Streitfall Kredit Die BankenbändigerSeite 2/2

So wie bei Klaus Fliegler. Der 58-jährige Franke schleppte nach dem Verkauf seines Logistikunternehmens 2002 noch einen Kredit über 2,2 Millionen bei der Hypo Real Estate mit sich herum, der mit mehreren Immobilien besichert war. Als Fliegler, der in Wirklichkeit auch anders heißt, nicht mehr zahlen konnte und umschulden wollte, engagierte er ein Beratungsunternehmen, das ihm ein Geschäftsfreund empfohlen hatte. Doch anstatt zu helfen, versuchte die Firma hinter seinem Rücken einen Deal mit der Bank auszuhandeln. »Die haben in mir nur eine Melkkuh gesehen«, sagt Fliegler, der an die Berater nach eigener Aussage fast eine Viertelmillion Euro verloren hat.

»Die Juristen in der Bank wollen nur vollstrecken«

Als die Hypo Real Estate seinen Kredit 2006 an die Archon Bank verkaufte, eine Tochter von Goldman Sachs, hatte Fliegler es plötzlich mit einem Finanzinvestor zu tun, der den Kredit möglichst schnell verwerten wollte und die Zwangsvollstreckung androhte. Fliegler überlegte erst zu klagen, wendete sich dann aber an den Münchner Wirtschaftsmediator Hans Kirner, der ihn darin bestärkte, den Konflikt auf dem Verhandlungsweg zu lösen. »Wenn die Bank alle Register zieht, ist der Kunde am Ende meist pleite – selbst wenn er in letzter Instanz vor Gericht vielleicht Recht bekommt«, sagt der frühere Unternehmensberater Kirner. Zwar blieben die Verhandlungen mit der Archon Bank schwierig. Immerhin aber konnte der Mediator erreichen, dass die Vollstreckung aufgeschoben wurde – und Fliegler damit mehr Zeit hatte, selbst einen Käufer für seine Immobilien zu finden.

Warum aber setzen Banken nicht häufiger von sich aus auf den Verhandlungsweg? Die Kundenberater, sagt Kirner, seien häufig noch an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. »Wenn der Fall aber erst mal in der Rechtsabteilung gelandet ist, sitzen da Juristen, und die kennen meist nur das Instrumentarium der klassischen Vollstreckung. Das wirtschaftliche Ergebnis für die Bank spielt in deren Überlegungen häufig gar keine Rolle.«

Fast immer sind es deshalb die Schuldner, die Wirtschaftsmediatoren wie Engelmann oder Kirner beauftragen – und deren Stundensätze zwischen 150 und 350 Euro bezahlen. Beim Bundesverband der deutschen Banken weiß man von keinem Institut, das bei Konflikten mit Schuldnern von sich aus Wirtschaftsmediatoren beauftragt. Bei den Banken selbst verweist man auf Ombudsmänner, an die sich Kunden bei Beschwerden wenden können. Für alle privaten Banken zusammen sind das aber nur fünf pensionierte Richter. Sie suchen zudem nicht nach wirtschaftlich sinnvollen Lösungen, sondern entscheiden nach juristischen Kriterien.

Wirtschaftsmediatoren bleiben daher vorerst denen vorbehalten, die sie sich noch leisten können. So wie dem ehemaligen Unternehmer Fliegler, dem mittlerweile zumindest für eines seiner Häuser ein angemessenes Angebot vorliegt. Zudem ist eine andere Bank bereit, einen Teil seines Kredites zu übernehmen. Er ist zuversichtlich, sich bald mit der Archon Bank zu einigen. »Dann kann ich endlich wieder an die guten Seiten des Lebens denken.«

 
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