Lissabon-Vertrag Ein nationaler Riegel
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Lissabon-Vertrag ist rückwärtsgewandt und realitätsfremd
Man kann in der Politik auf sehr unterschiedliche Art seine Ablehnung kundtun, je nach Mut und Opportunität: Entweder ist man ehrlich, sagt direkt Nein und trägt dann die Konsequenzen, was bisweilen recht teuer werden kann. Oder man sagt »Ja, aber« und wendet das Aber dann so lange hin und her, bis von dem Ja kaum noch etwas übrig geblieben ist.
Ein solches Verhalten gilt einer breiteren Öffentlichkeit in der Regel als typisch für die Politik – und auch die Juristerei. Man legt sich fest, ohne sich wirklich festlegen zu müssen, minimiert damit das persönliche Risiko und kann doch den erwünschten Ablehnungseffekt erzielen. Dieses »Prinzip Hintertür« mag effektiv sein, aber es ist weder ehrlich noch besonders mutig.
Exakt so verhielt sich das Bundesverfassungsgericht mit seiner jüngsten Entscheidung zum Reformvertrag der EU (Lissabon-Vertrag), die von einer bizarren Allianz aus linksliberalen Journalisten und altbayerischen oder sonst wie euroskeptischen Politikern als bahnbrechende »Jahrhundertentscheidung« gefeiert wurde.
Lassen wir die Euroskeptiker ruhig ihre Niederlage feiern, denn rein pragmatisch gesehen, ist ja nichts Schlimmes passiert. Der Vertrag von Lissabon ist verfassungskonform. Punkt. Nach einer Anpassung des Begleitgesetzes durch den Bundestag kann die Ratifizierungsurkunde durch den Bundespräsidenten hinterlegt werden, und damit hat Deutschland seinen Teil zum Gelingen des Lissabon-Vertrages beigetragen. Doch so einfach ist die Lage leider nicht.
Liest man die lange Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes sorgfältig durch, so drängt sich ein ganz anderer, gegenteiliger Schluss auf: Von wegen Ja zu Lissabon. Karlsruhe passt die ganze Richtung der EU hin zu einer vertieften Integration nicht; das Gericht möchte dieser nunmehr einen nationalen Riegel vorschieben.
Das ist in der Tat starker Tobak, zumal diese Entscheidung in eine Zeit fällt, in der man bei unseren europäischen Nachbarn und auch in den USA mehr und mehr den Eindruck gewinnt, dass sich Deutschland zunehmend von Europa abwendet und sich vor allem um sich selbst kümmert. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verstärkt diesen Eindruck.
Lissabon stoppen? Da zittert dann doch die Hand beim Schreiben!
Den Zweiten Senat hat aber bei der Abfassung der Entscheidung ganz offensichtlich die Angst vor der eigenen Courage überfallen, denn einfach Nein zum Lissabon-Vertrag zu sagen und diesen schlicht zu verwerfen hätte bedeutet, fast sechzig Jahre einer erfolgreichen, die europäische Integration vorantreibenden deutschen Europapolitik in den Orkus zu kippen und die darauf gründende europäische Staatenordnung zum Einsturz zu bringen. Da zitterte dann doch die Hand beim Schreiben!
Also flüchtete man sich formal in das Begleitgesetz des Deutschen Bundestages, das vom Senat verworfen wurde, und attackierte die Fata Morgana eines europäischen »Bundesstaates«, nur um sich dadurch selbst die Legitimation zuzusprechen, dass fortan die weitere europäische Integrationspolitik nicht mehr in Berlin, durch die demokratisch legitimierten Organe Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat, entschieden wird, sondern durch das Gericht in Karlsruhe.
Worum geht es bei dem Reformvertrag von Lissabon? Durch diesen Vertrag sollen die institutionellen Fragen einer wesentlich größer gewordenen Union gelöst werden. Diese Fragen sind seit dem Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 als sogenannte Überbleibsel ungelöst geblieben.
Die Geschichte hatte vor zwanzig Jahren nicht nur die deutsche, sondern auch die europäische Wiedervereinigung auf ihre Tagesordnung gesetzt. Ohne die Osterweiterung von Nato und EU wäre in Europa nach 1989 zwischen der EU und Russland eine große Zone der Unsicherheit und Instabilität entstanden, die zukünftig Konflikte und Bedrohungen für die EU und ihre Mitglieder hervorgebracht hätte.
Wo stünden wir als Deutschland und Europa heute mit unserem Kontinent, wie wäre es um unsere Sicherheit bestellt, wenn diese große Erweiterung der EU nicht stattgefunden hätte und ein wieder erstarkendes Russland dabei wäre, seine Einflusszone erneut nach Westen auszudehnen, so wie es Moskau gegenwärtig mit dem von ihm sogenannten näheren Ausland (Ukraine, Georgien et cetera) versucht?
Und wo, bitte schön, hat denn die euroskeptische Kritik der Gauweilers und Co. schon jemals zugetroffen? Was ist eigentlich aus dem »Esperantogeld« des schwarzen Peters geworden – Gauweiler meinte damals den Euro. Die Europäische Zentralbank und die gemeinsame Währung haben sich in der aktuellen Weltkrise als die entscheidenden Schutzinstrumente für die Europäer über die Eurozone hinaus erwiesen.
Die große Osterweiterung war alternativlos im europäischen und deutschen Interesse, aber sie verlangte zugleich einen hohen internen Preis für die EU, weil sich die 15 Regierungen der alten Europäischen Union nicht ausreichend auf die Überwindung ihrer nationalen Egoismen und somit auf effizientere Institutionen und Verfahren der Union einigen konnten. Zurück blieb ein institutionelles Defizit in der erweiterten EU, welches diese zunehmend intransparenter, entscheidungsunfähiger und damit im Interesse ihrer Mitgliedstaaten und Bürger immer weniger handlungsfähig machte.
Jedes Management würde man sofort davonjagen, wenn dieses nach dem Zusammenschluss zweier Unternehmen, der ihre Größe fast verdoppelt hätte, verkünden würde, nunmehr wäre ihre Arbeit getan, und alles andere bliebe beim Alten. Nur für die Europäische Union scheint man eine solche Rezeptur aus dem Zettelkasten des Doktors Eisenbart für angemessen zu halten!
Karlsruhe ballert in seiner Entscheidung mit verfassungsrechtlichen Kanonen auf imaginierte Spatzen. Ja, der Lissabon-Vertrag sei verfassungskonform, so der Zweite Senat, aber – und dann wird über viele Seiten hinweg gegen das Gespenst eines europäischen »Bundesstaates« polemisiert, das man offensichtlich nur nach Mitternacht in den heiligen Hallen des Gerichts herumtappen sieht. Vor lauter »Bundesstaat« meint man gegen Ende der Lektüre, man befände sich in einer Fraktionssitzung der britischen Konservativen. Solche abwegigen Überzeichnungen waren bisher das alleinige Privileg der Euroskeptiker gewesen, denen sich nun unser höchstes deutsches Gericht anschließt.
Weder beim Verfassungsvertrag noch beim Vertrag von Lissabon ging es jemals um einen europäischen Bundesstaat, auch nicht schleichend oder verdeckt. Ganz im Gegenteil beinhalten beide Verträge gerade die Abkehr von der klassischen föderalen Position, einen europäischen Bundesstaat anzustreben.
Die Grundlage des Verfassungs- wie des Lissabon-Vertrags ist der Staatenverbund mit integrativen und demokratischen Elementen in seinen Institutionen. Mehr Transparenz und demokratische Repräsentanz nach innen und mehr Geschlossenheit und Effizienz nach außen zur Wahrung der gemeinsamen Interessen von Mitgliedstaaten und Bürgern zu schaffen sind die zentralen Ziele beider Verträge. Diese Ziele waren nur zu erreichen durch einen Ausgleich zwischen den sich entgegenstehenden Grundpositionen in der europäischen Konstruktion: zwischen föderal , das heißt den Ausbau gemeinsamer europäischer Institutionen unterstützend, und intergouvermental, das heißt vor allem auf die Zusammenarbeit der nationalen Regierungen setzend.
Europa ist ein kompliziertes Konstrukt, weil unterschiedliche politische und rechtliche Kulturen, Sprachen, Geschichten, Interessen und Traditionen zusammenzubringen sind. Ein einfaches Europa wird es deshalb niemals geben. Das Bundesverfassungsgericht hat es sich sehr einfach gemacht, indem es den Gegensatz zwischen mehr und mehr Souveränität okkupierenden europäischen Institutionen und den allein demokratisch legitimierten Mitgliedstaaten beschwört.
Dieser von den Richtern konstruierte Gegensatz ist gleichermaßen banal wie fragwürdig, weil er eine Fiktion zweier getrennter Sphären aufbaut, die sich fast feindlich gegenüberstehen und deren eine Seite, die nationale, voll demokratisch legitimiert ist, während die zweite, nämlich die europäische Seite, nur unzureichend bis gar nicht demokratisch legitimiert ist. Die eigentliche Herausforderung für Politik und Verfassungsrecht besteht aber gerade in dem Prozess der Durchdringung dieser beiden Sphären, welche die europäische Realität bestimmt.
In die Institutionen der EU sind die Grundwerte der Mitgliedstaaten unter Einschluss der Grundgesetz-Artikel mit »Ewigkeitswert« (Menschenwürde, Demokratie, Föderalismus) als konstitutive und unverzichtbare Elemente mit eingeflossen; etwa im Bereich des Minderheitenschutzes sind sie sogar weitaus expliziter und präziser geregelt als in vielen nationalen Verfassungen. Und da Demokratie im Wesentlichen Verfahrensrechte beinhaltet, mutet die Behauptung der Karlsruher Richter nicht minder konstruiert an, dass die EU nicht ausreichend demokratisch legitimiert sei.
Die Alternative kann nicht lauten, dass man entweder einen Bundesstaat schafft oder aber auf weitere Integration verzichten muss. Vielmehr muss die Frage beantwortet werden, wie unter den Bedingungen eines Staatenverbunds mit starken integrativen Elementen alle diese Elemente fortentwickelt werden können, ohne gegen das Demokratieprinzip und die Volkssouveränität zu verstoßen. Genau diese Frage versucht der Lissabon-Vertrag zu beantworten.
Europas Realitäten sind komplizierter als die Karlsruher Fiktionen
Die Antwort aus Karlsruhe auf diese Frage ist deprimierend. Im Namen der Verteidigung des Demokratieprinzips ruft unser höchstes Gericht faktisch dazu auf, auf die intergouvermentale Zusammenarbeit zu setzen und die Finger von weiteren Integrationsschritten zu lassen. Das bedeutet aber nicht weniger, als die Regierungen ausgerechnet im Namen von Demokratie und Volkssouveränität zu stärken – und das ist absurd.
»Staatenverbund«, so die Richter, heiße, die Souveränität – »Kompetenz-Kompetenz« oder die letzte Entscheidung – müsse unter allen Umständen bei den Mitgliedstaaten verbleiben, die sie zwar auf supranationale Institutionen übertragen könnten, aber immer nur im Einzelfall, auf dem Wege der »begrenzten Einzelermächtigung«. Und zur Staatensouveränität gehöre auch, dass jeder Mitgliedstaat jederzeit aus dem Staatenverbund wieder austreten könne, ohne sich der Sezession schuldig zu machen. Das alles ist Karlsruhe, aber die europäische Realität sieht doch anders aus.
Die kumulative Übertragung von Souveränität auf dem Wege der »begrenzten Einzelermächtigung« hat über die Jahre hinweg eine neue Realität geschaffen. Erstaunlich, dass Karlsruhe so ohne Weiteres die tatsächlich geschaffene EU-»Kompetenz-Kompetenz« durch den Binnenmarkt so einfach hinnimmt! Haben die Mitgliedstaaten denn tatsächlich noch die Souveränität, aus dem Gemeinsamen Markt auszutreten? Theoretisch ja, praktisch aber käme ein solcher Schritt einem wirtschaftlichen und politischen Selbstmord gleich. Und gerade im Binnenmarkt regiert die Kommission und herrscht ein Demokratiedefizit!
Und kann eine Wirtschafts- und Währungsunion auf Dauer ohne eine verstärkte politische Union funktionieren? Wohl kaum. Wird diese den Charakter eines Bundesstaates annehmen? Sicher nicht, weil dieser unter den Europäern niemals mehrheitsfähig ist. Also intergouvermentale Zusammenarbeit for ever? Das wird nicht funktionieren.
Können Mitgliedstaaten wirklich noch aus der Union austreten? Gewiss, wenn etwa Malta, Schweden oder Großbritannien aus der EU austreten würden, gäbe es politische Beben höchst unterschiedlicher Stärke. Sollte hingegen Frankreich austreten, so wäre das der Big Bang für die auf die EU gründende europäische Staatenordnung, und wenn dies Deutschland täte, so wäre dies ein europäisches Desaster, weil die Integration von Deutschland und Frankreich in der EU das Fundament für ein neues europäisches Staatensystem ausmacht, das mittlerweile fast den ganzen Kontinent umfasst und für dauerhaften Frieden sorgt. Kann also Deutschland tatsächlich noch aus der EU austreten? Wohl kaum.
Man sieht, die Realitäten Europas sind komplizierter als die Karlsruher Fiktionen. Wenn man die Erfahrung hinzunimmt, dass nach außen Europa – seine Mitgliedstaaten und seine Bürger – überall dort stark und erfolgreich ist, wo es über integrierte Institutionen und eine gemeinsame Politik verfügt, andererseits aber meistens dort schwach ist, wo es noch nicht integriert ist, dann verstärkt sich der Eindruck, dass Karlsruhe auch und gerade deshalb an seinen Fiktionen hängt, weil ihm die gesamte Richtung nicht passt.
Was wird eines Tages mit der einen europäischen Stimme Europas im UN-Sicherheitsrat werden? Karlsruhe wird dazu Nein sagen müssen, wenn es seine jüngste Entscheidung ernst nimmt, aber der Rest der Welt wird den Europäern irgendwann mitteilen, dass das 19. und das 20. Jahrhundert endgültig vorbei sind und in einem reformierten UN-Sicherheitsrat Europa wie Russland, die USA, China, Brasilien, Indien et cetera nur noch über einen permanenten Sitz verfügen werden. Und was dann, Karlsruhe? Was wird mit einer gemeinsamen Stimme Europas in den internationalen Finanzinstitutionen?
Karlsruhe locuta, causa finita? Ach, woher! Europa wird, mit zahlreichen Rückschlägen und durch tiefe Krisen hindurch, als sich integrierender Staatenverbund weiter voranschreiten, ob Karlsruhe dies gefällt oder nicht. Denn dies ist und bleibt das wichtigste Projekt für uns Deutsche und Europäer.
- Datum 10.07.2009 - 16:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
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Joschka Fischer hat gesagt Die Grundlage des Verfassungs- wie des Lissabon-Vertrags ist der Staatenverbund mit integrativen und demokratischen Elementen in seinen Institutionen. Mehr Transparenz und demokratische Repräsentanz nach innen und mehr Geschlossenheit und Effizienz nach außen zur Wahrung der gemeinsamen Interessen von Mitgliedstaaten und Bürgern zu schaffen sind die zentralen Ziele beider Verträge.
Es ist schon grundsätzlich absurd eine Verfassung mit einem Vertrag zu vergleichen und dann noch demokratischen Elementen zu sprechen. Es ist eben so, dass absolut nichts transparent ist. Und was meint er mit gemeinsamen Interssen?
Dann folgt der nächste Hammer Das bedeutet aber nicht weniger, als die Regierungen ausgerechnet im Namen von Demokratie und Volkssouveränität zu stärken – und das ist absurd.
Demokratie ist also absurd? Und da soll man noch sachlich bleiben und nicht ausflippen? (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Bernauheim, man muss ihnen wiedersprechen. Eine Verfassung mit einem Vertrag zu vergleichen ist nicht im geringsten absurd, sondern in der Politikwissenschaft gang und gebe.
Zu bestreiten, dass die EU-Staaten gemeinsame Interessen besitzen, ist einfach nur grober Unfug.
Und ihren letzten "Hammer" haben sie wohl einfach nicht verstanden.
"Das bedeutet aber nicht weniger, als die Regierungen ausgerechnet im Namen von Demokratie und Volkssouveränität zu stärken – und das ist absurd."
Fischer sagt hier, dass es absurd ist, im namen von Volkssouveränität und Demokratie gerade die REGIERUNGEN zu stärken und genau das ist bei der intergouvernementalen Version der Integration der Fall - Stichwort Exekutivföderalismus. Der Satz ist also ein Plädoyer FÜR Demokratie und Volkssouveränität.
Bernauheim, man muss ihnen wiedersprechen. Eine Verfassung mit einem Vertrag zu vergleichen ist nicht im geringsten absurd, sondern in der Politikwissenschaft gang und gebe.
Zu bestreiten, dass die EU-Staaten gemeinsame Interessen besitzen, ist einfach nur grober Unfug.
Und ihren letzten "Hammer" haben sie wohl einfach nicht verstanden.
"Das bedeutet aber nicht weniger, als die Regierungen ausgerechnet im Namen von Demokratie und Volkssouveränität zu stärken – und das ist absurd."
Fischer sagt hier, dass es absurd ist, im namen von Volkssouveränität und Demokratie gerade die REGIERUNGEN zu stärken und genau das ist bei der intergouvernementalen Version der Integration der Fall - Stichwort Exekutivföderalismus. Der Satz ist also ein Plädoyer FÜR Demokratie und Volkssouveränität.
Aber sicher kann der liebe Ex-Aussenminister, mit Dachlatten auf Polizisten prügelnde Fischer sich einen Kommentar zu dem Urteil in Karlsruhe nicht verkneifen. Und wie meistens, wenn die sogenannten pro-EU Politiker das Wort ergreifen, wird gekonnt vernebelt und getäuscht.
Unglücklicherweise für unsere Politiker haben wir eben leider ein Grundgesetz und eine letzte Kontrollinstanz in Gestalt des Bundesverfassungsgerichts. Und sehr viele Punkte aus der Begründung des Urteils sind, im Gegensatz zum nicht-Juristen Fischer (von seinen sonstigen Qualifikationen sprechen wir lieber nicht), mir schon sehr plausibel.
Allein die Frage der demokratischen Legimitationsprinzipien, z.B. ein Wähler, eine Stimme ist in Europa nicht mehr gegeben. Auf die anderen Punkte des Vertrages möchte ich nicht eingehen, aber wer meint solche Entscheidungen mit einem weiter so zu ignorieren und letzlich nur seine eigenen Interessen durchsetzen zu können vermöchte, wird irgendwann auf den Boden der Realität zurückgeholt.
In meiner persönlichen Meinung, um abschließend noch einen Kommentar zu machen, war Fischer eh die größte Blamage, welche sich Deutschland als Aussenminister geleistet hat.
...Herrn Fischer, allerdings übersieht er, daß der Rückhalt der EU und insbesondere des Lissabonner Entwurfs in der Bevölkerung eher gering ist.
Insbesondere die Tatsache, daß einige Länder abstimmen dürfen, während anderen diese Stellungnahme verweigert wird, und wieder andere so lange abstimmen müssen, bis es paßt, trägt erheblich zum Verdruß bei.
Ob Karlsruhe ein salomonisches Urteil gesprochen hat, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls haben die Richter ein Instrument angemahnt, das es wenigstens unseren Parlamentariern erlaubt auf Entscheidungen einzuwirken.
Daran ist nichts rückwärtsgewandt, im Gegenteil.
...bleiben Sie sachlich, ...vermeiden Sie Polemik, ...werden Sie nicht beleidigend
Schon doof, wenn die neue Autobahn für die Industrie wegen so ein paar popeliger Demokratiedefizite nicht befahren werden darf.
Da hatte Herr Fischer zusammen mit Towarisch Schröder und der stummen Laienschar von SPD und Grünen doch alles so schön eingefädelt.
Und nun fährt ihm das Verfassungsgericht in die Parade.
So ein Mist aber auch.
(Ach, und ich finde es immer wieder interessant, was etwas Macht und Geld aus einem Menschen machen.) (entfernt. Bitte bleiben Sie in Ihrer Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
Wollen wir eine demokratische und demokratisch legitierte EU inc. aller bürgerlichen Rechte und Kontrollmechanismen und wollen wir auch nur soetwas akzeptieren?
Oder wollen wir die Vorstellungen eines Fischers & Co, wie sie sich z. b. in der jetzigen EU manifestieren weiter vertiefen udn demokratie zugunsten einer selbstgerechten Politikerkaste abschaffen?
Wollen wir eine demokratische und demokratisch legitierte EU inc. aller bürgerlichen Rechte und Kontrollmechanismen und wollen wir auch nur soetwas akzeptieren?
Ja!
Wollen wir eine demokratische und demokratisch legitierte EU inc. aller bürgerlichen Rechte und Kontrollmechanismen und wollen wir auch nur soetwas akzeptieren?
Ja!
Bernauheim, man muss ihnen wiedersprechen. Eine Verfassung mit einem Vertrag zu vergleichen ist nicht im geringsten absurd, sondern in der Politikwissenschaft gang und gebe.
Zu bestreiten, dass die EU-Staaten gemeinsame Interessen besitzen, ist einfach nur grober Unfug.
Und ihren letzten "Hammer" haben sie wohl einfach nicht verstanden.
"Das bedeutet aber nicht weniger, als die Regierungen ausgerechnet im Namen von Demokratie und Volkssouveränität zu stärken – und das ist absurd."
Fischer sagt hier, dass es absurd ist, im namen von Volkssouveränität und Demokratie gerade die REGIERUNGEN zu stärken und genau das ist bei der intergouvernementalen Version der Integration der Fall - Stichwort Exekutivföderalismus. Der Satz ist also ein Plädoyer FÜR Demokratie und Volkssouveränität.
Grundsätzlich! Ich bin kein EU-Gegner.
> Zu bestreiten, dass die EU-Staaten gemeinsame Interessen besitzen, ist einfach nur grober Unfug. <
Dass die Staaten (Regierungen) gemeinsame Interessen haben ist sicherlich unstrittig, aber hier geht es um Demokratie und es steht absolut nicht fest, dass die Bürger der Staaten gemeinsame Interessen haben.
Wenn wir in diesem Zusammenhang dann von Demokratie sprechen muss der Vertrag mit einem Volksentscheid legitimiert werden.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Grundsätzlich! Ich bin kein EU-Gegner.
> Zu bestreiten, dass die EU-Staaten gemeinsame Interessen besitzen, ist einfach nur grober Unfug. <
Dass die Staaten (Regierungen) gemeinsame Interessen haben ist sicherlich unstrittig, aber hier geht es um Demokratie und es steht absolut nicht fest, dass die Bürger der Staaten gemeinsame Interessen haben.
Wenn wir in diesem Zusammenhang dann von Demokratie sprechen muss der Vertrag mit einem Volksentscheid legitimiert werden.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Es gibt auch noch einen anderen erfolgreichen Staatenbund: Die Vereinigten Staat von Amerika. Ursprünglich war dort der US-Präsident auch nur als Bundesstaaten übergreifender Representant gedacht bei voller souveränität der Bundesstaaten ... und heute. Der immernoch bestehende US-amerikanische Staatenbund wird als ein Staat wahrgenommen, mit entsprechender Volksvertretung und Regierung.
Und auf Dauer wird auch dies durch die Veränderung von Gesetzen oder Verfassungsgesetzen auch in Europa so sein.
Das gute der Karlsruherentscheidung ist, dass dies jetzt deutlicher, klarer, eindeutiger und wesentlich konformer mit dem Grundgesetz passieren muss.
Es gibt ja auch den Artikel 146 des Grundgesetzes:
"Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist."
Dieser Artikel steht bei einem solchen Beschluß auch über die im GG verankerten "Ewigkeitsklauseln" und macht ein Volksabstimmung zur Annahme einer EU-Verfassung möglich.
Mit anderen Worten: Journalisten sollten auch Recht und Staatsrecht in ihrer Ausbildung haben um kompetenter mitreden zu können.
... als "erfolgreichen" Staatenbund zu bezeichnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Immerhin ist es die Stärke dieses Staatenbundes, der die USA zum kriegerischsten Land der Welt gemacht hat. Offenbar streben einige Politiker ähnliche Ziele mit der EU an, wenn sie von "gebündelten Interessen" sprechen. Was anderes als "Pistole auf die Brust" soll das sein?
Davon abgesehen, dass die USA nicht dasselbe Geschichts-, Mentalitäts- und Sprachenwirrwar haben wie wir in Europa, sind sie überdies weder in demokratischer, noch in sozialer Hinsicht irgendwie ein Vorbild.
Man sollte die USA anschauen und aus diesem furchtbaren Fehler lernen. In unserem Fall heißt das: ein europäischer Zentralstaat muss unbedingt verhindert werden! Europäische Zusammenarbeit, Frieden, Handel (wo sinnvoll für beide), Standards etc: immer gerne. Aber bitte bleiben wir bei einer sinnvollen Größe, dem Nationalstaat. Im Falle von Deutschland ist die sowieso schon an der oberen erträglichen Grenze, wenn ich nur an das ständige Förderalismusgezänk denke.
Wer den Weg in eine größere Kontrollinstanz für evolutionär hält und alle Gegner für rückständige Idioten, der soll mir folgende Fragen ehrlich beantworten:
1) führt mehr Größe zu mehr Frieden? (vor allem nach außen?)
2) führt mehr Größe zu mehr Demokratie?
3) führt mehr Größe zu mehr Effizienz und Bürgernähe?
4) In welchen großen Ländern ist die Lebensqualität und Zufriedenheit ähnlich hoch wie in so kleinen Ländern, wie etwa der Schweiz, Schweden, etc.?
Genau. Und was waren nochmal die schlagenden Gründe für einen europäischen Zentralstaat? Dass es keine Grenzkontrollen mehr gibt und ich überall mit dem Euro zahlen kann? NA DAS IST ES ABER WERT!
... als "erfolgreichen" Staatenbund zu bezeichnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Immerhin ist es die Stärke dieses Staatenbundes, der die USA zum kriegerischsten Land der Welt gemacht hat. Offenbar streben einige Politiker ähnliche Ziele mit der EU an, wenn sie von "gebündelten Interessen" sprechen. Was anderes als "Pistole auf die Brust" soll das sein?
Davon abgesehen, dass die USA nicht dasselbe Geschichts-, Mentalitäts- und Sprachenwirrwar haben wie wir in Europa, sind sie überdies weder in demokratischer, noch in sozialer Hinsicht irgendwie ein Vorbild.
Man sollte die USA anschauen und aus diesem furchtbaren Fehler lernen. In unserem Fall heißt das: ein europäischer Zentralstaat muss unbedingt verhindert werden! Europäische Zusammenarbeit, Frieden, Handel (wo sinnvoll für beide), Standards etc: immer gerne. Aber bitte bleiben wir bei einer sinnvollen Größe, dem Nationalstaat. Im Falle von Deutschland ist die sowieso schon an der oberen erträglichen Grenze, wenn ich nur an das ständige Förderalismusgezänk denke.
Wer den Weg in eine größere Kontrollinstanz für evolutionär hält und alle Gegner für rückständige Idioten, der soll mir folgende Fragen ehrlich beantworten:
1) führt mehr Größe zu mehr Frieden? (vor allem nach außen?)
2) führt mehr Größe zu mehr Demokratie?
3) führt mehr Größe zu mehr Effizienz und Bürgernähe?
4) In welchen großen Ländern ist die Lebensqualität und Zufriedenheit ähnlich hoch wie in so kleinen Ländern, wie etwa der Schweiz, Schweden, etc.?
Genau. Und was waren nochmal die schlagenden Gründe für einen europäischen Zentralstaat? Dass es keine Grenzkontrollen mehr gibt und ich überall mit dem Euro zahlen kann? NA DAS IST ES ABER WERT!
... man muss fast allen Kommentaren hier unvernunft und kurzsichtigkeit, bzw. Unkenntnis der Materie unterstellen. Armes Europa.
Jetzt fällt es mir auf einmal wie Schuppen von den Augen. Danke für Ihren erleuchtenden Kommentar! Natürlich haben die wenigsten Ahnung von dem Thema, ganz im Gegensatz zu Ihnen - und dann sind Sie auch noch so bescheiden, Ihre Ahnung nicht zur Schau zu stellen, sondern bloß eine kleine Phrase zu dreschen.
...Ihrem, natürlich.
Sie Glücklicher!
...bleiben Sie sachlich, ...vermeiden Sie Polemik, ...werden Sie nicht beleidigend
Jetzt fällt es mir auf einmal wie Schuppen von den Augen. Danke für Ihren erleuchtenden Kommentar! Natürlich haben die wenigsten Ahnung von dem Thema, ganz im Gegensatz zu Ihnen - und dann sind Sie auch noch so bescheiden, Ihre Ahnung nicht zur Schau zu stellen, sondern bloß eine kleine Phrase zu dreschen.
...Ihrem, natürlich.
Sie Glücklicher!
...bleiben Sie sachlich, ...vermeiden Sie Polemik, ...werden Sie nicht beleidigend
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