Warum machen Sie das? "Mein Job ist ein Gottesurteil"

Nach 30 Jahren steht Jürgen von der Lippe immer noch auf der Bühne. Roger Willemsen erklärt er, warum

ZEITmagazin: Herr von der Lippe, Sie feiern Ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Mit welchem Auftritt beginnt Ihre Zählung?

Jürgen von der Lippe: Ich rechne von der Zeit an, zu der ich hauptberuflich nur noch von meiner Kunst gelebt habe. Ich erfuhr erst beim Studienabschluss, dass meine Fächerkombination nicht lehramtsfähig war…

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ZEITmagazin: …und wurden so auf die Bühne gezwungen?

von der Lippe: Ich wurde gezwungen, den Job, von dem ich schon mehr als auskömmlich lebte, weiter zu verfolgen. Ein Gottesurteil.

ZEITmagazin: Und fragen Sie nach dreißig Jahren Bühne noch: Warum mache ich das?

von der Lippe: Nein, die Begründung wird mir ja jeden Abend geliefert.

ZEITmagazin: Sie liegt im Applaus?

von der Lippe: Und in der Zuwendung, der Bestätigung. Ich bin ja, was die Honorierung meiner Arbeit angeht, ein ungeduldiger Mensch. Als Maler würde ich nicht taugen…

ZEITmagazin: Es applaudiert niemand vor einem Gemälde…

von der Lippe: Sehr selten, oder man muss tot sein. Ganz anders beim Koch oder Friseur. Das sind durchaus vergleichbare Dienstleister, die unmittelbare Reaktion erfahren.

ZEITmagazin: Sie aber bekommen die Zustimmung schon beim Vollzug der Leistung. Das ist ja nicht mal in der Liebe so.

von der Lippe: Stimmt. Man wird da oft nicht währenddessen gelobt. Vielleicht zu Unrecht. Aber das Verfassen der Texte ist doch die eigentliche, manchmal quälende Arbeit.

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