Liebeskolumne Die "Übergangsfrau"
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Ist sie für ihn nur ein Trostpflaster?
Die Frage:Nathalie hat Bernd kennengelernt kurz, nachdem er sich von seiner langjährigen Freundin getrennt hatte. Sie hat sich sehr in Bernd verliebt. Aber es gibt da etwas, das sie zweifeln lässt. Bernd redet oft von seiner vergangenen Beziehung. Er macht auf Nathalie den Eindruck, er habe noch nicht wirklich mit seiner Exfreundin abgeschlossen. Nathalie denkt manchmal, es wäre besser gewesen, sie hätte Bernd erst später kennengelernt, ohne diesen Nachhall seiner früheren Partnerschaft. Sie hat das Gefühl, dass Bernd noch sehr an seiner ersten Lebenspartnerin hängt und seine neue Beziehung eher als Trostpflaster benutzt. Sie fürchtet, dass sie für Bernd nur eine Übergangsfrau ist, bei der er bleibt, bis es ihm wieder besser geht. Er streitet das ab. Trotzdem wird sie das Gefühl nicht los, ein Kompromiss zu sein.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Früher hatte es die Romantik leichter, weil die Lebenserwartung geringer war. Viele Frauen starben im Kindbett, und Männer fielen im Krieg. So erfüllte sich auf fatale Weise öfter die Sehnsucht, einziger Gegenstand von Liebe und Bindung zu sein. Moderne Liebende hingegen fragen sich, ob sie Zwischenstation, Lebensabschnittspartner, Trostpflaster sind. Zur Liebeskultur der Gegenwart gehört auch der liebevolle Umgang mit früheren Beziehungen und ihren Spuren im Leben des Partners. William Shakespeare vergleicht die gegenwärtige Liebe mit einem Grab, in dem man alle früheren Lieben begräbt. Dies in Würde zu tun erfordert Selbstvertrauen und Geduld. Niemand, dem an einem anderen etwas liegt, sollte sich schämen, Trostpflaster für dessen Kränkungen und Verluste zu sein.
Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de.
- Datum 28.08.2009 - 15:31 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle DIE ZEIT, 02.07.2009 Nr. 28
- Kommentare 4
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Kann es sein, dass die Antwort des Herrn Schmidbauer ein bisschen stark am angesprochenen Sachverhalt vorbeigeht?
ein
Jede Frau mit einem Funken Egoismus und Selbstwertgefühl würde ich das verbitten.
Jaja, die Menschen sind schlecht, sie denken an sich, nur ich denk am mich!
Und sonst denk ich nur an meine Befürchtungen, die sind auch die einzigen, die immer an mich denken! Ich liebe sie! Und wenn mein Partner mich lieben würde, würde er sehen, wie wichtig sie mir sind, und sie auch lieben!
Aber er liebt sie nicht! Er versteht mich nicht. Er denkt an seine Beziehung! Die zieht ihn! Und was tu ich? Ich tät ihn so gern mit meiner Liebe ein bisschen erdrücken.....
Mit vorsichtigen Grüßen
Franz Josef Neffe
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