Iran & der Westen Iranische Elegie

Das Volk weicht zurück, das Regime wird sich radikalisieren

Zweifelhafter Wahlgewinner: Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad

Zweifelhafter Wahlgewinner: Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad

Zum zweiten Mal hat der Westen die List und Kraft des Regimes unterschätzt. Das erste Mal, als die EU-Troika begreifen musste, dass sechs Jahre guter Worte die iranische Bombe nicht stoppen konnten. Lapidar meldete der frühere UN-Chefinspektor David Kay im Herbst, Iran habe »80 Prozent des Weges zu einer funktionierenden Atomwaffe zurückgelegt«. Das zweite Mal liegt gerade hinter uns: Die Revolution ebbt ab, die Mussawis und Chatamis wollen verhandeln, der Wächterrat hat den Wahlausgang abgesegnet.

Wie grandios war doch der Traum, der nicht vom Umsturz, sondern von Recht und Gerechtigkeit handelte? Er schlug sich in zwei Wörtern nieder, die nächtens über den Dächern von Teheran erklangen: Allahu Akbar – »Gott ist groß«, also größer als der »Geistliche Führer« und seine frommen Oligarchen, die den Machtapparat so virtuos zu bedienen wussten. Chamenei hat sich nach einigem Zögern auf die Seite des Ahmadineschad geschlagen und dessen Putsch an der Urne sozusagen das göttliche Gütesiegel aufgedrückt.

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Zweimal lag der Westen leider falsch; jetzt droht ein drittes Mal, und zwar bei der Frage: »Was nun?« Auf dem Tisch des G-8-Gipfels in Italien (8. bis 10. Juli) liegen die üblichen stumpfen Instrumente. Gastgeber Silvio Berlusconi plaudert von frischen Sanktionen. Doch schmerzhafte wird es nicht geben, weil der Westen weder sich selber noch das iranische Volk bestrafen will. Erst recht nicht, wenn Barack Obama die Realpolitik mehr schätzt als die Reform. Er will die Theogarchie nicht reizen, sondern mit ihr ins Geschäft kommen, um ihr die Hegemonialgelüste und die Bombe auszureden.

Auch Verständigungspolitik als Gegenteil von Sanktionen – »Ostpolitik II« – kann nicht funktionieren, weil wir es nicht mit einem erschlafften Kommunismus à la Breschnew zu tun haben, sondern mit einem revolutionären Imperialismus, wie er einst von Napoleon, der jungen Sowjetunion, dem »Dritten Reich« und Nassers Ägypten verkörpert wurde. Die wollten nicht ein größeres Stück vom Kuchen haben, sondern die Bäckerei zertrümmern. Ahmadineschad will den Traum von Umsturz und Oberherrschaft (Schia über Sunna, Iran über den Islam) exportieren, nicht eintauschen.

Wer unter der grünen Flagge des Propheten (oder der roten der Weltrevolution) marschiert, lässt sich nichts abhandeln, schon gar nicht die Bombe, die Instant-Übermacht verheißt.

Leser-Kommentare
  1. Ich halte Joffes Analyse und den daraus zu lesenden Skeptizismus gegenüber der Theraner Führung für zutreffend und halte Obamas bisherige Haltung für richtig. Ein Dilamma, fürwahr.

    Peinlich und wirklich schädlich ist allein die Ankündigungspolitik der EU, der - wie so oft - nichts folgt. Die EU erwägt, alle 27 Botschafter abzuziehen. Nicht erwägen, machen soll sie es! Oder auch nicht, dann aber keine Worte über etwas verlieren, was nicht eintreten wird.

    Nein, Joffe hat Recht: mit den Machthabern ist nicht gut Kirschen essen, Vertrauen verdienen sie gar keines, auf der Hut vor ihnen muss man sein. Nur - so sehr man sich wünschen würde, da machtvoll zu intervenieren: was kann man realistisch gewinnen bzw. was kostet es, will man diesen Weg erfolgreich einschlagen?

  2. [entfernt] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)

  3. Herr Joffe befindet sich rhetorisch mal wieder im Krieg. Komisch, wo doch diejenigen, die im Iran protestierten, von einer Eimischung des Westens gar nichts wissen wollen.

    • FahadA
    • 04.07.2009 um 19:40 Uhr

    Das erste Mal, als die EU-Troika begreifen musste, dass sechs Jahre guter Worte die iranische Bombe nicht stoppen konnten. Lapidar meldete der frühere UN-Chefinspektor David Kay im Herbst, Iran habe »80 Prozent des Weges zu einer funktionierenden Atomwaffe zurückgelegt«.

    Mr. Kay und Herr Joffe haben sich ja im Iraq ebenfalls gruendlich geirrt. "Die iranische Bombe", an die glaubt nicht einmal der designierte neue DG der IAEA Amano, der Wunschkandidat der Amerikaner.

    Unbestritten ist, dass es offenbar Unregelmaessigkeiten bei den Wahlen gab und dagegen grosse Demonstrationen stattfanden. Das "Regime" konnte allerdings durch geschickte "Aktionen" den Widerstand in der Bevoelkerung beenden. Was anderes hatte man nicht erwartet. Keine Revolution, da die grosse aber schweigende Mehrheit offenbar hinter dem "Regime" steht. So leid uns das tut. Nicht zynisch zu werden bedarf in diesen Zeiten einer Menge Realismus.

    Der Westen muss lernen, mit diesen "Regimen" umzugehen.

    Freelance

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    Nur vertritt Iran eben nicht amerikanische Interessen - nur deshalb steht es im Kreuzfeuer der Kritik .Eine besondere moralische Verwerflichkeit verglichen mit anderen Regimen in der Welt kann ich nicht erkennen.Bleibt also als Unterschied nur das Erstgesagte.
    Europa hingegen kann es sich leisten den moralischen Zeigefinger zu heben,dass es de facto unter militärischen Schutz der USA steht,sollten mal die Europäer in Bedrängnis geraten.Und deshalb kann es sich die Absurdität leisten sich über den Kopftuchzwang im Iran aufzu regen während in anderen Teilen der Welt willkürlich gemordet und gebrandschatzt wird.
    Vielleicht würde man dem Niveau der Journaille gerecht indem man es einfach als Ablenkung von den wirklich grossen Problemen auch hier in Deutschland betrachtet.

    Nur vertritt Iran eben nicht amerikanische Interessen - nur deshalb steht es im Kreuzfeuer der Kritik .Eine besondere moralische Verwerflichkeit verglichen mit anderen Regimen in der Welt kann ich nicht erkennen.Bleibt also als Unterschied nur das Erstgesagte.
    Europa hingegen kann es sich leisten den moralischen Zeigefinger zu heben,dass es de facto unter militärischen Schutz der USA steht,sollten mal die Europäer in Bedrängnis geraten.Und deshalb kann es sich die Absurdität leisten sich über den Kopftuchzwang im Iran aufzu regen während in anderen Teilen der Welt willkürlich gemordet und gebrandschatzt wird.
    Vielleicht würde man dem Niveau der Journaille gerecht indem man es einfach als Ablenkung von den wirklich grossen Problemen auch hier in Deutschland betrachtet.

  4. Nur vertritt Iran eben nicht amerikanische Interessen - nur deshalb steht es im Kreuzfeuer der Kritik .Eine besondere moralische Verwerflichkeit verglichen mit anderen Regimen in der Welt kann ich nicht erkennen.Bleibt also als Unterschied nur das Erstgesagte.
    Europa hingegen kann es sich leisten den moralischen Zeigefinger zu heben,dass es de facto unter militärischen Schutz der USA steht,sollten mal die Europäer in Bedrängnis geraten.Und deshalb kann es sich die Absurdität leisten sich über den Kopftuchzwang im Iran aufzu regen während in anderen Teilen der Welt willkürlich gemordet und gebrandschatzt wird.
    Vielleicht würde man dem Niveau der Journaille gerecht indem man es einfach als Ablenkung von den wirklich grossen Problemen auch hier in Deutschland betrachtet.

  5. Joffe nach Afghanistan!

    Verteidigen Sie Ihre Werte (sind garantiert nicht die meinigen, also keine Sorgen wegen Copyrights) am Hindukush!
    Was, keine Zeit? Kein Mut?

    Aber aber ....

    • zaro
    • 05.07.2009 um 8:21 Uhr
    7. (...)

    Ich wundere mich, wie unverblümt Herr Joffe seine Funktion bei der ZEIT instrumentalisieren darf. Ganz diametral entgegen den sonst hoch gehaltenen liberalen und humanistischen Grundsätzen des Verlags.
    Oder wer hat dort eigentlich das Sagen?
    (entfernt. Bitte bleiben Sie mit Ihrer Kritik fair. Die Redaktion/jk)

    Herr Joffe pflegt aktuell wieder genau jene Kriegsrhetorik, die aus jenen verwandten Quellen am Ende zu dem tolldreisten Lügenkonstrukt beigetragen hatte, mit dessen Hilfe dem amerikanischen Volk eingetrichtert worden war, Israels strategische Interessen im nahen Osten durchzusetzen. Und sich vornehmlich an Saddam Hussein für dessen Unterstützung palästinensicher Befreiungsorganisationen zu rächen.

    Die hartnäckige Fälschung der Ahmadinejad-Zitate bzgl. Israel trägt diese Handschrift.

    Demnächst werden wohl weitere Meldungen lanziert werden. Ahmadinedjad verschickt vielleicht Anthrax-Briefchen? Oder kauft Uran in Afrika? Betreibt vielleicht mobile Massenvernichtungswaffenfabriken? Will Saudiarabien mit T54s überrollen? Und wer erinnert sich nicht an jene grausamen Expansionskriege der persischen Könige?

    Also Herr Joffe: Herr Goldhagen schreibt für Sie gerne einen Leitartikel über das genetisch Böse im persischen Volkscharakter. Über den angeborenen Antisemitismus des iranischen Volks. Bestimmt.

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    .... und abends , wenn die Kinder nicht schlafen wollen , kann man ihnen drohen , dass sonst der boese boese Ahmadinejad kommt............

    .... und abends , wenn die Kinder nicht schlafen wollen , kann man ihnen drohen , dass sonst der boese boese Ahmadinejad kommt............

  6. (entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/jk)

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