AutotestEin Auto mit Bildungsauftrag

Unser ZEIT-Autor fährt den Renault Clio Grandtour. Und er entdeckt im Kombi das Erbe des R4 von Ralph Geisenhanslüke

Der Clio Grandtour in der Seitenansicht

In die Breite gegangen: Seit seiner Premiere kurz nach dem Mauerfall hat der Clio deutlich zugelegt  |  © Renault

Als der créateur d’automobiles den Clio erschuf, hatte er einen besonders guten Tag. Klar, schon lange hatte er Autos nicht einfach gebaut, sondern kreiert. Doch hatte er seine Schöpfungen jahrzehntelang nach einem schlichten Nummernsystem benannt. Nun wurde Klio herbeizitiert, die griechische Muse der Heldendichtung und Geschichtsschreibung. Die Stufenheckversion wurde benannt nach Kollegin Thalia, zuständig für das Unterhaltungsressort.

Es war 1990, kurz nach dem Mauerfall, die Welt ordnete sich neu, alles schien möglich, sogar Autos mit Bildungsauftrag. Und der Renault Clio, ein Nachfahre des legendären R4, zeigte der Welt, wie wenig materiellen Besitz man braucht, wenn man mit den Musen im Bunde ist. Ein nonkonformistisches, geradezu philosophisches Vehikel.

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Der Clio stand für eine Lebensart, die ihre Gefühle lieber selbst erfuhr, statt sie irgendwelchen Statussymbolen zu entleihen. Es gibt keine Rocksongs, die von ihm handeln. Niemand träumt davon, auf seinem Rücksitz verführt zu werden. Menschen, die solch ein Auto fuhren, sangen selbst und hatten Sex im Freien. Unter der Motorhaube, das wussten Clio-Fahrer, lag fast nichts, aber draußen, jenseits der Windschutzscheibe, da lag der Strand.

Im Französischen ist das Auto weiblich. Wie liebevoll und delikat klingt es, wenn Franzosen über ihre alte Mühle schulterzuckend sagen: "Elle est vieille, mais…" Sie ist alt, aber…

Es soll also nicht ungalant wirken, wenn das Unübersehbare ausgesprochen wird: Clio ist in den letzten 20 Jahren ziemlich in die Breite gegangen. Parkt man die Kombiversion Grandtour neben einem 3er-BMW-Kombi, wirken beide beinahe gleich groß. Mit dem feinen Unterschied, dass Clio voll ausgestattet vielleicht die Hälfte kostet.

Clio ist nicht unbedingt eine Schönheit, aber sie ist sparsam, flott, geräumig, alltagstauglich, komfortabel und effizient. Das Modell des Jahres 2009 hat so ziemlich alles, was sonst erst in der oberen Mittelklasse üblich ist: Kurvenlicht, Pollenfilter, ESP, die Klimaanlage kühlt das Handschuhfach, und das Navi hat sogar eine Fernbedienung. Damit können die Beifahrer das Programmieren übernehmen, ohne dem Fahrer in die Quere zu kommen. Das ist schon wesentlich mehr, als essenziell zur Fortbewegung nötig ist. Aber bei weitergehender Betrachtung trägt es dazu bei, dass man beim Fahren den Kopf frei hat für die wesentlichen Dinge im Leben. Ganz im Sinne des Schöpfers.

Technische Daten:
Motorbauart: 4-Zylinder-Turbodieselmotor
Leistung: 76 kW (103 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 186 km/h
CO²-Emission: 124 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter
Basispreis: 20.500 Euro

Korrektur : Dieser Text war ursprünglich mit einer Bildstrecke versehen, die mit Werksfotos des Herstellers Renault bestückt war. Die Tatsache, dass es sich hier um Werksfotos handelte, war gut sichtbar gekennzeichnet. Da der Text selbst sich aber sehr positiv über den besprochenen Wagen äußert, wurde die Frage erhoben, ob es sich hier eventuell um Schleichwerbung handeln könne. Selbstverständlich ist dies nicht der Fall. Um aber jeglichen weiteren Missverständnissen vorzubeugen, haben wir die Bildstrecke vorsorglich entfernt und nur noch ein als Werksfoto deklariertes Bild stehen lassen, das den besprochenen Wagen zeigt. Vielen Dank an Thomas Mrazek für den Hinweis.

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Leserkommentare
    • Colón
    • 09. Juli 2009 14:59 Uhr

    ...mit der "Clio" sollte auch so heißen. "Test" ist etwas hoch gegriffen, gerade wenn es um "Bildung" geht.

    Allerdings kann die "Basisversion" nur um die 13.000 EURO kosten und nicht 20.500 EURO.

    Grüße
    Christoph Leusch

  1. Man kann den Wagen - und viele - mehr übrigens bei www.probefahrten.cc testen, recht hilfreiche Seite wie ich finde.

    Gruß
    Autofreak

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