Arbeitsbedingungen Unfeine KücheSeite 5/5
Die Staatsanwaltschaft bat danach die SGD-Süd um weitere Ermittlungen, insbesondere darum, die im Restaurant tätigen Jugendlichen zu vernehmen. Was nicht geschah. Am 16. März 2009 stellte die Staatsanwaltschaft dann das Verfahren ein, obwohl sie erklärte, der Beschuldigte habe gegen das Gesetz verstoßen und die Betroffenen gesundheitlich gefährdet. Martin Scharff wurde die Zahlung von 5000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung auferlegt. Das öffentliche Interesse am Fall galt damit als erledigt.
Stellung nehmen wollte Martin Scharff auf all die ihm detailliert zur Kenntnis gebrachten Vorwürfe nicht. Sein Rechtsanwalt schrieb, Fragen an Scharff stellten »eine unzumutbare Belästigung dar«, ja sogar »einen rechtswidrigen Eingriff in das Recht meines Mandanten an seinem Gewerbebetrieb«.
Im Haus des Sternekochs soll sich auch nach dem Ausscheiden von Carsten, Tanja und einiger anderer nichts geändert haben. »Wir fühlen uns im Stich gelassen«, sagt eine der dort beschäftigten Auszubildenden. Offensichtlich hat sich keiner der IHK anvertraut, die sich im April wegen überlanger Arbeitszeiten bei ihnen erkundigt hat. »Die den Mund aufgemacht haben, sind ja nun weg. Jetzt ist keiner mehr da, der sich was traut. Wir haben gehofft, dass die Behörden was machen.«
Aber vielleicht gibt es noch eine andere Kraft, die in der Wartenberger Mühle Veränderungen erzwingen könnte. Die Gäste, die ruhigen Gewissens genießen wollen. Sie möchten nicht, dass diejenigen, die die Speisen zubereiten, elendiglich ausgebeutet werden. Wenn ein Küchenmeister wie Martin Scharff trotzdem weitermacht wie bisher, dann fällt auf solches Essen mehr als nur ein Schatten. Dann ist es ungenießbar.
*Namen geändert
- Datum 05.07.2009 - 11:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.07.2009 Nr. 28
- Kommentare 48
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Also zwei Euro Brutto, das ist doch ein Traumlohn für einen Auszubildenden! Die vom Bundestag beschäftigten Reinigungsfachkräfte (ausgelernt!) bekommen ja netto auch gerade mal drei Euro, da wirkt der Azubilohn beim Sklavengastronom doch wirklich angemessen.
Einfache Regel: Wer Geld verdienen will, der lässt arbeiten. Wer arbeiten will, der lässt andere verdienen. Alles andere wäre ja auch schlimmster Sozialistenkommunismus, pfui!
Nach dieser positiven Berichterstattung dürften die Leistungsträger unserer Gesellschaft dort Tische ordern, dass man bis zur nächsten "Systemkrise" keinen Platz mehr bekommt.
Bei feinstem Essen geschundene Minderleister begaffen, dass ist wahre Eventgastronomie.
Wallraff nervt. Ich wäre höchst dankbar zu wissen, wieviel der gute Mann für die Vermarktung dieses ewigen Sozialklamauks einstreicht. Irgendwo findet sich immer ein Mißstand. Und natürlich findet sich auch immer ein medialer Abnehmer. Herzlich willkommen zur nächsten Ausgabe von 'Anne Will', Herr Wallraff.
[Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ew]
sie sprechen mir aus der seele!
Werter Wobster,
es freut mich außerordentlich, wenn Günter Wallraff, sie und ihresgleichen, nervt.
Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Nerverei.
mfg
Wenn Gott von meinen Plänen wüßte, er käme vor lachen nicht mehr in den Schlaf.
sie sprechen mir aus der seele!
Werter Wobster,
es freut mich außerordentlich, wenn Günter Wallraff, sie und ihresgleichen, nervt.
Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Nerverei.
mfg
Wenn Gott von meinen Plänen wüßte, er käme vor lachen nicht mehr in den Schlaf.
wobster nervt viel mehr mit seinem kommentar.
Vielen Dank für die Infos und weiter so. Ich werde bei meinen Besuchen in Kaiserslautern und Umgebung bestimmt niemals in der Wartenberger Mühle essen.
... ob Ihre mutige Erklärung mit dem Menupreis von 119 EUR (ohne Getränke, natürlich) in Zusammenhang steht?
... ob Ihre mutige Erklärung mit dem Menupreis von 119 EUR (ohne Getränke, natürlich) in Zusammenhang steht?
sie sprechen mir aus der seele!
"Wartenberger Mühle, ein Landhotel mit Gourmetrestaurant, liegt rund 15 Kilometer nördlich von Kaiserslautern im idyllischen Lohnsbach-Tal"
Wenn ich in die Gegend kommen sollte, weiss ich jetzt wenigstens, wo ich nicht esse.
Und an meine werten Vorschreiber wobster und chaos74: Für Löhne wie in China jubeln, mag ja im Trend liegen. Aber wie davon Steuern, Sozialabgaben und Lebenshaltungskosten wie in Deutschland bezahlt werden sollen, konnte leider bislang niemand erklären. Wenn Sie möchten, dürfen Sie natürlich gerne für 2 Euro in der Stunde arbeiten und darüber schweigen. Lob oder gar einen Orden werden Sie dafür allerdings nicht bekommen.
Abgesehen davon meine ich, dass sowohl das Gewerbeaufsichtsamt, als auch die Staatsanwaltschaft hier ihrer Pflicht, die Einhaltung bestehender Gesetze sicherzustellen, nicht ausreichend nachgekommen sind. Und zwar zum Nachteil der Beschäftigten, die ja sogar körperliche Schäden nachweisen können (ärztliches Attest), und der Krankenkassen, die durch die gesetzwidrigen Arbeitsbedingungen meiner Meinung nach sogar vorsätzlich (Dauer und Umfang der Übertretungen) geschädigt wurden.
Es ist zu hoffen, dass einer der Geschädigten den Klageweg gegen diesen Arbeitgeber einschlägt und die vorgesetzten Behörden von StA und GAA Ermittlungen einleiten, die den Hintergrund für die jetzt öffentliche Unzulänglichkeit bei der Überwachung der Arbeitsbedingungen betreffen. Solche Arbeitsbedingungen dürfen in Deutschland nicht auch noch vom Staat geduldet und über die Sozialsysteme alimentiert werden.
Günter Wallraff, machen Sie ruhig weiter so.
Alles Gute
Kai Hamann
...sie sprechen es doch im ersten Teil selbst an, WIR sind das Problem.
mir gefällt nur nicht diese Art der selektiven Berichtserstattung, die bei bei mir den Anschein erwegt, der Reiz in diesem spez. Fall, liegt an der Tatsache, das es sich hier um einen Sternekoch handelt - oder Autobauer, Backwaren Fabrik usw. wie in der Vergangenheit.
Ich hätte es da gerne etwas "globaler" gefasst, nehme diese Zustände auch z.B. bei meinem kleinen lokalen Schlachter oder Bäcker war, oder , oder...
Und warum?? bestimmt nicht des pers. Profites wegen, sondern weil ihnen das Wasse teilw. bis zum Hals steht - und nicht erst seit der Wirtschaftskriese.
Ich will sagen, der hier beschriebene Zustand - den ich übrigens nicht gut heiße - ist kein Einzelfall und wurde doch von uns allen mit fabriziert.
Und bevor ich mit dem Finger auf jemanden Zeige und wie hier zum "Essensboykott" aufrufe, sollte ich mir doch mal genau anschauen wo ich unbewusster Nutzer dieses Systems bin, oder einfacher, unter welchen Bedingungen Z.B. meine Butter, Milch, Brot usw. usw auf morgendlichem Frühstückstisch hergestellt sind.
Danke
...sie sprechen es doch im ersten Teil selbst an, WIR sind das Problem.
mir gefällt nur nicht diese Art der selektiven Berichtserstattung, die bei bei mir den Anschein erwegt, der Reiz in diesem spez. Fall, liegt an der Tatsache, das es sich hier um einen Sternekoch handelt - oder Autobauer, Backwaren Fabrik usw. wie in der Vergangenheit.
Ich hätte es da gerne etwas "globaler" gefasst, nehme diese Zustände auch z.B. bei meinem kleinen lokalen Schlachter oder Bäcker war, oder , oder...
Und warum?? bestimmt nicht des pers. Profites wegen, sondern weil ihnen das Wasse teilw. bis zum Hals steht - und nicht erst seit der Wirtschaftskriese.
Ich will sagen, der hier beschriebene Zustand - den ich übrigens nicht gut heiße - ist kein Einzelfall und wurde doch von uns allen mit fabriziert.
Und bevor ich mit dem Finger auf jemanden Zeige und wie hier zum "Essensboykott" aufrufe, sollte ich mir doch mal genau anschauen wo ich unbewusster Nutzer dieses Systems bin, oder einfacher, unter welchen Bedingungen Z.B. meine Butter, Milch, Brot usw. usw auf morgendlichem Frühstückstisch hergestellt sind.
Danke
Ich finde es sehr gut, dass das Thema von der Zeit aufgegriffen wird. Ich arbeite selber seit 10 Jahre in der deutschen Spitzengastronomie und habe mir durch enorme Überstunden (70 Stunden die Woche waren die Regel) gute Kochkenntnisse angeeignet.
Aber der Weg dorthin ist wie im Text beschrieben geplastert von Küchenchefs, die wenig bis keine Sozialkompetenz besitzen und deren Work Life Balance schon seit der Lehre in einem unstimmigen Verhältnis ist. Dementprechend sieht dann auch meistens das Privatleben derjenigen aus, wenn es mal näher betrachet wird.
Leider fehlt vielen "Köpfen" in der Branche der Blick über den Tellerrand, denn Leben als Koch heißt bei den meisten arbeiten, arbeiten, arbeiten und für den Gast dasein. Je besser man die Dienstleistung erbringen möchte, desto weniger Zeit hat man für sich und seine evtl. vorhandene Familie. Und da man sich als "Top Küchenchef" selbst für diesen Weg entschieden hat, wird dieser selbstbestimmte Alltag ( 14 Stunden pro Tag , 5 Tage die Woche) den Auszubildenden den Mitarbeitern als gastromisches Leben vorgelebt ("wenn man was werden will").
Wenn man selber in der Mühle drin ist, dann glaubt man das auch. Aufgrund der gastromischen Berufslaufbahn und den damit verbundenden Arbeitszeiten ist man meistens von Gastronomen umgeben, die ähnliches behaupten.
Leider ist das langfristig der falsche Weg, denn die Leute mit Potenzial, die die Vor- und Nachteile verschiedenen Berufszweige vor dem Berufsbeginn gegenüberstellen, werden die gastronomische Küchenlaufbahn selten einschlagen. Oder sie schauen sich alles einige Jahre an und spätestens wenn die Familiengründung ansteht, wird ein Stelle fern der Spitzengastronomie gesucht ,der mit vertretbaren Arbeitszeiten einhergeht ( Kantine, Krankenhaus, Vorstandtskoch).
Weitere Nachteile, die ich aus eigener Erfahrung noch kurz erwähnen möchte.
Häufig primitiver Umgangston und autoritärer Führungsstil der Inhaber. Ich könnte dem Beitrag von Herrn Walraff diverse Horrorgeschichten über skurile Vermittlung von Ausbildungsinhalten hinzufügen,...
Weiterhin problematisch sind folgende Aspekte:
Die Bezahlung ist gemessen an der körperlichen Belastung nicht ausreichend. Aus eigener Erfahrung bin ich mir aber auch im Klaren, das keine höheren Löhne bei den derzeitigen Essenspreisen gezahlt werden können.Insofern wird sich auf diese Ebene langfristig wenig ändern.
Hinzukommen die bekannten Gastronomie-Nachteile der langen und fürs Privatleben ungünstig liegenden Arbeitszeiten.
Ich bin der Meinung, wenn man in der Spitzengastronomie schon sein Leben lang am Herd steht, dann soll es den Leuten wenigstens Spaß machen.
Tut es aber leider in den seltendsten Fällen. Ich habe vor einiger Zeit ein sehr sehr guten Kochgesellen in einen deutschen Spitzenbetrieb weiterempfohlen, damit er sich weiter entwickeln kann.Jemand der sehr belastbar ist und Spaß bei der Sache hat. Nach einem guten halben Jahr kam folgende zusammengefasste Rückmeldung.
"Ich bin froh,wenn ich meine Pflichtzeit hier abgesessen habe und wieder weg kann. Hier hat keiner Spaß zu arbeiten. Der Chef dreht eigentlich jeden Tag an einem anderen Posten durch. Ich mach das noch fürs Zeugnis und dann bin ich weg."
Ich bin mir sehr sicher, das sich an vielen Nachteilen wenig, bis garnichts ändern wird,insofern brauch sich keiner beschweren, das der Gastronomie vornehmlich im Küchenbereich der qualifizierte Nachwuchs fehlt.
Zu viele verfahren immer noch nach dem System "Ausbeuten", weil "er nimmt ja bei uns viel mit und kann dann später davon profitieren."
Aber die guten Leute machen das nicht mit.....
Das wird meistens vergessen...
Selbst in gesellschaftlichen Problemen von großem Ausmaß, muss auch auf Einzelschicksale eingegangen und darüber informiert werden. Das ist wichtig, denn vielfach geht der Einzelne unter.
Meine Mutter arbeitete in der Distribution einer Anzeigenzeitung mit diversen Supermarkt-Werbebeilagen in einer Bereichsleiter gleichwertigen Stellung. Sie hat die Austräger für ihren Bereich (Kreisstadt mit kreiszugehörigen Gemeinden) eingestellt und war verantwortlich für die reibungslose Zustellung, was oftmals neben der organisatorischen 7 Tage Arbeit auch selbst das Austragen umfasste, wenn Austräger ausfielen. Als auch oftmals die Zusammenstellung des Bündels, wenn die Druckerei sich verspätete. Also einlegen der Supermarktwerbebeilagen in diese Anzeigenzeitung. Ihr Lohn war kaum höher als der der Austräger und alle anfallenden privaten Kosten in Verbindung mit der Tätigkeit hinterließen sogar oft ein Minus, welche sie als nichtselbstständig Beschäftigte auch nirgendwo geltend machen kann, denn Steuern waren von dem geringen Lohn nicht zu entrichten.
Heute arbeitet sie in einer Fabrik auf 400 Euro basis, 20 Stunden die Woche und hat mehr Geld für weniger Stress.
Nicht überall herrscht diese Unfairness, doch Unternehmen, welche ihre Mitarbeiter gerecht behandeln und guten Lohn zahlen haben es in der freien Marktwirtschaft immer schwieriger, leider.
Die wahren Leistungsträger unserer Gesellschaft sind all die Menschen, die ihre Arbeitskraft, staatlich gewollt, unter Wert verkaufen müssen. Auch sind die sogenannten "Sozialschmarotzer" unterhalb und oberhalb der Gesellschaft beheimatet. Unterhalb zumeist wider Willen, aber oberhalb mit Berechnung.
Bitte mehr solche Artikel, denn wenn rechtliches Klagen nicht mehr hilft, dank Filz und Korruption, dann wenigstens öffentlich Anprangern, wenn berechtigt.
Liebe Leser, handeln Sie!!!! Ich habe dem Eigentümer der Wartenberger Mühle eine E-Mail geschrieben, darüber, wie ich über seine Methoden denke. Natürlich erwarte ich nicht, dass der Eigentümer mit zurück schreibt, aber wenn viele ihm eine kurze Mail senden, könnte das zumindest ein Zeichen setzen. Essen würde ich da niemals. Eine E-Mailadresse finden Sie auf der Homepage der Wartenberger Mühle im Impressum.
Worte können etwas bewegen!!!
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