Documenta 13 »Kassel ist Australien«

Vom Außenrand ins Zentrum der Weltkunst: Das erste große Interview mit der neuen Leiterin der Documenta, Carolyn Christov-Bakargiev

Carolyn Christov-Bakargiev: Bevor wir anfangen, muss ich Ihnen etwas gestehen.

DIE ZEIT: Worum geht es?

Christov-Bakargiev: Ich muss gestehen, dass ich Ihnen nichts verraten kann.

ZEIT: Sie meinen über die Documenta? Hatten Sie nicht gesagt, Sie wollten einige Ihrer Pläne für Kassel erstmals öffentlich diskutieren?

Christov-Bakargiev: Ja das stimmt, Sie erinnern sich richtig, aber ich habe es mir anders überlegt.

ZEIT: Soll ich wieder gehen?

Christov-Bakargiev: Nein, nein, auf keinen Fall. Es ist nur so, dass ich im Moment noch sehr unsicher bin. Ich fahre viel in Kassel herum, schaue mir mögliche Ausstellungsorte an, vertiefe mich in die Stadtgeschichte. Ich habe also noch keinen Plan, ich könnte Ihnen nur Lügen auftischen.

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ZEIT: Dann tun Sie das doch.

Christov-Bakargiev: Sie meinen lügen?

ZEIT: Ja, was ist Ihre liebste Documenta-Lüge?

Christov-Bakargiev:(lacht) Dass sie nicht in Kassel stattfindet. Denn was soll so eine große Ausstellung mitten in Europa, wo es ohnehin schon genug Kunst gibt? Die nächste Documenta wird in Anchorage in Alaska stattfinden, in São Paulo und an noch fünf, sechs weiteren Orten auf der Welt.

ZEIT: Und die Deutschen dürfen sich über eine leere Documenta-Halle freuen?

Christov-Bakargiev: Ich werde natürlich einen Sponsor finden, der mir 700.000 Tickets bezahlt, sodass jeder, der will, reisen und die Ausstellung sehen kann – und damit endlich den Eurozentrismus ein wenig hinter sich lässt. Sie wissen ja, ich liebe die Peripherie. Ich habe die letzte Biennale in Sydney organisiert, also an einem Ort, der für gewöhnlich nicht auf der Landkarte der Kunst vorkommt.

ZEIT: Aber ist Kassel nicht auch Peripherie?

Christov-Bakargiev: Das stimmt, Kassel ist Australien, so könnte man das sagen. Und wissen Sie was? In den letzten Jahren hat sich das Verhältnis von Zentrum und Peripherie tatsächlich verändert. Lange ging es ja darum, möglichst viele Künstler aus möglichst fernen Ländern zur Documenta einzuladen. Ich glaube, heute hat sich dieses Konzept erübrigt. Jedenfalls kenne ich viele Künstler, zum Beispiel unter den Aborigines, die keinen Wert darauf legen, eingerahmt von einem eurozentristischen System als noneurozentristische Künstler ausgestellt zu werden.

ZEIT: Aber was wäre die Alternative? Keine Künstler aus Togo oder Sri Lanka einzuladen?

Christov-Bakargiev: Ich will nur sagen, dass man sehr aufpassen muss. Die Neugier auf fremde Kultur, der ganze postkoloniale Diskurs bekommt leicht etwas Paternalistisches. Manchmal schlägt das sogar um in Exotismus und Kulturtourismus.

ZEIT: Also muss die Documenta in die Fremde, statt sich das Fremde nach Kassel zu holen?

Christov-Bakargiev: Ja, das wäre schön. Aber leider geht die Idee nicht auf. Das wäre doch nur eine Art globaler Werbung für die Marke Documenta. Wir täten so, als müsste alle Welt von diesem Ausstellungsmodell wissen oder es gar übernehmen.

ZEIT: Die Documenta bleibt in Kassel.

Christov-Bakargiev: Ja, das war nur eine Lüge. Aber seien Sie sich nicht so sicher, vielleicht belüge ich Sie ja, wenn ich sage, es sei eine Lüge. (lacht)

ZEIT: Gibt es für Sie denn noch einen Unterschied zwischen der Documenta und einer Biennale wie der in Sydney?

Christov-Bakargiev: Oh, ja, schon das Wort. Documenta ist die Mehrzahl von documentum, und das heißt Mahnung und Lektion.

ZEIT: Ich dachte immer, es hieße so etwas wie Beweisstück.

Christov-Bakargiev: Für Arnold Bode, den ersten Documenta-Leiter, war eher der mahnende Aspekt wichtig. Die Stadt war damals, 1955, vom Krieg zerstört und befand sich im Wiederaufbau, er zeigte Kunst mitten in den Trümmern. Mir erscheint das schon deshalb wichtig, weil die Documenta damit die einzige internationale Ausstellung ist, die sich nicht aus der Tradition der Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts ableitet. Die Biennale von Venedig war ja anfangs genau das: eine Art Messe, die von den Nationen zur Selbstdarstellung genutzt wurde. In Kassel hingegen ging es nicht um Markt, nicht um Nationenwettstreit. Es ging darum, eine Mahnung auszusprechen. Das gefällt mir.

ZEIT: Sehen Sie sich denn so: als Mahnerin?

Christov-Bakargiev: Nein, überhaupt nicht. Ich finde auch, dass sich Adorno zumindest in dieser Hinsicht irrt: Es gibt keinen Grund, auf die Massen herabzuschauen und sie für dumm und entfremdet zu halten. Auf vielen Ausstellungen erleben Sie aber genau das: Das Publikum wird als dumpfe Masse behandelt, und man schleust es durch wie in einer Shopping-Mall. Ebendeshalb erinnere ich gerne an die erste Documenta.

ZEIT: Sie meinen, früher war alles besser.

Christov-Bakargiev: Schauen Sie sich doch an, was für riesige Maschinen viele heutige Ausstellungen sind. Da geht es nur um Zahlen, um Finanzierung, um Sponsoren, und niemand schert sich um den einzelnen Besucher. Und wie sollte das auch gehen? Auf Bodes erster Documenta waren 150.000 Besucher, zur Documenta 2007 kamen über 700.000!

ZEIT: Heißt das, Sie wollen die Documenta schrumpfen?

Christov-Bakargiev: Ich möchte erst einmal frei über die Ziele einer solchen Veranstaltung nachdenken. Für Bode war das Ziel die Erziehung der Menschen, auch wenn ich das Wort Erziehung hasse. Ich würde eher von der Emanzipation des Einzelnen durch das Medium der Kunst sprechen. Wer etwa Kafka liest, kann befreiter leben. Selbst wenn er in einem Bürogefängnis arbeitet, wird er freier im Kopf und kann vieles anders sehen.

ZEIT: Vielleicht wird er auch noch mehr unter seinem Gefängnisleben leiden.

Christov-Bakargiev: Das mag so sein, aber ich glaube es nicht, und die Sensibilisierung ist natürlich auch ein Ziel, auch der nächsten Documenta. Ich wünsche mir, dass die Menschen die Ausstellung verändert verlassen werden.

ZEIT: Ein ganz schön hehres Ziel.

Christov-Bakargiev: Ich glaube, eine gute, eine intensive Ausstellung kann das leisten: Sie verwirrt die Menschen im positiven Sinne, macht sie empfindsamer, verletzlicher. Am Ende sind sie vielleicht stärker in Kontakt mit sich selbst.

ZEIT: Erleben Sie das denn selber so?

Christov-Bakargiev: Ja, mich berührt die Kunst oft so, als würde ich mich verlieben. Vieles, was einem selbstverständlich vorkam, verändert sich. Das eigene Leben relativiert sich, man schließt sich auf für die Eigenheiten, die Gewohnheiten des anderen.

ZEIT: In welches Kunstwerk haben Sie sich denn zuletzt verliebt?

Christov-Bakargiev: Ach, in ganz viele, das passiert mir immerzu. Ich bin recht romantisch veranlagt.

ZEIT: Nur ein Beispiel.

Christov-Bakargiev: Ein Beispiel? Ich erinnere mich an eine Malewitsch-Ausstellung, die mich tief beeindruckt hat. Dort wurden auch seine späten Werke gezeigt, die gar nicht mehr abstrakt, sondern sehr figürlich sind. Und da wurde mir zum ersten Mal klar, wie ungeheuerlich sein Schwarzes Quadrat eigentlich ist. Er gab damit alles auf, das Ikonische, das Bildhafte, er war bereit, alles Vertraute zurückzulassen. Eine wahre Revolution!

ZEIT: Das klingt aber eher nach einer kunsthistorischen Erkenntnis.

Christov-Bakargiev: Ja und nein, denn natürlich lässt mich Malewitschs Bereitschaft, die Welt neu zu denken, nicht kalt. Das ist schon etwas, das in mein Leben hineinragt.

ZEIT: Könnte es sein, dass die nächste Documenta sehr persönlich und unpolitisch wird?

Christov-Bakargiev: Das hängt natürlich von Ihrem Politikbegriff ab. Ich möchte bestimmt keine Propaganda- und keine Belehrungskunst zeigen. Doch wird die Documenta so wenig unpolitisch sein, wie Courbet oder Manet und überhaupt die Impressionisten unpolitisch sind. Ihre Bilder sind geprägt von einer Politik der Form oder, besser, einer Politik der Formauflösung. Die Wirklichkeit wird bei ihnen flüchtig, beweglich, sie lösen sich von einem statischen Blick auf die Welt. Und natürlich ist das auch eine gesellschaftspolitische Geste.

ZEIT: Warum sind solche Gesten wichtig? Darf Kunst nicht einfach auch mal Kunst sein?

Christov-Bakargiev: Natürlich darf sie das. Doch wird es rasch sehr langweilig, wenn Kunstwerke keine Zweifel säen, wenn sie also nicht über sich selbst hinausweisen. Ich muss gerade an meine Mutter denken, die Archäologin war. Wir hatten daheim in unserem Wohnzimmer immer einen Korb voller Scherben stehen, Scherben von alten römischen Vasen. Lauter Fragmente, die mich schon als Kind fasziniert haben, weil sie in ihrer Zerbrochenheit auf etwas anderes, Größeres verwiesen. Vielleicht kann man es so sagen: Ich verspüre da eine gewisse Negativität in mir. Und die verhindert, dass es zu gemütlich wird.

ZEIT: Was für eine Negativität ist das?

Christov-Bakargiev: Ich bin schon stark von der feministischen Theorie geprägt, von Autorinnen wie Judith Butler, Carla Lonzi oder Luce Irigaray. Und wohl auch von meiner Mutter, die eine Friedensaktivistin war und die mich oft zu Demonstrationen mitgenommen hat. Manchmal erzählten mir meine Eltern auch von meinem italienischen Großvater, der als antifaschistischer Partisan vielen politisch Verfolgten half, über die Alpen zu fliehen.

ZEIT: Sie lebten damals in den USA.

Christov-Bakargiev: Ja, ich bin in New York und Washington aufgewachsen. Mein Vater stammt aus Bulgarien, war nach Italien gekommen, um sein Medizinstudium zu beenden, und lernte dort meine Mutter kennen. Nach dem Studium durfte er aber nicht bleiben, also mussten wir auswandern. Ich bin dann als Studentin wieder nach Italien gegangen, habe aber in New York noch ein Apartment und muss dort ab und zu vorbeischauen, um die Pflanzen zu wässern. Zum Glück sind’s nur Kakteen.

ZEIT: Bislang haben Sie mit Ihrer Familie in Rom und Turin gelebt, jetzt werden Sie bald hauptberuflich in Kassel arbeiten. Ein Kulturschock?

Christov-Bakargiev: Ach, wenn man aus Italien kommt, dann weiß man um die Endlichkeit der Dinge und die Vergänglichkeit stabiler Systeme. Und man weiß, dass mit dem Ende eines Systems die Welt keineswegs untergeht.

ZEIT: Das ist jetzt eine sehr diplomatische Antwort.

Christov-Bakargiev: Nein, es ist mir sehr ernst. Ich glaube, dass Orte wichtig sind, aber es zählen immer weniger das Wo und Was und Woher. Viel wichtiger wird das Wie, die Frage des Prozedere.

ZEIT: Wie wird denn das Wie der Documenta 13?

Christov-Bakargiev: Zum Beispiel beobachte ich, dass einige meiner Kollegen, die sich Kuratoren nennen – auch so ein Wort, das ich furchtbar finde, denn Kurator kommt ja von curare, von heilen, ganz so, als wäre die Kunst eine Krankheit… Jedenfalls haben es manche meiner Kollegen so weit getrieben, dass sich noch nicht mal mehr die Künstler auf den Großausstellungen wohlfühlen. Wenn sie eingeladen werden, machen sie zwar mit, doch ist es, als müssten sie zum Zahnarzt. Deshalb wünsche ich mir eine Documenta, die vor allem gastfreundlich ist, für die Künstler und die Besucher. Man soll sich fühlen wie in einer schönen, ruhigen Bibliothek, in der man entspannt ein Buch lesen kann.

ZEIT: Also eine Art Wohlfühl-Documenta?

Christov-Bakargiev:(lacht) Da schätzen Sie mich falsch ein. Ich sagte ja schon, meine Negativität… Ich neige dazu, just das zu vermeiden, was man von mir erwartet. In jedem Fall will ich kein Spektakel.

ZEIT: Eine Documenta ohne Spektakel – ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Christov-Bakargiev: Wissen Sie, viele Ausstellungen und vor allem die Messen basieren heute auf dem YouTube-Prinzip. Dort klickt man sich von einem Video zum nächsten, alles ist ständig verfügbar, so gut wie nichts hat etwas mit dem anderen zu tun. Es ist eine Erfahrung der Omnipotenz und zugleich eine Erfahrung der Beliebigkeit. Gerne würde ich dazu ein Gegenmodell entwickeln.

ZEIT: Indem Sie weniger zeigen? Oder weniger Besucher in die Ausstellung lassen?

Christov-Bakargiev: Ich sehe schon, das wäre Ihre Documenta: eine Schrumpfausstellung. Aber mir geht es nicht um Reduktion, mir geht es um Verwandlung. In Sydney bei der Biennale habe ich viele Lücken gelassen. Ich habe, könnte man sagen, die Ausstellung mit Leere aufgefüllt. Am Ende war sie größer als zuvor, die Menschen mussten weiter laufen und verteilten sich so besser. Außerdem konnte ich in der Ausstellung bewusste Pausen setzen, und das ist wichtig. Stellen Sie sich vor, eine Sinfonie ohne Pausen… Ich bin eben nicht an einer Ausstellung interessiert, in der die Kunst als Ware dargeboten wird. Mir missfällt es, aus der Kunst einen Fetisch zu machen. Mich interessieren Prozesse.

ZEIT: Was heißt das für Ihre Künstlerauswahl?

Christov-Bakargiev: Die Frage musste ja kommen. Aber ich werde Ihnen keine Namen nennen.

ZEIT: Heißt das, Sie machen aus der Künstlerliste einen Fetisch, so wie viele Ihrer Vorgänger?

Christov-Bakargiev:(lacht) Wichtig ist doch auch in dieser Frage nicht das Wer, sondern das Wie. Ich will doch nicht irgendwelche Namen einladen und diesen Namen dann sagen: Liefert ein Werk bis zu dem und dem Datum! Ich arbeite mit Menschen, das ist es, was mich interessiert. Der Austausch, das gemeinsame Nachdenken und Lernen. Und was ich mit der Künstlerliste mache? Vielleicht schicke ich an jede Zeitung eine andere. Oder ich veröffentliche jede Woche neue Listen mit neuen Namen.

ZEIT: Mit anderen Worten, Sie lügen.

Christov-Bakargiev: Ja, die Unwahrheit ist eine meiner großen Leidenschaften – ein Ort der eigenen Zerbrechlichkeit. Wahrheiten haben ohnehin viel zu viel Leid hervorgebracht.

Das Gespräch führte Hanno Rauterberg

 
Leser-Kommentare
  1. Droht der Kunstwelt eine BAKARGIEViade? Was Frau CHRISTOV-BAKARGIEY zu ihrer Wahl als Documenta-Macherin geführt habe, wurde die d13-Macherin gefragt? „Mit welchem KONZEPT haben Sie sich vorgestellt?“ - Ihre Antwort: „Über ein Konzept kann ich nicht reden. Erstens wäre es unklug, dreieinhalb Jahre vorher darüber zu sprechen, zweitens wäre es eine Lüge. Das entwickelt sich im Lauf der Zeit. Der Faktor Zeit gehört zu den wesentlichen Bedingungen der Documenta.“ (Der Tagesspiegel, Interview Nicola KUHN v. 18.03.09.)

    Die Macherin steht zu ihrer „Negativität“. Ich „neige dazu, just das zu vermeiden, was man von mir erwartet. In jedem Fall will ich kein Spektakel“, betont sie. Ausstellungen würden heute auf dem „YouTube-Prinzip“ basieren: „Dort klickt man sich von einem Video zum nächsten, alles ist ständig verfügbar, so gut wie nichts hat etwas mit dem anderen zu tun. Es ist eine Erfahrung der Omnipotenz und zugleich eine Erfahrung der Beliebigkeit. Gerne würde ich dazu ein Gegenmodell entwickeln.“ Ein GEGENMODELL zur BUERGELiade (d12) der Beliebigkeiten? „Ist zur d13 eine BAKARGIEViade zu erwarten?“, fragte ich in diversen WEB-Artikeln. (Mehr: Googeln und im WEB http://www.documentakasse....)

    Die Allein-„Kuratorin“ sagt im ZEIT-Interview (NR. 28 v. 02.07.09) auch, sie sei „eben nicht an einer Ausstellung interessiert, in der die Kunst als Ware dargeboten wird. Mir missfällt es, aus der Kunst einen Fetisch zu machen. Mich interessieren Prozesse.“ Das klingt nicht schlecht. Auf die Gretchen-Frage „Was heißt das für Ihre Künstlerauswahl?“ erwidert C.B. „Die Frage musste ja kommen. Aber ich werde Ihnen keine Namen nennen.“ RAUTERBERG: „Heißt das, Sie machen aus der Künstlerliste einen Fetisch, so wie viele Ihrer Vorgänger?“ C.B.: (…) „Wichtig ist doch auch in dieser Frage nicht das Wer, sondern das Wie. Ich will doch nicht irgendwelche Namen einladen und diesen Namen dann sagen: Liefert ein Werk bis zu dem und dem Datum! Ich arbeite mit Menschen, das ist es, was mich interessiert. Der Austausch, das gemeinsame Nachdenken und Lernen. Und was ich mit der Künstlerliste mache? Vielleicht schicke ich an jede Zeitung eine andere. Oder ich veröffentliche jede Woche neue Listen mit neuen Namen.“ ZEIT: „Mit anderen Worten, Sie lügen.“ C.B.: „Ja, die Unwahrheit ist eine meiner großen Leidenschaften – ein Ort der eigenen Zerbrechlichkeit. Wahrheiten haben ohnehin viel zu viel Leid hervorgebracht.“

    PS: C.B.: „Das Wort „documenta ist die Mehrzahl von documentum, und das heißt Mahnung und Lektion“ - ZEIT: „Ich dachte immer, es hieße so etwas wie Beweisstück.“ (documentum = Urkunde, Beweis(schrift); dokumentieren: beurkunden, beweisen, offenbaren, an den Tag legen,)
    Carolyn Christov-BAKARGIEV, die Künstlerische Leiterin der documenta 13, bittet sämtliche noch lebenden Künstlerischen Leiter der Kasseler documenta auf ein gemeinsames Podium. "d documenta - Konferenz auf dem Weg zur documenta 13" heißt die Tagung, zu der sie für 18./19. September in das Museum für Gegenwartskunst im Castello di Rivoli in Turin einlädt. Dort ist die 51-Jährige Chefkuratorin und Interimsleiterin. Zu Gast sein werden in Turin die documenta-Leiter Manfred Schneckenburger (1977 und 1987), Rudi Fuchs (1982), Jan Hoet (1992), Catherine David (1997), Okwui Enwezor (2002) und Roger M. Buergel (2007). Für die bereits verstorbenen Kuratoren – den documenta-Gründer Arnold Bode und Harald Szeemann – werden enge Vertraute und Wegbegleiter an der Tagung teilnehmen (Heiner Georgsdorf, Walter Grasskamp, Jean-Christophe Ammann).

  2. "Kassel ist Australien" zur d13 und zur d12 war BUERGEL "Kassel China"; so ist die "Wahrheit", die verkündet wird/wurde. Die noch von Bernd LEIFELD als Direktor geführte private INSTITUTION documenta stellt sich auf ihrer HOMEPAGE selbst dar: http://www.documenta.de/d...

    Googelt man „buergeliade“ so erhält man momentan (9.7.09) in 0.19 Sekunden als Ergebnisse „ungefähr 506 für bakargieviade“. Schaut man sich die (selektierten) „Presseresonanzen“ der Institution auf der HP an

    Presseresonanz Mai -Juni 2009
    Presseresonanz April 2009
    Presseresonanz Jan -März 2009
    Presseresonanz 2008

    ist es interessant zu lesen, dass für B.L. das Wort „BUERGELiade“ nicht zu existieren scheint; besser gesagt von der Institution quasi „totgeschwiegen wird“. Denn KRITIK an der privatrechtlich organisierten Institution ist unerwünscht im Schwarz-Gelb regierten Hessen-Land. Die JUSTIZ in Hessen sieht dies ebenso, was Prozesse vor Gerichten belegen, die eine documenta-Reform bis heute verhindert haben. Der Posten von Bernd LEIFELD, NOCH-Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH (Gegner eines documenta-Gremium-Modells, für das der Autor eintritt), muss demnächst NEU besetzt werden! Ob B.L. weiterregieren wird, d. h. zur Ausstellung der d13 noch das Sagen hat, darf bezweifelt werden.

  3. Fehlerberichtigung: Googeln am 9.7. für "buergeliade" ca. 200 Ergebnisse, für "bakargieviade" schon ca. 508 Ergebnisse. B.L.-Presseresonanzen" selektierte sowohl zur d12 "Buergeliade" wie heute zur d13 "Bakargieviade". So ist die "Wahrheit".

  4. In einem Interview des Kunst-Magazins „art“ wurde C.BAKARGIEV gefragt: „
    Und wie wählen Sie die Künstler aus?“: „Ich sortiere sie nicht aus, sondern wähle. Ich mache keine Selektion, sondern eine Elektion“, sagte die d13-Allein-Macherin. Art: „Nach welchen Kriterien?“ – C.B.: „Sie würden doch auch nie einen Philosophen um eine Erklärung bitten, warum er sich mit bestimmten Argumenten befasst oder warum er bestimmte Bücher liest. Es gibt ja so viele Bücher. (…) Solche Entscheidungen stehen auch im Zusammenhang mit dem, was man früher schon gelesen hat. Man müsste also ein Psychoanalytiker sein, um diese Mechanismen zu verstehen.“ Und: „wenn ein Künstler wirklich gut ist, kommt er auch ans Licht. Das kann allerdings lange dauern“. (18.05.09 – Ute DIEHL im Kurz-Interview mit C.B.)

  5. Frau Christov-BAKARGIEV möchte mit ihrer Einladung der früheren d-Macher ein Forum bieten, um die documenta-Geschichte zu reflektieren. Die d13-Chefin wolle Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenbringen. Alle Teilnehmer wurden gebeten, in der Präsentation ihrer Ausstellung ihr Gegenwartsverständnis zur Zeit der von ihnen ausgerichteten documenta zu beschreiben: Wie waren sie sich ihrer Zeit bewusst und wie haben sie sich in ihrer Zeit positioniert. Was bedeutete das für sie und inwieweit floss es in ihre Strategien und Entscheidungen mit ein? Zusätzlich sollen sie rückblickend skizzieren, was sie vielleicht anders gemacht hätten - in Anbetracht der Entwicklungen in der Kunst und in der Welt im Allgemeinen nach ihrer documenta.

    "Die DOCUMENTA 13" – schreibt BAKARGIEV – werde „aus einer archäologischen Perspektive, einer ökologischen Beziehung zur Vergangenheit heraus entwickelt, in der jedes für die Zukunft geplante Kulturprojekt sich aus einem Blick zurück entwickeln muss - wie stellte man sich etwa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Gegenwart vor und was galt bei den verschiedenen documenta-Ausgaben jeweils als dringendes Anliegen?" Gleichzeitig begeistert sich die d13 "...persönlich für das Unlogische, Verspielte und Poetische, für das Zelebrieren von Kunstwerken und dafür, Besucher eines Ereignisses wie der documenta einzubinden und es für sie zu einer einzigartigen Erfahrung zu machen."

    "Für die an der Organisation der nächsten documenta Beteiligten beginnt die Reise öffentlich am 18. September 2009", heißt es in der Pressemitteilung der documenta. Das Castello di Rivoli biete sich auch deswegen als idealer Veranstaltungsort für die Konferenz an, weil sein erster Direktor Rudi Fuchs künstlerischer Leiter der 1982er documenta 7 war, heißt es.

  6. Carolyn Christov-BAKARGIEV ist die „künstlerische Leiterin“ der documenta 13, 2012. Kaum ist der neue (alte) Pressesprecher ernannt, annonciert die documenta für September 2009 mit „d documenta“ eine zweitägige Konferenz in Turin an.

    Die Konferenz will auf dem Weg zur documenta 13 die „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der documenta zu einem Dialog zusammen“ bringen. Gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (ebenda Infos zur Konferenz) wird von den Veranstaltern behauptet, die documenta setze sich „dadurch von anderen regelmäßigen internationalen Kunst-Ausstellungen, die sich aus den Weltausstellungsmodellen des 19. Jahrhunderts herleiten, durch ihre theoretische Basis und das Bewusstsein für die gesellschaftliche Notwendigkeit von Kunst ab“. Das gelte angeblich „heute noch genauso wie vor 50 Jahren“. Die documenta 13 werde – so formuliert Christov-BAKARGIEV – „aus einer archäologischen Perspektive, einer ökologischen Beziehung zur Vergangenheit heraus“ entwickelt; als „Kulturprojekt (…) aus einem Blick zurück“. Was bei den verschiedenen documenta-Ausgaben jeweils „als dringendes Anliegen" galt, soll diskutiert werden. Die Diskussion sollte sich nicht mit der mutmaßlich unkritischen Selbstdarstellung der noch lebenden „Kuratoren“ (der sog. „künstlerischen LeiterInnen) zufrieden geben: Manfred Schneckenburger (d6, 1977 und d8, 1987), Rudi Fuchs, d7 (1982), Jan Hoet, d IX (1992), Catherine David, d X (1997), Okwui Enwezor, d11 (2002) sowie Roger M. Buergel, d12 (2007). Zur berechtigten massiven (damaligen öffentlichen) Kritik an den jeweiligen documentas (samt Kuratoren) wird wohl in Turin nicht Stellung bezogen.

    GUT ist indessen: Eingeladen wurde auch Walter GRASSKAMP, ein documenta-kritischer Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste, München („zur documenta 1955, II. documenta 1959, documenta III 1964, 4. documenta 1968“). GRASSKAMP sagte – bezogen auf documentas -, es „kennt jeder, der sich ein paar Jahre im Kunstbetrieb umtut, die fließenden Übergänge zwischen Kollegialität und Kollaboration, zwischen Gefälligkeit und Geschäftstüchtigkeit, zwischen Gentlemen- und Gaunermethoden, an denen die Teilnehmer diese Betriebs nolens volens teilhaben, gleichgültig ob es sich um Händler, Kritiker, Sammler, Ausstellungsmacher oder Künstler handelt“.

    Der zur Konferenz eingeladene Historiker registrierte, „gerade im Hinblick auf Galeristenverfilzung … die durch Dementis nicht vom Tisch zu wischen war“, dass „man die documenta als ein Modellfall für die Frage betrachten kann, wie Kunstgeschichte gemacht wird“. Es kann als erwiesen gelten: „Galeristen mischen nun mal massiv dabei mit, wenn Kunstgeschichte gemacht wird, das ist ein alter Hut“. Zur politischen Ausbeutung und weltanschauliche Entmündigung der KUNST in der BRD (auf documentas), die als Folge einer „Kulturpolitik des schlechten Gewissens“ interpretiert werden kann und zum DEMOKRATISIERUNGs-Druck, wie er durch den „Fall documenta“ erklärt worden ist (Ermöglichen einer „Kulturpolitik des guten Gewissens“), siehe mehr in Essays unter http://www.art-and-scienc....

  7. Mut statt Wut: Aufbruch zur KUNST-Demokratisierung - Protest-Bewegung "Occupy" & Initiative OCCUPY-documenta-Institution, so aktuell in der GZ: http://www.giessener-zeit... - FORDERUNG nach MEHR DEMOKRATIE ...

    Mal „occupy documenta" googeln. Zu EVOLUTIONÄRE DEMOKRATIE:

    AFFEN-„Demokratie“ und MENSCHliche (r)evolutionäre Demokratie-Debatte: EVOLUTIONÄRE DEMOKRATIE / „Evolutionary Democracy“ – GZ: http://www.giessener-zeit...

    „Künstler-Mut statt Wut. Aufbruch zu einer KUNST-Demokratisierung“

    Systemzwänge des KUNSTMARKT-Sektors & Kunstbetriebs-MACHT-Glomerate (Sammler-Händler-Museen-Konnektion) halten NOCH das KUNST-Politische erpresserisch unter Kontrolle. Darunter leiden Demokratie und KULTURelle EVOLUTION.

    Das Thema „KUNSTMARKT – D E M O K R A T I S I E R U N G“ sollte die politischen Debatte beachten: Das Duell „KUNST-Markt versus KULTUR-Staat“ (Korrektur des Kunstmarktes) ist zu diskutieren:

    Thema-Vorschlag „Künstler-Mut statt Wut. Aufbruch zu einer KUNST-Demokratisierung“ - an Claus LEGGEWIE: Vorschlag.

    Guy-Fawkes-Masken, Symbol der "Occupy"-Bewegung, tauchen in den Bildern der Medien auf: Auch in meiner Initiative - sechsteilig - Aufmacher-Malerei mit Guy-Fawkes-Masken-Mutanten.

  8. die nächste documenta wird trotzdem gut - so schlecht können die Topkuratoren und Kuratorinnen gar nicht sein, um diese Kunstfestspiele kaputtzu kriegen - das ist schon längst ein Selbstläufer, egal wie vermurkst-verkopft die Poststrukturalistisch-feministisch-öko-pazifistischen Intellektellen dieses Grossereignis planen. Es lebe die Kunst! Es lebe das Happening!
    PS: vor jeder documenta beginnt ein versteck- und Verwirrspiel, das auch CCB beherrscht - und das muss so sein,damit wir uns tüchig aufregen und die SACHE SPANNEND BLEIBT: Ich bin jedenfalls am 9. Juni dabei!

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