Spielen Lebensgeschichte

Der uneheliche Bauernsohn hatte keine Schulbildung, konnte nicht einmal seinen Namen schreiben und schlug sich als Schweinehirt und Knecht eines Müllers durch. Und weil ihm seine karge Heimat nichts anderes bieten konnte als schwere Arbeit ohne Aussicht auf ein besseres Leben, suchte er sein Glück dort, wo es auch viele andere zu finden hofften: im Kriegsdienst. Karriere machte er nicht, deshalb wagte er den Sprung über das große Wasser in eine vermeintlich glänzende Zukunft. Er landete auf dem Boden der Tatsachen und versuchte sich als Bauer. Trotz zäher Arbeit brachte er es zu nichts. Als er hörte, es gebe »jenseits der Berge ein anderes Meer« und ein Land, das einer wahren Schatzkammer gleiche, sah er sein Lebensziel vor sich. Er schloss sich einer Expedition an, die tatsächlich das Meer fand – und wurde wieder Bauer. Nun mit mehr Erfolg, bald galt er als wohlhabend. Aber auch der knapp Fünfzigjährige träumte noch immer von dem Land sagenhafter Schätze. Mit einem Geldgeber und einem streitbaren Kompagnon schloss er einen Vertrag über dessen Entdeckung und Eroberung. Die erste Ausfahrt endete nach zwei Jahren mit magerer Beute; eine feindselige Natur und wenig gastfreundliche Einheimische hatten ihn und die Seinen das Fürchten gelehrt. Trotzdem erneuerte er den Vertrag und brach wieder auf. Um den Preis entbehrungsreicher Märsche und eines Jammerdaseins auf einer unwirtlichen Insel kam er mit seinen »ruhmvollen Dreizehn« dem ersehnten Ziel näher. Seinem Herrn überbrachte er einige exotische Geschenke und Proben jenes Stoffes, der Königen Glanz verleiht und Völker ruiniert. Rang, Besoldung und ein Vertrag waren sein Lohn; er allein erhielt das Recht, das Land zu entdecken. An den Kosten des Unternehmens beteiligte sich sein Auftraggeber nicht, die Gewinne aber bewahrten ihn später vorm Bankrott.

Wie für eine Piratenfahrt ausgerüstet, machte sich der Entdecker zum dritten Mal auf den Weg zu dem großen Reich. Dort tastete er sich mit seinen wenigen Leuten, auf Schritt und Tritt von Spähern beobachtet, ins Innere vor. Von den Heeren des Landesherrn in einer kleinen Stadt eingekreist, wagte er einen verzweifelten Coup: Er nahm den Herrscher gefangen und machte kurzen und schändlichen Prozess mit ihm, obwohl der sich die Freiheit durch ein riesiges Lösegeld erkaufen wollte. Später meinte er, das Todesurteil sei zu hart gewesen.

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Nun erfüllte sich an ihm ein Sprichwort seiner Heimat: »Der Besiegte ist besiegt und der Sieger verloren.« Sein neidischer Vertragspartner machte ihm Land und Ehren streitig, und der von ihm eingesetzte Pseudoherrscher wandelte sich zum unversöhnlichen Gegner, als er dessen Lieblingsfrau ausgesucht grausam töten ließ. Eigentlich wollte er mit seinen Reichtümern Denkmäler setzen, Stadtgründungen und prächtige Bauten sollten an ihn erinnern. Über die Anfänge kam er aber nicht hinaus, der Sohn seines ehemaligen Rivalen ließ ihn ermorden. Wer wars?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 27:
Es war Inge Aicher-Scholl (1917 bis 1998), deren Geschwister Sophie und Hans 1943 als Widerstandskämpfer hingerichtet wurden. 1946 gründete Inge Scholl in Ulm eine der ersten Volkshochschulen im Nachkriegsdeutschland, 1952 heiratete sie den Designer Otl Aicher. Seit 1978 engagierte sie sich in der Friedensbewegung

 
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