Probefahrt Ein Auto auf dem Kopf
Wolfgang Lechner, Redakteur beim ZEITmagazin, will nicht komisch aussehen. Aber der offene Mini Cooper S zwingt ihn dazu
© BMW / Mini

Im Sommer geöffnet. Für das Cabrio bietet Mini als Extra sogar ein Instrument, das anzeigt, wie viele Stunden der Wagen schon offen gefahren wurde
Niemand sieht gern aus wie Mr. Bean. Ich auch nicht. Deshalb halte ich es nicht für einen Vorzug dieses Autos, wenn ich mich an jeder roten Ampel nach vorn beugen und mit gestrecktem Kinn, verdrehtem Hals, spitzer Nase und offenem Mund durch die Windschutzscheibe linsen muss, um zu sehen, wann die Ampel auf Grün springt. Warum ist die Scheibe bloß so klein? Manchmal regnet es in Hamburg. Ich kann in diesem Cabrio nicht ständig offen fahren.
Oder dieses Kofferräumchen. In einem seiner Sketche hat Mr. Bean versucht, einen Truthahn zu füllen. Am Ende blieb der britische Komiker im Innern der Pute stecken. Wie würde das wohl aussehen: ich mit dem Cabrio auf dem Kopf? Angeblich lässt sich der Mini-Kofferraum bei geschlossenem Verdeck mit wenigen Handgriffen vergrößern. Das hintere Ende des Verdecks lässt sich sogar anheben, damit das Verstauen des Gepäcks leichter fällt. Angeblich. In Wirklichkeit erwartet einen eine Art Liegestuhlnummer. Die ist nur für diejenigen lustig, die sich nicht sowieso ständig in Gartenmöbeln verheddern.
Dabei habe ich nichts gegen kleine Autos. Und schon gar nichts gegen Cabrios. Hauptsache, das Verdeck lässt sich so schnell öffnen (und schließen!) wie beim Mini Cooper. Meinetwegen darf so ein Cabrio auch schnell sein. Aber wozu brauche ich einen Tachometer, der kreisrund ist und fast so groß wie das Lenkrad? Und warum muss dieser Tacho genau über der Mittelkonsole sitzen? Schlecht zu sehen für mich am Steuer, aber voll im Blickfeld der Beifahrerin. Soll ich ihr mit dem Fuß auf dem Gaspedal etwas beweisen?
Ich habe mein transportables Navi auf die Testfahrten mitgenommen. Das sagt: »Bitte beachten Sie die Geschwindigkeitsbeschränkung!« ohne jeden Vorwurf in der Stimme. Und es belegt außerdem, dass der Riesen-Tacho des Mini-Cabrios offenbar immer um zehn Prozent zu viel anzeigt. Ob das als Beitrag zum Energiesparen gedacht ist, so wie die Start-Stop-Automatik? Die wenigstens hat mir gefallen. Man geht vom Gas, legt den Leerlauf ein, bremst ab – der Motor erstirbt, sobald der Wagen steht. Man tritt das Kupplungspedal durch, der Motor röhrt wieder.
Dann allerdings: Obacht! Wer den Ganghebel beherzt nach links schlägt und dann nach vorn schiebt, der erwischt den Rückwärtsgang. Und ein Auto, das einen Satz nach hinten macht statt nach vorn, ist nur im Slapstickfilm lustig.
Wolfgang Lechner ist ZEITmagazin-Redakteur
- Datum 06.09.2009 - 15:56 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle DIE ZEIT, 02.07.2009 Nr. 28
- Kommentare 5
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Ach wie isses immer wieder schön, den Unsinn zu lesen, den Autotester so von sich geben. Wenigstens behaupten die in der "Zeit" gar nicht erst, objektiv oder auch nur sachlich zu testen.
Ich fahre einen MINI Clubman und gebe offen zu: Der Tacho ist gewöhnungsbedürftig - aber man gewöhnt sich dran ;-)
Und im Ernst: Der Rückwärtsgang muss schon sehr beherzt eingelegt werden - wer glaubt, das Einlegen des ersten Ganges in einem Nachkriegsauto sei derart anspruchsvoll ist nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit ...
Weil es passt muss ich noch schnell loswerden: Der Bedienungsatellit in Renaultfahrzeugen, an dem Autotester dauernd rummäkeln ist einfach klasse. Stimmt man sieht ihn schlecht - man soll ihn aber auch nicht sehen. Der Trick besteht darin, dass man innerhalb kürzester Zeit OHNE gucken zu müssen eindeutig spürt, welches Bedienelement man gerade berührt - die Knöpfe und das Rädchen sind nämlich sehr gut gestaltet.
Mein Verdacht: Der deutsche Autotester ist auf VW-Bedienelemente geeicht - alles was anders ist, empfindet er als "merkwürdig". Isses aber nicht meine Herren - bloß anders ...
Sagen Sie es doch bitte auch den anderen Motorspezialisten weiter ;-))
lobend muß ich diese verdeckkonstruktion incl. schiebedachfunktion
erwähnen. wie oft fahre ich mit offenem schiebedach an mies schauenden insassen
geschlossener cabrios vorbei ;)
die offenen stunden zu zählen, ist auch spaßig. nur, ob man dafür gleich ein ganzes rundinstrument "opfern" muß ?
das mit dem ampeln nicht sehen können, passiert mir auch öfter. allerdings nur, wenn die ampel am mast fehlt und stattdessen die ampeln nur an einer brücke
über der straße hängen. da muß ich immer 12 meter achtundvierzig vor der ampel halten, um im spitzen winkel die ampel noch sehen zu können. wenn dann ein kontakt im boden hinter der haltelinie ist, kann ich den nicht auslösen, weil moi zu weit weg stehen. aber ich bin ja sowieso der meinung, daß die mit abstand unfähigsten öffentlich bediensteten in der verkehrsverwaltung zu finden sein müssen.
zur start stopf automatic, welche dem ökorrekten tester natürlich gefällt, bin ich, als übersensibel auf die maschine lauschender michel, skeptisch eingestellt. kann mir nicht vorstellen, daß das bei vernünftigen rotphasen viel bringt und auch über mehrere hunderttausend kilometer störungsfrei funktioniert.
so, genug gemuffelt für heute...
ist eine Huldigung an den Ur-Mini. Schade, für dieses geile Auto scheint der Autor viel zu intellektuell zu sein.
Ich empfehle einen VW Golf plus in anthrazit oder steingrau ( wegen dem besseren Wiederverkaufswert).
Herzlichen Dank für diesen Beitrag :-D
Sie bringen es auf den Punkt.
Zunächst kleines Kompliment für einen "Autotest" (es sind in DER ZEIT ja mehr subjektive Beschreibungen, die vom Fahrgefühl recht wenig wiedergeben, sonder eher Situationen darstellen) an dem man sich "reiben" kann. Nach den faden Porschetests eine Verbesserung!
Als Mini-Fahrer muss jetzt natürlich Kritik am Artikel geübt werden, die sich allein auf den Mini bezieht.... ;-)
Gut, wenn der Artikel allein darauf abgestellt hätte, dass das Cabrio doch ein wenig ein "Frauenauto" ist, hätte ich ihm recht gegeben, denn ähnlich wie ein mx5 oder französische Fabrikate ist man auch als Mann im Mini Cabrio etwas deplaziert, es sieht eben zu "knuffig" aus. Aber das ist auch bei einem A3 Carbio der Fall, ein 1er wäre die bessere Wahl.
Aber hier geht es ja auch um die Werte des Mini "an sich". Diese Designikone, die schon in ihrer Urform (nicht zu toppen!) ein wundervolles Fahrgefühl vermittelte, macht auch in der Neuauflage (und dem getesteten aktuellen Modell) sehr viel Spaß und hebt sich, gerade in der neuesten Version, in Qualität deutlcih von anderen Kleinwagen ab. Ich jedenfalls bin heilfroh über das Amaturenbrett, die schönen Wippschalter und den Tacho!
Aber Punkt für Punkt:
Die Scheibe - Etwas steiler und damit klassisch, wie sähe der Mini wohl mit einer Neigung einer VW-Golf-Scheibe aus? Die Übersicht, dies bleibt gänzlich unerwähnt, aus den großen Scheiben in diesem Fahrzeug ist sehr gut, einparken kein Problem. By the way: In einem Z4 ist die Ampelsicht auch nicht besser...
Der Kofferraum - Bei Minitestern immer wieder ein Mangel. Im normalen Mini groß genug, es passen zwei Bierkästen rein.. Ich verstehe eh die Tester nicht, die bei Kleinwagen einen SL Kofferraum erwarten.
Tacho - Auch ein gern genommener "Mangel", warscheinlich weil er eben auffällt und sich Personen, die noch nie Mini gefahren sind, dies nicht vorstellen können.
Zum einen lässt sich die Geschwindigkeit auch in das Display über dem Steuer einblenden, zum anderen stört es überhaupt nicht, kurz in die Mitte zu schauen. Und er sieht einfach toll aus. Er erinnert einfach mehr an diese tollen alten Wurzelholzamaturbretter in einem Mini/Mg etc.
Ein wirklicher Kritikpunkt wären die doch etwas zu kunststofforientierten Bedienelemente der Klimatronic, die nicht zu den tollen Wippschaltern passen!
Rückwärtsgang - Zunächst: Das Sechsganggetriebe ist sehr schön zu schalten und gegen das alte Getriebe der ersten Baureihe um Welten besser. Hier ließ sich der Rückwärtsgang sehr schwer schalten und das Getriebe war eine oft getauschte Kinderkrankheit.
Lieber Herr Lechner, Sie müssen über einen ausgeprägten rechten Oberarm verfügen (bitte mit Humor nehmen..) ;-) , denn der Rückwärtsgang braucht schon Kraft und ich behaupte sogar er lässt sich während der Fahrt gar nicht schalten. Jedenfalls schafft meine Freundin das Einkuppeln nur mit Mühe und auch ich habe es noch nicht geschafft aus Versehen in diesen zu schalten.
Was hat gefehlt?
Der Mini hat Klasse und hebt sich trotz großer Stückzahl (warum kaufen den bloß so viele Personen, wenn das Design so unpraktisch ist? ;-) Denn Günstig ist er ja nicht gerade) von den anderen Kleinwagen ab.
Meine Freunde, die auch Kleinwagen kennen, sind immer begeistert von den Fahreigenschaften und der (im aktuellen Modell gesteigerten) Wertigkeit.
Von diesen Werten lesen wir: Nichts!
Nichts von der tollen (mittlerweile) Verarbeitung, nichts vom schönen und sauber genähten Leder. Kein Wort über das perfekte Xenonlicht oder das gute Soundsystem.
In welchem Fahrzeug dieser Klasse hat man vorn soviel Platz? Die (Sport)Sitze sind sehr bequem und selbst hinten können für kleine Strecken mal zwei Personen Platz nehmen..
Kein Wort über die Vorzüge der zweiten Generation, insbesondere über die Motoren!
Viel. hat ein Vorredner ja Recht und Sie messen alles an einem (steingrauen oder mausgrauen) VW-Golf. Da macht man nichts falsch, aber vom Design her (insbesondere innen) auch nichts Aufregendes...
Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, die Autotests in DER ZEIT sind für Personen geschrieben, die nach der Lektüre denken "ein Glück habe ich mir keinen Porsche/Mini etc. gekauft" und sich dann in ihrer VW-Golf-Plus-Welt wohlfühlen und denken "bloß keine Experimente!"...
Dann lieber einen superpraktischen Opel Corsa, denn wer will schon so einen Mini?
Ich fahre jetzt einkaufen und erfreue mich am Fahrverhalten, Motor und Design...!
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