Goldman Sachs Weltmacht mit DrehtürSeite 4/4

Paulson boxte auch ein Rekordhilfspaket von 700 Milliarden Dollar zugunsten amerikanischer Banken durch und stellte zu ihrer Verwaltung den ehemaligen Goldman-Fusionsberater Neel Kashkari ein. Der Regierungswechsel änderte an der Präsenz der Goldmänner kaum etwas. Der neue Finanzminister Timothy Geithner kommt nicht von Goldman, er begann seine Karriere aber als Protegé von Robert Rubin, dem US-Finanzminister unter Bill Clinton und ehemaligen Goldman-Vorstand. Auch Larry Summers, der Obamas Wirtschaftspolitik federführend gestaltet, verdankt seine Karriere Rubins Einfluss.

Die Verbindungen reichen weiter. Vor seiner Nominierung war Geithner Chef der Notenbank in New York und neben Paulson damit der wichtigste Krisenmanager im heißen Herbst. Geithners Aufsichtsratschef bei der New York Fed war Stephen Friedman, bis heute ein Mitglied des Goldman-Aufsichtsrates. Friedman half auch bei der Suche nach Geithners Nachfolger bei der Zentralbank. Eine wichtige Entscheidung, denn die Institution wird künftig eine noch größere Rolle spielen: Sie soll nach dem Willen Obamas das gesamte Finanzsystem überwachen. Die Wahl fiel auf William Dudley, der zuvor Chefvolkswirt bei – richtig – Goldman Sachs war. Nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, dass Friedman als Aufsichtsratschef der New York Fed Goldman-Papiere hielt und im Dezember 371.000 Aktien sowie im Januar ein weiteres Paket zugekauft hatte, trat er im Mai zurück.

Die engen Verflechtungen haben in den vergangenen Wochen zunehmend Kritiker auf den Plan gerufen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz prangerte an, was er die »amerikanische Drehtür« nannte. »Die Leute gehen von der Wall Street ins Finanzministerium und dann zurück an die Wall Street«, wetterte er in einem Fernsehinterview. So entwickelten sie eine gemeinsame Weltsicht – die wiederum verhindere im Augenblick trotz der Krise eine wirkungsvolle Reform des Finanzsystems. Auch der Jurist William Black sieht das so. Seiner Meinung nach fürchten die Volksvertreter um die Wettbewerbsfähigkeit der USA, falls sie den Finanzinstituten zu enge Regeln auferlegten. Solche Zurückhaltung könne Obamas Reformvorhaben untergraben.

Bisher sind die Krisenreaktionen in aller Welt allerdings ganz nach dem Geschmack von Goldman Sachs und Konsorten. Die Regierungen müssen sich hoch verschulden und neue Staatspapiere im Wert mehrerer Billionen Dollar ausgeben. Für die Banker verheißt das Hunderte Millionen Dollar an Gebühren. Seit dem Untergang von Bear Stearns und Lehman Brothers bleibt ein einziges bedeutendes Wall-Street-Haus übrig, das auf dieses Geschäft spezialisiert ist. Es residiert in 85 Broad Street in Manhattan.

 
Leser-Kommentare
  1. (entfernt. Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)

  2. ...auch in Deutschland hat die Krake Goldmann die Regierung längst unterwandert. Goldmann/Deutschland-Chef Dibelius "berät" Merkel und Goldmann-Berater Issing wird Leiter der Kommission zur Reform der internationalen Finanzmärkte. So sieht Krisenbewältigung aus, wenn man die Pyromanen Feuerwehr spielen lässt. Einfach nur noch unfassbar!

  3. ...die wichtigsten Aktien-Besitzer der FED sind oder waren:

    1. Rothschild Banken London, Paris
    2. Lazard Brothers Bank Paris
    3. Israel Moses Seif Bank Italien
    4. Warburg Bank Amsterdam, Hamburg
    5. Lehmann Bank New York
    6. Kuhn, Loeb & Co. Bank New York
    7. Rockefellers Chase Manhattan Bank New York
    8. Goldman Sachs Bank New York

    Und wenn wir schon mal dabei sind, hier, teilweise sich überschneidend, noch die „Big Nine“, die mächtigsten US-Finanzkonzerne:

    1. JPMorgan Chase
    2. Bank of America
    3. Citigroup
    4. Wells Fargo
    5. Bank of New York
    6. State Street
    7. Goldman Sachs
    8. Morgan Stanley
    9. Merrill Lynch

  4. Keine noch so rational begründete volkswirtschaftliche Studie wird den Aufschrei derer afhalten können, die sich eines Tages gegen die immensen Ungleichverteilungen und Ungerechtigkeiten wehren!
    Schade, dass der Mensch immer erst Schmerzen braucht bevor er politisch wird.

  5. ... das Drehtürprinzip nützt auch anderen Konzernen, einfach mal nach "Monsanto" und "Drehtür" googeln. Offensichtlich ein ernsthaftes Problem in der vom Großkapital unterwanderten Lobbykratie. Noch ernsthafter, wenn das Volk keinerlei Mitsprache- und Korrekturrechte hat, so wie etwa in den USA oder auch in Deutschland.

    Das Dumme dabei: die Politik (und oft auch die Medien) bemerkt ihre eigene Kurzsichtigkeit nicht mal, sondern mißinterpretiert sie als Wirtschaftskompetenz.

  6. Dieses Bananenland ist wirschaftlich und kulturell nicht mehr die Nummer 1, nur noch militaerisch, deswegen ist es falsch zu behaupten es sei eine Weltmacht.

    (entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen dieser Art. Die Redaktion/jk)

  7. Läuft hierzulande doch genauso ab. Aus
    http://www.capital.de/unt... :

    Ihm zur Seite stehen fünf Partner, die sich die Aufgaben teilen. Marcus Schenck, Theodor Weimer und Dorothee Blessing, Frau des Commerzbank-Vorstands Martin Blessing, arbeiten im Investment-Banking.

    ... Auch bei Eckardt Cordes nicht. Er war viele Jahre Klient und ist begeisterter Anhänger von Alexander Dibelius. Und zugleich dessen Trauzeuge – so wie im Gegenzug der Banker bei der Hochzeit seines Freundes mit am Altar stand.

    Die Liste ehemaliger und aktueller Kunden liest sich wie ein „Who Is Who“ der heimischen Wirtschaft: Deutsche Telekom, Hypovereinsbank, Siemens, Eon, RWE, Puma, Henkel, Deutsche Börse. Selbst bei der Übernahmeschlacht von Vodafone um Mannesmann, ein Deal mit dem Rekordvolumen von 205 Milliarden Euro, war Dibelius dabei.

    Selbstverständlich kennt und trifft er die Vorstandschefs der Dax-30-Konzerne regelmäßig. Auf Tastendruck hat er mehr als 8000 Adressen parat.

    Dibelius nahm schon früh Kontakt zu CDU-Parteichefin Angela Merkel auf, lange vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Für die Politikerin arrangierte er mehrere Dinner mit Unternehmenschefs, damit sie besser und schneller mit Personen aus der Wirtschaft ins Gespräch kam. Immer wieder steht er der Kanzlerin bei Fragen zur Verfügung.

    Noch Fragen?

  8. Dass das Bankensystem der USA hochgeradig korrupt ist, ist seit Jahren bekannt, nur konnten sich Publiukationen wie die Zeit nicht dazu durchringen, auf Grund von fälschlicher Wahrung von Integrität, dieses auch öffentlich auszusprechen.
    Natürlich muss man hier anmerken, dass das Problem nicht Goldman Sachs ist, sondern die Federal Reserve, dessen Entstehung bereits äußerst dubios zu Stande kam.
    Wir müssen uns gegen diese BANKENMAFIA wehren!!!
    (entfernt. BItte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

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