Liebeskolumne Schwere Geburt
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss er bei der Geburt dabei sein?
Die Frage: Andreas und Imke erwarten ihr erstes Kind, beide freuen sich sehr darauf, bald eine kleine Familie zu sein. Es gibt nur ein Problem: die Geburt. Imke hat viel Zeit darauf verwendet, die richtige Klinik mit der ihr zusagenden Geburtsstation zu finden. Sie hat Geburtsvorbereitungskurse belegt und auch ihren Mann dorthin mitgebracht. Für Imke ist es ganz klar, dass Andreas bei der Geburt ganz dicht an ihrer Seite sein und ihr die Hand halten soll. Andreas würde aber lieber draußen warten. Er kann kein Blut sehen. Ihm wird schon schlecht, wenn er sieht, dass sich seine Liebste in den Finger geschnitten hat. Die Vorstellung, dass er sie inmitten strömenden Blutes sieht, wenn sie gerade das gemeinsame Kind auf die Welt bringt, ist ihm ein Graus. Er traut sich aber nicht, mit ihr darüber zu sprechen.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Blut soll wohlverwahrt im Körperinneren fließen, alles andere alarmiert archaische Ängste. Solange in der Steinzeit die Männer jagten, mussten nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen diese Ängste kontrollieren lernen. Heute sind Frauen oft unerschrockener als die Helden an ihrer Seite. Zur weiblichen Sexualität gehören schließlich Monatsblutungen. Andreas plagt nicht nur seine Angst, sondern auch seine Scham, dass er so ängstlich ist. Diese Scham muss er bezwingen und sich mit Imke einigen, ob sie die gemeinsame Geburt riskieren wollen. Ich wünsche ihm, dass er sich dieses Ereignis nicht entgehen lässt. Mag auch der Halt überschätzt werden, den Kreißende an ihrem Partner finden; was zählt, sind der gute Wille und die Bereitschaft, sich von Anfang an als Vater einzubringen.
Wolfgang Schmidbauer, 68, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de .
- Datum 02.09.2009 - 15:53 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
- Kommentare 4
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Unser Sohn wurde im März geboren.
Für meine Frau und mich war klar das ich die ganze Zeit dabei sein werde.
Ich war dann ganze 3 Tage mit auf der Station.
Meine Frau hatte noch viel Fruchtwasser und unser Sohn machte keine Anstallten rauszukommen. 2 Nächte haben wir gewartet in der dritten musste er per Kaiserschnitt geholt werden.
Das alles gemeinsam zu erleben war für mich, aber besonders für meine Frau sehr wichtig. Ihre Hand im OP zu halten war mehr als nur moralische Unterstützung, wir haben das Band zwischen uns gefühlt und erneuert und so mit auf eine neue Stuffe gestellt.
Blut habe ich übrigens kaum gesehen, auch nicht im OP.
sondern eine Selbstverständlickeit, daß ich mich auch auf diese Art und Weise als Vater definiere, zum Vater werde.
Wenn ich auch eine gewisse Scheu davor entwickelte, das "Kleine Würmchen" zu waschen. Ich hatte ganz einfach Angst davor, daß ich es "kaputt" mache.
Dies, obwohl ich einen zuvor einen "Waschkurs" besucht habe.
Da haben wir freilich Puppen gewaschen.
Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
Ihr Mit-Leid -äh- Mit-Leut
klaus w.
Dat KlaKoWa
Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht
Ich würde nicht wollen, dass mein Partner bei der Geburt dabei ist, weil MANN das heutzutage einfach muss. Ganz ehrlich... meine Hebamme massiert viel besser und exakt an der richtigen Stelle. Klar ist es nett, das Kind, das man mal gemeinsam auf den Weg gebracht hat, gemeinsam in Empfang zu nehmen. Mein Mann wollte das auch unbedingt. Aber wenn er lieber draußen geblieben wäre, hätte ich auch kein Problem damit gehabt.
Im Gegenteil, wenn er schon keine echte Hilfe ist, dann muss er nicht auch noch mit ungutem Gefühhl in der Ecke rumstehen, bei jedem Stöhnen gequält zusammenzucken, mich hemmen, weil ihn die Situation so mitnimmt, dass ich mich auch noch darum kümmern muss, sie für ihn zu entspannen, obwohl ich gerade echt andere Sorgen habe,... eine Horrorvorstellung. Dann soll er und lieber im Flur rumtigern.
Aber vielleicht ändert der werdende Vater seine Meinung ja noch von selbst, wenn der große Tag näher rückt. Das war im Bekanntenkreis einige Male so. Dann würde ich aber gleich festlegen, dass es absolut okay ist, wenn er raus will.
Und aufpassen: manche Kliniken unterstützen es seeeehr, dass der Mann bei der Geburt dabei ist. Der wird gleich als Aushilfskraft engagiert, darf den Wehenschreiber lesen, Stirn abtupfen, Rücken kneten, und was weiß ich - dafür kommt eine Hebamme erst, wenn Papa ruft: "Gucken Sie mal, ich glaube, ich sehe schon den Kopf." - Also wenn ich als Frau wählen müsste, wer mir bei der Geburt (außer dem Baby) am wichtigsten war,...(zensiert durch den Männerbeauftragten)
I.
Ich kann Andreas nur raten, dabei zu sein. Als vor etwas mehr als einem Jahr die Geburt unserer Tochter anstand, hatte auch ich Angst. Ich konnte mich aber mit den Worten Trösten, die uns die Kursleiterin mitgegeben hatte: Falls einer ohnmächtig wird während der Geburt, wäre es nicht der erste und man solle sich einen guten Sitzplatz suchen neben der Frau.
Diese Worte waren zwar einerseits etwas erschreckend aber andererseits ein gutes Mittel eventuell aufkeimenden Scham bereits im genannten Keim zu ersticken.
Denn würde ich ohnmächtig wäre ich in guter Gesellschaft. Also weshalb sollte ich mich schämen?!?
Die Geburt war dann sehr eindrucksvoll und man erlebt diese als etwas, was man eigentlich nicht beschreiben kann mit Worten. Vielleicht könnte man es so umreissen: Man versteht, dass etwas ganz großes, unbegreifliches vor sich geht, etwas, das einem das Leben definitiv verändert und Dinge, die man zuvor vor extrem wichtig gehalten hatte, plötzlich albern erscheinen.
Und dieses Erlebnis ist so schön, dass ich auch das Risiko in Kauf nehmen würde, ohnmächtig dabei zu werden.
Übrigens ich bin nicht ohnmächtig geworden, obwohl ich e zuvor befürchtet hatte.
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