Managerbezüge Stoppt die Selbstversorger!Seite 2/2

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bekam im vergangenen Jahr 77,5 Millionen Euro, weil das Unternehmen immens hohe Gewinne aus Spekulationsgeschäften mit VW-Aktien gemacht hatte. Doch ebensolche Geschäfte könnten das Unternehmen nun die Unabhängigkeit kosten.

Wer mit Unternehmern und Managern darüber spricht, hört stets, es handle sich bloß um Einzelfälle. Aber die Liste der Einzelfälle ist ziemlich lang: Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel konnte sich 20 Millionen Euro auszahlen lassen. Der Pleitebanker Georg Funke von der Hypo Real Estate klagt gegen seine fristlose Entlassung und fordert eine Auszahlung seines Vertrags. Neun frühere Investmentbanker der erfolglosen Dresdner Bank, allen voran ihr früherer Chef Jens Peter Neumann, wollen nicht auf Millionenboni verzichten. Warum schwören die Aufsichtsräte nicht, so etwas künftig zu verhindern?

Der Ökonom Hans-Werner Sinn schreibt in seinem Buch Kasino-Kapitalismus, das riskante Verhalten vieler Banker liege in Wahrheit im Interesse der Aktionäre. Er erklärt es damit, dass die Institute ihr Geschäft vor allem mit Fremdkapital machten, die Eigentümer also relativ wenig eigenes Geld aufs Spiel setzten. Gehe es gut – wie so viele Jahre vor dem Bankencrash –, winkten im Verhältnis dazu sehr hohe Gewinne. In abgeschwächter Form gilt das auch für die Industrie, in der es zuletzt weitverbreitet war, Konzerne hoch zu verschulden, um dank der Kredite schneller zu wachsen. So erklären sich etwa die Schwierigkeiten von ProSiebenSat.1 und HeidelbergCement.

Sinn zieht allerdings die falschen Schlüsse aus seinen Überlegungen. Er argumentiert, letztlich könne man Managergehälter nicht regulieren. Man könne nur die Unternehmen zwingen, mehr Eigenkapital vorzuhalten. Dann würden schon die Aktionäre dafür sorgen, dass die Manager weniger Risiken eingingen.

Aber das ist falsch. Denn es gibt nun mal ein Netzwerk von Managern, das sich gegenseitig versorgt. Deshalb braucht es Gesetze wie jenes, das die Bundesregierung kürzlich beschlossen hat. Es regelt nicht im Detail, ob ein Vorstand zwei oder drei Millionen verdient. Aber es verlangt, dass Führungskräfte ihre Aktienoptionen künftig erst nach vier Jahren einlösen können. Sie bleiben also länger im Risiko. Zudem können Aufsichtsräte künftig auch Vergütungen nachträglich kürzen, wenn es dem Unternehmen viel schlechter geht. Sonst drohen ihnen Klagen der Aktionäre.

Beides wird nicht verhindern, dass Manager Millionen verdienen. Das muss es auch gar nicht. Wichtig ist, dass es nicht wieder zum Crash kommt, weil Manager für Risiken immer nur belohnt werden. Wenn das gelingt, können Boni nicht nur Shareholder-Value erzeugen, sondern zugleich mehr Wachstum, mehr Arbeitsplätze und mehr Wohlstand für alle. Aber so weit wollen die meisten Aufsichtsräte nicht denken. Vielleicht können sie es auch nicht.

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Leser-Kommentare
    • Chali
    • 06.07.2009 um 8:58 Uhr

    Die Vorstände werden doch von den "massgebenden Aktionären" (vulgo Hedge-Funds) geschickt, damit sie die Firma ausplündernund den Kurs - vorzugsweise duch Entlassungen - in die Höhe drücken, damit auch die ausgelutschte Hülle noch einen Dummen findet ...

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

  1. sie wissen schon, dass viele politiker selbst in den aufsichtsräten und ähnlichem sitzen? und das nicht nur bei banken, sondern auch bei großen unternehmen. und da wundert man sich, wieso kein derartiges gesetz erfolgt...

  2. Das Wesen einer Gesellschaft zeigt sich in der Rechtsprechung.

    Eine Gesellschaft, die eine Vielzahl Gesetze hat, um Arbeitnehmer für kleinste Fehler zu bestrafen (ggf. für 1 Euro Pfandgeld zu kündigen ),

    eine Gesellschaft, die offensichtlich keine ausreichenden Gesetze geschaffen hat, um Manager und Politiker für Fehler haftbar zu machen,

    eine solche Gesellschaft ist kaum eine echte Demokratie.

  3. Es fing alles an mit der Werbung wo eine Putzfrau im Bundestag die Vorzüge des "Shareholder Value" erläuterte. Das war das Ende der sozialen Marktwirtschaft. Sie ist tot! Die Manager tun genau das für was sie eingesetzt sind - aus Steinen Wasser zu pressen. Das ist moralisch verwerflich aber genau so gewollt. Und an die Spitze eines Unternehmens kommt man nicht wegen seiner hohen ethischen Werte.
    Durch die enge Verwebung von Politik und Wirtschaft ist auch nicht damit zu rechnen dass sich irgendetwas ändert. Der Weg in den Kommunismus führt über die Verelendung der Massen. Noch sind sie nicht vollkommend verelendet allerdings sind schon fürchterliche Erosionen erkennbar.
    Wenn die Managergehällter das Problem sind wieso entschließen sich dann nicht die G8 Staaten gemeinsam bei einem Einkommen welches zum Beispiel das fünfzigfache des Durchschnitts übersteigt zu einem Steuersatz von 90%.
    Damit wäre die Obergrenze praktisch da und die Herren im Nadelstreifen könnten nicht mit Abwanderung drohen.
    Das ist noch einfacher als das Klima retten.
    Eine solche Initiative gibt es nicht. Und nun sollte man sich mal in Hinsicht auf die Verwebung von Politik und Wirtschaft fragen warum nicht.
    Unsere Demokratie ist wie der Morgenkreis im Kindergarten. Jeder darf sagen was er sich wünscht, aber letztendlich entscheidet doch die Kindergärtnerin.

    • Lyaran
    • 06.07.2009 um 10:19 Uhr

    Es ist und bleibt eine andere Welt. Demokratie? Irgendwie erinnert mich das ganze an Feudalherren. Sie leben in ihren Schlössern und sind von dem gemeinen Volk so weit entfernt dass der Kontakt sich auf die Diener beschränkt. Der "Vortschritt" unserer Zivilisation besteht darin das man sie nicht mehr zur Verantwortung ziehen kann dass es dem Volk schlecht geht. Denn offiziell sind sie ja nicht dafür verantwortlich. Dafür haben wir so Dinge erfunden wie Politik und den Markt und soziale Sicherungen. Keine Legitimation also für den Pöbel mit brennenden Fackeln loszuziehen.
    Clever gemacht!

  4. Sie nutzen es und drehen ständig daran, setzen ihre Berater (rating-agencies) ein und berauschen sich gemeinsam mit denselben und der politisch vorgebildeten Kaste, natürlich wegen der Aufsicht,am Ergebnis. Korrumption führt zur Korruption und da halten wir uns gerade auf. ZUKUNFT sieht anders aus. Die Geldzähler wurden schon einmal vor 2000 Jahren alle aus dem Tempel gejagt. Nichts gelernt.

    • xtc
    • 06.07.2009 um 10:34 Uhr

    ... wäre es einfach mal an der Zeit, gesetzgeberische Signale zu setzen. Beispielhaft mag hier eine deutliche Verschärfung des Untreutatbestands im Strafgesetzbuch oder die Möglichkeit (Miß-) Managern ein Berufsverbot aufzuerlegen, genannt werden. Das wäre eine klare Ansage. Nichts gegen die aktuell beschlossenen Gesetze. Nur: Hier wird in typisch merkelscher Manier das ein oder andere Stellschräubchen bewegt, ohne die erkannten, systemimmanenten Mängel mutig zu bekämpfen.
    Höchst wahrscheinlich wäre es aber mal wieder an der Zeit, im Politischen Handeln ein Signal zu setzen, wie es die Lehman-Pleite war. Insbesondere die Finanzwirtschaft ist doch längst wieder beim "Alten Spiel" und läßt zudem noch die sogenannte Realwirtschaft am ausgestreckten Kreditarm verhungern. Die ach so systemrelevanten Banken zeigen dem Gesamtwirtschaftssystem die kalte Schulter, um ihr Finanzwirtschaftssystem zu sanieren. Ich wünsche mir, daß man den Nieten in Nadelstreifen gegenüber einfach mal NEIN sagt. Nein, wir retten Deinen Laden nicht. Manchmal bedarf es (im übertragenen Sinne, selbstverständlich) einer "öffentlichen Hinrichtung", um sich Respekt zu verschaffen. Denn, den Respekt vor dem Gemeinwesen, den haben die Wirtschaftsbosse schon lange verloren; so viel ist sicher.

  5. sondern nur ein Handpuppentheater, das "Demokratie" aufführt. Und in diesen Puppen stecken nun mal die Hände der Krisenverursacher themselves. Ohne Direkte Demokratie wird sich daran nie etwas ändern und ohne Generalstreik wid es keine Direkte Demokratie in Deutschland geben.
    Schon seltsam dass solch ein Generalstreik in Deutschland verfassungswidrig ist, oder...

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    kann ich hier nicht auffinden. Es wäre das der Sternenhimmel als solcher. Nur abschaffen wird sich hier niemand. Behörden werden, wenn nicht anders geht, für das gemeine Parteivolk geschaffen und die wählen immer.

    Also sammelt Eure Lieben um Euch und zeigt "demokratische Stärke" und wählt diejenigen, die Euer Vertrauen gewinnen könnten. Ansonsten wird der Tag nicht mehr sehr fern sein, wenn sich die Bevölkerung an vergangene Revolutionen erinnern wollen und mögen, da gebe ich Ihnen vollstes Recht. Jemand, der es wissen muß. -travelix-

    kann ich hier nicht auffinden. Es wäre das der Sternenhimmel als solcher. Nur abschaffen wird sich hier niemand. Behörden werden, wenn nicht anders geht, für das gemeine Parteivolk geschaffen und die wählen immer.

    Also sammelt Eure Lieben um Euch und zeigt "demokratische Stärke" und wählt diejenigen, die Euer Vertrauen gewinnen könnten. Ansonsten wird der Tag nicht mehr sehr fern sein, wenn sich die Bevölkerung an vergangene Revolutionen erinnern wollen und mögen, da gebe ich Ihnen vollstes Recht. Jemand, der es wissen muß. -travelix-

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