Wer den eigenen Körper von Zeit zu Zeit in ein Folterwerkzeug einspannt und darin bewegt, bis Schmerz und Erschöpfung die Wahrnehmung der Außenwelt auf einen Ausschnitt von wenigen Quadratmetern Asphalt reduziert, der sollte der Öffentlichkeit von dieser Leidenschaft wohl besser möglichst wenig mitteilen. Andererseits bahnt sich in dem fraglichen Milieu gerade eine Revolution an, die in einigen Jahren unseren Alltag verändern wird – da mag, pünktlich zur Tour de France, eine Veröffentlichung aus der Welt des Radsports ausnahmsweise einmal angezeigt sein.

Zumal es, Überraschung, nicht um eine neue Errungenschaft der Pharmakologie geht, sondern um Fahrradtechnik, genauer gesagt: um eine Gangschaltung.

Wie bitte, eine Gangschaltung? Und was soll daran revolutionär sein?

Sie geht elektronisch.

Ach so.

Für einen Rennradfahrer ist eine Gangschaltung an sich nicht sonderlich interessant. Unterwegs nimmt er bei gemächlicherer Fahrweise die Landschaft wahr, sonst vor allem seinen Vordermann, der ihn vor dem Fahrtwind schützt, durch Ungeschick aber auch schnell zu Fall bringen kann. Hat er in mehr oder minder beklagenswertem Zustand sein Ziel erreicht, dann wird er über seine Gangschaltung kaum mehr zu sagen wissen, als dass seine Hände an den Schalthebeln wohl irgendwie die nötigen Griffe ausgeführt haben.

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Natürlich gibt es Fachzeitschriften mit Anzeigen großer Komponentenhersteller, in denen diese Phänomene wie die »Schaltperformance« mit Prädikaten wie »geschmeidig« zu beschreiben pflegen. Und wahrscheinlich gibt es in der wunderlichen Welt des Radsports sogar Menschen, die solche Eigenschaften zu schätzen wissen. Für uns andere aber muss eine Gangschaltung funktionieren, dann sind wir schon zufrieden.

Die Elektroschaltung Shimano Dura Ace Di2, die mindestens so futuristisch aussieht, wie sie heißt, funktioniert, was insofern bemerkenswert ist, als das für frühere Versuche, Fahrräder elektronisch zu schalten, nicht ohne Weiteres zutraf. Angeblich haben sich Radprofis vier Jahre lang mit Prototypen herumärgern müssen. Die Mühe war nicht vergebens.

Die Di2 funktioniert sogar sehr schön. Wo sonst die Schalthebel sitzen, befinden sich nun Tasten, deren Form aber, wohl aus nostalgischen Motiven, den alten Hebeln nachempfunden ist. Zwei davon sind elastisch und imitieren so das alte Schaltgefühl, das entstand, weil früher allerlei Federn und Federchen mit Muskelkraft ge- und entspannt werden mussten.