Stilkolumne Können Jogginghosen chic sein?
Unser Kolumnist fragt: Wie trägt man den Schlabberlook?
Kann eine Jogginghose Mode sein? Sie war es schon immer. In den achtziger Jahren war sie das Symbol für Fitness und Aerobic. Wer eine Hose mit den drei adidas-Streifen trug, war in Bewegung. Kaum galt die Jogginghose als allgemein anerkannt, wurde sie zum Symbol für das Gegenteil. Denn in einer Trainingshose konnte man auch sportlich aussehen, ohne sich überhaupt zu bewegen.
So wurde die Sporthose zum Wahrzeichen der Bequemlichkeit. Jogginghosen trugen Menschen, die sich nicht regen wollten. Zumindest nicht weg vom Fernseher. Und wenn sie das doch einmal tun mussten, nahmen sie dies nicht zum Anlass, ein anderes Beinkleid anzuziehen. Wer mit Jogginghose herumlief, teilte mit, dass er nicht viel Wert darauf legte, was andere von ihm hielten.
Das wiederum machte die Jogginghose auch zum Bestandteil der Hip-Hop-Szene. Deren Mitglieder zeichneten sich nämlich dadurch aus, dass sie sich jeder bürgerlichen Konvention entzogen und im Gegenteil den Look der Straße pflegten. Mittlerweile hat die Szene längst verstanden, dass man seinen Sonderstatus viel besser in schicken Anzügen feiern kann.
Die Jogginghose hat das nicht aus der Mode verbannt. Nach einigen Jahren, in denen nur Otto Rehhagel sie noch trug, ist sie nun zurück: Ganz oben. Madonna lässt sich im Trainingsanzug sehen. Der Designer Michael Michalsky lobte kürzlich Jogginghosen als Ausgehkleidung: "Das kann geil sein, wenn man sie mit einem Jackett und einem guten T-Shirt kombiniert." Die Marke Juicy Couture präsentiert sogar Modelle aus Kaschmir.
Nur eines ist sie nicht mehr: entspannt. Denn leider lässt sich nicht so einfach unterscheiden, ob jemand die Trainingshose aus modischem Bewusstsein auf der Straße trägt oder weil ihm vor dem Fernseher klar geworden ist, dass das Bier alle ist. Wer eine Jogginghose trägt, muss folglich umso mehr auf die Kombination achten. Wenn das lässige Kleidungsstück mit einem anderen schluffigen Teil getragen wird, sieht man schnell aus wie jemand, der nicht die letzte Mode am Leib trägt, sondern eher wie jemand, der noch nie etwas von Mode gehört hat. So ist die früher einmal lockere Hose heute das anstrengendste Kleidungsstück überhaupt. Wie viel ungezwungener lässt sich im Gegensatz dazu ein Jackett kombinieren.
- Datum 08.09.2009 - 11:00 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
- Kommentare 5
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mit einer Jogginghose kann man sich überall hinflätzen und sie ist bequem.
Ich jedenfalls fühle mich wohl in meiner Jogginghose.
...sind modisch tatsächlich in den meisten Fällen fatal. Sie ausserhalb von Campinganlagen zu tragen zeugt in den meisten Fällen von einem problematischen Verhältnis zum eigenen Körper und zu Kleidung an sich.
Mit Madonna in Jogginghose verhält es sich vermutlich ähnlich wie mit Julian Schnabel im Schlafanzug - kann man machen, sieht aber nicht wirklich gut aus.
Das wiederum machte die Jogginghose auch zum Bestandteil der Hip-Hop-Szene. Deren Mitglieder zeichneten sich nämlich dadurch aus, dass sie sich jeder bürgerlichen Konvention entzogen und im Gegenteil den Look der Straße pflegten. Mittlerweile hat die Szene längst verstanden, dass man seinen Sonderstatus viel besser in schicken Anzügen feiern kann.
Die globale Hip-Hop Kultur als "Szene" zu umfassen ist heute nicht minder präzise als den Mont Blanc als "Häufchen Steine" bezeichnen zu wollen. Aber gut, warscheinlich ist "die Szene" in den Köpfen zementiert wie Hunde verspeisende Schi-nesen.
Was sie aber nicht ist, als Anti Bewegung entstanden und emanzipiert. Nicht um Sonderstatus geht es, nicht um Exklusivität, um Inklusivität! Mit 35 einen anderen Kleidungsstil zu pflegen als mit 15 lässt sich besser mit gesellschaftlichem Zwang und "Reife" begreifen.
Und schlussendlich, der "harte Kern", der noch am ehesten dem Prädikat Szene gerechtfertigt zu sein scheint, lässt sich nicht von sich selbst, sprich der Jogginghose abbringen. Auch von Sneakern nicht. Stattdessen inzwischen breitengesellschaftlich als Stiefkind gehätschelt , street style die Inspiration für inspirationslose Modeschöpfer. street art, kleine Schwester des Graffitiwriting, aus der Wand gehackt, meistbietend versteigert.
Worum es mir geht, jedes Wort des Artikels ist landläufiges Cliché, belangloses Geseiere, keine Recherche, keine Analyse, kein Journalismus. Das macht die Masse der "professionell" erzeugten Artikel im Netz aus. Journalisten eine aussterbende Spezies. In den Beiträgen der Kommentierenden, Verwaltungsangestellten, Zahnärzten, Dachdeckern, finden sich meistens jeweils mehr Wahrheiten als im kommentierten Sud des Verfassers.
Ich wünsche mir von der Zeitung in Zukunft mehr journalistische Beiträge.
Danke
eine Revolution findet nicht statt aber gut zu wissen das auch dieser Style mal genauer betrachtet wird
als Fortsetzung der Legginsproblematik sozusagen
was kommt nun auf uns zu...die Radlerhose als Partylook?
dazu ein Aufstand der Krachledernen
Banalitäten können manchmal erfrischend sein
schönen Tag
nein, NEin, NEIN
Jogginghosen ausserhalb von Turnhallen oder anderen ähnlich gearteten Hallen, Aussenplätzen?
Bitte nicht. Schon die allgegenwärtigen Leggins sind ja mehr als grenzwertig!
Gruess us dr Schwiz
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