Atomkraft Doppeltes Versagen
Der erneute Zwischenfall im Atomkraftwerk Krümmel zeigt: Der Betreiber Vattenfall ist nur begrenzt lernfähig
Der hagere Mann mit Brille legt die Stirn in Falten, spricht mit gesenkter Stimme und liest sein Schuldbekenntnis vom Blatt ab. »Wir bedauern ausdrücklich, dass es durch den Vorfall erneut zu einer Verunsicherung der Öffentlichkeit gekommen ist.« Er entschuldigt sich zudem »ausdrücklich für den Fehler in der Erstkommunikation«. Das Verhalten sei inakzeptabel gewesen. Ein bisschen muss sich Ernst Michael Züfle, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy, vorgekommen sein wie bei einer öffentlichen Selbstauspeitschung.
Wie vor zwei Jahren hatte es einen Kurzschluss an einem der riesigen Stromumwandler am Kernkraftwerk Krümmel gegeben. Wie vor zwei Jahren schaltete sich der Reaktor automatisch ab. Wie vor zwei Jahren hatte Vattenfall nicht wie vorgeschrieben die Behörden auf direktem Weg informiert. Von der Störung erfuhr die Atomaufsicht im schleswig-holsteinischen Sozialministerium nicht aus der Leitwarte des Atomkraftwerks, sondern auf Umwegen von der Polizei. Fast 40 Minuten vergingen, bis die Nachricht über den Vorfall bei Gitta Trauernicht eintraf, die zuständig ist für die Atomaufsicht. Das Verhalten sei »völlig unverständlich«, kritisierte die Sozialministerin. Greenpeace warf Vattenfall »Desinformationspolitik statt Aufklärung« vor.
Hat Vattenfall nichts gelernt aus dem Kommunikations-GAU von 2007, als das Unternehmen binnen Tagen zum Synonym für Intransparenz und miserabler Öffentlichkeitsarbeit wurde? Nur scheibchenweise informierte der Konzern damals über das Ausmaß und die Ursache des Trafobrandes, der zu einer Beinahekatastrophe wurde. »Die Unternehmenskommunikation war katastrophal. Dadurch wurde viel Vertrauen vernichtet«, sagt der Reputationsforscher Manfred Schwaiger.
Und heute?
Anders als im Juni 2007 ging der Stromkonzern in die Offensive. Keine zwei Stunden nach dem Vorfall gab es eine ausführliche Pressemitteilung, 24 Stunden später die Pressekonferenz. Züfles »mea culpa« stellte Vattenfall in einem Videoclip auf die eigene Internetseite. In dem Beitrag, den Vattenfall bei einem freien Journalisten in Auftrag gab, kommt gar ein Greenpeace-Mann zu Wort, der fordert, dass Krümmel nie wieder ans Netz gehen dürfe.
Ohne Zweifel – im Vergleich zu vor zwei Jahren, als man erst nach über einer Woche eine Pressekonferenz anberaumte, scheint der Konzern kommunikatorisch dazugelernt zu haben.
Ein Kernkraftwerk ist keine Molkerei. Die Anforderungen sind größer
Aber was nützen die öffentlichen Entschuldigungen, wenn es Zweifel an der Kernkompetenz gibt? Zwei Jahre lang wurde das Kraftwerk gewartet, dann wurde es wieder in Betrieb genommen, und binnen 15 Tagen kam es zu zwei meldepflichtigen Vorfällen. Das wirkt wie ein misslungener Test für den Ernstfall: Wenn schon ohne offensichtliche Gefahr nicht die vorgeschriebenen Informationswege eingehalten werden, wie handelt Vattenfall dann erst, wenn etwas Schlimmeres geschieht?
An den Betreiber eines Kernkraftwerks werden andere Anforderungen gestellt als an eine Molkerei. Wenn da eine Pumpe ausfällt und der Betrieb zum Stehen kommt, wird vielleicht die Milch schlecht. Wenn der Transformator ausfällt und das Kernkraftwerk kurzfristig abgeschaltet wird, wie in Krümmel geschehen, kann das zu Schäden an den Brennstäben führen und dazu, dass Kühlwasser verseucht wird. Solche Nachrichten lassen sich schlecht wegkommunizieren – auch nicht mit modernen Methoden.
- Datum 24.07.2009 - 13:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
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Bitte liebe ZEIT, schickt doch mal Journalisten raus, die Ahnung von der Anlage haben:
"Wenn der Transformator ausfällt und das Kernkraftwerk kurzfristig abgeschaltet wird, wie in Krümmel geschehen, kann das zu Schäden an den Brennstäben führen und dazu, dass Kühlwasser verseucht wird."
So ein Käse.
"Wenn der Transformator ausfällt und das Kernkraftwerk kurzfristig abgeschaltet wird, wie in Krümmel geschehen, kann das zu Schäden an den Brennstäben führen und dazu, dass Kühlwasser verseucht wird."
Vollkommen korrekt. Bei Notabschaltungen in derart alten Meilern, werden die Brennstäbe SCHNELL zurück in ihre Schutzzone gefahren. Verkanten diese dabei (ist eben möglich!), gibt es Schäden und das Kühlwasser wird dabei durchaus verseucht.
"Wenn der Transformator ausfällt und das Kernkraftwerk kurzfristig abgeschaltet wird, wie in Krümmel geschehen, kann das zu Schäden an den Brennstäben führen und dazu, dass Kühlwasser verseucht wird."
Vollkommen korrekt. Bei Notabschaltungen in derart alten Meilern, werden die Brennstäbe SCHNELL zurück in ihre Schutzzone gefahren. Verkanten diese dabei (ist eben möglich!), gibt es Schäden und das Kühlwasser wird dabei durchaus verseucht.
...-schalten. für immer.
Wenn der Transformator ausfällt und das Kernkraftwerk kurzfristig abgeschaltet wird, wie in Krümmel geschehen, kann das zu Schäden an den Brennstäben führen und dazu, dass Kühlwasser verseucht wird.
Um am Ende auch noch festzustellen: Selbst wenn der jüngste Zwischenfall in Krümmel nach bisherigen Erkenntnissen nicht die nukleare Sicherheit betraf, ....
Herzlichst Crest
P.S. Eine schlechte Reputation wieder in eine gute umzuwandeln sei viel schwieriger als umgekehrt (entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/jk)
Natürlich. Lassen wir die einfach mal machen, war ja nicht gefährlich. Da wird dann solange weitergewurschtelt bis es dann doch mal kracht, tja...ist dann Schicksal, oder?
Es ist sehr gut, dass derartige Störfälle die Öffentlichkeit erreichen und Diskussionen hervorrufen. Das macht nicht nur die Mitarbeiter sensibel für kritische Themen. Und bei allem Vertrauen in die Kernkraft (ich bin kein Hardliner, aber es gibt mir da einfach zuviele Probleme...), diese Anlagen können ein Risiko darstellen, wenn sie nicht richtig geführt werden und genau das passiert hier jahrelang.
1. Bitte liebe ZEIT, schickt
schickt doch mal Journalisten raus, die Ahnung von der Anlage haben
Der Artikel muss einen in der Tat annehmen lassen, dass die Journalisten (w) anscheinend unverdautes Wissen unprofessionell widergeben. Dies könnte damit zu tun haben, dass die beiden Journalisten (w) keine einschlägige ingenieurwissenschaftliche Ausbildung (vorzugsweise Maschinenbau) genossen haben, sondern mit einem Magisterabschluss vorlieb nehmen mussten/wollten.
Vermute ich mal ;-)
Herzlichst Crest
Natürlich. Lassen wir die einfach mal machen, war ja nicht gefährlich. Da wird dann solange weitergewurschtelt bis es dann doch mal kracht, tja...ist dann Schicksal, oder?
Es ist sehr gut, dass derartige Störfälle die Öffentlichkeit erreichen und Diskussionen hervorrufen. Das macht nicht nur die Mitarbeiter sensibel für kritische Themen. Und bei allem Vertrauen in die Kernkraft (ich bin kein Hardliner, aber es gibt mir da einfach zuviele Probleme...), diese Anlagen können ein Risiko darstellen, wenn sie nicht richtig geführt werden und genau das passiert hier jahrelang.
1. Bitte liebe ZEIT, schickt
schickt doch mal Journalisten raus, die Ahnung von der Anlage haben
Der Artikel muss einen in der Tat annehmen lassen, dass die Journalisten (w) anscheinend unverdautes Wissen unprofessionell widergeben. Dies könnte damit zu tun haben, dass die beiden Journalisten (w) keine einschlägige ingenieurwissenschaftliche Ausbildung (vorzugsweise Maschinenbau) genossen haben, sondern mit einem Magisterabschluss vorlieb nehmen mussten/wollten.
Vermute ich mal ;-)
Herzlichst Crest
Ich möchte gar nicht so viel zu dem Themas Atomkraftwerke und Sicherheit sagen. Der Fall spricht für sich. Nur eines sollte dabei vielleicht auch erwähnt werden. Erst vor ein paar Tagen hörte ich Guido Westerwelle im Bundestag vehement davon reden wie sicher doch unsere Atomkraftwerke sind. Wenn ich mich recht erinnere sagte er in etwa:" Unsere Atomkraftwerke sind sicher". Ich hatte nur zu über diese Worte und das Maß an solch gewagten und unklugen Worten den Kopf geschüttelt. Was geschieht wenn Radioaktivität austritt ? Was geschieht auf Dauer mit den radiokativen Abfällen ? Haben wir da nicht gerade in Niedersachsen ein großes Problem ? Hat er über all das mal auch nur eine Sekunde nachgedacht ? Ich fragte mich ernsthaft, ist er nur so dumm oder will er uns verdummen ? Kurz danach geschah der jetzige Vorfall in Krümmel. Muß man noch mehr dazu sagen ? Solche Politiker dürfen keine Chance haben in einer Regierung mitzuwirken. Niemals, weil verantwortungslos.
Nein, der Hr. Westerwelle hat einfach Ahnung, weil das Ereignis nichts mit der Sicherheit der Anlage zu tun hat. Der Ausfall des Trafos betrifft vielmehr die Verfügbarkeit der Anlage, da kann man sagen: Selbst schuld Vattenfall. MIt der Sicherheit der Anlage hat das aber gar nichts zu tun. Kritisch sehe ich vielmehr, dass die Auflage (wenn es sie denn gibt) der Behörde nicht umgesetzt wurde. Nur: Liebe Behörde, wie überzeugt ihr euch eigentlich davon, dass eure Auflage umgesetzt wird. Fr. Trauernicht, bitte zurücktreten!
Nur: Liebe Behörde, wie überzeugt ihr euch eigentlich davon, dass eure Auflage umgesetzt wird.
Vattenfall hat eine Dauerbetriebsgenehmigung. Da wird eben nicht unangemeldet geprüft (Sicherheit, Datenschutz...man suche sich was raus). Wer dafür verantwortlich ist? Nun...Scharz/Gelbe Koalition. Herr Westerwelles Partei (genau wie die CDU) hat tatsächlich Ahnung, vor allem davon Industrie und Wirtschaft nicht mit zuvielen Fragen nach der Sicherheit zu nerven...
zu tun, sonst wäre sie nicht schnellabgeschaltet worden.
Erstens besteht bei einem Transformator, aus dem während des Betriebs Öl ausläuft, immer die Gefahr, dass er in Brand gerät (ist ja auch schon passiert) und das ist innerhalb eines Kernkraftwerks natürlich immer ein ernsthaftes Sicherheitsproblem.
Zweitens führt der Ausfall des Transformators dazu, dass die erzeugte Energie nicht mehr abgeführt werden kann. Wenn der Reaktor also nicht schnell runtergefahren wird, fliegen der Generator und die Turbine auseinander. In einem Siedewasserkraftwerk wird das hoch radioaktiv verseuchte Kühlwasser des Reaktorkerns direkt durch die Turbine geleitet. Mit anderen Worten, wir können froh sein, dass wenigstens das Abschalten des Reaktors geklappt hat.
Drittens führt der plötzliche und unvorhersehbare Wegfall der vom Reaktor zur Verfügung gestellten elektrischen Leistung zu Instabilitäten im Stromnetz, die unter Umständen auch zur Folge haben können, dass die Reaktorkühlung ausfällt. Das ist ein Problem, weil die Brennstäbe im Reaktorkern auch dann gekühlt werden müssen, wenn die Kernspaltung unterbunden wurde, denn der radioaktive Zerfall der Spaltprodukte in den Brennstäben reicht aus, um den Reaktorkern zu schmelzen zu bringen. Es stehen zwar auch Dieselgeneratoren als Sicherheitsreserve zur Verfügung, aber wenn die genauso kompetent gewartet werden wie die ganze Anlage...
Nur: Liebe Behörde, wie überzeugt ihr euch eigentlich davon, dass eure Auflage umgesetzt wird.
Vattenfall hat eine Dauerbetriebsgenehmigung. Da wird eben nicht unangemeldet geprüft (Sicherheit, Datenschutz...man suche sich was raus). Wer dafür verantwortlich ist? Nun...Scharz/Gelbe Koalition. Herr Westerwelles Partei (genau wie die CDU) hat tatsächlich Ahnung, vor allem davon Industrie und Wirtschaft nicht mit zuvielen Fragen nach der Sicherheit zu nerven...
zu tun, sonst wäre sie nicht schnellabgeschaltet worden.
Erstens besteht bei einem Transformator, aus dem während des Betriebs Öl ausläuft, immer die Gefahr, dass er in Brand gerät (ist ja auch schon passiert) und das ist innerhalb eines Kernkraftwerks natürlich immer ein ernsthaftes Sicherheitsproblem.
Zweitens führt der Ausfall des Transformators dazu, dass die erzeugte Energie nicht mehr abgeführt werden kann. Wenn der Reaktor also nicht schnell runtergefahren wird, fliegen der Generator und die Turbine auseinander. In einem Siedewasserkraftwerk wird das hoch radioaktiv verseuchte Kühlwasser des Reaktorkerns direkt durch die Turbine geleitet. Mit anderen Worten, wir können froh sein, dass wenigstens das Abschalten des Reaktors geklappt hat.
Drittens führt der plötzliche und unvorhersehbare Wegfall der vom Reaktor zur Verfügung gestellten elektrischen Leistung zu Instabilitäten im Stromnetz, die unter Umständen auch zur Folge haben können, dass die Reaktorkühlung ausfällt. Das ist ein Problem, weil die Brennstäbe im Reaktorkern auch dann gekühlt werden müssen, wenn die Kernspaltung unterbunden wurde, denn der radioaktive Zerfall der Spaltprodukte in den Brennstäben reicht aus, um den Reaktorkern zu schmelzen zu bringen. Es stehen zwar auch Dieselgeneratoren als Sicherheitsreserve zur Verfügung, aber wenn die genauso kompetent gewartet werden wie die ganze Anlage...
"Wenn der Transformator ausfällt und das Kernkraftwerk kurzfristig abgeschaltet wird, wie in Krümmel geschehen, kann das zu Schäden an den Brennstäben führen und dazu, dass Kühlwasser verseucht wird."
Vollkommen korrekt. Bei Notabschaltungen in derart alten Meilern, werden die Brennstäbe SCHNELL zurück in ihre Schutzzone gefahren. Verkanten diese dabei (ist eben möglich!), gibt es Schäden und das Kühlwasser wird dabei durchaus verseucht.
Natürlich. Lassen wir die einfach mal machen, war ja nicht gefährlich. Da wird dann solange weitergewurschtelt bis es dann doch mal kracht, tja...ist dann Schicksal, oder?
Es ist sehr gut, dass derartige Störfälle die Öffentlichkeit erreichen und Diskussionen hervorrufen. Das macht nicht nur die Mitarbeiter sensibel für kritische Themen. Und bei allem Vertrauen in die Kernkraft (ich bin kein Hardliner, aber es gibt mir da einfach zuviele Probleme...), diese Anlagen können ein Risiko darstellen, wenn sie nicht richtig geführt werden und genau das passiert hier jahrelang.
Nur: Liebe Behörde, wie überzeugt ihr euch eigentlich davon, dass eure Auflage umgesetzt wird.
Vattenfall hat eine Dauerbetriebsgenehmigung. Da wird eben nicht unangemeldet geprüft (Sicherheit, Datenschutz...man suche sich was raus). Wer dafür verantwortlich ist? Nun...Scharz/Gelbe Koalition. Herr Westerwelles Partei (genau wie die CDU) hat tatsächlich Ahnung, vor allem davon Industrie und Wirtschaft nicht mit zuvielen Fragen nach der Sicherheit zu nerven...
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