Stilkolumne Sind Sie es sich wert?
Kosmetikkonzerne mischen gerne Edelmetalle in ihre Cremes, wobei die Wirkung Nebensache bleibt. Wichtiger ist das Gefühl, dass man sich puren Schmuck aufträgt
Seit es Schönheitscremes gibt, wird darüber diskutiert, ob sie überhaupt wirksam sind, medizinisch gesehen. Also betonen Kosmetikkonzerne ständig, wie groß ihre Forschungsabteilungen seien. Und sie präsentieren ihre neuen Produkte so, als wären sie nicht dafür gemacht, dass der Käufer sich damit wohlfühlt, sondern als seien sie so revolutionär wie Durchbrüche in der Krebsforschung.
Nun hat die Luxus-Kosmetikmarke La Prairie eine Creme vorgestellt, die Platin enthält. Und deswegen verkündet der Forschungschef Sven Gohla: "Platin ist ein Schrittmacher für die biologischen Funktionen, balanciert die Ausrichtung der Wassermoleküle in der Haut und bewahrt das Energieniveau der Zellen." Was für ein Glück für La Prairie und seine Kunden, dass nicht herausgefunden wurde, dass Pferdemist die Wassermoleküle auf der Haut noch besser ausrichtet. Aber es ist nicht nur Platin, das ganz besondere Eigenschaften hat, die Frauen jünger machen, sondern eigentlich alle Edelmetalle. "Gold und Silber wirken vor allem entzündungshemmend", sagt der Forschungschef.
Aber eine gestiegene Entzündungsneigung ist wohl kaum der Grund dafür, dass derzeit so viele Tiegel mit Gold gefüllt werden. Tatsächlich hat Edelmetall in der Kosmetik eine lange Tradition. Schon in antiken Zeiten wurde Gold verwendet, um die Haut zu straffen und zu kühlen. Gold ist angeblich in der Lage, das 300-Fache seines Eigengewichtes an Feuchtigkeit zu binden. Goldatome sollen helfen, die Zellversorgung zu regulieren.
Dabei braucht es all die aufwendigen Begründungen nicht. Viel wertvoller als die versorgten Zellen und die gebundene Feuchtigkeit ist das Gefühl, sich puren Schmuck aufzutragen und sich für einen Moment selbst besonders kostbar zu finden. Wer sich an medizinische Erklärungen klammert, kann sich gar nicht der ganzen anderen glitzernden Kosmetika erfreuen, die gerade auf den Markt gekommen sind: etwa eine "brightening cream" von Sensai, die auf der Basis japanischer Perlen hergestellt ist. Von Questico gibt es eine ganze Kosmetikserie, "Beauté Angélique", Amethystseifen und Rubingesichtsmasken, in denen Spuren von Edelsteinen zu finden sind. Von der Firma Light-of-Nature gibt es auch eine Silbercreme. Aber etwas mehr sollte man sich schon wert sein.
- Datum 08.09.2009 - 11:14 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle DIE ZEIT, 02.07.2009 Nr. 28
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