Wahlkampf

Gerechtigkeit für die SPD!

Den Genossen droht bei der Wahl ein Debakel. Das haben sie nicht verdient. Eine Ehrenrettung

Sorgenvolle Blicke auf die Bundestagswahl: SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (r.) und Parteichef Franz Müntefering

Sorgenvolle Blicke auf die Bundestagswahl: SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (r.) und Parteichef Franz Müntefering

In Großbritannien steht die Labour-Partei vor einer historischen Niederlage. Sie hat das Land mit Lügen in einen falschen Krieg geführt und ist nun hauptverantwortlich für eine Spesenaffäre, die das politische System erschüttert. Cool Britannia war gestern, heute ist das Land in schlechter Verfassung. Der Absturz für Labour ist also plausibel und gerecht.

Auch der SPD droht im Herbst eine historische Niederlage. Die Öffentlichkeit beginnt schon einen Haken zu machen hinter das Wahlergebnis, die Union diskutiert bereits über Ministerposten. Die Umfragen prognostizieren der SPD nicht nur den Machtverlust, sondern ein demütigendes Ergebnis, das schlechteste der Nachkriegsgeschichte. Selbst den Rang einer Volkspartei könnte sie verlieren. Das alles ist nicht plausibel und nicht gerecht, eher schon aberwitzig.

Weder hat die SPD Deutschland in das Irak-Abenteuer hineingezogen, noch hat sie sich durch eine Spesenaffäre unmöglich gemacht. Im Gegenteil: Das Land, das sich anschickt, die Genossen in die Marginalisierung zu entlassen, ist nach elf Jahren sozialdemokratischer Regierung ökologischer, liberaler, moderner, ökonomisch stabiler und entspannter als vor ihrem Machtantritt im Jahre 1998. Die Republik hat der SPD einiges zu verdanken.

So selbstverständlich wie die Union war die SPD nie Regierungspartei

Wahlergebnisse müssen nicht gerecht sein, und gewählt wird eine Partei nicht für ihre vergangenen Verdienste, sondern weil es ihr gelingt, die Zukunftserwartungen einer Mehrheit auszudrücken. Dennoch ist die Vorstellung fast schon absurd, die SPD könnte im Herbst, trotz ihrer respektablen Regierungsbilanz, auf einen historischen Tiefpunkt abstürzen. Immerhin hat sie die beiden entscheidenden politischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre durchgesetzt. Ein Jahrzehnt nach der deutschen Vereinigung hat sie anerkannt, dass das Land seiner außenpolitischen Verantwortung notfalls auch unter Beteiligung an einem Kriegseinsatz nachkommen muss. So schickte sie Soldaten in das Kosovo und nach Afghanistan. Und sie hat weitreichende sozialpolitische Reformen eingeleitet, um den deutschen Sozialstaat unter schwieriger gewordenen internationalen Konkurrenzbedingungen stabil zu halten.

Man kann sich die Art und Weise sozialdemokratischen Regierens idealer vorstellen, konzeptionell durchdachter, kommunikativ professioneller – die Einwände sind bekannt. Die Fehler haben Gerhard Schröder am Ende das Amt gekostet. Aber wie lange soll die SPD dafür noch büßen?

Und was hat die Konkurrenz zwischenzeitlich zustande gebracht? Man muss jedenfalls sehr weit zurückdenken, um bei der Union ein ähnliches Maß an Risikobereitschaft zu finden wie bei der SPD in den Jahren 2003 bis 2005.

Danach haben sich die Sozialdemokraten weit besser in die Große Koalition eingefügt, als es Schröders legendärer Ausbruch am Wahlabend 2005 erahnen ließ. Auch unter der Kanzlerschaft Angela Merkels hat die SPD ihre Sache nicht schlecht gemacht. Sie hat die Rente mit 67 beschlossen, die Konsolidierungspolitik an führender Stelle verantwortet und den Kurs in der Wirtschafts- und Finanzkrise maßgeblich mitbestimmt. Dass die Auswirkungen der Krise bislang erstaunlich gut abgefedert wurden, ja, dass der Wahlkampf noch immer in sommerlich entspannter Atmosphäre stattfinden kann, daran haben die SPD-Minister Steinmeier, Steinbrück und Scholz ihren unbestreitbaren Anteil.

Nun aber wird die Partei von den Wählern und der Öffentlichkeit einzig daran gemessen, dass sie die Rettung von Arbeitsplätzen etwas zu euphorisch propagiert hat, während die Kanzlerin ihre Hilfsbereitschaft mit Skepsis garniert und so eine bekömmliche Mischung anbietet, die sowohl Gegnern wie Befürwortern einer staatlichen Interventionspolitik gefällt.

Dass die SPD einem schwarzen Herbst entgegengeht, hat jedoch tiefere Ursachen als Merkels Kanzlerbonus. Die SPD war nie so selbstverständlich Regierungspartei wie die Union. Ihr historisch gewachsenes Misstrauen gegenüber der Macht richtet sich, sobald sie regiert, gegen sie selbst. Effizientes Regieren, Anpassungsreformen oder Krisenmanagement sind der SPD zu wenig. Begeistern kann sich die Partei daran nicht. Allenfalls eine politische Mission, in der sie sich als »Partei des Fortschritts« erkennt, mildert ihr Unbehagen an der Macht.

Die Referenzphase für begeisternde Politik bleibt für die SPD der Beginn der Regierung Brandt, als gesellschaftlicher Aufbruch, politischer Gestaltungswille und eine charismatische Führungsfigur für einen historischen Augenblick zusammenfanden. Diese Ausnahmesituation dient der SPD als unbewusster Maßstab – an dem sie seither scheitert. Kaum jedenfalls finden sich in den Jahren danach Phasen zufriedenen Regierens. Helmut Schmidt musste seine Politik unter Krisenbedingungen ebenso gegen eine unduldsame Partei verteidigen wie nach ihm Schröder. Und die Begeisterung, die der SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine bei seinen Anhängern einst zu wecken verstand, konnte er selbst nie in Regierungspolitik umsetzen.

Dass sich die SPD quält, ist insoweit erklärlich. Aber mit welcher Wollust die Öffentlichkeit ihr dabei zusieht und mit welcher Rachsucht das Wahlvolk die Partei von einer Hölle in die nächste schickt, das ist schon erstaunlich. Freundlich betrachtet, korrespondiert der hohe Anspruch der Partei mit den Erwartungen aller anderen. Auch die Öffentlichkeit fordert von der Sozialdemokratie den ideellen Überschuss einer wegweisenden Politik. Die Partei soll nicht nur Probleme lösen, sie soll Orientierung geben und Perspektiven eröffnen. Deshalb landen die gesellschaftlichen und politischen Zukunftsfragen immer zuerst bei der SPD. Von ihr erwartet man Auskunft darüber, wie gerecht es künftig unter den Bedingungen der Globalisierung zugehen sollte oder wie unsere Wachstums- und Wohlstandserwartungen mit den ökologischen Zwängen zu vereinbaren seien. Wenn sie die Antwort schuldig bleibt und stattdessen auch nur, wie alle anderen, »auf Sicht« fährt, schlägt die Enttäuschung leicht in Häme um.

Über den nächsten Wechsel im Vorsitz der SPD wird bereits spekuliert

Zehn Jahre nach der umjubelten Kanzlerschaft Brandts verlor die SPD eine ganze Generation an die Grünen. Am Ende der Ära Schröder etablierte sich eine gesamtdeutsche Linke. In diesen beiden konkurrierenden Parteien zeigen sich für die SPD die ruinösen Kosten des Regierens. Und nun macht auch noch eine auf Mitte getrimmte Union den Raum für die SPD immer enger. Deren scharfe innerparteiliche Konflikte sind abgeflaut, stabilisiert hat sie sich in der Großen Koalition nicht. Davon zeugen drei Wechsel im Vorsitz der SPD. Über den nächsten wird bereits spekuliert. Das Erstaunlichste daran ist, dass es ihre Regierungsfähigkeit nicht wirklich beeinträchtigt.

Dennoch wird in Berlin schon fast ohne die SPD disponiert. Und sie selbst wirkt im Moment so passiv und ratlos, als habe sie sich mit dem drohenden Niedergang bereits abgefunden, als sei es egal, wie hoch ihre Verluste ausfielen. Doch zwischen niederschmetternden 25 Prozent, abgeschlagen in der Opposition, und passablen 30 Prozent, weiter in der Großen Koalition, liegt ein Unterschied, den die SPD erst ganz ermessen wird, wenn die schlimmere Variante eintritt. Das gilt auch für das Wahlvolk, das sich im Moment so verhält, als habe es noch ein paar Volksparteien in Reserve.

Für die SPD lohnt es sich, zu kämpfen. Und die Öffentlichkeit, enttäuscht von einer Sozialdemokratie, die ihre Zukunftsfragen nicht mehr beantwortet, muss sich nun selbst ein paar Fragen stellen: Hat es die SPD nach elf Jahren Regierung wirklich verdient, in der tiefsten Krise ihrer Geschichte zu landen? Soll ihr Einfluss auf die bundesdeutsche Politik drastisch und dauerhaft zurückgeschraubt werden, oder kann auch das die Kanzlerin der Mitte kompensieren? Wird die Republik damit zurechtkommen, wenn künftig nur noch die Union als einzige Volkspartei mit realistischem Führungsanspruch übrig bleibt?

Die SPD verdient ein faires Urteil der Wähler. Die Republik verdient es, nicht mit Merkel und Westerwelle allein gelassen zu werden.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leser-Kommentare

  1. Selbst den Rang einer Volkspartei könnte sie verlieren.

    - Hierin schon der größte und für kritischen Journalismus peinlichste Fehler. Dass ich in der ZEIT bis heute noch keinen Artikel habe lesen dürfen, der die Frage thematisiert hätte, ob es in einer Zeit, da selbst bei inländischen Wahlen lediglich 60% der Wahlbeteiligten an die Urnen treten, überhaupt noch von Volksparteien die Rede sein könne, ist eine Schande. Dass hier ebenso selbstverständlich davon geredet wird, es gebe in Deutschland noch Volksparteien, zeigt, wie weit die Journaille tatsächlich vom Wahlvolk entfernt ist.

    Wahlergebnisse müssen nicht gerecht sein, und gewählt wird eine Partei nicht für ihre vergangenen Verdienste, sondern weil es ihr gelingt, die Zukunftserwartungen einer Mehrheit auszudrücken.

    - Leider stimmt das bestenfalls zur Hälfte. Exemplarisch sei ausgerechnet auf die Wahl 2002 verwiesen: Die Entscheidung, sich nicht am Irakkrieg zu beteiligen, fiel bekanntermaßen vor der Wahl und gilt bis heute als maßgeblicher Grund für den damaligen Last-Minute-Erfolg der SPD.

    Dennoch ist die Vorstellung fast schon absurd, die SPD könnte im Herbst, trotz ihrer respektablen Regierungsbilanz, auf einen historischen Tiefpunkt abstürzen.

    - Nächster Satz, nächster Lapsus. Die Frage, ob die Regierungsbilanz der SPD in den Augen der Wähler respektabel erscheint, steht doch gerade zur Debatte. Woher nehmen Sie die Freiheit, mit diesem Prädikat um sich zu werfen, wenn es gerade die in der Vergangenheit - in Regierungsverantwortung - auf den Weg gebrachten Hartz-Reformen sind, die die Wählerschaft der SPD gegen "ihre" Partei aufbringen? Auf diesen Punkt werde ich noch zurückkommen.

    Man muss jedenfalls sehr weit zurückdenken, um bei der Union ein ähnliches Maß an Risikobereitschaft zu finden wie bei der SPD in den Jahren 2003 bis 2005.

    - Die "Risikobereitschaft" (= Verabschiedung von der eigenen sozialdemokratischen Identität) begann bei der SPD nicht erst 2003, sondern spätestens 1999, als Lafontaine nach Streitigkeiten über die Wiedereinführung der Vermögenssteuer die Partei verließ und damit - aktiv u. passiv - den Weg für den "realpolitisch" genannten Flügel freimachte. Dass die Union in den vergangenen Legislaturperioden keine "Risikobereitschaft" zeigen musste, lag schlicht und ergreifend daran, dass die SPD ihren Kurs auf den der Union eingestellt hat und nicht umgekehrt. Es hat keinerlei "Sozialdemokratisierung" der Union gegeben, sondern eine "Unionisierung" der SPD - warum sollte der politische Fixpunkt dabei seine Kurse ändern, risikobereit sein?

    Sie hat die Rente mit 67 beschlossen, die Konsolidierungspolitik an führender Stelle verantwortet und den Kurs in der Wirtschafts- und Finanzkrise maßgeblich mitbestimmt.

    - Eine halbe Billion Euro an Banken unter SPD-Finanzminister Steinbrück, der sich weiterhin gegen Steuererhöhungen bei Vermögens-, Börsenumsatz- und Einkommenssteuer ausspricht. Dass die Rente 67 vom Wahlvolk ebenfalls noch nie offen honoriert wurde, weil die Mehrzahl der Arbeitnehmer dieses Alter in Festanstellung nie erreichen (!), muss eigentlich gar nicht mehr öffentlich gegen die SPD ins Feld geführt werden. Es weiß jeder.

    Nun aber wird die Partei von den Wählern und der Öffentlichkeit einzig daran gemessen, dass sie die Rettung von Arbeitsplätzen etwas zu euphorisch propagiert hat

    - Nein, die Partei wird noch immer und seit Jahren schon daran gemessen, ob sie sozialdemokratische Politik macht oder nicht!

    Zum Schluss doch aber einmal Zustimmung: Die Republik verdient es, nicht mit Merkel und Westerwelle allein gelassen zu werden.

    Das immerhin sind verhältnismäßig klare Worte für eine ZEIT-Titelseite.

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    Fünf Sternchen   Michel Katzentisch

    Danke!

    Michel Katzentisch

    Und ein "Danke" obendrauf für die zähe Mühe, sich mit einzelnen Punkten in dieser Polemik auseinanderzusetzen.

    Alles Gute
    Kai Hamann

    ...aber leider nur schriftlich durch diesen Kommentar, weil bei mir seit ein paar Tagen die Bewertungsfunktion ausgefallen ist. Diese wird ganz einfach nicht eingeblendet. Hat sonst noch jemand Probleme damit? Ich hatte vor Kurzem den Firefox 3.5 installiert und seitdem funktioniert die Bewertung auf Zeit Online bei mir (übrigens auch mit dem Internet Explorer 8) nicht mehr. An die Redaktion habe ich schon eine entsprechende Anfrage geschickt, bisher aber noch keine Antwort erhalten. Das könnte daran liegen, dass Wochenende ist.
    Weiss hier jemand genaueres?

    Vielen Dank für eventuelle Antworten

    MfG

    IPJ

    Sehr guter Kommentar auf den Zeit-Artikel.
    Eine Partei, die sich dermaßen von den Zielen ihrer Gründerväter verabschiedet hat, die mehr und mehr zu einer neoliberalen Witschaftspolitik umgeschwenkt ist und die sich auf Kriegsabenteuer einläßt hat es nicht verdient, an der Regierung beteiligt zu sein. Da die Führungsriege der SPD offenbar nicht Willens und/oder nicht in der Lage ist, den Kurs zu ändern, hilft nur eine Zeit in der Opposition zur personellen und inhaltlichen Erneurerung. Vieleicht auch, um die historisch falsche Spaltung der linken Kräfte, die maßgeblich durch die Führung der SPD betrieben wird, zu überwinden. Es gibt Alternativen zur SPD, jenseits der Union und der FDP. Nichtwählen heißt die rechten Parteien zu stärken.

    5 Sterne   Thrudheim

    für Ihren Beitrag.

    ... einwandfreien Kommentar, im Gegensatz zum Artikel von Herrn Geis.

    > Das Land, das sich anschickt, die Genossen in die Marginalisierung zu entlassen, ist nach elf Jahren sozialdemokratischer Regierung ökologischer, liberaler, moderner, ökonomisch stabiler und entspannter als vor ihrem Machtantritt im Jahre 1998. Die Republik hat der SPD einiges zu verdanken. <

    Unglaublich !!!

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Die SPD steht links und kann in den Augen ihrer Klientel keine vernünftige und verantwortliche Politik machen. Basta!

    "......Zum Schluss doch aber einmal Zustimmung: Die Republik verdient es, nicht mit Merkel und Westerwelle allein gelassen zu werden....."

    Angesichts der Macht der rechten Medien, zu denen inzwischen DIE ZEIT auch zählt - ist eine schwarz/gelbe Regierung das wohl das einzige Mittel, um das Volk zu politisieren und zu mobilisieren!!

    Zitat Prof.Dr.Winfried Schulz(2005):

    "....... Massenmedien und Realität

    Das Ergebnis eindrucksvoller Studien über die Beziehung zwischen Medien und Realität lautet, dass die Massenmedien die Wirklichkeit nicht repräsentieren und schon gar nicht widerspiegeln.

    Die Berichte der Medien sind oft einseitig, ungenau und verzerrt, sie bieten manchmal eine ausgesprochen tendenziöse Weltsicht.

    Politische Nachrichten präsentieren eine Politik-Illusion.

    Sie konzentrieren sich auf prominente Personen der politischen Exekutive, auf Negativismus und auf Dramatik, auf fragmentiertes Geschehen und auf die Sichtweise der westlich-atlantischen Welt.

    Es scheint, als sei es müßig, die Berichterstattung an Prinzipien wie Objektivität und Wahrheit zu messen.

    Für die Abweichung der politischen Berichterstattung von Prinzipien wie Objektivität und Wahrheit gibt es zwei verschiedene Erklärungen.

    1.Es handelt sich um politisch-ideologische Einseitigkeit. Dies ist ein Fehlverhalten, das den politischen Vorurteilen oder Absichten der Journalisten / Verleger /Programmverantwortlichen zuzuschreiben ist, deren (Partei-) – politische Einstellungen unwillkürlich oder absichtsvoll die Medieninhalte einfärben. Man würde im Deutschen eine solche Berichterstattung als tendenziös oder parteilich bezeichnen.

    2.Zum anderen können Abweichungen vom Objektivitäts- und Wahrheitsgebot auf das strukturelle Unvermögen der Medien zurückzuführen sein, die Wirklichkeit in allen ihren Facetten abzubilden. Die Berichterstattung muss bei der medialen Codierung und Formatierung der politischen Realität diese notwendigerweise verkürzen, akzentuieren und interpretieren. Dies ist ein wesentlicher Aspekt dessen, was als Medialisierung bezeichnet wird.
    Die Realität wird durch die mediale Informationsverarbeitung in eine Medienrealität umgewandelt.
    ......"

    Quod erat demonstrandum

  2. "...verlor die SPD eine ganze Generation an die Grünen." - Zu Schröders Zeiten sprach noch kaum jemand von einer Überalterung der Partei. Heute hat man den Eindruck, die SPD würde nur noch aus Politik - Rentnern bestehen. Die aber können nicht glaubhaft vermitteln, was zukunftsfähig ist und was nicht.
    Ein Kanzlerkandidat Steinmeier ohne das geringste Charisma, steif und immer bemüht, nur nichts falsches zu sagen, ist eine traurige Gestalt, die zur Gegenwart (zumal der Begeisterunsgfähigkeit eines Obama) nicht passt. Dass so jemand überhaupt zum Kandidaten werden konnte, sagt viel über die Partei aus. Nicht einmal der dröge Scharping, sicherlich auch kein Glücksfall der Nominierung, hat seinerzeit einen so hilflosen Eindruck hinterlassen.
    Niemand kann sich wünschen, dass es die Partei zerreißt, aber was ihr helfen wird, das ist die Opposition. Zeit, in der politischer Nachwuchs sich für Ämter empfehlen kann.
    Zeit, ein neues Profil zu entwickeln, und Raum, um die (zu) ambitionierten Reformen Schröders einzuordnen.

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    Das meine ich auch, ab in die Opposition. Dann haben die mindestens 4 Jahre oder mehr Zeit, über ihre Fehler nachzudenken, sich zu sammeln und zu ordnen.

    Sowie es bei denen abgeht, Null-Chancen für einen SPD-Kanzler. Unsere FDJ-Sekretärin, wird wohl oder über, weiter Kanzlerin und Staatsmännin spielen dürfen. Herr Westerwelle wird sie freundlichst unterstützen.

    Weiter so, wählt alle CDU/CSU/FDP und SPD, dann kommt ihr alle ins Paradies und alle Sünden werden Euch erlassen. So oder ähnlich läuft es doch ab. Schlaf weiter deutscher Michel.

    Viele Grüße von Harry!

  3. Unterstellen wir einmal, die SPD handelt und redet nur in bester und lauesteter Absicht für das Wählervolk - woran ich allerdings etliche Zweifel hege - dann haben sie, die Parteimitglieder, es dennoch nicht geschafft, diese von ihnen beschworenen Ziele zu erreichen.

    Dafür müssen sie halt abtreten.

    Das exculpiert jedoch keineswegs die anderen Parteien ;-)

    • 09.07.2009 um 13:23 Uhr
    • Chali

    Dem Autor, so mein Eindruck, würde es im Traum nicht einfallen, jenen Haufen Dienstwagen und Versorgungsstellen zu verschaffen. Aber andere sollen es tun.
    Dafür sucht man schön ein paar Dumme - auf mich müsst ihr da verzichten.

    "Es war doch alles nur zu Eurem Besten". So ungefähr?

    Auf die Einzelheiten des Artikels will ich gar nicht eingehen - wo käme man da hin!
    Ich meine
    ... und den Kurs in der Wirtschafts- und Finanzkrise maßgeblich mitbestimmt. Wohl wahr, kann man da ausrufen.
    Vor allem ist jedoch wahr, dass sie zunächst und vor allem
    ... den Kurs in die Wirtschafts- und Finanzkrise maßgeblich mitbestimmt haben!
    Wer hat denn die Heuschrecken erst ins Land geholt, wer hat den die bad banks in Irland und auf den Caymans erst erlaubt?

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • 09.07.2009 um 14:54 Uhr
    • Chali

    ... oder die nachdenkseiten zu Tage fördern ....

    Ich zitiere voller Zustimmung den letzten Abschnitt aus
    http://www.fr-online.de/_...

    Das Volk ist ein trotziger Lümmel. Es versteht noch immer nicht. Und so bleibt es bei zwanzig Prozent. Ich wundere mich, bitter und böse, wie ich bin, dass es überhaupt noch so viel sind.

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

  4. Das ist unglaublich. Ein solcher Artikel auf der Titelseite.
    O.K., „Die Zeit“ ist SPD –nah. [...] Alle Mitschuld der SPD am Zustand unserer Republik mit Agenda 2010, INSM, Hartz 4, Vorratdatenspeicherung, Zustimmung zu unregulierten Finanzmärkten im Koalitionsvertrag, Kriegseinsätzen usw. wird einfach unterschlagen.
    Aber eigentlich wundert es mich nicht wirklich.
    Wer eine Zeitung herausgibt und selbst in elitären und undemokratischen Klubs wie bei den Bilderbergern vertreten ist und dies seinen Lesern vorenthält, von dem kann keine wirkliche Aufklärung erwartet werden.

    Nur weiter so, werde mein Abo kündigen und die „Junge Welt“ bestellen.

    Zur Unterhaltung mein momentanes Lieblingslied:

    http://www.youtube.com/wa...

    [Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was die ZEIT macht, müssen Sie den Entscheidungsträgern des Zeitungsverlages schon zugestehen. Sie können ja linksradikale Blätter abonnieren.

    Die SPD wird von verschiedenen Polen zerrieben. Zum einen sind da die Leute, die in der Wirklichkeit angekommen sind, und die unter realen Bedingungen etwas für die Bürger verbessern wollen, zum anderen sind da die Vertreter von Wolkenkukucksheimen ganz am linken Rand, wie z.B. Frau Drohsel, Frau Nahles, und wie sie alle heißen. Dieser Flügel hat in der letzten Zeit ja noch einmal Auftrieb erhalten, die Umfragewerte sacken zeitgleich immer tiefer in den Keller. Die "Arbeiterpartei" muss sich ihre Klientel im 21.ten Jahrhundert neu suchen. Nicht das Lumpenproleteriat wurde von der SPD angesprochen, sondern dem "ehrlichen Arbeiter" galt die Aufmerksamkeit. Heutzutage werden aber immer mehr Akademiker zu den Arbeitern, "brain workers". Diese Leute werden aber kaum angesprochen.
    Wenn immer mehr in die sozialen Sicherungssysteme gezahlt werden soll, ohne nennswerten Rückfluss ergibt sich kein Sinn die SPD zu wählen. Meines Erachtens können diese Leute, bei rationaler und objektiver Betrachtung der Lage nur FDP wählen. Aber das ist eine andere Diskussion.
    Gerade das Wahlprogramm der SPD für die Bundestagswahl läßt nicht erkennen, das die SPD erkannt hat wo Deutschland im 21.ten Jahrhundert steht.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    • 11.07.2009 um 21:21 Uhr
    • gauss

    Was die ZEIT macht, müssen Sie den Entscheidungsträgern des Zeitungsverlages schon zugestehen. Sie können ja linksradikale Blätter abonnieren.

    Die SPD wird von verschiedenen Polen zerrieben. Zum einen sind da die Leute, die in der Wirklichkeit angekommen sind, und die unter realen Bedingungen etwas für die Bürger verbessern wollen, zum anderen sind da die Vertreter von Wolkenkukucksheimen ganz am linken Rand, wie z.B. Frau Drohsel, Frau Nahles, und wie sie alle heißen. Dieser Flügel hat in der letzten Zeit ja noch einmal Auftrieb erhalten, die Umfragewerte sacken zeitgleich immer tiefer in den Keller. Die "Arbeiterpartei" muss sich ihre Klientel im 21.ten Jahrhundert neu suchen. Nicht das Lumpenproleteriat wurde von der SPD angesprochen, sondern dem "ehrlichen Arbeiter" galt die Aufmerksamkeit. Heutzutage werden aber immer mehr Akademiker zu den Arbeitern, "brain workers". Diese Leute werden aber kaum angesprochen.
    Wenn immer mehr in die sozialen Sicherungssysteme gezahlt werden soll, ohne nennswerten Rückfluss ergibt sich kein Sinn die SPD zu wählen. Meines Erachtens können diese Leute, bei rationaler und objektiver Betrachtung der Lage nur FDP wählen. Aber das ist eine andere Diskussion.
    Gerade das Wahlprogramm der SPD für die Bundestagswahl läßt nicht erkennen, das die SPD erkannt hat wo Deutschland im 21.ten Jahrhundert steht.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    Antwort auf "Ich bin schockiert"
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    Wenn die SPD wirklich so "rechts" ist, wie ihr immer wieder bescheinigt wird,
    wähle ich doch das Original CDU und nicht ihr pinkfarbenes Abziehbild SPD!

    • 11.07.2009 um 21:22 Uhr
    • Komabe

    Es ist unzulässig, eine politische Partei wie eine Person darzustellen. Dass eine Regierungspartei Einfluss auf die Politik hat, ist absolut selbstverständlich und darf meines Erachtens nicht als Leistung, Risikowagnis oder sonstwie dargestellt werden. Hier muss niemand der SPD oder sonst irgendeiner Partei nachtrauern und nochmals klarstellen, was sie bereits alles geleistet hat. In letzter Instanz sind es immer die Wähler, die die Verantwortung tragen. Die Partei muss sich -so sind die demokratischen Spielregeln, mit all ihre Vor- und Nachteilen- in gewisser Weise immer dem Volk anbieten, um Einfluss gewinnen zu können. Ich beobachte seit längerer Zeit, dass im Zweifel die Partei gewählt wird, deren Wahlprogramm bekömmlicher ist -falls dieses Wahlprogramm überhaupt gelesen wird oder deren Inhalt nur über grundsätzlich anzweifelbare mediale Berichterstattung an den Mann/die Frau gebracht wird- und dessen Folge langfristig katastrophale Entwicklungen sind, weil kaum jemand -das ist der Schwachpunkt der Demokratie- noch die Eier hat, Wahrheiten auszusprechen und diese, wie beispielsweise unsere Staatsverschuldung, auch entsprechend anzugehen, weil dadurch letztlich der Einfluss wieder schwinden wird.

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  • Von Matthias Geis
  • Datum 11.7.2009 - 19:59 Uhr
  • Serie Audio
  • Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
  • Kommentare 148
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  • Schlagworte SPD | Bundestagswahl
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