Internet Die Freiheit kommt Bit für BitSeite 2/2
Auch in China ist der kommunistischen Partei eine gewisse Partizipation via Internet durchaus willkommen – solange nicht die Systemfrage gestellt wird. Mit entsprechenen Websites will die Regierung die Korruption eindämmen und sich einen modernen Anstrich geben – die ultimative Kontrolle sowohl über die Themen als auch über die Ergebnisse bleibt natürlich bei der Partei. Das erinnert an die Zeit, als Mao unter dem Motto »Lasst hundert Blumen blühen« das Volk auf Wandzeitungen seine Meinung sagen ließ, bevor die Kulturrevolution den Keim der Freizügigkeit erstickte.
Blühen die Blumen zu üppig, dann werden die Regime nervös und repressiv. In den vergangenen Tagen schloss die chinesische Regierung mehr als fünfzig uigurische Internetforen, die Webseiten von Twitter und YouTube waren in der Provinz Xinjiang nicht mehr erreichbar. Schon vor drei Jahren stellte die Open Net Initiative (ONI), zu der sich Institute der Universitäten Harvard, Toronto, Oxford und Cambridge zusammengeschlossen haben, fest, dass weltweit in insgesamt 26 Staaten Internet-Inhalte gefiltert würden. Soeben wird die Untersuchung wiederholt – mittlerweile hat sich die Zahl schon auf 36 erhöht.
Die Technik für die Netzkontrolle stammt meist aus dem Westen. Hard- und Software, die etwa in Deutschland für die Vorratsdatenspeicherung eingesetzt wird, »eignet sich theoretisch auch dafür, Nutzer auszuspionieren und unerwünschte Inhalte zu blockieren«, sagt der ONI-Forscher Rafal Rohozinski. Es sei eine bittere Ironie, dass ausgerechnet im Namen der Cybersicherheit solche Technologien im Westen kommerziell verfügbar würden.
Zugleich liefert der Westen allerdings auch die Gegenmittel. So nutzten iranische Surfer in den vergangenen Wochen verstärkt den Anonymisierungsdienst Tor. Dafür stellen Freiwillige aus vielen Ländern Server zur Verfügung; in einer Art Stille-Post-Technik ermöglichen diese dann Surfern aus unfreien Ländern den Aufruf blockierter Websites auf Umwegen. Auch der Dienst Psiphon leitet die Inhalte geblockter Seiten so um, dass sie an der Zensur vorbei gelesen werden können.
Letztlich kann heute kein Diktator mehr verhindern, dass Nachrichten über menschliches Elend und undemokratische Zustände nach außen dringen. Selbst Skeptiker wie Morozov sind überzeugt: »Ein zensiertes Netz ist besser als gar keins.« Und mit Blick auf Iran sagt Konstantin Kosten von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: »Die Vorteile und der Einfluss des Internets auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen überwiegen bei Weitem die negativen Folgen.«
Der Preis für eine totale Informationskontrolle wäre die totale Abschottung nach außen, und die kann sich in der globalisierten Welt nur noch Nordkoreas Kim Jong Il leisten. Das Netz ist also nicht zu stoppen – automatisch zur Freiheit führt es allerdings nicht. Die müssen sich die Menschen immer noch selbst erkämpfen.
Anmerkung: In der ursprünglichen Version wurden die herrschenden Kreise Russlands als "Kommunisten" bezeichnet, was sicherlich seit 1991 nicht mehr korrekt ist.
- Datum 13.07.2009 - 11:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
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Die Kreml-Strategen erhoffen sich davon, jene Bevölkerungskreise zu erreichen, die weder loyal zur Regierung stehen noch deren Kritiker sind – Journalisten, Kreative, Computerspezialisten. Die Kommunisten scheinen dabei das Netz und seine Mechanismen besser verstanden zu haben als viele westliche Politiker, die im Internet nicht viel mehr als eine weitere Plakatwand sehen.
Ich hoffe doch, ich hab den Zusammenhang nicht verstanden und sie bezeichnen die Kreml-Strategen nicht als Kommunisten.
"Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun…"
Danke für den Hinweis auf diesen peinlichen Fehler, der sich irgendwo in der Bearbeitung des Artikels eingeschlichen hat - ich habe die Formulierung korrigiert!
Danke für den Hinweis auf diesen peinlichen Fehler, der sich irgendwo in der Bearbeitung des Artikels eingeschlichen hat - ich habe die Formulierung korrigiert!
Die Software TOR und vergleichbare Deinste spielen ironischerweise eine besonders wichtige Rolle bei der Vermittlung von Informationen aus demokratiefeindlichen Regionen. Ironischerweise, weil auch demokratische Regierungen dieses Tool gerne verbieten würden. Sie werden angeblich für kriminelle Zwecke verwendet.
Die Macht hat immer etwas "im Gepäck" was viele Mächtige nicht beachten: Verantwortung für die, die ihr "unterstellt werden" ohne eine Garantie für diesen Status geben zu können.
Wer der Verantwortung ihr nicht gerecht wird, reizt die Fundamente seiner Macht, die Zustimmung der "Bemächtigten". Sie entscheidet letztlich über Macht und Ohnmacht und die Risikobereitschaft des Gefolges lässt den Spielraum des Neins größer oder kleiner werden. Ein überzeugtes Nein wird keine Macht wirklich antasten können, genauso wenig wie den Weg zu einem wirklich überzeugenden Ziel endgültig versperren. Nein oder Ja können sich in Regionen zurückziehen, die der menschlichen Intelligenz nicht zugänglich sind. Wer einer inneren Überzeugung zuwiderhandelt, legt sich mit überlegenen Kräften an. Das Internet ist ein Feld, wo ständig neue Entwicklungen zu erwarten sind, die aus ehemals sicheren Burgen, lästige Hindernisse machen können, die sich höchstens als Trainingsfeld eignen für die, die ihre Freiheit nicht so ohne weiteres aufgeben.
Man sollte auch erwähnen das es äuserst heikel sein kann Internet Dienste, vor allem Soziale Netzwerke zu benutzen:
http://www.tagesschau.de/...
Da wird es einem kurz ganz anders wenn man das liest :/
Es ist eben dieser grundsätzliche Denkfehler, den Huntington bereits vor 15 Jahren kritisiert hat. Der Westen unterliegt dem fatalen Irrtum, dass alle Menschen dieser Welt so sein wollen wie er und jeder Mensch ist umso westlicher, je mehr er twittert, bloggt, in einen BigMac beißt, Action Filme sieht, Bluejeans trägt und Englisch spricht. All diese Dinge besiegen den Totalitarismus leider genauso wenig wie der Mikrochip. Der Unterschied zwischen dem Westen und China/Birma/Iran besteht nicht in den Konsum- und Freizeitgewohnheiten, sondern in den gesellschaftlichen Werten. Eine Nation kann nur dann eine Demokratie nach westlichem Maßstab werden, wenn Pluralismus und Individualismus als grundlegende Wesensmerkmale ihrer Gesellschaft vorhanden sind. Dem ist in diesen Ländern aber nicht so und es ist naiv zu glauben, dass ein Land wie China, in dem seit Jahrtausenden das Kollektiv wichtiger war als das Individuum, plötzlich dank Facebook und Twitter nach Demokratie strebt und nur die böse KP mit ihrer Great Firewall dazwischen steht.
Das ist interessant, was sie schreiben. Hat sicher auch einen wahren Kern. Ich stelle dem mal provokativ entgegen, daß die KP jedenfalls nicht so naiv ist, auf die Great Firewall zu verzichten.
Das ist interessant, was sie schreiben. Hat sicher auch einen wahren Kern. Ich stelle dem mal provokativ entgegen, daß die KP jedenfalls nicht so naiv ist, auf die Great Firewall zu verzichten.
Ist der hier einfach nur weiterführend.. vielleicht sollte man eine "Strichliste" führen wie viele von den Ländern die eine Internet-Zensur eingeführt haben bis zum Jahre 2030 in politisch unveränderte Form existieren.
Das ist interessant, was sie schreiben. Hat sicher auch einen wahren Kern. Ich stelle dem mal provokativ entgegen, daß die KP jedenfalls nicht so naiv ist, auf die Great Firewall zu verzichten.
Äh, das können Sie selbstverständlich, ich weiß nur nicht was das mit dem von mir verfassten Beitrag zu tun hat;)
Äh, das können Sie selbstverständlich, ich weiß nur nicht was das mit dem von mir verfassten Beitrag zu tun hat;)
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Die Antwort ist in Kommentar 9 :-(
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