Schule Mündig sein
Eine Rede, gehalten an der Paul-Natorp-Oberschule in Berlin. Gewidmet dem Abiturjahrgang von 2009
Liebe Schülerinnen und Schüler,
meine Damen und Herren!
Meine kurze und, so hoffe ich, bündige Rede steht unter der Überschrift “Mündig sein”. Mündig, ein schönes, altdeutsches Wort. Es bedeutet: verantwortlich werden und also den Mund aufmachen. Als ich im Alter der hier versammelten Schülerinnen und Schüler war, herrschte Krieg. Und aufgewachsen unter der Zucht und ideologischen Prägung des Nationalsozialismus standen wir unter Befehlsgewalt und lernten einen blinden Gehorsam, der für viele meiner Generation in den Tod führte.
Erst in der Nachkriegszeit, mittlerweile achtzehn, neunzehn Jahre alt, lernte ich mühsam zu unterscheiden, mich selbst zu befragen und laut vernehmlich zu widersprechen. Ich wurde im Nachholverfahren mündig und fand während einer Zeit politischer Restauration, also in den 50er und 60er Jahren der Adenauer-Ära Gelegenheit genug, mein “Ja” und mein “Nein” zu erproben, widerständig zu sein.
Sie hingegen wachsen in einer Zeit auf, in der die Floskel vom “mündigen Bürger” zum Allgemeinplatz geworden ist. In jeder Sonntagsrede wird er umworben. Da ich aber das Vergnügen habe, an einem Wochentag zu Ihnen zu sprechen, soll geprüft werden, ob es ihn im ausreichenden Maße gibt, den Bürger, der bereit ist, den Mund aufzumachen und zu widersprechen, wenn, um ein Beispiel zu nennen, die genauso oft berufene “Demokratische Grundordnung” aus den Fugen gerät.
In diesem Jahr stehen in der Bundesrepublik Deutschland viele Feiern an. Politiker beglückwünschen sich gegenseitig, als hätten Sie vor zwanzig Jahren das gesamtdeutsche Machwerk, die Mauer, zu Fall gebracht. Zugleich feiern wir sechzig Jahre Grundgesetz. Und gleichfalls tun unendlich viele Schönredner so, als habe dieses Fundament unserer Demokratie nicht im Verlauf der Jahre Schaden genommen. So wurde ein Kronjuwel, der Asylartikel, verunstaltet. Seitdem ist das Abschieben von Flüchtlingen, das heißt von Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, alltäglich geworden. Familien werden auseinandergerissen. Als neudeutsches Wort macht uns die Prägung “Abschiebehaft” Schande.
Ein anderes Beispiel: Als vor annähernd zwanzig Jahren die deutsche Einheit auf’s Vertragspapier kam, wurde der Schlußparagraph des Grundgesetzes, der wohlweislich vorgeschrieben hatte, im Fall einer deutschen Einheit dem deutschen Volk eine neue Verfassung vorzulegen, mißachtet, die Einheit wurde ruckzuck über den Anschlußartikel 23 vollzogen, der Westen nahm den Osten in Besitz, mit Folgen bis heute: die Einheit steht nur auf dem Papier.
Da ich sicher bin, daß in der Paul-Natorp-Oberschule insbesondere in diesem Jahr die Überprüfung unserer Verfassung mit der Verfassungswirklichkeit zum Unterricht gehörte, ist Ihnen allen sicher in Erinnerung, daß, laut Verfassung, vor dem Recht jeder Bundesbürger gleich ist. Ein schöner Grundsatz. Ein demokratischer Rechtsanspruch, der jahrhunderte-lang umstritten war, erkämpft werden mußte. Doch hält diese Garantie, was sie verspricht? Ich nenne ein Beispiel dieser Tage: Dank unserer fleißigen Medienberichterstattung sahen und hörten wir, wie der Beherrscher der Post und Telekommunikation, ein Herr Zumwinkel, abgeführt wurde, weil er Millionen der Steuer hinterzogen und in dem Schlupfloch Liechtenstein versteckt hatte.
- Datum 05.08.2009 - 11:28 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
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erkennen auch Intellektuelle wie Günter Grass die Gefahren, die unsere Demokratie bedrohen und werden aktiv. Es wird höchste Zeit. Sie haben lange geschlafen.
Ein gutes Wort!
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"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
In Wahrheit hätte noch hinzugefügt werden müssen, dass es keinen wirklich freien, deutschen, demokraitschen Staat gegeben hat. Die Weimarer Republik war wirtschaftlich durch die Reperationszahlungen und die mit der Besetzung des Ruhrgebiets verbundene Hyperinflation so angeschlagen, dass sie die der US-Weltwirtschaftskirse wenig entgegen zu setzen hatte.
Die BRD ist der allierte dt. Vorzeigefrontstaat - der US Vasallenstaat - während die DDR das Pendant im Osten war.
Mit der Widervereinigung und noch viel wichtiger, mit der Einigung Europas, endet hoffentlich langsam die Knechtschaft Deutschlands unter dem Adligen USA. Es wäre eine riesige Chance das Grundgesetz nun nach vollzogener Einheit neu zu überarbeiten. Die Gründe für ein schnelles unterschlüpfen der DDR unter das GG sind nicht von der Hand zu weisen und die Entscheidung war damals wahrscheinlich politisch sinnvoll.
Heute verhindert die europäiche Einigung dieses Projekt. Leider ist unser Europa kein demokratisches Gebilde. Doch für eine funktionierende Demokratie braucht es auch einen mündigen Bürger. Einen Bürger der im Gegensatz zum Artikel nicht nur seine Meinung äußert, sondern auch Gedanken an die Konsequenzen seiner Handlungen verschwendet. Solange die Beerdigung von Michael Jackson mehr Beachtung in der breiten Bevölkerung findet wie das Töten von min. 100 Menschen in China, solange ist es vielleicht besser wenn wir in einer Scheindemokratie leben.
Mündigkeit setzt mehr voraus als eine willkürliche Willensbekundung. Mündigkeit ist anstrengend und fordernd. Mündigkeit umfasst den Versuch wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen zu wollen (und können). Mündigkeit beinhaltet auch die Frage, welche Ziele unsere Gesellschaft verfolgt - doch welcher Bürger in Deutschland verschwendet schon seine spärliche Freizeit auf diese Fragen?
aber nichts Neues.
Gerade der Absatz über die Weimarer Republik zeugt davon, wie sehr G. G. in der etablierten, allgemein als "richtig" akzeptierten Weltsicht verhaftet ist.
Ich sehe übrigens einen gewissen Widerspruch darin, zum einen Menschen zur Mündigkeit erziehen und zum anderen zu einem bestimmten Staatsystem überreden zu wollen. Demokratie in der hiesigen Form lässt sich - bei allen Vorteilen, die ich sehr wohl anerkenne! - nicht direkt aus Mündigkeit/Vernunft ableiten. Solche Annahmen sind pure Ideologie. Ein eigenständiger Verstand kann auch zu anderen Schlüssen kommen.
Also; bitte mehr Ehrlichkeit bei der Werbung und weniger Vereinnahmung von philosophischen Begriffen.
Wer Hindenburg aussen vorlaesst, hat das Ende von Weimar nicht verstanden!
Denn wo der Bock den Gaertner gibt, gedeiht kein Gras.
Bin zwar kein Abiturjahrgang 09 aber ich fang schon mal an: Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Nein nicht für Demokratie sondern für unser Selbstbestimmungsrecht.
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Das Volk sind wir! Wir sind das Volk! ... Wer ist wir? Na WIR! und wer ist das Volk? Na auch WIR! WIR sind WIR!
Ja und was ist jetzt? Das deutsche Volk bestimmt selbst was es will oder nicht will, sonst niemand. Oder etwa doch nicht? Nicht jammern... klar sagen was man will oder nicht, machen Freunde machen.
- viele Parlamentarier waren und sind Juristen, und sorgen für immer neue Gesetze, Verordnungen usw. - viel eingeschränkter als der Alltag in einer Diktatur. Man bekommt immer mehr Lust, diesem Land den Rücken zu kehren..
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