Gedenken an Michael Jackson Sphinx des Pop

Unser Autor ist Lyriker in der Villa Massimo in Rom. Über die universelle Trauer um Michael Jackson hat er ein Gedicht verfasst

Lichter für Michael Jackson

Die Frau in der Via Condotti trug Schwarz.
Sie ging in Trauer, die Sonnenbrille gesenkt.
Ein Fan war sie: man erkannte es an der Nase,
Die stark geliftet war und himmelwärts zeigte.
Ihr Idol war gestorben, die Sphinx des Pop.

Traurig genug: daß auch an diesem Junitag
Keiner jünger wurde, keiner zaubern konnte.
Daß hier niemand den moonwalk beherrschte,
Alles vorwärts glitt auf dem Laufband Leben,
In Roma aeterna wie in jeder anderen Stadt.

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Er aber hatte nun das Handtuch geworfen,
Der Herzens-Ariel, Peter Pan in Röhrenhosen,
Die Astro-Diva aus dem Menschenmischland.
Fred Astaires schwarzer Neffe, der kreideweiß
Aus allen Schatten trat, als Super-Identität –
Auch ohne angemalte Träne der Clown.

Millionen verheulter Gesichter weltweit…
Vor dem Fernsehschirm der globale Populus,
In den Schlaf sinkend oder dabei zu erwachen,
Sah sich selbst in Videoclip-Rückblendebildern.
Ein Wesen groovt da, ruft im falschen Falsett
Nach der Kindheit: der traurigste Star der Welt.

Die Presse beschäftigt sein mysteriöses Ende.
Sueton wäre entzückt gewesen, Tacitus düster.
Fatale Zeitgenossenschaft: mit diesem einen
Gehn Jahrzehnte der eigenen Pantomime dahin.
Arme Frau in der Via Condotti. Sie tut mir leid.
Denn das ist der wahre Thriller, das und nur das.

Durs Grünbein, geboren 1962 in Dresden, ist Lyriker und Essayist. 1995 erhielt er den Büchner-Preis. Er schickte uns dieses Gedicht aus Rom, wo er derzeit als Stipendiat der Villa Massimo lebt. Zuletzt erschienen seine »Liebesgedichte« als Insel-Taschenbuch.

 
Leser-Kommentare
    • shai
    • 04.07.2009 um 17:59 Uhr

    Er aber hatte nun das Handtuch geworfen,
    Der Herzens-Ariel, Peter Pan in Röhrenhosen,
    Die Astro-Diva aus dem Menschenmischland.

    was für'n müll!

  1. (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) angereichert und garniert mit allerlei fix und reichlich wahllos herbeigezerrtem, klassissche Bildung suggerierendem Gedöns (Sphinx - wegen des bröckeligen Zinkens? -, Ariel, Roma aeterna, Sueton, Tacitus und - am preziösesten - "der globale Populus": weil vom Mob zu sprechen, wenn man den Pöbel meint, sich in Grünbeins abgehobenen Kreisen vermutlich nicht geziemt). Da stimmt inhaltlich wie sprachlich wenig: Der "Herzens-Ariel" bzw. "Peter Pan" resp. "schwarze Neffe" Fred Astaires tritt - Obacht! - "kreideweiß aus allen Schatten", als "Super-Identität" (hä?) oder nein, nun doch nicht, sondern als "Clown", aber "ohne angemalte Träne", denn wie jeder gestandene Phrasen- und Platitüdendrescher weiß, sind Clowns ja immer irnkswie auch Ritter von der traurigen Gestalt (hätte man den nicht noch irgendwo dazwischenfrickeln können?). Tacitus wäre - wie? - "düster" gewesen? Und daß das Handtuch nicht der Kämpfer, sondern dessen Trainer wirft, sollte inzwischen hinreichend bekannt sein. Aber auch das letzte Kriterium, das die elende Existenz dieses albernen, ja lächerlichen, weil totalverschmockten Machwerks rechtfertigen könnte, wird leider nicht erfüllt: Das Ding klingt ... nun, seien wir gnädig und sagen wir: bescheiden.

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    Auch Sie klingen mehr als bescheiden, müssen sich ohne eigenes Verdienst noch nicht einmal beruflich mit Ihren Selbstverwirklichungs-Einlassungen verdingen. Luxusexistenz auf hohem Ross.

    Auch Sie klingen mehr als bescheiden, müssen sich ohne eigenes Verdienst noch nicht einmal beruflich mit Ihren Selbstverwirklichungs-Einlassungen verdingen. Luxusexistenz auf hohem Ross.

  2. Auch Sie klingen mehr als bescheiden, müssen sich ohne eigenes Verdienst noch nicht einmal beruflich mit Ihren Selbstverwirklichungs-Einlassungen verdingen. Luxusexistenz auf hohem Ross.

    Antwort auf "Schmöckerei"
  3. Interessant, was Sie über meinen Verdienst bzw. meine Verdienste so alles zu wissen glauben. Von meiner "Luxusexistenz" inkl. "Selbstverwirklichung" ganz zu schweigen. Da fragt man sich doch, wessen Roß das höhere ist.

  4. das hier keiner den wunderbaren witz bemerkt, der dahinter stecken MUSS! was passiert, wenn ein halbwegs bekannter künstler, in den letzten jahren doch sehr unwichtig geworden, die beste zeit ist längst vorbei, die zwei drei lieder, die man sich hat merken können, der rest vergessen, machen auch keinen unterschied, stirbt: sein tod, sein leben, das alles, auch sein hirn, sein sarg, seine ärzte, all das wird auf sonnengröße aufgeblasen, der könig zum gott, die menschen feiern sich in ihrer trauer, die medien verbeißen sich. alles sehr banal. dauerbestrahlung, die ihre wirkung nicht verfehlt. das gedicht überzeichnet diese wochen, entspricht der reaktion aller unbeteiligten. was wird von jackson übrig bleiben? keine zwei tausend jahre erinnerung. in zwanzig jahren ein foto mit einem äffchen, die zwei drei lieder, die man sich hat merken können.

    ich hab es auch nicht auf anhieb verstanden und fand das gedicht schrecklich grausam schlecht. jetzt nicht mehr. chapeau, zeit! chapeau, durs grünbein! sehr unterhaltsam das ganze.

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