Wirtschaftsordnung Sind wir jetzt alle Sozialisten?

Wie soll der Kapitalismus nach seiner schweren Krise aussehen? So diskutieren Amerika, Großbritannien und Frankreich

Spielen mit einem Luxussymbol: Kinder in einem alten Chevrolet, aufgenommen in Pristina

Der Weltzustand ändert sich. Wir erleben »eine Häutung«, wie der Historiker Max Gallo schrieb. Gallo ist Frankreichs bedeutendster Intellektueller, war einmal Kommunist, wurde dann Sozialist, später Linksgaullist und ist jetzt – wie soll man sagen? – Reformsarkozyst. Oder so ähnlich. Jedenfalls weiß er, was eine »Häutung« ist: Heraus kommt eine neue Version von etwas. Eine neue Version des Kapitalismus?

Seit die Krise die Welt erschüttert, eilt die Praxis der Theorie voraus, aber allenthalben wird angestrengt nachgedacht. Namentlich im Westen, wo das Gefühl stärker verbreitet ist als anderswo, dass das Ende einer Ära erreicht sei. In Großbritannien etwa, wo die City of London geradezu eingestürzt ist. Mit ihr zerfiel die Hoffnung der vergangenen drei Jahrzehnte, man könne als weltweiter Finanzdienstleister im Wohlstand leben, postindustriell, als Couponschneider des Globus. Tiefe Verunsicherung auch in den USA, die im großen Stil Waren auf Kredit einführten, selbst wenig ausführten, indessen viel auf einen anderen Exportschlager hielten: die freie Marktwirtschaft.

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»Wir sind jetzt alle Sozialisten«, schrieb das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek kürzlich auf seiner Titelseite, und was vor Monaten noch ironisch geklungen hätte, ist nun eine nachdenkliche Beschreibung neuer Realitäten. Die Regierung greift tief in die Finanzwirtschaft und die Autoindustrie ein, und zwar keineswegs bloß in rettender Absicht. Barack Obama unternahm Dinge, von denen man glaubte, Ronald Reagan habe sie seinen Landsleuten für alle Zeiten ausgetrieben. Er beschränkte die Managergehälter in Unternehmen, die mit Staatshilfe flottgemacht werden. Und er setzte die Steuern der Reichen herauf und die der Armen herunter.

Voilà! Haben wir es nicht immer gesagt? So geht die Rede in Pariser Salons. Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde wird nicht müde zu wiederholen, dass das »französische Wirtschaftsmodell« beinahe »wasserdicht« sei. Das zeige sich auch daran, dass die Wirtschaft nur halb so schnell schrumpfe wie im benachbarten Deutschland. Modell Frankreich? Immerhin kann dort der Staat Krisensymptome lindern, indem er seine Unternehmen investieren lässt und soziale Härten abfedert. Die straff kontrollierten Banken sind nicht so weit ins Risiko geprescht wie die meisten anderen, vielleicht auch deswegen, weil die französischen Privatkunden überwiegend Sparer statt Schuldenmacher sind.

Doch so naiv ist in Frankreich kaum jemand, dass sich in das Selbstbewusstsein nicht auch Selbstzweifel mischten. Und sogar Präsident Sarkozy, der sich selten den Hinweis auf das schlechtere Abschneiden anderer westlicher Länder versagt, warnt vor Selbstzufriedenheit. Von seinen Ökonomen weiß er, dass Frankreich zwar nicht so hart von der Krise getroffen wurde, aber dafür länger brauchen dürfte als andere, um wieder herauszukommen. Hohe Sozialabgaben, verriegelte und verregulierte Märkte sowie ein teurer, allgegenwärtiger und zugleich ineffizienter Staat beeinträchtigen die Konkurrenzfähigkeit der französischen Wirtschaft. Topmanager der großen Arbeitgeber wiederum geben Beunruhigendes zu: Sie bezweifeln, dass es ihnen gelingt, sich in der Krise für die Zukunft zu reorganisieren – »denn unsere Beziehungen zu den Belegschaften sind zutiefst gestört«, wie einer von ihnen im vertraulichen Gespräch bekennt.

Das kann man wohl sagen. Und besser wird es auch nicht, wenn, wie unlängst geschehen, Mitarbeitern mitgeteilt wird, man müsse das Werk leider schließen, habe aber super Arbeitsplätze in Indien anzubieten. Salär: 70 Euro im Monat. Einer Umfrage zufolge hat fast die Hälfte der Franzosen Verständnis dafür, dass aufgebrachte Arbeiter ihre Chefs über Nacht in deren Büroräume einsperren, was in den vergangenen Monaten mehrmals vorkam. Die »Unternehmerschufte«, dieses Wort macht die Runde, sollen für die Krise zahlen: Weiter reicht derzeit die Weisheit der Arbeiterbewegung nicht. Kürzlich ging es auf einer Streikversammlung der Pariser Straßenkehrer hoch her, weil es wegen der Wirtschaftsflaute keine Lohnerhöhungen geben soll: »Als wenn wir an der Krise schuld wären!«, hieß es.

Mitten in der Krise sind die Verteilungsverhältnisse das große Thema im Land der Égalité. Sarkozy droht schon mit Gesetzen, falls sich die Sozialpartner nicht auf neue Regeln der Gewinnbeteiligung einigen. Doch deren Bereitschaft ist gering. Das musste kürzlich Philippe Houillon erfahren, ein Abgeordneter der Regierungsmehrheit. Er hatte Vertreter der Gewerkschaften zum Gespräch geladen. Höflich ging es zu, sachlich, recht anders als im Fernsehen oder auf der Straße. Was sie denn von Gewinnbeteiligung hielten? Nicht viel, war die Antwort. Sie hätten lieber Lohnerhöhungen. Kann man verstehen. Löhne schwanken schließlich nicht annähernd so stark mit der Konjunktur, wie das die Gewinne tun. Freilich bedeutet ein verringertes Lohnrisiko ein höheres Arbeitsplatzrisiko – das jedoch federt der französische Staat bisher sanft ab. Folglich endet, was als Gerechtigkeitsdebatte hätte beginnen können, als Lohnkampagne.

Leser-Kommentare
  1. ... ist der Artikel eine Lachnummer.

    [Anm.: Im Sinne einer konstruktiven Diskussionskultur möchten wir Sie bitten, Ihre Kritik mit etwas mehr Substanz zu versehen. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

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    ... möchte ich die Redaktion bitten, die Überschriften ihrer Artikel so zu wählen, dass ein Bezug zum Artikel herstellbar ist.

    Im Artikel finden sich schlaglichtartige Überblicksdarstellungen der Reaktionen Frankreichs, GBs und der Vereinigten Staaten auf die Wirtschaftskrise. Zwar werden aus den Reihen der französischen Opposition Positionen zitiert, die - mit gutem Willen - "sozialistisch" genannt werden könnten. Das aber ändert an der Tatsache nichts, dass es Oppositionsmeinungen sind.

    Was in GB passiert und was unter der Ägide Obamas gegenwärtig in Gang kommt, hat allerdings mit Sozialismus nichts zu tun. Auch die Enteignungs- und Bankenrettungspolitik der Bundesrepublik - und diesen Bezug stellt ja die Überschrift für den deutschen Leser her, weil sie nicht in Anführungszeichen daherkommt - hat mit Sozialismus nichts zu tun.

    Mein erster Kommentar fiel deswegen so knapp aus, weil die Mehrzahl der gegenwärtig in der ZEIT erscheinenden Wirtschaftsreportagen regelmäßig eine Politik sozialistisch nennt, die diesen Titel nicht verdient. Es hat mit Sozialismus nichts zu tun, wenn von Staats wegen Banken gerettet werden und die Volkswirtschaft auf Pump am Laufen gehalten wird.
    Er dieses Vokabular in solchen Kontexten übernimmt, der greift das auf, was Guido Westerwelle und Konsorten in Reaktion auf die "Enteignung" HRE aufgefahren haben und diskreditiert damit - und hier muss allmählich Absicht unterstellen - das Positive, was mit der Idee (nicht mit ihrer historischen Versuchsverwirklichung) des Sozialismus gemeint ist.

    Wenn das keine Absicht ist, dann ist der vorliegende Artikel, wie viele vor ihm, eine Lachnummer. Wenn es Absicht ist, dann ist er ein Artmuszeugnis für das journalistische Niveau, das die ZEIT ansonsten zu bieten hat.

    ... möchte ich die Redaktion bitten, die Überschriften ihrer Artikel so zu wählen, dass ein Bezug zum Artikel herstellbar ist.

    Im Artikel finden sich schlaglichtartige Überblicksdarstellungen der Reaktionen Frankreichs, GBs und der Vereinigten Staaten auf die Wirtschaftskrise. Zwar werden aus den Reihen der französischen Opposition Positionen zitiert, die - mit gutem Willen - "sozialistisch" genannt werden könnten. Das aber ändert an der Tatsache nichts, dass es Oppositionsmeinungen sind.

    Was in GB passiert und was unter der Ägide Obamas gegenwärtig in Gang kommt, hat allerdings mit Sozialismus nichts zu tun. Auch die Enteignungs- und Bankenrettungspolitik der Bundesrepublik - und diesen Bezug stellt ja die Überschrift für den deutschen Leser her, weil sie nicht in Anführungszeichen daherkommt - hat mit Sozialismus nichts zu tun.

    Mein erster Kommentar fiel deswegen so knapp aus, weil die Mehrzahl der gegenwärtig in der ZEIT erscheinenden Wirtschaftsreportagen regelmäßig eine Politik sozialistisch nennt, die diesen Titel nicht verdient. Es hat mit Sozialismus nichts zu tun, wenn von Staats wegen Banken gerettet werden und die Volkswirtschaft auf Pump am Laufen gehalten wird.
    Er dieses Vokabular in solchen Kontexten übernimmt, der greift das auf, was Guido Westerwelle und Konsorten in Reaktion auf die "Enteignung" HRE aufgefahren haben und diskreditiert damit - und hier muss allmählich Absicht unterstellen - das Positive, was mit der Idee (nicht mit ihrer historischen Versuchsverwirklichung) des Sozialismus gemeint ist.

    Wenn das keine Absicht ist, dann ist der vorliegende Artikel, wie viele vor ihm, eine Lachnummer. Wenn es Absicht ist, dann ist er ein Artmuszeugnis für das journalistische Niveau, das die ZEIT ansonsten zu bieten hat.

  2. Es wird nichts diskutiert...

    die Krise wird ausgestanden und es wird so weitergehen wie bisher.

    Die Diskussionen dienen nur dazu, das Volk zu beruhigen.

    Es wird immer so sein, dass die Kapitalisten die arbeitende Bevölkerung maximal ausnimmt.

    Da fast jeder Politiker nach oder während seiner Politikerlaufbahn in die freie Wirtschaft wechselt, hat dieser bestimmt kein Interesse an einem Wandel.

    Als Hochverdiener ist das System doch wunderbar!

    Die Konjunkturpakete führen die alte Tradition doch bereits fort:

    der Steuerzahler (also die arbeitende Bevölkerung) muss für die Zockereien der Aktionäre einstehen und die Firmen der Aktionäre retten.

    Das ist die reinste Form der Ausnutzung der Volkes.

    Und das noch mit dem super Argument: die Unternehmen müssen ja gerettet werden, weil die Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze behalten möchten.

    Für sie ist es eine Loose-Loose Situation, für die Kapitalisten eine Win-Win Situation.

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    • mexi42
    • 05.07.2009 um 21:31 Uhr

    was zu sagen ist, kompakt formuliert.

    • mexi42
    • 05.07.2009 um 21:31 Uhr

    was zu sagen ist, kompakt formuliert.

  3. ... möchte ich die Redaktion bitten, die Überschriften ihrer Artikel so zu wählen, dass ein Bezug zum Artikel herstellbar ist.

    Im Artikel finden sich schlaglichtartige Überblicksdarstellungen der Reaktionen Frankreichs, GBs und der Vereinigten Staaten auf die Wirtschaftskrise. Zwar werden aus den Reihen der französischen Opposition Positionen zitiert, die - mit gutem Willen - "sozialistisch" genannt werden könnten. Das aber ändert an der Tatsache nichts, dass es Oppositionsmeinungen sind.

    Was in GB passiert und was unter der Ägide Obamas gegenwärtig in Gang kommt, hat allerdings mit Sozialismus nichts zu tun. Auch die Enteignungs- und Bankenrettungspolitik der Bundesrepublik - und diesen Bezug stellt ja die Überschrift für den deutschen Leser her, weil sie nicht in Anführungszeichen daherkommt - hat mit Sozialismus nichts zu tun.

    Mein erster Kommentar fiel deswegen so knapp aus, weil die Mehrzahl der gegenwärtig in der ZEIT erscheinenden Wirtschaftsreportagen regelmäßig eine Politik sozialistisch nennt, die diesen Titel nicht verdient. Es hat mit Sozialismus nichts zu tun, wenn von Staats wegen Banken gerettet werden und die Volkswirtschaft auf Pump am Laufen gehalten wird.
    Er dieses Vokabular in solchen Kontexten übernimmt, der greift das auf, was Guido Westerwelle und Konsorten in Reaktion auf die "Enteignung" HRE aufgefahren haben und diskreditiert damit - und hier muss allmählich Absicht unterstellen - das Positive, was mit der Idee (nicht mit ihrer historischen Versuchsverwirklichung) des Sozialismus gemeint ist.

    Wenn das keine Absicht ist, dann ist der vorliegende Artikel, wie viele vor ihm, eine Lachnummer. Wenn es Absicht ist, dann ist er ein Artmuszeugnis für das journalistische Niveau, das die ZEIT ansonsten zu bieten hat.

    • lef
    • 05.07.2009 um 15:29 Uhr

    Im Artikel ist höchstens zwischen den Zeilen heraus zu lesen, dass ein anderes Verständnis des Wortes, als das Anfang des 20.Jhdts. entstandene Begriffmuster von der "Boshaftigkeit" des "Kapitalismus" vorherrscht.

    Es sollte inzwischen aber bekannt sein, dass die marxistisch-leninistische Wortdefinition längst völlig falsch ist.

    Der uralte (im Grunde frei erfundene!) Konflikt zwischen "Lohnarbeit und Kapital" gehört ebenso ins Museum, wie die Gleichsetzung von Globalisierung mit dem Begriff "Imperialismus" (es gibt Beides, aber es ist eben nicht das Gleiche).

    "Kapitalismus" hat nun mal andere Ursachen, als das, was der spätere (wohlgemerkt) K. Marx definierte (zusammen dann mit finanzieller Hilfe des F.Engels).

    Eine kürzest mögliche Kurzfassung, was "Kapitaluismus" anders macht:

    Der "Kapitalismus ist eine völlig neue Wirtschaftsform des 19.Jhdts gewesen,
    aber die Ursachen für die Entstehung liegen in der zwangsläufig notwendigen kulturellen Entgrenzung (viele überschüssige Bauernkinder mussten in die "Stadt" bzw. in die "Fabrik" und hier galten Traditionen und Werte nicht mehr.

    "Lohnarbeit" und "Kapital" (und "Ausbeutung" ff) gab es schon immer in der Geschichte (schon in der Bibel erwähnt),
    neu war im 19.Jhdt. nur die kulturelle Entgrenzung.
    Aber die war von großer Bedeutung! Immer mehr Individualität konnte über die Grenzen der Traditionen entstehen, daraus folgte Kommunikationsfähigkeit, Innovation, Dynamik und später dann die heutige lebenswerte "westliche" Gesellschaft. (Empathie und Altruismus (Bedingung für jeden Sozialstaat) entstanden nebenher auch)

    Unter diesem Aspekt wird deutlicher, warum diese und frühere "Krisen" geschehen sind.
    Es waren nicht nur vereinzelte Individualisten (das ist synonym mit Egoismus, aber Vorstufe zur Individualität), sondern viele, die das existierende Wirtschaftssystem in die Panik von 1929 oder die jetzige Überdrehtheit getrieben haben.
    Zu jedem Geldverwender (AG, Banken ff) gehörten schon immer Individualisten, die ihr Geld oder nur ihren Ruf einsetzten und ganz egoistisch vermehren wollten.

    Man kann nicht Individualität verbieten (das ist ja nun mal die Dynamik des Systems), aber man kann Individualismus als Vorstufe (egoistische Variante) verstehen und begreifen.
    Das ist Nicht anscheinend in Deutschland möglich.

    Das wird aber n den USA durchaus gesehen:
    Zum Einen waren die USA IMMER die Gesellschaft mit der höchsten Individualitätschance und konsequent auch mit der hächsten Produktivität.

    Was im Artikel steht, ist einfach falsch! Tatsächlich importieren die USA immer mehr Gebrauchsartikel, aber ganz andere "werte" werden von dort in die Welt exportiert, HEUTE wichtige Innovationen wie z.B. das Internet und alles Notwendige Know-How dafür.

    Leider nur zwischen den Zeilen ist im Artikel zu lesen, dass sich die USA wieder auf diese Werte besinnen,
    auf kommunikationsfähige Individualität und Dynamik, auf Selbstverantwortlichkeit und Empathie, auf Altruismus, der dem/der zukommen sollte, der/die es auch wirklich verdient.

    Weg vom "Sozialstaat" ja - nach deutschen Gießkannenprinzipien.

    Die Zukunft wird sehr bald zeigen, ob die USA mit ihrem moderneren Verständnis von der Wirtschaftssystemvorstellung des Wortes "Kapitalismus" erfolgreich sein werden.

    Für Deutschland sehe ich eher düster - hier wird Eigenverantwortlichkeit eher als das größte Übel gesehen und bekämpft - jedenfalls nicht verstanden.
    Mit Marx- und Leninkaspereien gewinnt man heutzutage "keinen Blumentopf" mehr. Mit Bejubeln von "kultureller Identität" bei Migranten auch nicht.

    Naja, und verschuldet ist Deutschland fast ebenso hoch, wie die USA.
    Aber wegen tendenziellem Mangel an Wissen eher endgültiger.

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    Zuerst stempeln Sie Marx, den sie - sachlich - gleichmal pauschal mit Lenin und damit allen Versuchen, die sich im 20. Jahrhundert auf die Theorien des ersteren berufen haben, als überholt und gestrig, um ihn dann zu zitieren, indem Sie selbst die Kulturgeschichte als eine Geschichte von "Klassenkämpfen" begreifen.

    Nichts anderes tun sie mit ihrem Verweis darauf, dass es in der Menschheitsgeschichte immer schon Lohnarbeit und Kapital gab. Leider scheinen Sie aber dabei nicht trennscharf zwischen Reichtum und Kapital zu unterscheiden.

    Marx tat das. Das Kapital ist die Wertbewegung, nicht selbst eine Menge Geldes o.ä., die den Prozess von Investition, Konsumtion und Reinvestition als einen bestimmt, der Mehrwert produziert. Normativ von Ausbeutung zu sprechen meint auch nicht einfach, Leute für Arbeit zu bezahlen, weil man es sich leisten kann, sondern vielmehr, dass die Arbeitskraft als Ware (der Arbeitsmarkt ist dem Kapitalismus eigen) die besondere Eigenschaft hat, in ihrem Verbrauch selbst Wert zu erzeugen.

    In diesen Punkten meine ich, Sie sollten Ihren Marx noch mal studieren, bevor Sie derart fix über ihn hinwegfegen. Im Übrigen wäre er der letzte gewesen, der behauptet hätte, dass es zwischen historischen Produktionsformen keine Übergangsformen und Gemeinsamkeiten gegeben hätte.

    Nun noch zum Thema Individualität. Dazu empfehle ich den Soziologen Bourdieu und abermals Marx selbst. Beiden gemein ist die Einsicht, das Individualität, als eine auf die Gesellschaft bezogene Daseinsform, von Vereinzelung zu unterscheiden sei. Was die USA beispielhaft verkörpern, ist das Phänomen der Vereinzelung des Einzelnen. Damit ist die abstrakte Chancengleichheit gemeint, die sie als Positivum hervorheben, die aber nur pro forma besteht. Dies ist für die USA leicht einzusehen, indem man beispielsweise die Armuts- und Reichtumsverteilung zwischen Schwarz und Weiß oder einschlägige Kriminalitätsstatistiken ansieht. Von der sozialen Undurchlässigkeit des Bildungswesens wissen die USA ebenfalls ein Lied zu singen. Zumindest in diesem Punkt steht zu guter Letzt auch die Bundesrepublik dem großen Bruder in nichts nach.

    Am Schluss noch einmal kurze Zustimmung. Auch ich bin der Überzeugung, dass die Begriffe "Sozialismus", "Kommunismus", "Proletariat" und "Bourgeoisie" für Veränderungen am Kapitalismus der Jetzt-Zeit nicht mehr geeignet sind. Das liegt aber weniger an diesem selbst, als vielmehr am 20. Jahrhundert, das mit den menschenverachtenden Systemen des Ostblocks diese Begriffe vereinnahmt und damit auf Dauer belastet hat. Das aber disqualifiziert nicht selbst die Analysen, wie ihr Beitrag meiner Ansicht nach kurzschlüssig nahelegt.

    Zuerst stempeln Sie Marx, den sie - sachlich - gleichmal pauschal mit Lenin und damit allen Versuchen, die sich im 20. Jahrhundert auf die Theorien des ersteren berufen haben, als überholt und gestrig, um ihn dann zu zitieren, indem Sie selbst die Kulturgeschichte als eine Geschichte von "Klassenkämpfen" begreifen.

    Nichts anderes tun sie mit ihrem Verweis darauf, dass es in der Menschheitsgeschichte immer schon Lohnarbeit und Kapital gab. Leider scheinen Sie aber dabei nicht trennscharf zwischen Reichtum und Kapital zu unterscheiden.

    Marx tat das. Das Kapital ist die Wertbewegung, nicht selbst eine Menge Geldes o.ä., die den Prozess von Investition, Konsumtion und Reinvestition als einen bestimmt, der Mehrwert produziert. Normativ von Ausbeutung zu sprechen meint auch nicht einfach, Leute für Arbeit zu bezahlen, weil man es sich leisten kann, sondern vielmehr, dass die Arbeitskraft als Ware (der Arbeitsmarkt ist dem Kapitalismus eigen) die besondere Eigenschaft hat, in ihrem Verbrauch selbst Wert zu erzeugen.

    In diesen Punkten meine ich, Sie sollten Ihren Marx noch mal studieren, bevor Sie derart fix über ihn hinwegfegen. Im Übrigen wäre er der letzte gewesen, der behauptet hätte, dass es zwischen historischen Produktionsformen keine Übergangsformen und Gemeinsamkeiten gegeben hätte.

    Nun noch zum Thema Individualität. Dazu empfehle ich den Soziologen Bourdieu und abermals Marx selbst. Beiden gemein ist die Einsicht, das Individualität, als eine auf die Gesellschaft bezogene Daseinsform, von Vereinzelung zu unterscheiden sei. Was die USA beispielhaft verkörpern, ist das Phänomen der Vereinzelung des Einzelnen. Damit ist die abstrakte Chancengleichheit gemeint, die sie als Positivum hervorheben, die aber nur pro forma besteht. Dies ist für die USA leicht einzusehen, indem man beispielsweise die Armuts- und Reichtumsverteilung zwischen Schwarz und Weiß oder einschlägige Kriminalitätsstatistiken ansieht. Von der sozialen Undurchlässigkeit des Bildungswesens wissen die USA ebenfalls ein Lied zu singen. Zumindest in diesem Punkt steht zu guter Letzt auch die Bundesrepublik dem großen Bruder in nichts nach.

    Am Schluss noch einmal kurze Zustimmung. Auch ich bin der Überzeugung, dass die Begriffe "Sozialismus", "Kommunismus", "Proletariat" und "Bourgeoisie" für Veränderungen am Kapitalismus der Jetzt-Zeit nicht mehr geeignet sind. Das liegt aber weniger an diesem selbst, als vielmehr am 20. Jahrhundert, das mit den menschenverachtenden Systemen des Ostblocks diese Begriffe vereinnahmt und damit auf Dauer belastet hat. Das aber disqualifiziert nicht selbst die Analysen, wie ihr Beitrag meiner Ansicht nach kurzschlüssig nahelegt.

  4. Geschäfte macht man am Besten mit dem Geld der Anderen, so beschrieb Hjalmar Schacht in seinem Buch "Die Magie des Geldes" einen Wesenszug des Kapitalismus.

    Als Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister bewirkte er das in aller Welt bestaunte "Deutsche Wirtschaftswunder" nach der globalen Finanzkatastrophe Anfang der 1930iger Jahre.

    Mittels einer Parallelwährung, den Mefo-Wechseln, stellte er den Firmen Kredit zu Verfügung, wohl wissend, daß deren produktive Wertschöpfung bares Geld wert ist:
    "Das Geheimnis der MEFO-Aktion bestand aber lediglich in der Befolgung des Grundgesetzes der Geldpolitik. Die Kreditgewährung erfolgte gegen Wechsel, die MEFO-Wechsel, d. h. daß jeder Geldhergabe eine Warentransaktion zugrunde lag. Das Geld wurde nicht für beliebige Ausgaben hergegeben, sondern nur, wenn dem Geldbetrag eine Warenmenge gegenüberstand, die durch Wechsel belegt und bewegt wurde."

    In einer vergleichbaren Aktion, könnten heute Bund, Länder und Gemeinden Infrastrukturmaßnahmen finanzieren und so gleichzeitig den vielen Arbeitslosen zu sinnvoller Beschäftigung verhelfen!

    Aber unsere Legislative und Exekutive besteht ja darauf, sich Geld ausschließlich mittels Verschuldung ihrer Bürger von den Banken, also letztendlich den privaten Besitzern großer Vermögen zu leihen.

    Damit kommt dieser Geldadel in den Genuß staatlich verliehener Regalien, die dieser Elite ermöglichen, von ihren leistungslosen Einkommen in Saus und Braus zu leben.

    Verspekulieren sich diese Superbürger jedoch im Finanzcasino, dann muß der Normalbürger ihm auch noch den Rettungsschirm aufspannen -- das ist Neofeudalismus in Reinkultur!

    Noch in den 1950iger Jahren bestätigte das Oberverwaltungsgericht Hamburg die Richtigkeit von Schachts Maßnahmen: "Das Reichsbankdirektorium handelte im Rahmen vernünftiger währungspolitischer Ziele, wenn es bei der Art der Vorfinanzierung darauf Bedacht nahm, daß die Vermehrung des Geldvolumens auch zu einer Produktionserhöhung führte. Das MEFO-Wechselsystem war durch seine Verknüpfung mit staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen dazu geeignet. Es bildete eine brauchbare Grundlage für die Überwindung der wirtschaftlichen Depression. Die Reichsbank folgte einer richtigen Einsicht, wenn sie das starre Festhalten am Deckungsprinzip, das der früheren Leitung der Reichsbank zum Vorwurf gemacht wird, nunmehr aufgab und durch die Finanzierung staatlicher Investitionen die Funktion einer modernen Wirtschaftsbank zu erfüllen suchte."

    Daß, wie die ZEIT feststellt, die Vertrauenskrise ein historisches Ausmaß erreicht hat, liegt zuallererst daran, daß die Elite aus Politik, Finanzverwaltung und Zentralbank nicht mehr das Allgemeinwohl des Volkes als Ziel hat, sondern das Privatinteresse des Geldadels verfolgt, um selbst in diesen Kreis aufzusteigen. (siehe Fischer, Schröder, uvm.)
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

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    hatten nicht das Ziel, Arbeitsbeschaffungmaßsnahmen zu finanzieren (denn die wären auch ohne dieses Konstrukt sehr wohl möglich gewesen), sondern waren eine geschickte Methode, um die Rüstungsausgaben des Deutschen Reiches zunächst vor der Alliierten Kontrollkommission und dann vor dem Ausland zu verbergen.

    Das ist nichts anderes als Geld aus dem Nichts. Die Entwertung der Reichsmark trat nur deshalb nicht ein, weil die Preise öffentlich festgesetzt wurden und während des Krieges (und schon beim 'Anschluß') sowie durch die 'Arisierung' und die Reichsfluchtsteuer stets genügend Liquidität vorhanden war, um diese Effekte nicht sichtbar werden zu lassen.

    Gleichwohl hat man das Problem der völligen Geldentwertung nicht gelöst, sondern nur vertagt: Nach dem Krieg war die Reichsmark nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie ausgegeben wurde.

    hatten nicht das Ziel, Arbeitsbeschaffungmaßsnahmen zu finanzieren (denn die wären auch ohne dieses Konstrukt sehr wohl möglich gewesen), sondern waren eine geschickte Methode, um die Rüstungsausgaben des Deutschen Reiches zunächst vor der Alliierten Kontrollkommission und dann vor dem Ausland zu verbergen.

    Das ist nichts anderes als Geld aus dem Nichts. Die Entwertung der Reichsmark trat nur deshalb nicht ein, weil die Preise öffentlich festgesetzt wurden und während des Krieges (und schon beim 'Anschluß') sowie durch die 'Arisierung' und die Reichsfluchtsteuer stets genügend Liquidität vorhanden war, um diese Effekte nicht sichtbar werden zu lassen.

    Gleichwohl hat man das Problem der völligen Geldentwertung nicht gelöst, sondern nur vertagt: Nach dem Krieg war die Reichsmark nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie ausgegeben wurde.

  5. Zuerst stempeln Sie Marx, den sie - sachlich - gleichmal pauschal mit Lenin und damit allen Versuchen, die sich im 20. Jahrhundert auf die Theorien des ersteren berufen haben, als überholt und gestrig, um ihn dann zu zitieren, indem Sie selbst die Kulturgeschichte als eine Geschichte von "Klassenkämpfen" begreifen.

    Nichts anderes tun sie mit ihrem Verweis darauf, dass es in der Menschheitsgeschichte immer schon Lohnarbeit und Kapital gab. Leider scheinen Sie aber dabei nicht trennscharf zwischen Reichtum und Kapital zu unterscheiden.

    Marx tat das. Das Kapital ist die Wertbewegung, nicht selbst eine Menge Geldes o.ä., die den Prozess von Investition, Konsumtion und Reinvestition als einen bestimmt, der Mehrwert produziert. Normativ von Ausbeutung zu sprechen meint auch nicht einfach, Leute für Arbeit zu bezahlen, weil man es sich leisten kann, sondern vielmehr, dass die Arbeitskraft als Ware (der Arbeitsmarkt ist dem Kapitalismus eigen) die besondere Eigenschaft hat, in ihrem Verbrauch selbst Wert zu erzeugen.

    In diesen Punkten meine ich, Sie sollten Ihren Marx noch mal studieren, bevor Sie derart fix über ihn hinwegfegen. Im Übrigen wäre er der letzte gewesen, der behauptet hätte, dass es zwischen historischen Produktionsformen keine Übergangsformen und Gemeinsamkeiten gegeben hätte.

    Nun noch zum Thema Individualität. Dazu empfehle ich den Soziologen Bourdieu und abermals Marx selbst. Beiden gemein ist die Einsicht, das Individualität, als eine auf die Gesellschaft bezogene Daseinsform, von Vereinzelung zu unterscheiden sei. Was die USA beispielhaft verkörpern, ist das Phänomen der Vereinzelung des Einzelnen. Damit ist die abstrakte Chancengleichheit gemeint, die sie als Positivum hervorheben, die aber nur pro forma besteht. Dies ist für die USA leicht einzusehen, indem man beispielsweise die Armuts- und Reichtumsverteilung zwischen Schwarz und Weiß oder einschlägige Kriminalitätsstatistiken ansieht. Von der sozialen Undurchlässigkeit des Bildungswesens wissen die USA ebenfalls ein Lied zu singen. Zumindest in diesem Punkt steht zu guter Letzt auch die Bundesrepublik dem großen Bruder in nichts nach.

    Am Schluss noch einmal kurze Zustimmung. Auch ich bin der Überzeugung, dass die Begriffe "Sozialismus", "Kommunismus", "Proletariat" und "Bourgeoisie" für Veränderungen am Kapitalismus der Jetzt-Zeit nicht mehr geeignet sind. Das liegt aber weniger an diesem selbst, als vielmehr am 20. Jahrhundert, das mit den menschenverachtenden Systemen des Ostblocks diese Begriffe vereinnahmt und damit auf Dauer belastet hat. Das aber disqualifiziert nicht selbst die Analysen, wie ihr Beitrag meiner Ansicht nach kurzschlüssig nahelegt.

  6. hatten nicht das Ziel, Arbeitsbeschaffungmaßsnahmen zu finanzieren (denn die wären auch ohne dieses Konstrukt sehr wohl möglich gewesen), sondern waren eine geschickte Methode, um die Rüstungsausgaben des Deutschen Reiches zunächst vor der Alliierten Kontrollkommission und dann vor dem Ausland zu verbergen.

    Das ist nichts anderes als Geld aus dem Nichts. Die Entwertung der Reichsmark trat nur deshalb nicht ein, weil die Preise öffentlich festgesetzt wurden und während des Krieges (und schon beim 'Anschluß') sowie durch die 'Arisierung' und die Reichsfluchtsteuer stets genügend Liquidität vorhanden war, um diese Effekte nicht sichtbar werden zu lassen.

    Gleichwohl hat man das Problem der völligen Geldentwertung nicht gelöst, sondern nur vertagt: Nach dem Krieg war die Reichsmark nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie ausgegeben wurde.

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    Hjalmar Schacht in seinem Buch "Die Magie des Geldes" erklärt plausibel, daß die Aufrüstung erst später, zunächst aber vor Allem Infrastrukturarbeiten vollzogen wurden (Autobahnen, Kanäle, etc.). Historische Tatsache bleibt, daß Nazideutschland die Weltwirschaftskrise schneller überstand als seine Nachbarn und wenn wir auch keine Panzer und Bomben bauen möchten, so gibt es doch genügend Projekte, die wegen Geldknappheit nicht realisiert werden (Schulen, Kindergärten, Straßen); Duisburg z.B ist im baulichen Zustand vergleichbar mit Wladiwostok 1962!

    Nun frage ich: Nachdem Sie gerade überzeugend das Papiergeld kritisierten
    http://kommentare.zeit.de...
    was - neben Gold - stellt denn einen wirklichen Wert dar? Doch wohl die Wertschöpfung durch Arbeit - weswegen Schacht zurecht auf geschaffene Waren einen Wechsel im Namen des Staates ausstellte!
    Eine Bezahlung mit einer Parallelwährung, die so Schacht, über die gestiegenen Staatseinnahmen aus dem Wirtschaftswunder 100%ig zurückgeführt werden konnte.

    Das ist doch allemal besser, als die faulen Papiere der Spekulanten staatlich zu besichern, denn diese Wechsel werden größtenteils platzen!
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • BERGEN
    • 05.07.2009 um 21:15 Uhr

    Es war wohl beides... die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im außermilitärischen Bereich (Autobahnen ca. 2,5 Mrd RM, Wohnungsbau ca. 2,5 Mrd RM, Infrastruktur
    incl. Reichsbahn ca. 1,5 Mrd RM) betrugen nur einen kleinen Teil der Aufwendungen
    für die Rüstungsindustrie (ca. 60 Mrd RM), also etwa ein Zehntel...übrigens wurden
    die Rüstungsausgaben auch zu einem guten Teil durch Überschüsse aus dem Sozial-
    versicherungssystem finanziert, die dadurch anfielen, daß man auch nach Abbau der Arbeitslosigkeit die ursprünglich während der Weltwirtschaftskrise in der Weimarer Republik nur temporär vorgenommenen Veränderungen (Erhöhung der Beiträge, Reduzierung der Leistungen) beibehalten hatte

    Hjalmar Schacht in seinem Buch "Die Magie des Geldes" erklärt plausibel, daß die Aufrüstung erst später, zunächst aber vor Allem Infrastrukturarbeiten vollzogen wurden (Autobahnen, Kanäle, etc.). Historische Tatsache bleibt, daß Nazideutschland die Weltwirschaftskrise schneller überstand als seine Nachbarn und wenn wir auch keine Panzer und Bomben bauen möchten, so gibt es doch genügend Projekte, die wegen Geldknappheit nicht realisiert werden (Schulen, Kindergärten, Straßen); Duisburg z.B ist im baulichen Zustand vergleichbar mit Wladiwostok 1962!

    Nun frage ich: Nachdem Sie gerade überzeugend das Papiergeld kritisierten
    http://kommentare.zeit.de...
    was - neben Gold - stellt denn einen wirklichen Wert dar? Doch wohl die Wertschöpfung durch Arbeit - weswegen Schacht zurecht auf geschaffene Waren einen Wechsel im Namen des Staates ausstellte!
    Eine Bezahlung mit einer Parallelwährung, die so Schacht, über die gestiegenen Staatseinnahmen aus dem Wirtschaftswunder 100%ig zurückgeführt werden konnte.

    Das ist doch allemal besser, als die faulen Papiere der Spekulanten staatlich zu besichern, denn diese Wechsel werden größtenteils platzen!
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • BERGEN
    • 05.07.2009 um 21:15 Uhr

    Es war wohl beides... die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im außermilitärischen Bereich (Autobahnen ca. 2,5 Mrd RM, Wohnungsbau ca. 2,5 Mrd RM, Infrastruktur
    incl. Reichsbahn ca. 1,5 Mrd RM) betrugen nur einen kleinen Teil der Aufwendungen
    für die Rüstungsindustrie (ca. 60 Mrd RM), also etwa ein Zehntel...übrigens wurden
    die Rüstungsausgaben auch zu einem guten Teil durch Überschüsse aus dem Sozial-
    versicherungssystem finanziert, die dadurch anfielen, daß man auch nach Abbau der Arbeitslosigkeit die ursprünglich während der Weltwirtschaftskrise in der Weimarer Republik nur temporär vorgenommenen Veränderungen (Erhöhung der Beiträge, Reduzierung der Leistungen) beibehalten hatte

    • lef
    • 05.07.2009 um 16:18 Uhr

    1. Ich habe die andere Sicht auf die Wirtschaftsform "Kapitalismus" kürzest möglich erläutern müssen!

    2. Ich habe ausdrücklich Werke des frühen Marx vom späteren Werk desselben (mit Engels und später Lenin ff) unterschieden - was Sie als Gegenargument meinen bringen zu können, gehört in die frühere Abteilung (auch dort nur teilweise sehr richtige und bis heute anerkannte Analysen dieser Wirtschaftsform).

    3. zu Bourdieu auch nur kurz geantwortet:
    Bourdieu gehört in die Zeit des Individualismus, ergo kann er die später (außerhalb seiner Lehrzeit) entstandenen postindividualistischen Strömungen gar nicht bemerkt, zumindest nicht analysiert haben. "Im Nebel herumgestochert und dabei auch mal zufällig das Richtige getroffen" - so würde ich ihn kennzeichnen, aber das trifft auch Viele dieser Zeit zu, das soll jetzt kein persönlicher Vorwurf sein, aber:
    Sie sollten Ihre Tage weniger im Museum verbringen - es gibt auch neuzeitlichere Soziologen ff, die Individualität besser vom Gegenteil (Identität) unterscheiden können.

    Auf weitere Gegenreden Ihrerseits kann ich verzichten - ausführliche Diskussionen unser beider gegensätzlichen Standpunkte ist hier nicht möglich und möchte ich gern außerhalb Ihres Museums führen, ich lebe nun mal lieber in der rellen Neuzeit.

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    • BERGEN
    • 05.07.2009 um 21:00 Uhr

    Meinen Sie "reell" oder "real" ?

    • BERGEN
    • 05.07.2009 um 21:00 Uhr

    Meinen Sie "reell" oder "real" ?

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