Martenstein"No talk, no deal"

Unser Kolumnist versteht endlich die amerikanischen Regeln der Partnerwahl von 

Dies sind die amerikanischen Regeln der Partnerwahl, beschrieben in dem Standardwerk The Rules von Ellen Fein und Sherrie Schneider, auf welches mich die Zeitschrift Cosmopolitan aufmerksam gemacht hat.

Das erste Date findet stets zwischen Montag und Donnerstag statt, niemals am Wochenende. Ort des ersten Dates ist eine Bar, kein Restaurant. Das Treffen endet vor Mitternacht. Beim ersten Date informieren sich Mann und Frau über ihre Berufe, den Bildungsgrad, das ungefähre Einkommen, die bevorzugten Freizeitbeschäftigungen und ihre Einstellung zu Kindern. Kontroverse Themen oder tief gründelnde Erörterungen sind zu vermeiden. Die Getränke bezahlt der Mann. Bei der Verabschiedung, vollzogen durch ein Küsschen auf die Wange, beugen sich beide Personen mit dem Oberkörper leicht vor, die Schuhe stehen dabei möglichst weit voneinander entfernt.

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Die Initiative zum ersten Date darf auch von der Frau ausgehen. Das zweite Date wird vom Mann vorgeschlagen. Falls die Frau kein zweites Date wünscht, geht sie einfach nicht ans Telefon. Ort ist diesmal ein Restaurant. Die Rechnung zahlt der Mann, sie sollte, einschließlich Trinkgeld, mindestens 100 Dollar betragen. Amerikanerinnen, die Europäer daten, bieten meist an, die Hälfte der Rechnung zu übernehmen. Man weiß, dass dergleichen in Europa üblich ist, in den USA heißt diese Praxis going Dutch . Ein Europäer, der sagt: »I am not going Dutch«, verbessert seine Chancen. Nach dem zweiten Date ist der Austausch von Zärtlichkeiten erlaubt. Bei einer sehr hohen Rechnung darf der Mann Geschlechtsverkehr vorschlagen, die Frau darf ohne Gesichtsverlust akzeptieren, selbstverständlich auch ablehnen. Nach dem dritten Date, und allen weiteren, die folgen, kommt es üblicherweise zu Geschlechtsverkehr.

Es ist zulässig, über einen längeren Zeitraum mehrere Personen gleichzeitig zu daten, allerdings nicht zu viele. Als empfehlenswert gelten drei Datingpartner. Wer auf einem befristeten sexuellen Monopol besteht, spielt »nach europäischen Regeln«. Die Frage »Spielst du nach europäischen oder nach amerikanischen Regeln?« ist frühestens beim zweiten Date erlaubt. Zur Beendigung eines Datingverhältnisses genügt es, dreimal in Folge bei einem Anruf des Partners nicht ans Telefon zu gehen. Erklärungen sind nicht erforderlich. Aus einem Datingverhältnis nach amerikanischen Regeln wird eine sogenannte Beziehung durch the talk. In the talk erklären beide Seiten ausdrücklich und verbindlich, dass sie ein exklusives sexuelles Verhältnis wünschen und von nun an Treue erwarten, umgekehrt aber auch Treue zu liefern bereit sind. Grundregel: No talk, no deal. Hält die Beziehung ein Jahr, wird vom Mann zum Tag des Jubiläums von the talk ein Verlobungsring erwartet. Der Preis des Ringes beträgt, möglichst genau, drei Nettomonatsgehälter des Mannes, in Texas sind vier Monatsgehälter üblich. Wird der Ring nicht geliefert oder erfüllt der Ring und damit das Gehalt des Mannes nicht die Erwartungen der Frau, darf sie die Beziehung sofort und ohne Erklärungen beenden, indem sie nicht mehr ans Telefon geht.

Ehemalige Datingpartner bilden, bei Männern und Frauen, den Pool für sogenannte booty calls . Ein booty call ist ein Anruf, der spätnachts erfolgt, mindestens um Mitternacht, besser um ein Uhr. Er signalisiert ein dringendes Bedürfnis nach sofortigem Geschlechtsverkehr. Bei einem booty call sind die Regeln vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Das alles kann ich mir bei den Obamas überhaupt nicht vorstellen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. Die Pointe.. senationell, schön zum Frühstück bereits ein bisschen lachen zu können!

    • RGG
    • 03. August 2011 15:00 Uhr

    :) Mehr kann ich dazu nicht sagen... Sehr lustig!

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