand verhängt.

Palacký ist so entrüstet wie ratlos. Er fürchtet, dass sein Handel – Loyalität gegen Unabhängigkeit – zu platzen droht. Der Nationalausschuss wird aufgelöst. Es gibt Razzien und Verurteilungen, sämtliche bürgerlichen Institutionen sind aufgehoben. Die deutsche Presse feiert den »Sieg über die Prager Konspiration«. »Die Ziele der Tschechen um Palacký waren gegen die moderne europäische Zivilisation gerichtet«, schreibt die Leipziger Zeitung Die Grenzboten und warnt: »Ehe die czechische Intelligenz nicht von ihrem großen Götzen Palacký sich lossagt [...], ist keine Beruhigung Böhmens zu hoffen.«

Wie Blei liegt die Enttäuschung auf seinen späten Jahren

Palacký will kämpfen. Loyal zum Kaiser, streitet er im österreichischen Reichstag – auch er eine Errungenschaft der Revolution – weiter für eine föderative Verfassung, für »einen Bundesstaat, der als solcher weder deutsch, noch slawisch, weder magyarisch noch romanisch sein und heißen« soll, für »einen Bund freier und vollkommen gleichberechtigter Völker«. Deutschböhmische Liberale wie Ludwig von Löhner weiß er dabei wieder an seiner Seite.

Doch die Revolution hat an Kraft verloren. Im Oktober 1848 besetzen die kaiserlichen Truppen unter Windischgrätz Wien. Das Parlament zieht ins mährische Kremsier; Anfang März 1849 wird es aufgelöst. Wenige Monate später müssen schließlich auch die Ungarn kapitulieren, »der Freiheit letzte Schanz«, wie Heinrich Heine klagt. Mittlerweile residiert ein neuer Herrscher in der Hofburg, der junge Franz Joseph I. Ein neoabsolutistischer Kaiserstaat erstickt alle Hoffnungen der Tschechen.

Auch später ändert sich die Lage wenig. Nach den verlorenen Kriegen gegen Frankreich (1859) und Preußen (1866) aus Italien und Deutschland immer weiter hinausgedrängt, versucht Habsburg zu halten, was zu halten ist. Doch so kompromissbereit man sich in Ungarn zeigt – und den Magyaren 1867 ein hohes Maß an Selbstständigkeit gewährt –, so stur bleibt man gegen Böhmen. Enttäuscht neigen sich Palackýs Sympathien sogar ein wenig dem verhassten Zarenreich zu.

Sein politischer Ehrgeiz ist erschöpft. Seit 1861 im Herrenhaus, dem Oberhaus des nachrevolutionären österreichischen Parlaments, zieht er sich allmählich zurück und schreibt weiter an seiner Geschichte von Böhmen. 1867 erscheint der letzte der fünf Bände. Im Jahr darauf darf er den Grundstein für das symbolträchtige tschechische Nationaltheater unmittelbar am Ufer der Moldau legen. Palacký selbst ist mittlerweile zum Denkmal geworden. »Otec národa«, Vater der Nation, nennen ihn die Tschechen ergriffen. Seine politischen Gedanken indes finden nur noch wenig Gehör, die Jungen fordern jetzt alles oder nichts.

Die Enttäuschung liegt wie Blei auf seinen späten Jahren. Seit dem Tod Thereses lebt er im Haus der Tochter Marie, die mit seinem langjährigen Mitstreiter František Ladislav Rieger verheiratet ist. Nach wie vor ein höflicher Mann, geistig kaum gealtert, von blitzender Intelligenz, nach wie vor sorgsam gekleidet, im Gehrock, mit Perücke und dem unerlässlichen Spazierstock. Aus dem Haus wagt er sich allerdings nur noch nach einem ängstlichen Blick auf das Thermometer.

Kurz vor seinem Tod erlebt die Gründung des Deutschen Reiches unter Preußens Führung. Erneut warnt er vor dessen Expansion: »Die Deutschen redeten von Freiheit und Konstitution und brachten die Herrschaft der einen über die anderen.« Die Donaumonarchie sieht er zum Untergang verurteilt, doch »um meine Nation hege ich dabei nicht allzu große Befürchtungen«. Sein Volk sei vor Österreich da gewesen und werde nach ihm da sein. Am 26.Mai 1876 stirbt František Palacký in Prag. Mehr als 50.000 Menschen bereiten ihm ein Begräbnis, wie es Prag seit dem Leichenzug KarlsIV. ein halbes Jahrtausend zuvor nicht mehr erlebt hat.

Noch im selben Jahr begann man mit dem Bau einer Brücke über die Moldau, die seinen Namen trägt. An deren Neustädter Kopf wurde 1912 ein triumphales Denkmal für ihn enthüllt, das noch heute jeden Prag-Besucher staunen macht.

Wer es sieht und Palackýs Geschichte kennt, der ahnt, was das neue Europa für viele Tschechen bedeutet: einen sicheren Port für die Nation, mehr nicht. Jeder Verzicht auf Souveränitätsrechte erscheint ihnen als Zumutung. Nur 28 Prozent aller Wahlberechtigten gaben bei der Europawahl Anfang Juni ihre Stimme ab. Brüssel und Lissabon bleiben für unsere Nachbarn ferne Orte.

Der Autor ist Historiker und Journalist und lebt in Hamburg

 
Leser-Kommentare
  1. gegen die slawischen Völker, die dann in den Weltkriegen mit "Ober Ost" und "Generalplan Ost" ausgeführt werden: http://de.wikipedia.org/w...

    Hervorragende Untersuchung von Klaus Thörner,

    "Der ganze Südosten ist unser Hinterland."
    Deutsche Südosteuropapläne von 1840 bis 1945

    online: http://oops.ibit.uni-olde...

    "die germanische Kultur [] als ständeorientiert und autoritär" - ja, dieses Regime ist besonders seit "der Wende" wieder auf dem Vormarsch!
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • spacko
    • 05.07.2009 um 23:09 Uhr

    Interessanter Artikel, aber ist es nicht alles viel einfacher? Die Tschechen haben seit 1990 im Grunde das erste Mal in ihrer Geschichte einen wirklich unabhängigen Nationalstaat. Nach 1918 musste die Macht mit Deutschen und Slowaken geteilt werden, nach 1945 war man ein Vasallenstaat der UdSSR.

    Da fällt es doch schwer, gleich wieder ein Vasallenstaat der EU zu werden,

    Palacký ist einfach zu lange her, das ist als wollte man Bismarck zur Erklärung deutscher Denkmuster heranziehen.

  2. 1848 waren die Deutschen bemüht, die über Jahrhunderte gewachsenen Interessen der einzelnen Länder zu einen. Erst Bismarck ist das von oben gelungen, mit "Blut und Eisen". Nach dem 1. Weltkrieg wurden den Deutschen in dem neuentstandenen Nationalstaat das Selbstbestimmungsrecht verwehrt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie völkerrechtswidrig - nach etwa 800 Jahren Besiedlung - vertrieben. Dieses Wissen habe ich bei meinem Geschichtsstudium in München und England erworben. Die beiden vorherigen Beiträge sind wohl DDR "Erkenntnis"

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    • otto_B
    • 06.07.2009 um 3:54 Uhr

    Vor ein paar Jahren hat Peter Glotz ein ganz nettes Buch geschrieben, "Vertreibung". Er liefert darin eine ganz plausible Sicht der Dinge, und die Pauskirchen-Absage von Palacký nimmt auch dort einen zentralen Raum ein. Der "österreichische Patriotismus" Palackýs beeindruckt - liefert er doch doch ein Gegenkonzept zum Europa der Nationalstaaten. Die Donau-Monarchie als ein Vorläufer der EU? "......Gäbe es Österreich nicht, man müßte es erfinden........". Daß zu Habsburgischen Zeiten "alles besser war", diese Melankolie liest man auch hin und wieder zu den Zuständen in Ex-Jugoslawien, insbesondere Bosnien. An das Zitat der Einladung an die deutschen Länder, auch "Österreich beizutreten" erinnere ich mich aus dem Glotz-Buch nicht - es klingt aber konsequent. Also weder klein-, noch großdeutsch, sondern gleich (...europäisch...) förderal. Laut Sebastian Haffner haben wir die kleindeutsche Lösung bis zum heutigen Tage. Bismarcks Lösung zwar in Jalta und Potsdam zwar zunächst dreigeteilt, aber dann 1990 bei 2+4 doch wieder zusammengefügt, also der Teil diesseits von Oder und Neiße.

    Ihre Aussage: "...Nach dem 1. Weltkrieg wurden den Deutschen in dem neuentstandenen Nationalstaat das Selbstbestimmungsrecht verwehrt"?....... Der Preis wäre die Teilung Böhmens und Mährens gewesen - so wie es 1938 dann auch passierte. Mit Begriffen wie "... Appeasement..." mogelt man sich heute drum rum, daß die Friedensordnung der Pariser Vorortverträge (...Versailles...) doch gewisse Schönheitsfehler hatte, die dann den Diktaturen in die Hände arbeiteten, insbesonder der deutschen.
    Die Benennung des "Großdeutschen Reiches" von Hitler würde ich erstmal nach den Kategorien des 19. Jahrhunderts deuten - Bismarckes Kleindeutschland plus den Österreichischen Reststaat, plus Böhmen und Mähren.
    Die Bürger des "Protektorates" zwar nicht in der Wehrmacht gelitten, die Jugend aber doch in der HJ? Und die Maschinerie der Rüstungsproduktion lief ja auch gut geölt - so gut, daß es Benesch in London Angst und Bange wurde, - und er die Heydrich-Attentäter in Marsch setzte. So stellt es Glotz zumindest dar. Der weitere Verlauf bekannt.
    Mit der Positionsbestimmung für "die Tschechen", zwischen Pan-Germanismus, und Pan-Slawismus, hat Palacky mit der Befürwortung der förderalen Option prophetische Qualitäten bewiesen. Österreich (als förderales Gebilde) verbessern, und nicht abschaffen im Sinne der Nationalstaatenbildung. Betreffs des erschossenen Thronfolgers liest man da auch von interessanten Absichten - was aber, wie bekannt, nicht mehr werden sollte. Der tschech(oslowak)ische Nationalstaat, wie seit dem 19. Jhdt. herbeigesehnt, und 1918 gekommen, ist ja gescheitert. Zuerst 1938. Diktatur hin oder her, es gab zentrifugale Kräfte. 1945 von Benesch mit Hilfe Westmächte restauriert (....er nutzte seine Zeit, um mit dem "deutschen Problem" aufzuräumen....), aber 1948 schlug dann die Stunde der Wahrheit - mit der Machtübernahme der Kommunisten. Palacky sah -100 Jahre vorher- schwache Nationalstaaten, und das "Imperium des Panslawismus". Was dann real kam, war die Welt von Jalta, mit Stalins Ostblock. Hat er etwa nicht recht gehabt? Interressant dabei die Position der Westmächte. 1918 mag ungetrübte Zuversicht geherrscht haben. Aber dann Jalta?--Hat Benesch überhaupt eine Chance gehabt? Die Kommunisten mit Gottwald erscheinen als die logischen Erben, nicht Bensch. War das so ehrenhaft von den Briten, was sie da mit Stalin ausgehandelt haben? Das war dann eben der Preis für den Sieg über Hitler....... Der Weg der Tschechen zwischen 1918 und der samtenen Revolution sieht doch im Rückblick recht steinig aus.
    Mit der EU ist manches verwirklicht worden, was sich Palacky als Reform im Ineren Österreichs gewünscht hätte. Es kam erstmal anders, für rund 100 Jahre, mit leidvollen Erfahrungen für Tschechen und andere. Vor diesem Hintergrund ist in den letzten 20 Jahren viel erreicht worden.

    • otto_B
    • 06.07.2009 um 3:54 Uhr

    Vor ein paar Jahren hat Peter Glotz ein ganz nettes Buch geschrieben, "Vertreibung". Er liefert darin eine ganz plausible Sicht der Dinge, und die Pauskirchen-Absage von Palacký nimmt auch dort einen zentralen Raum ein. Der "österreichische Patriotismus" Palackýs beeindruckt - liefert er doch doch ein Gegenkonzept zum Europa der Nationalstaaten. Die Donau-Monarchie als ein Vorläufer der EU? "......Gäbe es Österreich nicht, man müßte es erfinden........". Daß zu Habsburgischen Zeiten "alles besser war", diese Melankolie liest man auch hin und wieder zu den Zuständen in Ex-Jugoslawien, insbesondere Bosnien. An das Zitat der Einladung an die deutschen Länder, auch "Österreich beizutreten" erinnere ich mich aus dem Glotz-Buch nicht - es klingt aber konsequent. Also weder klein-, noch großdeutsch, sondern gleich (...europäisch...) förderal. Laut Sebastian Haffner haben wir die kleindeutsche Lösung bis zum heutigen Tage. Bismarcks Lösung zwar in Jalta und Potsdam zwar zunächst dreigeteilt, aber dann 1990 bei 2+4 doch wieder zusammengefügt, also der Teil diesseits von Oder und Neiße.

    Ihre Aussage: "...Nach dem 1. Weltkrieg wurden den Deutschen in dem neuentstandenen Nationalstaat das Selbstbestimmungsrecht verwehrt"?....... Der Preis wäre die Teilung Böhmens und Mährens gewesen - so wie es 1938 dann auch passierte. Mit Begriffen wie "... Appeasement..." mogelt man sich heute drum rum, daß die Friedensordnung der Pariser Vorortverträge (...Versailles...) doch gewisse Schönheitsfehler hatte, die dann den Diktaturen in die Hände arbeiteten, insbesonder der deutschen.
    Die Benennung des "Großdeutschen Reiches" von Hitler würde ich erstmal nach den Kategorien des 19. Jahrhunderts deuten - Bismarckes Kleindeutschland plus den Österreichischen Reststaat, plus Böhmen und Mähren.
    Die Bürger des "Protektorates" zwar nicht in der Wehrmacht gelitten, die Jugend aber doch in der HJ? Und die Maschinerie der Rüstungsproduktion lief ja auch gut geölt - so gut, daß es Benesch in London Angst und Bange wurde, - und er die Heydrich-Attentäter in Marsch setzte. So stellt es Glotz zumindest dar. Der weitere Verlauf bekannt.
    Mit der Positionsbestimmung für "die Tschechen", zwischen Pan-Germanismus, und Pan-Slawismus, hat Palacky mit der Befürwortung der förderalen Option prophetische Qualitäten bewiesen. Österreich (als förderales Gebilde) verbessern, und nicht abschaffen im Sinne der Nationalstaatenbildung. Betreffs des erschossenen Thronfolgers liest man da auch von interessanten Absichten - was aber, wie bekannt, nicht mehr werden sollte. Der tschech(oslowak)ische Nationalstaat, wie seit dem 19. Jhdt. herbeigesehnt, und 1918 gekommen, ist ja gescheitert. Zuerst 1938. Diktatur hin oder her, es gab zentrifugale Kräfte. 1945 von Benesch mit Hilfe Westmächte restauriert (....er nutzte seine Zeit, um mit dem "deutschen Problem" aufzuräumen....), aber 1948 schlug dann die Stunde der Wahrheit - mit der Machtübernahme der Kommunisten. Palacky sah -100 Jahre vorher- schwache Nationalstaaten, und das "Imperium des Panslawismus". Was dann real kam, war die Welt von Jalta, mit Stalins Ostblock. Hat er etwa nicht recht gehabt? Interressant dabei die Position der Westmächte. 1918 mag ungetrübte Zuversicht geherrscht haben. Aber dann Jalta?--Hat Benesch überhaupt eine Chance gehabt? Die Kommunisten mit Gottwald erscheinen als die logischen Erben, nicht Bensch. War das so ehrenhaft von den Briten, was sie da mit Stalin ausgehandelt haben? Das war dann eben der Preis für den Sieg über Hitler....... Der Weg der Tschechen zwischen 1918 und der samtenen Revolution sieht doch im Rückblick recht steinig aus.
    Mit der EU ist manches verwirklicht worden, was sich Palacky als Reform im Ineren Österreichs gewünscht hätte. Es kam erstmal anders, für rund 100 Jahre, mit leidvollen Erfahrungen für Tschechen und andere. Vor diesem Hintergrund ist in den letzten 20 Jahren viel erreicht worden.

    • otto_B
    • 06.07.2009 um 3:54 Uhr

    Vor ein paar Jahren hat Peter Glotz ein ganz nettes Buch geschrieben, "Vertreibung". Er liefert darin eine ganz plausible Sicht der Dinge, und die Pauskirchen-Absage von Palacký nimmt auch dort einen zentralen Raum ein. Der "österreichische Patriotismus" Palackýs beeindruckt - liefert er doch doch ein Gegenkonzept zum Europa der Nationalstaaten. Die Donau-Monarchie als ein Vorläufer der EU? "......Gäbe es Österreich nicht, man müßte es erfinden........". Daß zu Habsburgischen Zeiten "alles besser war", diese Melankolie liest man auch hin und wieder zu den Zuständen in Ex-Jugoslawien, insbesondere Bosnien. An das Zitat der Einladung an die deutschen Länder, auch "Österreich beizutreten" erinnere ich mich aus dem Glotz-Buch nicht - es klingt aber konsequent. Also weder klein-, noch großdeutsch, sondern gleich (...europäisch...) förderal. Laut Sebastian Haffner haben wir die kleindeutsche Lösung bis zum heutigen Tage. Bismarcks Lösung zwar in Jalta und Potsdam zwar zunächst dreigeteilt, aber dann 1990 bei 2+4 doch wieder zusammengefügt, also der Teil diesseits von Oder und Neiße.

    Ihre Aussage: "...Nach dem 1. Weltkrieg wurden den Deutschen in dem neuentstandenen Nationalstaat das Selbstbestimmungsrecht verwehrt"?....... Der Preis wäre die Teilung Böhmens und Mährens gewesen - so wie es 1938 dann auch passierte. Mit Begriffen wie "... Appeasement..." mogelt man sich heute drum rum, daß die Friedensordnung der Pariser Vorortverträge (...Versailles...) doch gewisse Schönheitsfehler hatte, die dann den Diktaturen in die Hände arbeiteten, insbesonder der deutschen.
    Die Benennung des "Großdeutschen Reiches" von Hitler würde ich erstmal nach den Kategorien des 19. Jahrhunderts deuten - Bismarckes Kleindeutschland plus den Österreichischen Reststaat, plus Böhmen und Mähren.
    Die Bürger des "Protektorates" zwar nicht in der Wehrmacht gelitten, die Jugend aber doch in der HJ? Und die Maschinerie der Rüstungsproduktion lief ja auch gut geölt - so gut, daß es Benesch in London Angst und Bange wurde, - und er die Heydrich-Attentäter in Marsch setzte. So stellt es Glotz zumindest dar. Der weitere Verlauf bekannt.
    Mit der Positionsbestimmung für "die Tschechen", zwischen Pan-Germanismus, und Pan-Slawismus, hat Palacky mit der Befürwortung der förderalen Option prophetische Qualitäten bewiesen. Österreich (als förderales Gebilde) verbessern, und nicht abschaffen im Sinne der Nationalstaatenbildung. Betreffs des erschossenen Thronfolgers liest man da auch von interessanten Absichten - was aber, wie bekannt, nicht mehr werden sollte. Der tschech(oslowak)ische Nationalstaat, wie seit dem 19. Jhdt. herbeigesehnt, und 1918 gekommen, ist ja gescheitert. Zuerst 1938. Diktatur hin oder her, es gab zentrifugale Kräfte. 1945 von Benesch mit Hilfe Westmächte restauriert (....er nutzte seine Zeit, um mit dem "deutschen Problem" aufzuräumen....), aber 1948 schlug dann die Stunde der Wahrheit - mit der Machtübernahme der Kommunisten. Palacky sah -100 Jahre vorher- schwache Nationalstaaten, und das "Imperium des Panslawismus". Was dann real kam, war die Welt von Jalta, mit Stalins Ostblock. Hat er etwa nicht recht gehabt? Interressant dabei die Position der Westmächte. 1918 mag ungetrübte Zuversicht geherrscht haben. Aber dann Jalta?--Hat Benesch überhaupt eine Chance gehabt? Die Kommunisten mit Gottwald erscheinen als die logischen Erben, nicht Bensch. War das so ehrenhaft von den Briten, was sie da mit Stalin ausgehandelt haben? Das war dann eben der Preis für den Sieg über Hitler....... Der Weg der Tschechen zwischen 1918 und der samtenen Revolution sieht doch im Rückblick recht steinig aus.
    Mit der EU ist manches verwirklicht worden, was sich Palacky als Reform im Ineren Österreichs gewünscht hätte. Es kam erstmal anders, für rund 100 Jahre, mit leidvollen Erfahrungen für Tschechen und andere. Vor diesem Hintergrund ist in den letzten 20 Jahren viel erreicht worden.

  3. Guter Artikel.

    Erst beim Studium der osteuropäischen Geschichte, dann mit tschechischen Freunden, hatte ich oft Gelegenheit über das deutsch-tschechische Verhältnis oder besser: Verhängnis nachzudenken.

    Denn im Grunde war eine Katastrophe kaum zu vermeiden.
    Die Deutschen als verspätete Nation waren im 19./frühen 20. Jh. noch nicht so reif, noch verspätetere Nationen ernstzunehmen. Und als Beinahegroßmacht glaubten sie es auch nicht zu müssen. Die Tschechen wiederum, als altes Kulturvolk mit uralter staatlicher Tradition, waren nicht so bescheiden, sich mit irgendwas Halbstaatlichem oder noch weniger zufriedenzugeben (wie z.B. die Sorben).

    In den kritischen Momenten der Geschichte kamen dann auch noch Diktatur und Krieg dazu, und schufen erst den Rahmen für Gewaltmaßnahmen, die sonst sicher ausgeblieben wären (Annexionen, Vertreibung). Das ursprünglich ähnlich gelagerte irisch-englische Verhältnis zeigt im 20. Jh. eine historische Alternative, die auch für Tschechen und Deutsche offengestanden hätte. (Das Sudetenland wäre dann vielleicht das deutsche Nordirland...) Hätten die Deutschen (Deutschösterreicher) vor 1918 den Tschechen einen Staat gewährt, selbst unter Abtrennung der Sudetengebiete, und hätten sie nachfolgend von neuerlichen Annexionen abstand genommen, hätten sie allen nachfolgenden Zankereien die Schärfe genommen.

    Letztlich ist die allgemeine Erkenntnis schon richtig: Wenn die Deutschen vor 1945 nicht so verblendet gewesen wären, hätte es keinerlei Vertreibungen gegeben und Deutsch wäre Bildungssprache für halb Europa geblieben, wie es zuvor gewesen ist.

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    • otto_B
    • 07.07.2009 um 9:20 Uhr

    Interessantes Szenario.
    Die Republik Irland wäre dann die "Resttschechei"? Oder andersrum, die Iren könnten jetzt in ihrer Provinz Ulster jetzt auch einen Zustand haben, wo -ich benutze ein Benesch-Zitat- "es besser sei, die Disteln wachsen auf den deutschen Feldern, als daß sie von Deutschen weiter bebaut würden".
    So eine Ethno-Debatte hat ja neben der politischen Macht meist auch was mit Wirtschaft zu tun. Und in der Nachkriegstschechoslowakei hat man da durchaus hart bezahlt.
    Über dem Münchner Abkommen wird umstandslos der Daumen gesenkt. Gibt es dafür, außer der Tatsache daß es von einem Diktator betrieben wurde, noch weitere Begründungen? Daß ethnisch-demografische Vorgänge bestehende politische Einheiten zerreißen, ist ja hinterher auch wieder vorgekommen, siehe Kosovo. In diesem Fall sogar mit ausdrücklicher Billigung des Westens. Die Verknüpfung von Staatlichkeit mit Ethnizität ist ja immerhin mal ein anerkanntes Prinzip gewesen (...Wilson...). Oder mit welcher Begründung sonst ist die Sezession des Kosovo geduldet worden? (Selbst der Name des "Amselfeldes" kommt noch aus slawischer Sprache, nicht der albanischen.....).
    Oder es ist doch nur ein Zweckkonstrukt, einmal gegen den Kriegsgegner Habsburg, dann gegen Milischewitschs Jugoslawien....
    Noch mal zu Ihrem Vergleich Irland-Tschechien. Von dem Thema der "Disteln" abgesehen, ist es den Tschechen wesentlich besser ergangen als den Iren, ich meine im kulturellen Sinne. Was ist aus der keltischen Kultur geworden, der gälischen Sprache? Wo es bei den Tschechen im 19. Jahrhundert bergauf ging, da ging es in Irland bergab. Daß ein Volk seine Sprache verliert, das erscheint mir als ein erschütternder Vorgang. In Tschechien hat man das Ruder rumgerissen, bei den Iren ist der Verlust aber real, da hat die Unabhängigkeit auch nichts mehr dran geändert. Selbst die IRA (unseligen Angedenkens) bediente sich in ihren Pamphleten der Sprache der "Besatzer".......

    • otto_B
    • 07.07.2009 um 9:20 Uhr

    Interessantes Szenario.
    Die Republik Irland wäre dann die "Resttschechei"? Oder andersrum, die Iren könnten jetzt in ihrer Provinz Ulster jetzt auch einen Zustand haben, wo -ich benutze ein Benesch-Zitat- "es besser sei, die Disteln wachsen auf den deutschen Feldern, als daß sie von Deutschen weiter bebaut würden".
    So eine Ethno-Debatte hat ja neben der politischen Macht meist auch was mit Wirtschaft zu tun. Und in der Nachkriegstschechoslowakei hat man da durchaus hart bezahlt.
    Über dem Münchner Abkommen wird umstandslos der Daumen gesenkt. Gibt es dafür, außer der Tatsache daß es von einem Diktator betrieben wurde, noch weitere Begründungen? Daß ethnisch-demografische Vorgänge bestehende politische Einheiten zerreißen, ist ja hinterher auch wieder vorgekommen, siehe Kosovo. In diesem Fall sogar mit ausdrücklicher Billigung des Westens. Die Verknüpfung von Staatlichkeit mit Ethnizität ist ja immerhin mal ein anerkanntes Prinzip gewesen (...Wilson...). Oder mit welcher Begründung sonst ist die Sezession des Kosovo geduldet worden? (Selbst der Name des "Amselfeldes" kommt noch aus slawischer Sprache, nicht der albanischen.....).
    Oder es ist doch nur ein Zweckkonstrukt, einmal gegen den Kriegsgegner Habsburg, dann gegen Milischewitschs Jugoslawien....
    Noch mal zu Ihrem Vergleich Irland-Tschechien. Von dem Thema der "Disteln" abgesehen, ist es den Tschechen wesentlich besser ergangen als den Iren, ich meine im kulturellen Sinne. Was ist aus der keltischen Kultur geworden, der gälischen Sprache? Wo es bei den Tschechen im 19. Jahrhundert bergauf ging, da ging es in Irland bergab. Daß ein Volk seine Sprache verliert, das erscheint mir als ein erschütternder Vorgang. In Tschechien hat man das Ruder rumgerissen, bei den Iren ist der Verlust aber real, da hat die Unabhängigkeit auch nichts mehr dran geändert. Selbst die IRA (unseligen Angedenkens) bediente sich in ihren Pamphleten der Sprache der "Besatzer".......

    • otto_B
    • 07.07.2009 um 9:20 Uhr

    Interessantes Szenario.
    Die Republik Irland wäre dann die "Resttschechei"? Oder andersrum, die Iren könnten jetzt in ihrer Provinz Ulster jetzt auch einen Zustand haben, wo -ich benutze ein Benesch-Zitat- "es besser sei, die Disteln wachsen auf den deutschen Feldern, als daß sie von Deutschen weiter bebaut würden".
    So eine Ethno-Debatte hat ja neben der politischen Macht meist auch was mit Wirtschaft zu tun. Und in der Nachkriegstschechoslowakei hat man da durchaus hart bezahlt.
    Über dem Münchner Abkommen wird umstandslos der Daumen gesenkt. Gibt es dafür, außer der Tatsache daß es von einem Diktator betrieben wurde, noch weitere Begründungen? Daß ethnisch-demografische Vorgänge bestehende politische Einheiten zerreißen, ist ja hinterher auch wieder vorgekommen, siehe Kosovo. In diesem Fall sogar mit ausdrücklicher Billigung des Westens. Die Verknüpfung von Staatlichkeit mit Ethnizität ist ja immerhin mal ein anerkanntes Prinzip gewesen (...Wilson...). Oder mit welcher Begründung sonst ist die Sezession des Kosovo geduldet worden? (Selbst der Name des "Amselfeldes" kommt noch aus slawischer Sprache, nicht der albanischen.....).
    Oder es ist doch nur ein Zweckkonstrukt, einmal gegen den Kriegsgegner Habsburg, dann gegen Milischewitschs Jugoslawien....
    Noch mal zu Ihrem Vergleich Irland-Tschechien. Von dem Thema der "Disteln" abgesehen, ist es den Tschechen wesentlich besser ergangen als den Iren, ich meine im kulturellen Sinne. Was ist aus der keltischen Kultur geworden, der gälischen Sprache? Wo es bei den Tschechen im 19. Jahrhundert bergauf ging, da ging es in Irland bergab. Daß ein Volk seine Sprache verliert, das erscheint mir als ein erschütternder Vorgang. In Tschechien hat man das Ruder rumgerissen, bei den Iren ist der Verlust aber real, da hat die Unabhängigkeit auch nichts mehr dran geändert. Selbst die IRA (unseligen Angedenkens) bediente sich in ihren Pamphleten der Sprache der "Besatzer".......

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