Gesellschaftskritik Pack schlägt sich, Pack verträgt sich?

Letzten Sommer machte er sich noch lustig über Sandy Meyer-Wölden, jetzt ist Oliver Pocher mit ihr liiert

Vor kurzem machte er noch Witze über sie: Oliver Pocher mit neuer Freundin Sandy Meyer-Wölden

Vor kurzem machte er noch Witze über sie: Oliver Pocher mit neuer Freundin Sandy Meyer-Wölden

Letzten Sommer machte er sich noch mit dummen Witzen über sie lustig

Es ist noch nicht lange her, da hat der Komiker Oliver Pocher in seiner Sendung mit Harald Schmidt eine frühere Verlobte Boris Beckers böse verspottet. Jetzt ist er selbst mit dem schönen Mädchen namens Sandy liiert. Promptes Flügelschlagen in der Regenbogenpresse: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich?

Anzeige

Unseliges Medienvolk! Was treibt die Sternchen, ihr Leben in der Öffentlichkeit bis in die letzte Ungereimtheit auszubreiten? Was treibt die Journalisten, es zu verbreiten, was die Leser, es zu erfahren? Zu wessen Nutz und Frommen wird die Erregungskurve hochgefahren? Sind große Summen dabei zu verdienen, gibt es eine Bekenntnisdividende (zahlbar pro Enthüllungsaktie) oder gar doch auch etwas zu lernen?

Nun ja. Ein bisschen Unterrichtsmaterial gibt jede Geschichte her. Wer sich an seine Schulzeit erinnert, wird zugeben müssen, dass manche Kabbelei auf dem Pausenhof einige Jahre später in eine große Liebe mündete. Die Kabbelei war sozusagen nur der erste Körperkontakt. Goethe hat einmal gesagt, dass gegen quälende Bewunderung nur die Liebe nutzt. Das Zitat ist vielleicht für unseren Fall ein wenig hochgegriffen, aber es ist doch tatsächlich so: Was einen durch übergroßen Glanz provoziert, das kann man entweder nur zerstören oder durch Liebe in seinen Besitz zu bringen versuchen. Zwei Varianten desselben Impulses. Oscar Wilde dichtete: Jeder tötet, was er liebt – der Tapfere mit dem Schwert, der Feigling mit einem Kuss.

Gesellschaftskritik
Weitere Artikel zur Serie "Gesellschaftskritik". Bitte klicken Sie auf das Bild.

Weitere Artikel zur Serie "Gesellschaftskritik". Bitte klicken Sie auf das Bild.

Mag sein, dass Oliver Pocher schon immer ein Auge auf Sandy Meyer-Wölden geworfen hatte, aber da sie unerreichbar schien, sie vorerst nur beschimpfen konnte. Annäherung durch Aggression. Und siehe da, als das brave Mädchen sich zu dem verquer Verliebten niederbeugte und ihn aus seiner Quengelposition empor an ihren Busen hob – da war der Hass verflogen und löste sich der Neid in einem Kuss. So könnte es immerhin gewesen sein. So muss es aber nicht bleiben. Schon morgen könnte die Regenbogenpresse ein neues Kapitel aufschlagen: »Pocher ruiniert Sandy mit seiner Liebe«. Auf Oscar Wildes Variante I einer zerstörerischen Liebe (mit dem Schwert) könnte Variante II (mit einem Kuss) folgen. »Pocher nimmt Sandy die Luft zum Atmen« – »Zwanzig Kilo abgenommen: Sandy welkt an Pochers Seite«.

Hoffen wir, dass wir diese Geschichte nicht in der Presse finden. Sonst müsste man Wildes schöne Verse aktualisieren: Jeder tötet, was er liebt – der Tapfere mit einem Revolver, der Feigling mit einem Revolverblatt.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service