Hochschulen Mehr Eigensinn!

Der Bund investiert Millionen in Unis im Ausland – ohne klare Strategie

Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist begeistert. Ein Konsortium aus 22 deutschen Hochschulen, das die geplante Deutsch-Türkische Universität (DTU) in Istanbul tragen soll, stehe endlich, damit rücke die Gründung der DTU einen entscheidenden Schritt näher. Mittelfristig sollen dort bis zu 5000 einheimische Studenten lernen, das Bundesbildungsministerium will mit 3,5 Millionen Euro zu den jährlichen Kosten beitragen.

Angesichts der gewaltigen Unterfinanzierung deutscher Schulen und Hochschulen ist das keine geringe Investition in das Bildungssystem eines anderen Landes. Zumal die DTU mittlerweile schon die vierte deutsche Auslandsuniversität ist, die nach immer demselben Muster gegründet und über Jahre gefördert werden soll, insgesamt unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) derzeit sogar 38 Studienprojekte im Ausland, die Anzahl der Studiengänge liegt bei derzeit 124.

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Wer die unbeliebte Frage nach dem Warum stellt, dem begegnen in der Regel zwei Erklärungsmuster. Nummer eins: Die Amerikaner machen es, die Briten auch, die Australier sowieso – nur logisch, dass die Deutschen mit ihren Auslandsuniversitäten nachziehen müssen. Der Verweis auf die internationalen Wettbewerber im Bildungsmarkt unterschlägt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Die Auslandsdependancen britischer oder australischer Universitäten sind meist privatwirtschaftliche Tochterunternehmen, die ohne Staatszuschüsse auskommen müssen und sich über extrem hohe Studiengebühren finanzieren.

Leser-Kommentare
  1. Ich bin auch für internationalen Austausch. Aber es gibt auch Prioritäten: und das ist das deutsche Volk, dem zu dienen die Politiker geschworen haben.

    Während nun schon um die 15% der Studenten in Deutschland Bildungsausländer (und damit fast immer wirklich Gaststudenten sind -(also nicht die Türken usw. mit dt. Abitur eingerechnet) und nun schon ganze Unis fürs Ausland im Ausland von unseren Steuergeldern finanziert werden, werden deutsche Studenten von deutschen Unis abgelehnt, weil es keine Plätze mehr gibt.

    Was soll man da von unseren Politikern halten.
    Welche Partei soll man da noch wählen CDU, SPD, FDP, GRÜNE und Linke unterstützen alle solche Projetkte. Haben alle diese Mentalität, auch wenn sie im Wahlkreis bei der Basis anders reden. Wer fragt was mit den Deutschen ist, wird schnell multimedial in die rechte Ecke gehetzt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Marik
    • 05.07.2009 um 20:15 Uhr

    lieber adel-ar,

    sie täuschen sich. sie werden nicht "multimedial in die rechte ecke gehetzt". warum sollte man sie hetzen? sie sind doch schon drin....
    und da treffen sie sich mit dem formidablen herrn wiarda, der seinen "seitenhieb" in der zeit ja nicht zuletzt deshalb so schön polemisch formuliert hat, weil er leute wie sie hinter dem ofen hervorlocken wollte...an deren instinkte gilt es zu appellieren!

    und das ist ihm ja auch gelungen. schön, wie das immer wieder funktioniert! in zeiten der krise ein bisschen nationalismus (die armen deutschen universitäten...) und ein bisschen angst ums geld (jetzt müssen wir armen deutschen für dem ausländer seine hochschule auch noch bezahlen, schluchz...) und schon wird das hirn ab- und der bierbauch angeschaltet: ich bin ja für das ganze internationale, aber können wir das nicht mit der schweiz machen? mit christoph blocher, leber adel-ar, kann man sicher ganz prima international sein...sie sollten es mal versuchen mit der gründung einer schweizer uni in deutschland (nur für zürcher in der diaspora, versteht sich!). gute idee?

    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion /ft]

    • Marik
    • 05.07.2009 um 20:15 Uhr

    lieber adel-ar,

    sie täuschen sich. sie werden nicht "multimedial in die rechte ecke gehetzt". warum sollte man sie hetzen? sie sind doch schon drin....
    und da treffen sie sich mit dem formidablen herrn wiarda, der seinen "seitenhieb" in der zeit ja nicht zuletzt deshalb so schön polemisch formuliert hat, weil er leute wie sie hinter dem ofen hervorlocken wollte...an deren instinkte gilt es zu appellieren!

    und das ist ihm ja auch gelungen. schön, wie das immer wieder funktioniert! in zeiten der krise ein bisschen nationalismus (die armen deutschen universitäten...) und ein bisschen angst ums geld (jetzt müssen wir armen deutschen für dem ausländer seine hochschule auch noch bezahlen, schluchz...) und schon wird das hirn ab- und der bierbauch angeschaltet: ich bin ja für das ganze internationale, aber können wir das nicht mit der schweiz machen? mit christoph blocher, leber adel-ar, kann man sicher ganz prima international sein...sie sollten es mal versuchen mit der gründung einer schweizer uni in deutschland (nur für zürcher in der diaspora, versteht sich!). gute idee?

    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion /ft]

  2. Es ist äußerst beruhigend zu erfahren, dass die Regierung insbesondere das Bildungsministerium um die von mir sehr hoch geschätzte Frau Schavan anscheinend doch noch so viel Geld hat, um derartige Auswüchse ziemlicher dummer Ideen alias "Prestigeobjekte" zu finanzieren.

    Die deutschen Hochschulen werden - bis auf einige wenige "Exzellenzhochschulen" (haha) - förmlich ausgehungert, die Studenten erhalten dank einer sehr missglückten Studienreform wertlose Abschlüsse, die allenfalls als Toilettenpapier Verwendung finden, wofür sie auch noch ziemlich viel bezahlen sollen und müssen, ungeachtet der persönlichen und finanziellen Situation. Dazu kommt ein Schuldenberg in Milliardenhöhe, den diese Generation wird abbezahlen dürfen, allerdings ohne Job, denn mit den neuen Abschlüssen finden sich ja kaum Stellen.
    Angesichts solcher Zustände und Aussichten auf heimischen Boden fragt man sich, wenn man sowas hört, als Student ernsthaft, ob Frau Schavan und ihre Kollegen einen sprichwörtlich "verarschen" wollen.

    Das Argument der Notwendigkeit eines internationalen Austauschs ist durchaus berechtigt, allerdings ließe sich dieser auch auf anderem Wege erreichen. Ein Vorschlag zur Güte: Mehr Stipendien für deutsche Studenten, um im Ausland studieren zu können und die Schaffung besserer Bedingungen für ausländische Studierende an deutschen Hochschulen.
    Damit würde mehr erreicht als mit einer deutschen Hochschule im Ausland!

  3. Ich kann mich den Vorkommentatoren nur anschließen.
    Welchen Sinn es hat, deutsche Hochschulen im Ausland zu eröffnen, wenn die eigenen Universitäten im Inland mittellos, ungefördert und in einem katastrophalen Zustand verbleibenm erschließt sich mir einfach nicht. Es ruft den Anschein hervor als ob man sich von ausländischen Konzepten blenden ließe und an den heimischen Insituttionen keinerlei Interesse mehr habe.

    Dies wäre ein unakzeptabler und fataler Zustand und sollte die sofortige Absetzung aller involvierten Personen und Parteien veranlassen!

    • Marik
    • 05.07.2009 um 20:15 Uhr

    lieber adel-ar,

    sie täuschen sich. sie werden nicht "multimedial in die rechte ecke gehetzt". warum sollte man sie hetzen? sie sind doch schon drin....
    und da treffen sie sich mit dem formidablen herrn wiarda, der seinen "seitenhieb" in der zeit ja nicht zuletzt deshalb so schön polemisch formuliert hat, weil er leute wie sie hinter dem ofen hervorlocken wollte...an deren instinkte gilt es zu appellieren!

    und das ist ihm ja auch gelungen. schön, wie das immer wieder funktioniert! in zeiten der krise ein bisschen nationalismus (die armen deutschen universitäten...) und ein bisschen angst ums geld (jetzt müssen wir armen deutschen für dem ausländer seine hochschule auch noch bezahlen, schluchz...) und schon wird das hirn ab- und der bierbauch angeschaltet: ich bin ja für das ganze internationale, aber können wir das nicht mit der schweiz machen? mit christoph blocher, leber adel-ar, kann man sicher ganz prima international sein...sie sollten es mal versuchen mit der gründung einer schweizer uni in deutschland (nur für zürcher in der diaspora, versteht sich!). gute idee?

    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion /ft]

  4. "Mittelfristig sollen dort bis zu 5000 einheimische Studenten lernen, das Bundesbildungsministerium will mit 3,5 Millionen Euro zu den jährlichen Kosten beitragen."

    Der Autor hætte sich zumindest die Muehe machen kønnen, die Zahl ein wenig in Relation zu setzen.

    3,5 Millionen Euro sind z.B. um die 1% des Jahreshaushaltes der HU in Berlin, (oder der Danmarks Tekniske Universitet, "DTU" in Kopenhagen) oder 2% der jæhrlichen Zuschuesse an die Goethe Institute.

    Der Kommentar wirkt so, als wenn die Meinung des Autors zu Begin feststand und dann eben noch schnell Argumente her mussten.

    Im Vergleich damit, was Deutschland fuer Kulturførderung im Ausland - zurecht wie ich finde - oder fuer die Universitæten im Inland ausgibt, handelt es sich hier aber wirklich um "Peanuts"

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