Ein Haus, das sich wie ein Würfel kippen und auf den Kopf stellen lässt, 160 Tonnen schwer, mitten in der südkoreanischen Hauptstadt: Der "Transformer" ist eine Bauskulptur, die der niederländische Architekt Rem Koolhaas im Auftrag des Modekonzerns Prada entworfen hat. Nun veranstaltet Miuccia Prada darin ein Filmfestival. Als Kurator hat sie den mexikanischen Regisseur Alejandro González Iñárritu eingeladen, bekannt durch seine Filme Amores Perros, 21 Gramm und Babel. Er zeigt in Seoul Filme, die ihn beeinflusst und inspiriert haben.

ZEITmagazin: Herr González Iñárritu, sind Sie ein ängstlicher Mensch?

Alejandro González Iñárritu: Ängstlich? Nein. Ich habe nur starke Empfindungen. Meine Filme sind nicht autobiografisch. Aber ich fühle mich jeder meiner Figuren nahe. Ich fühle mich dem marokkanischen Hirtenjungen aus Babel nahe und dem herzkranken Mathematiker in 21 Gramm . In meiner Vorstellung weiß ich, wie sie empfinden.

ZEITmagazin: Sind Ihre Filme womöglich auch deshalb so verstörend, weil sie Gefühle ausleuchten, die jeder kennt oder sich vorstellen kann?

González Iñárritu: Für mich ist beim Filmemachen das Wichtigste, das feine Gewebe eines Gefühls herzustellen. Übermenschliches Zeugs und Weltuntergang, das interessiert mich nicht. Große Emotionen sind die interessantesten Special Effects. Ich nehme mir sie von meinen Schauspielern. Für die ist das natürlich ziemlich anstrengend. Die Dreharbeiten sind immer für alle sehr aufreibend.

ZEITmagazin: Miuccia Prada hat Sie zu diesem Festival eingeladen. Sie sind offenbar mit ihr befreundet.

González Iñárritu: Ja, ich kenne sie seit fünf Jahren. Sie ist eine besondere Frau, in wirtschaftlich so schwierigen Zeiten veranstaltet sie ein Filmfestival in Seoul.

ZEITmagazin: Viele der Filme, die Sie ausgesucht haben, handeln von Familien. Auch in Ihren eigenen Filmen spielen diese eine wichtige Rolle. Was interessiert Sie an ihnen?

González Iñárritu: Familiengeschichten sind die besten Geschichten. Man entkommt seiner Familie nicht, sie ist unser Schicksal.