Einzelhandel Da langt der Muslim zuSeite 2/2

Die Produktion nämlich der islamisch korrekten und die der gewöhnlichen Wurstwaren muss penibel getrennt sein: eigene Cutter, Mixer, Wurstmaschinen, eigene Zwischenlager, eigene Schneide- und Verpackungslinien. Zu groß wäre die Gefahr, dass ein Fitzelchen Schweinespeck, das eigentlich für die »Eggelbusch Classic Edelsalami« bestimmt war, in der »Sultana Rindfleisch-Salami« landet. Und feststellen lässt sich Schweine-DNA mit heutigen Untersuchungsmethoden noch in winzigsten Mengen.

Mindestens einmal im Jahr erscheint Professor Doktor Mohammad Hawari, der wissenschaftliche Berater des Islamischen Zentrums Aachen, unangemeldet in Harsewinkel-Greffen und sieht sich alles genau an. Dann verlängert er das Halal-Zertifikat für Eggelbusch um ein Jahr.

Begonnen hat das alles vor 14 Jahren, als noch Claus Schürmanns Vater der Chef von Eggelbusch war. Da interessierte sich ein türkischer Großhändler eines Tages für eine größere Lieferung Putenwurst aus Harsewinkel. Bedingung: ein Halal-Siegel und türkische Beschriftung. Zwei Jahre später versuchten es die Schürmanns mit einer eigenen Halal-Marke: »Schürtürk«. Aber niemand hatte ihnen gesagt, dass sich dieser Name für Türken nun wirklich nicht sehr türkisch las. Und so steigerten sie ihre Halal-Produktion im Lauf der Zeit zwar auf 23 Prozent des Gesamtabsatzes, den größten Teil davon aber verkaufte bisher die Firma Baktat, ein Marktführer für türkische Feinkost in Deutschland, Frankreich, Skandinavien und Großbritannien.

In all diesen Ländern ist der gleiche Trend zu erkennen: Migranten der zweiten und dritten Generation kaufen Produkte, die zu ihrer kulturellen Identität passen wie zum westlichen Lebensstil. Halal-Wurst geht – wenn sie aus Rind- oder Geflügelfleisch besteht. Lammwurst dagegen ist kaum gefragt. Denn Lammfleisch mag der durchschnittliche junge Deutschtürke genauso wenig wie der durchschnittliche Deutschdeutsche.

In Harsewinkel-Greffen läuft die Produktion in diesen Tagen auf Hochtouren. Nicht nur die Fleischwurst, die Salami und die Knoblauchwurst der neuen Eigenmarke Sultana müssen in ausreichender Menge in die Läden. Am 21. August beginnt der Fastenmonat Ramadan.

Und auch das hat Claus Schürmann längst gelernt: Während des Ramadans kann er doppelt so viel Halal-Wurst verkaufen wie während des übrigen Jahres. Denn jeden Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, darf der gläubige Muslim nach Herzenslust zulangen. Und das tut er dann auch.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist doch doppelzüngig einerseits hier diese grauenhaften Schlachtmethoden zu verbieten und gleichzeitig den Import solchen Fleisches zu erlauben.
    Die Argumentation das es ja garnicht anders schmecke und dementsprechend auch in nicht-halal gekennzeichneten Produkten enthalten drin und garnicht auffallen würde ist meiner Meinung nach widerlich und hinterhältig.
    Widerlich weil so mehr dieses Fleisches importiert wird als nötig und so unnötig mehr Tiere leiden müssen , und hinterhältig weil man den Menschen nicht die Möglichkeit geben will dies aufgrund der Kennzeichung als solches zu erkennen und abzulehnen.
    Auf die Worte der Konzernleitung das natürlich alle Tiere vorher betäubt würden kann man nicht viel geben , hier geht es um Geld und warum sollten Schlachter etwas für Betäubungsmittel ausgeben wenn es auch ohne geht und man am anderen Ende der Welt sitzt.

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