Kinderbetreuung Die Kita-Lüge

Warum die viel gepriesene Frühförderung in Kindergärten und Krippen gar nicht stattfinden kann

Seit sechs Wochen streiken in Deutschland Erzieherinnen und Erzieher. Sie machen selbst Lärm, ganz ohne Kinder, auf der Straße, mit Trillerpfeifen und lautstarken Forderungen, und das ganze Land weiß nun, dass sie auf zu kleinen Stühlen sitzen, davon Bandscheibenvorfälle bekommen und vom Geschrei der Kinder Hörstürze. Die sonst so stille Profession der Erzieher probt den Aufstand – sie hat es satt, schlecht bezahlt ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen und keine Wertschätzung zu erfahren.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn in den nächsten Wochen wollen die Politiker Wähler gewinnen – und müssen sich dabei an den vielen Versprechen der letzten Jahre messen lassen:

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So versprach Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU), bis zum Jahr 2013 273.000 neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu schaffen, damit junge Eltern möglichst schnell zurück in den Beruf kommen.

Bildungsminister aller Parteien versprachen, Kindergärten von Spiel- und Aufbewahrungsstätten zu neuen vorschulischen Bildungsorten zu machen, in denen die Wissbegierde der Kinder nicht mehr verpufft.

Dafür sollten Erzieherinnen aus ihrem Kittelschürzen-Image erlöst und zu methodisch und didaktisch kompetenten Frühpädagogen umgeschult werden. Dem internationalen Standard gemäß, sollte die Erzieherin der Zukunft Akademikerin sein.

Doch beim genauen Hinsehen verwandelt sich die große Frühförderungs- und Kita-Offensive in heiße Luft: Nur die wenigsten Absolventen der ersten Frühpädagogikstudiengänge gehen als Erzieher in die Kindergärten und Krippen. Langfristig noch dramatischer: Weil es hierzulande nur wenige Experten für Frühpädagogik gibt, werden viele Lehrstühle mit Drittligaprofessoren besetzt. Wie minderqualifizierte Hochschullehrer Top-Frühpädagogen heranziehen sollen, bleibt ein Rätsel.

Der Wildwuchs an neuen Studiengängen ist kaum noch zu überblicken

Es waren große Ziele, mit denen Politiker und Bildungsexperten nicht zuletzt eine Antwort auf die Pisa-Misere im Jahr 2001 gesucht haben. Weil Neurowissenschaftler ihnen erklärten, dass sich die Zeitfenster für erste Wissensvermittlungen genau dann öffneten, wenn die Kindergartenkinder sinnlos im Sand buddelten, lag es nahe, auch die Erzieherinnen dafür verantwortlich zu machen, dass viele Neuntklässler kaum lesen und rechnen konnten.

Die Diagnose war schnell gestellt. Die Behandlungsmethode aber ist bis heute zweifelhaft. Denn acht Jahre später zeigen nicht zuletzt die Streiks der Erzieher, dass eine ganze Berufsgruppe unter dem Druck immer neuer Anforderungen zu zerbrechen droht. Der Umgang mit den Erziehern offenbart auch, wie wenig dem Land seine Kinder wert sind. Mit durchschnittlich 2100 Euro brutto verdienen Erzieherinnen nach einem Jahr im Beruf weniger als der angelernte Arbeiter, der jede Woche unseren Müll entsorgt. In keinem anderen Beruf klaffen professioneller Anspruch und Bezahlung so weit auseinander wie bei den Erziehern. Sowohl die gesellschaftliche Diskussion über all das, was Krippen und Kindergärten als die neu ausgerufenen Bildungsinstitutionen leisten müssen, als auch die politischen Forderungen an eine Berufsgruppe, die jahrzehntelang schlicht ignoriert wurde, weil »Fremdbetreuung« von Kindern reine Privatsache war, haben sich von der Realität in den Einrichtungen längst verabschiedet. Denn:

Noch immer lassen die Betreuungsschlüssel in vielen Kindergärten eine qualitative Bildungsarbeit gar nicht zu. Erzieherinnen arbeiten hauptsächlich Teilzeit, und gute Fachkräfte werden Mangelware.

Die als wegweisend umjubelten Bildungspläne für die frühe Kindheit landen in vielen Kindergärten in den Schubladen, weil Erzieher nicht dafür ausgebildet sind, sie umzusetzen. Es gibt keinerlei Übereinkunft der Bundesländer darüber, was Kinder in Krippe und Kita überhaupt lernen sollen.

Nicht minder chaotisch wirkt das föderale System bei der Gestaltung der neuen Studiengänge, die den Beruf nun wie gewünscht »akademisieren« sollen. Verbindliche Ausbildungsrichtlinien fehlen, jede Hochschule experimentiert für sich, hart konkurrierend um die wenigen fähigen Lehrkräfte, die es in Deutschland gibt.

»Wir brauchen eine komplette Neuerfindung des Systems der frühkindlichen Bildung«, sagt Ilse Wehrmann, die als unabhängige Beraterin für frühkindliche Bildung gerade acht betriebsnahe Kinderkrippen für Daimler aufgebaut hat. Wehrmann fordert einen »Staatsvertrag für frühkindliche Bildung«, damit die Startchancen deutscher Kinder nicht mehr länger dem Zuständigkeitschaos zwischen Kommunen, Ländern und Ministerien zum Opfer fallen. So kümmert sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan um die Ausbildung der Erzieher, Familienministerin Ursula von der Leyen um die Qualifikation der Tagesmütter. Immerhin sollen die ein Drittel der neu zu schaffenden Betreuungsplätze für die Kinder unter drei Jahren übernehmen. Dafür plant von der Leyen eine »flächendeckende Grundqualifizierung« von 160 Stunden. Wie Tagesmütter damit allerdings das Niveau einer Fachkraft mit dreijährigem Bachelorstudium erreichen sollen, wird lieber nicht diskutiert.

»Gerade für die unter Dreijährigen setzt man derzeit primär auf den quantitativen Ausbau. Um die Qualität der Bildung geht es nicht in gleicher Weise«, sagt der Entwicklungspsychologe Wassilios Fthenakis von der Universität Bozen in Südtirol. Das sei eine Zumutung für Kinder und Familien und staatspolitisch nicht verantwortungsvoll. Er sagt solche Sätze bei jeder Gelegenheit und seit vielen Jahren. Auch weil er sieht, dass in Deutschland die wirklich wichtigen Fragen nach wie vor nicht gestellt werden: Unter welchen Bedingungen werden in Zukunft kleine Kinder in Krippen und Kindergärten betreut? Was sollen sie lernen, und wer kann ihnen das beibringen?

Mit über 50 neuen Studiengängen, die meisten Aufbau- und Weiterbildungsangebote, haben Fachhochschulen und Universitäten in den vergangenen Jahren die zögernden Politiker überrollt. Der Wildwuchs ist kaum noch zu überblicken. Dabei wäre es höchste Zeit für einen »gesamtgesellschaftlichen Akteur, eine Art Taskforce Frühkindliche Bildung«, sagt Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI). »Wir brauchen eine normierende Kraft, die Inhalte und Ziele der neuen Ausbildungswege vereinheitlicht.« Nicht einmal ein einheitlicher Name existiert für die neuen Fächer, die je nach Standort Frühpädagogen, Elementarpädagogen oder Kindheitspädagogen ausbilden.

Die ersten Absolventen haben gerade ihr Studium abgeschlossen. Und schon lässt sich erkennen, dass die wenigsten von ihnen, vor allem aufgrund der miserablen Gehälter, in Krippen und Kindergärten gehen, um dort direkt mit den Kindern zu arbeiten. Nur ein Drittel der Absolventen des Studiengangs Pädagogik der frühen Kindheit an der Evangelischen Fachhochschule in Freiburg entschied sich bisher für die Arbeit an der Basis. Die anderen studieren weiter, gehen als Fachberater zu Trägern und Verbänden oder werden von den Hochschulen sofort als Dozenten umworben. Jeder, der auch nur annähernd das Zeug dazu hat, ein Experte für Frühpädagogik zu sein oder zu werden, ist für das Renommee der neuen Studiengänge ein enormer Gewinn.

Die meisten Erzieherinnen werden weiterhin von den Fachschulen kommen

Oftmals besetzen Schulpädagogen und Psychologen die Lehrstühle. In ihrer Not berufen Fachhochschulen Professoren, die noch nicht einmal promoviert sind. Die Schwerpunkte ihrer Ausbildung richten sie nicht selten nach dem Angebot an Lehrkräften aus. Sind gute Pädagogen zu kriegen, nimmt man die. Steht ein Arbeits- und Organisationspsychologe vor der Tür, findet sich auch für ihn eine Nische. Die von der Politik entdeckte Krippe, die Ausbildung von Experten für Kinder unter drei Jahren spielen gerade mal an zwei Fachhochschulen eine Rolle. Ungeklärt bleibt bisher auch, wie stark sich die Studienangebote auf die neuen Aufgaben der Erzieher in den Ganztagsschulen und Horten konzentrieren sollen.

Allein in Westdeutschland werden für den Ausbau der Krippenplätze bis 2013 25.000 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher benötigt. Die meisten von ihnen werden weiterhin mit den herkömmlichen Fachschulabschlüssen in den Beruf gehen. 14400 staatlich anerkannte Erzieherinnen entlassen die Fachschulen in jedem Jahr. Dass sich die Kultusministerkonferenz kaum bereit zeigt, an der gängigen Breitbandausbildung zu kratzen, offenbart, wie inkonsequent das Unterfangen ist, den Erzieherberuf nachhaltig zu verändern. Wenig hoffnungsvoll stimmt zudem, dass nicht die Besten in den Beruf strömen, sondern die Schüler mit den schlechtesten Realschulzeugnissen. »Wer nicht rechnen kann, bei dem reichts noch für die Erzieherausbildung«, sagt Ilse Wehrmann.

Kaum im Beruf angekommen, werden die jungen Erzieherinnen einen Marathon an Weiterbildungen absolvieren und damit Teil eines Reparaturbetriebs werden, dessen Wirksamkeit höchst umstritten ist. »Defizite in der Ausbildung können nicht allein über Fortbildungen kompensiert werden«, sagt Wassilios Fthenakis. Über das föderale Strukturchaos und die Hilflosigkeit, mit der man in Deutschland die Chance verspielt, die Strahlkraft eines ganzen Berufsfeldes zu steigern, schüttelt er den Kopf. Es gehe längst nicht mehr um Geld, sagt Fthenakis. »Es fehlt der Reformwille. Und es mangelt am Stellenwert der frühkindlichen Bildung in Deutschland.«

Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut hat ausgerechnet, dass es 150 Jahre dauern könnte, bis sämtliche Erzieher in den Einrichtungen einen akademischen Abschluss haben werden. Bis auf Weiteres bleibt der Kindergarten eine akademikerfreie Zone.

 
Leser-Kommentare
    • ztc77
    • 02.07.2009 um 19:33 Uhr

    Warum wird gerade dieser Satz in ein Fenster gepackt, das nur durch mehrmaliges Klicken sichtbar wird:
    Vor der Umwandlung des BAT in den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TÖVD) hat eine junge Erzieherin mehr verdient als heute. Gemessen an 40 Berufsjahren, macht der neue Tarif bei einer ledigen Erzieherin einen Verlust von 134.000 Euro aus.

    Soll sowas von der ZEIT verheimlicht werden??

    Kindergartenarbeit war und ist für gesellschaftlichen Erfolg von grundsätzlicher Bedeutung! Erfolgreiche Kindergartenarbeit "liefert" der Gesellschaft Kinder ab, die in ihrem Entwicklungs- und Forschungsdrang nicht nur ungebremst sind, sondern sich sogar ermutigt fühlen! Kleine Unternehmer also!
    Kinder, die im Erleben des eigenen Tuns so selbstbewusst werden, dass sie als beglückendes "Spiel" empfinden, was aus Erwachsenenperspektive "Arbeit" genannt wird. Diesen Satz lese man bitte zweimal, erst dann wird man ihn in seiner vollen Bedeutung verstanden haben:
    Kinder, die im Erleben des eigenen Tuns so selbstbewusst werden, dass sie als beglückendes "Spiel" empfinden, was aus Erwachsenenperspektive "Arbeit" genannt wird.
    Sollten Sie nun fragen: 'Spinnt der?', so ist Ihre Frage berechtigt. Sowas ist doch Zauberei, aber nicht Realität! Denken Sie...
    Ich spinne nicht. Gute Kindergartenarbeit kann sowas leisten, und in den Köpfen vieler Kindergärtnerinnen ist ein solches Konzept schon lange vorhanden. Fragen Sie sie danach, beim nächsten Elterntreffen oder früher! Und es kennzeichnet die Qualität, die im Kindergarten möglich ist und die durch Einführung des TÖVD schlechter bezahlt wird.

    Das sollte auch so von der ZEIT herausgestellt werden!

    Ich selbst empfand Hochachtung vor den Kindergärtnerinnen, als meine beiden Söhne dort immer tatkräftiger und selbstbewusster wurden. Zu prächtigen Kindern also wurden! (Und sind es immer noch nach über 20 Jahren.) Erst als einer der Söhne im Kindergartenalter zeigte, dass er in ein Kindergartenmädchen verliebt war, verschlug es mir die Sprache: Sollte ich soviel Selbstsicherheit zulassen? Ich hab dreimal geschluckt, - und dann ließ ich es zu...

    • lef
    • 02.07.2009 um 23:11 Uhr

    wird mal für mehr Qualität plädiert (statt für pure Quantität)!

    Wobei zu bemerken ist, dass besonders junge Erzieher (leider überwiegend: innen) fehlende Theorie durch Empathie und Einfühlungsvermögen meiner Erfahrung nach schon durchaus wettmachen können.

    Leider werden aber IMHO diese jungen (leider meistens) Frauen oft brutal und effektiv von den inzwischen (wieder leider) schon recht angegrauten Erzieherinnen Kindergartenleiter(innen) blockiert - das Neulernen von Tatsachen macht eben mehr Arbeit.

    Große Hoffnung in bessere Universitätsausbildung habe ich nicht.

    Die Kinderpsychologie in D. hängt (wieder meiner Erfahrung nach) tatsächlich SEHR weit hinter den neueren Erkenntnissen der Emotionsforscher hinterher - deswegen verspreche ich mir von einer Theoretisierung per Universität eigentlich sehr wenig.

    Die wirklichen Weichen für spätere Qualifikation werden bei Kindern schon im sehr frühen Alter gestellt - da sind besonders die wichtigsten Bezugspersonen (Mütter) zwar oft guten Willens, aber ohne Hilfe seitens der Kinderpsychologen.

    Im Kindergarten könnten diese Mängel eventuell noch korrigierbar sein, aber mangels Wissen aller Erzieherinnen (und vehementem Widerstand der älteren) wird auch dann nichts mehr gerettet.
    So bleibt es dann immer noch nur der reine Zufall, ob ein Kind später z. B. Textverständnis hat, oder nicht.

    Gehörig mehr Aufwertung des Berufes ist verzweifelt notwendig - dann würden auch mehr junge Männer diese Berufswahl überlegen.

    Und dann würde auch (nach geraumer Zeit) vielleicht eine neuartige (realistische) Kinderpsychologie entstehen, die nicht mehr im 19.Jhdt. festhängt.

  1. Ich hatte in meiner Jugend eine Freundin, die eine Kindergärtnerinausbildung ( im Schweriner Schloß) "genoss". Dadurch bekam ich schon ein wenig Einblick, was da alles so gelernt wurde. Meine eigenen drei Kinder durchlebten auch den Kindergarten. Da gab es jeden Tag eine Stunde Beschäftigung. Die Kinder lernten zu zu hören und Fingerfertigkeiten.
    Ich glaube darum nicht, dass man eine Neuerfindung des Systems braucht. Sondern man sollte mal schauen, was schon einmal gut gelaufen ist und was gut läuft, auch in anderen Ländern um uns herum. Man muss doch nicht das Rad immer wieder neu erfinden.
    Den Kindergärterinnen wird zwar auch mit einer guten Belohnung der Rücken gestärkt. Doch es ist sehr wichtig hinter ihnen zu stehen, wenn sie von den Kleinen ein Minimum an Disziplin einfordern. Und da spreche ich vor allen Dingen die Eltern an.

  2. die akademische Qualifikation aus den Erziehern "Top-Erzieher" und geniale kindlcihe Frühförderer machen soll, erschließt sich mir nciht ganz. Schon bei den Lehrern sehen wir doch, dass die Qualität des akademischen Abschlusses nicht mit der Befähigung als Pädagoge korreliert.

    Erzieher und Pädagogen sollen sich um Kinder kümmern und hauptsächlich dafür qualifiziert sein. Was nützt mir eine Kindergärtnerin mit Doktortitel, wenn diese den Stress in der Kita nicht aushält und dauernd krank wird? Dann doch lieber eine Hausfrau mit Jodeldiplom - die kann wenigstens "mit den Wölfen heulen"...

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    • Oldy
    • 08.07.2009 um 15:29 Uhr

    Völlig richtig! Man kann das Argument der Akademisierung noch erweitern: Sind beispielsweise unsere Ingenieure heutzutage besser, da sie an "Universities of applied science" ausgebildet werden und sich stolz "Diplomingenieure" nennen dürfen, als diejenigen, die vor Jahren noch Ingenieurschulen besuchten? Ich behaupte, nein. Oder machen Sozialarbeiter, die inzwischen ebenfalls an Fachhochschulen ausgebildet werden, einen besseren Job als damals, als sie noch "Fürsorger" hießen und auf "Höhere Fachschulen" gingen? Auch hier: Ich meine, nicht. Und sind nicht diejenigen Lehrer, die zu den Pädagogischen Hochschulen eilten, nicht gerade diejenigen, die für die angeblich so miese Bildung in diesem Land, besonders in den Bereichen Grund-, Haupt- und Realschule, aber auch in den Gesamtschulen Verantwortung tragen?
    Nein, diese Akademisierung an sich bringt kaum Verbesserungen der Qualität. Und so wird es auch im frühkindlichen Bereich sein. Was man mit einer solchen "Hochschul-" Ausbildung dann allerdings kann (oder zu können meint) ist: Man kann dann mehr Geld für die zu leistende Arbeit verlangen. Das Bewusstsein versucht auch hier das Sein zu bestimmen!

    • ludna
    • 14.07.2009 um 15:03 Uhr

    Ich stimme zu. Mit der Umstellung der akademischen Abschlusse auf Bachelor (3 jahre) und vielleicht Master (+1 Jahr) fällt die längere Ausbildungszeit and den Universitäten im Vergleich zur Berufsausbildung oder Fachschule weg. Mein Sohn hat Dreher gelernt, 3 1/2 Jahre Ausbildungszeit, länger als ein Bachelor Abschluss dauert. Kindergärtner oder frühkindliche Erziher kann ein Ausbildungsberuf sein oder ein Abschluss auf der Fachschule. (Ein Uni-Abschluss sollte ein akademische Abschluss sein. Die Umstellung auf ein völlig anderes System, in dem es keine Berufsausbildung gibt sondern nur Uni-Abschlüsse wird unserer tradition nicht gerecht).
    Das Problem ist nicht der Abschluss, sondern das Gehalt was daran hängt: Uni-mehr Geld, Berufsausbildung-weniger Geld. Man könnte einen eigenen Tarif ins Leben rufen, ähnlich wie bei den Ärtzten in öffentlichen Krankenhäusern. Die Frage ist, was es uns wert ist, Millionen für die Kinder oder Milliarden für Ackermann.
    Weiterhin Reduktion des Stress: geringere Arbeitszeit, beserer Betreuungsschluessel (z.Z. etwa 20 Kinder auf 1 Angestellte). Lehrer unterrichten schliesslich auch nicht 8 Stunden am Tag.

    • ludna
    • 14.07.2009 um 15:03 Uhr

    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    • Oldy
    • 08.07.2009 um 15:29 Uhr

    Völlig richtig! Man kann das Argument der Akademisierung noch erweitern: Sind beispielsweise unsere Ingenieure heutzutage besser, da sie an "Universities of applied science" ausgebildet werden und sich stolz "Diplomingenieure" nennen dürfen, als diejenigen, die vor Jahren noch Ingenieurschulen besuchten? Ich behaupte, nein. Oder machen Sozialarbeiter, die inzwischen ebenfalls an Fachhochschulen ausgebildet werden, einen besseren Job als damals, als sie noch "Fürsorger" hießen und auf "Höhere Fachschulen" gingen? Auch hier: Ich meine, nicht. Und sind nicht diejenigen Lehrer, die zu den Pädagogischen Hochschulen eilten, nicht gerade diejenigen, die für die angeblich so miese Bildung in diesem Land, besonders in den Bereichen Grund-, Haupt- und Realschule, aber auch in den Gesamtschulen Verantwortung tragen?
    Nein, diese Akademisierung an sich bringt kaum Verbesserungen der Qualität. Und so wird es auch im frühkindlichen Bereich sein. Was man mit einer solchen "Hochschul-" Ausbildung dann allerdings kann (oder zu können meint) ist: Man kann dann mehr Geld für die zu leistende Arbeit verlangen. Das Bewusstsein versucht auch hier das Sein zu bestimmen!

    • ludna
    • 14.07.2009 um 15:03 Uhr

    Ich stimme zu. Mit der Umstellung der akademischen Abschlusse auf Bachelor (3 jahre) und vielleicht Master (+1 Jahr) fällt die längere Ausbildungszeit and den Universitäten im Vergleich zur Berufsausbildung oder Fachschule weg. Mein Sohn hat Dreher gelernt, 3 1/2 Jahre Ausbildungszeit, länger als ein Bachelor Abschluss dauert. Kindergärtner oder frühkindliche Erziher kann ein Ausbildungsberuf sein oder ein Abschluss auf der Fachschule. (Ein Uni-Abschluss sollte ein akademische Abschluss sein. Die Umstellung auf ein völlig anderes System, in dem es keine Berufsausbildung gibt sondern nur Uni-Abschlüsse wird unserer tradition nicht gerecht).
    Das Problem ist nicht der Abschluss, sondern das Gehalt was daran hängt: Uni-mehr Geld, Berufsausbildung-weniger Geld. Man könnte einen eigenen Tarif ins Leben rufen, ähnlich wie bei den Ärtzten in öffentlichen Krankenhäusern. Die Frage ist, was es uns wert ist, Millionen für die Kinder oder Milliarden für Ackermann.
    Weiterhin Reduktion des Stress: geringere Arbeitszeit, beserer Betreuungsschluessel (z.Z. etwa 20 Kinder auf 1 Angestellte). Lehrer unterrichten schliesslich auch nicht 8 Stunden am Tag.

    • ludna
    • 14.07.2009 um 15:03 Uhr

    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    • lef
    • 03.07.2009 um 10:59 Uhr

    wie viel Irrglauben tatsächlich noch existiert, und da sind sich besonders ältere ErzieherInnen und sehr viele Eltern furchtbar einig:
    .
    "Displizin" wird da gefordert,
    Kinder werden überwiegend als "Stress" gesehen, für deren Betreuung "Doktortitel" völlig überflüssig sind.

    Kinderpsychologisch ist Deutschlands Wissenstand aus der Steinzeit nicht herausgekommen - und zwar gesamtgesellschaftlich, und ich fürchte, es wird noch eiige Generationen dauern, bis dieser Sumpf überwunden ist.

    Zu unser aller Glück gibt es aber eine doch recht große Anzahl von Kindern, die trotz dieser Steinzeitpädagogik zu kreativen und individuellen Menschen heranwachsen.
    Von denen lebt unsere Industriegesellschaft (noch).

    Ein allerdings immer größerer Anteil von jungen Menschen lernt das nicht, ist in eben dieser Wissens- und Industriegesellschaft zu nichts mehr zu gebrauchen (Fließbänder stehen jetzt woanders) und verkommt - fällt in immer mehr Gewaltbereitschaft.

    Es ist richtig, man sollte nicht nur den ErzieherInnen Vorwürfe machen - es sind AUCH die Eltern, die diese Verkümmerung sogar fordern.

  3. Es sollte bei der Diskussion berücksichtigt werden, dass sich die Kindheit und die Bedingungen des Aufwachsens insgesamt verändert haben, weswegen die Kindergartenpädagogik sich mit Aufgaben konfrontiert sieht, die es so in den Jahrzehnten davor in diesem Maße nicht gegeben hat. So soll in kurzer Zeit Kindern die deutsche Sprache vermittelt werden, in deren Elternhaus selten oder kaum deutsch gesprochen wird. Das Sozialverhalten soll trainiert werden, wobei oft die Kinder häufig nur die schlechten Verhaltensweisen der Eltern oder des sozialen Umfelds übernehmen. Insgesamt zeigt sich, dass zunehmend mehr Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind und selber Unterstützung bei der Erziehung benötigen, was den Kindergarten mehr und mehr zu einem Reperaturbetrieb für gesellschaftlichen und familiäre Defizite macht.
    Als wäre diese Mammutaufgaben nicht genug, soll der Kindergarten Kinder auch noch ganzheitlich bilden - und das bei Gruppengrößen von 25 Kindern bei einem Betreuungscghlüsse von 1,5 Erzieherin (zumindest in Hessen). Dass die pädagogischen Fachkräfte mit diesen Erwartungen überfoerdert sind, dürfte leicht nachzuvollziehen sein. Da hilft es auch nicht, wenn die Ausbildung akademisiert wird. Wichtig erscheint zunächst einmal eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine Diskussion darüber, was der Kindergarten bei realistischer Betrachtungsweise der genannten veränderten Bedingungen in Familien und Gesellschaft überhaupt leisten kann.

  4. So lange sich das ein oder andere Elternpaar lieber Abends aufs Sofa wirft als mit ihren Sprössen mal Stadt Land Fluss zu spielen und so lange im Elternhaus der deutschen Sprache keinerlei Bedeutung zugemessen wird so lange kann auch niemand erwarten dass aus den Kindern was wird. (Achtung! Keine Ausländerfeindsprüche jetzt, ich führe selbst eine binationale Ehe und beide Sprachen sind als Bücher, Spiele, Poster usw im Kinderzimmer vertreten).
    Sämtliche Wissensvermittlung in den Kindergarten / in die Schule zu verschieben íst ein Vorhaben das nicht gelingen kann. Viele Kinder sind ja nichteinmal trocken wenn sie den Kindergarten betreten.
    Hört auf den Kindergärten alles aufzubürden! Frühkindliche Förderung obliegt den Eltern und niemand anderem!
    Dass eine junge Frau mit Universitätsabschluss besseres zu tun hat als ihre Tage damit zu verbringen für ein Appel und ein Ei menschliches Grundwissen zu vermitteln ist doch wohl keine Frage.

    • lef
    • 03.07.2009 um 15:41 Uhr

    sondern um Sozialkompetenz.
    Dazu braucht ein Kind Empathie (und zwar die angeborene, aber leider von erwachsenen nicht akzeptierte Empathie),
    darüber hinaus Individualität und (daraus folgenmd) Kommunikationsfähigkeit.

    Die Lernbereitschaft entwickelt sich dann ganz von selbst - wenn genug Angebote vorhanden sind (die meisten Angebote können durchaus ohne Betreuung sein - das machen die Kinder schon ganz von selbst).

    Solche Kindergartenkonzepte gibt es schon lange,
    (z. B. die Reggiopädagogik)
    und sie sind - da wo sie angeboten werden - auch sehr erfolgreich (und ohne viel Arbeit für Betreuer).
    Allerdings sind auch diese Konzepte nicht weiterentwickelt worden und deshalb bereits veraltet.

    Und im Restdeutschland hängt - wie gesagt - die Kinderpsychologie noch in der Steinzeit (zw. maximal 19.Jhdt.) hoffnungslos fest.
    Da sind auch die "normalen" Kindergärten ebenso steinzeitlich organisiert.

    Dass Eltern wie Sie es nicht besser wissen - daraus kann Ihnen dann auch kein Vorwurf mehr gemacht werden.

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